Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1917)
- Date
- 1917-08-24
- Page
- Seite 401 (sequence 5)
- Language
- German
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401 Leszynsky seine früheste Kindheit; in den strengen frommen Traditionen der damaligen Zeit wurde er groß. Die Jugend war nnr kurz. Bald nach der Einsegnung verlies; er bereits das Elternhaus; er ergriff nicht den Beruf seines Vaters, der wenig beneidenswerte Aussichten bot. Er ging als Kaufmann nach England und Amerika, wo er lange Jahre blieb und sich dort den Praktischen Blick, die Weltgewandtheit und das Organisationstalent aneignete, denen er seine späteren geschäftlichen Erfolge verdankte. Bald nach seiner Rückkehr nach Deutschland trat er in die Dienste der Victoria zu Berlin, deren ungeheuren Aufschwung er mitbegründete und bei der er in ungebrochener Arbeitskraft bis zum Tage seines Todes als SubdirÄtor tätig war. Bei allen seinen geschäftlichen Erfolgen vergaß er seine Herkunft nicht. Das Wohl der jüdischen Lehrerschaft lag ihm besonders am Herzen. In einer Zeit, in der an ein Pensivnsgesetz fiir Lehrer und Angestellte noch nicht zu denken war, in der der jüdische Lehrer und Gemeindebeamte nur mit schwerer Sorge an die Zeit des Alters, der Arbeitsunfähigkeit und an das Schicksal seiner Hinterbliebenen bei einem frühen Tode denken konnte, mußte die private Fürsorge an die Stelle der sozialen Gerechtigkeit treten. Im Jahre 1883 vermittelte S. I. Leszynsky den Abschluß eines Vertrages zwischen der Victoria und dem' Deutsch - Israelitischen Gemeindebund und gründete die Friedrich - Wilhelm - Victoria- Stiftung, die jüdischen Lehrern und Gemeindebeamten Beihilfen zu Lebensversicherungen gewährt. Unendlichen Segen hat diese Stiftung in den langen Jahren ihres Bestehens verbreitet, vielen geistig Schaffenden die Sorge um die materielle Zukunft erleichtert. Durch die Friedrich - Wilhelm- Bictoria-Stiftung kam Leszynsky in enge Berührung mit dem Deutsch- Israelitischen Gemeindebund, an dessen Arbeiten er sich in der Eigenschaft als Delegierter lebhabt betätigte. Wie es seine Art war, trat er wenig mit glanzvollen Reden in der Oefsentlichkeit hervor — obwohl er ein guter Redner war —, aber wo es galt zu arbeiten, im Bureau, bei der Revision der Kasse fand man ihn immer am Platze. Deshalb, nicht weniger als wegen seiner stets offenen Hand, wandten sich immer neue Institutionen an ihn, um ihn zur Mitarbeit zu veranlassen: der Jüdische Lehrerverband, in dessen Kuratorium er war, das Kurhospital in Kolberg, die Philipp-Baehr-Goldschmidt-Stiftung, der Synagogenverein an der Potsdamer Brücke, dessen langjähriger Vorsitzender er war, Ehren, die er nicht suchte, die er aber als verantwortliche Pflicht betrachtete. Besonders viel verdankte ihm das Rabbinerseminar in Berlin, für dessen materielle Bedürfnisse er als Kurator wie kein zweiter sorgte, und das Beth Hamidrasch, die älteste, ehrwürdigste Lehranstalt der Jüdischen Gemeinde, dessen Präsident er lange Jahre bis zu seinem Tode war. Ueberall vertrat er treu die Anschauungen, in denen er im Vaterhause groß geworden war. So streng er aber gegen sich selbst war, so duldsam war er gegen andere. Für ihn war keine Blühe zu groß, wenn es seine jüdische Pflicht erforderte. Erging an Festtagen und Sabbaten vom Grunewald aus bis nach Berlin in die Synagoge, einen Weg von VA Stunden. Er richtete sich in seiner Villa einen Bctramn, eine kleine Synagoge, ein, er reiste vor vielen Jahren als einer der ersten nach Palästina, mit die heiligen Stätten aufzusuchen, er hielt streng den Sabbat, der für ihn in seinem Familienkreise ein Festtag, ein Tag der Weihe und der Freude war, und alles das mit rührender Pietät, mit einer selbstverständlichen Einfachheit, mit dem frohen Sinn, der ihm eigen war, und deshalb wirkte er vorbildlich, beispielgebend und manchem seiner Freunde und Bekannten, auch Christen, ging die Schönheit jüdischer Sitten und Lehren erst auf, wenn er sah, wie dieser Mann sie lebte und fühlte. Neben der trauernden Familie umgab eine große Zahl treuer Freunde die Bahre und gab einem wahrhaft frommen Manne das letzte Geleit. Sein Andenken wird nicht verloschen und segenspendend weiterwirken! R. I,. Lriegslitrratur. X. je unter diesen: Titel früher erschienenen Uebersichten') hüben manche Verleger veranlaßt, dem Unterzeichneten Broschüren und Werke, die den Krieg behandeln, zuzuschicken, Ich versuche daher auch heute wieder, um das in urich gesetzte Vertrauen der Verleger nicht zu täuschen, eine Zusammenstellung der verschiedenen Schriften zu geben. In dem ersten Abschnitt sollen solche Arbeiten behandelt werden, die es ausschließlich mit jüdischen Dingen zn tmt haben: in dem zweiten diejenigen, in denen von Inden mir gelegentlich die Rede ist; den Schluß macht ein dritter, eigentlich nnr ein Aachwort, >n dem ganz kurz ans die allgemeine Kriegsliteratnr hingewiesen wird, >n der von Inden nichts vorkommt. I. Kriegspredigten mögen den Neigen Auerbach-) knüpft all i edensa ngebot n nferes Kai sers an, feiert ihn als Friedensfürsten, gibt, an das Wort Moses von dem verstockten Herzen Pharaos sich anlehnend, der Versicherung der Treue lebhaften Ansdruck llnd verkündet die Hoffmmg, daß die Feinde das Schicksal Pharaos ereilen werde. Weniger eine Kriegspredigt als eine im Kriege gehaltene Predigt liefert Neuwirtl/). Er gedenkt aber wenigstens des Krieges, bemüht sich jedoch Haupt sächlich, die Bedeutung mii> die Ei uro ihn ng unserer Feste darznlegen, zugleich zn er )v äh neu und 311 verkünden, daß nicht Denken und Zweifeln den Glauben gefährde, sondern „Gedankenlosigkeit, Leichtsinn und Oberflächlichkeit" seine schlimmsten Feinde sind. Tein Andenken an den Kaiser Franz Josef voll Oesterreich sind H Tie früheren Abschnitte über Kriegsliteratnr sind abgedruckl im Iahrg. 1915: Nr. 17. S. 200/02; Nr. .19, S. 222/24; Nr. 21. S. 248/49; Nr. 24, S. 282/8.-1; Nr. 28, S. »29/31; Nr. »5, S. 417/19; Nr. 3(5. S. 427/29; Nr. 4», S. 512/15; Nr. 48, S. 571/74. 2) Ter Trotz unserer Feinde. Predigt an« Kaisersgeluivtstag 1917, gehalten voll Rabbiner Tr. Auerbach. Truck von Reinhold Kühn, Elbing. *) Unsere Feste. Rede zn Schemini-Azeretb von Rabbiner Tr. S. Neu-: wirth, Bingen a. Rh., Frankfurt a. M„ Verlag von I. Kanssmann, 19115. S. I. Leszynsky geb. 20. September 1844, gest. 4. August 1917. D beginnen, das F