Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1917)
- Date
- 1917-08-24
- Page
- Seite 400 (sequence 4)
- Language
- German
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400 de« Vorsitzenden des Exetntivtomitees, Nathan Straus, im Aeolinnoebände statt. Ter Antrag auf Verschiebung des Kongresses ging von Richter Julian W. Mack von Chicago ans, der ihn mit den Mitteilungen begründete, die Rabbi Stephen S. Wise über eine diesbezügliche Konferenz mit Präsident Wilson gemacht hatte. Unter denen, die außer Richter Mack und Rabbi Wise dafür stimmten, waren >uckob H. Schiff, Oberst -parrh C u t l e r und Joseph Baron d e ß. Präsident Wilson, erklärte Rabbi Wise, ist der Ueberzengnng, daß der Kongreß mit den Zielen und der Politik der Regierung übereinstimmen und ihre Durchführung fördern wird. Tie Verschiebung bis zu der Zeit, in der der nationale Kongreß nicht in Sitzung sein wird, wird vielen Mitgliedern die Beteiligung ermöglichen, die andernfalls durch Regierungs- Geschäfte in Anspruch genommen sein würden. Oberst Cutter gab 'einer persönlichen Hoffnung Ausdruck, daß Mitglieder der russischen Kommission mit den Teilnehmern am Kongreß in Fühlung treten möchten. Z a r Ferdi n a n d v o n B it i g a r i e n b c g i n g sei n ti v c i fc i fl i (i l) r i i\ c * -)i e fl i c r » n fl * j 11 b i I ä » m , und zivischen flnt vernvtivvrtlichen Stcicitsleiternder verbündeten Mittelmächte wurden nutz diesem Anlaß herzliche Telegramme gewechselt. Der hohe Jubilar hat seine Herrschergnalitäten in hohem Maße bewiesen. Die Fortschritte, die Bulgarien in den verflossenen Jahrzehnten flemacht hat. haben Land und Herrscher innifl verbunden. Mit besonderem nnd bercchtifltem Vertrauen blicken seine jüdischen Landeskinder auf den Zaren Ferdinand, der ihnen sein flerechtes Wohlwollen stets bewiesen hat. Unbeirrt durch die auch in Bulgarien unter dem Einfluß de» alten Rußlands betriebene antisemitische Propaganda hat •Acmifl Ferdinand die Rechte seiner jüdischen Untertanen geschützt und wiederholt seine wahrhaft tolerante Gesinnung bcivicsen. Im Jahre l010, gerade als in Bulgarien von russischen Agitatoren versucht wurde, eine judenfcindliche Beivegung zu inszenieren, antisemitische Zeitungen gegründet und jndeiifeiridliche Broschüren verteilt wurden, hat der zu dieser Zeit aus einer europäischen Rundreise begriffene König Ferdinand als Gast bei dem berühmten französischen Gelehrten Joseph Rein ach, einem Milgliede der französischen Kammer, geweilt und nachher seinen jüdischen Gastgeber als einen der geistreichsten Männer Frankreichs bezeichnet. Bezeichnend für die Anschauung des Königs ist seine Aenßerung gegenüber dem Deputierten Farchi. Dieser war im Jahre 1011 auf einem Ausfluge in 'die Umgebung von Tirnowo der Gast des Königs. Er wurde von demselben in ein längeres Gespräch gezogen, und als er gelegentlich bemerkte, daß er der erste jüdische Deputierte in Bulgarien sei, antwortete König Ferdinand sichtlich erfreut, daß er stets ein Anhänger des Prinzips der Gleichberechtigung aller Bürger Bulgariens ohne Unterschied der Konfession oder Ration gewesen sei. * Zum Schluß folgende Zuschrift: Am >8. d. M. war ein Vierteljahrhundert seit dem Tode der beliebten jüdischen Dichterin Elise H e n l e»vergangen. Elise Heule wurde 1830 in München geboren; sie entstammt einer hochangcsehenen Familie, zu deren Vorfahren der Bamj berger Distriktsrabbiner Löb Berlin gehört. Sie wurde mit ihrem Bruder, dem späteren Abgeordneten Hofrat S i c g - in nnd Henle, gemeinsam erzogen und unterrichtet. Erst nach ihrer Verheiratung nrit dem Fabrikanten Leopold Levy in Eßlingen begann sie ihre literarische Produktion. Ihre erste Arbeit gelangte ohne ihr Wissen zum Druck, sie behandelte einen jüdischen Stoff; ein junger Beamter hatte einem jüdischen Kaufmann in einem öffentlichen Lokal zugerufen: „Jude, Hut ab!" Die junge Frau gab ihrer Ent- > rüstung über diese Roheit in einem Gedichte Ausdruck, das von befreundeter Seite unter dem Titel „H u t a b!" in der „Allgemeinen Zeitung des Judentum s" veröffentlicht wurde. Damit war ihre Scheu vor der Lefsentlichkeit gebrochen. Ihre ersten Erzählungen: „Die Wacht am Rhein" und „Das zweite I ä g e r b a t a i l l 0 n" erschienen anonym; dann debütierte sie mit einigen Arbeite» im Stil der schwäbischen Dorfgeschichten. Erst ihr 1878 entstandenes Lustspiel „Durch die I n t e n d a n z", das mit dem ersten Preis aus einer auf Veranlassung von H e i n r i ch L a 11 b e ausgeschriebenen Wiener Konkurrenz mit 450 anderen Bewerbern hervorging, machte sie weiteren Kreisen bekannt. Dieses Lustspiel ging mit großem Erfolg über zahlreiche Bühnen und bahnte dadurch auch den anderen Werken der Verfasserin den Weg. Erfolge brachten ihr besonders die politische Komödie „Der zweite S e p t e m b e r" nnd der „Erbonkel". Elise Henke stellte auch ein gern benutztes j Sammelwerk „W a s soll ich deklamieren" zusammen, das Ende der achtziger Jahre sehr beliebt war. Elise Henle war eine tief religiöse Natur, die in der Erfüllung ihrer Pflichten als Gattin nnd Mutter ihrer einzigen Tochter ihre Lebensaufgabe sah. Ein sonniger, überlegener Humor machte sic zum Mittelpunkt des erlesenen Kreises, den sie im Hanse ihres Gatten um sich versammelte. Sie starb am 18. August 1802 im Alter von 62 Jahren in Frankfurt a. M. s. I. Lekynlky. mein set. Vater ist am 4. August kurz nach Sabbatausgang plötzlich, ohne vorher krank gewesen zu sein, sanft entschlafen. Am Morgen war er noch heiter zum (Gottesdienst gegangen, war zur Thora getreten, abends, eine balbe Stunde vor feinem -Tode hatte er noch in der Unterbaltung von dem Vers gesprochen, den ihm sein Vater bei dec Einsegnung mit auf den Lebensweg gegeben hatte: „Groß ist der Frieden derer, die Deine Lehre lieben: sie straucheln nicht." Wenige Mimcken später war der große Frieden über ihn selbst gekommen. Man nannte einen solchen Tod früher einen Kuß Gottes. Es ist vielleicht ein merkwürdiger Zufall, daß dieser Veis wirklich ein Motto seines Lebensweges geworden ist. Gleichmäßig, ohne Straucheln ist sein Leben dahingegangen, das neben der Arbeit dem Frieden, der Liebe und der jüdischen Lehre geweiht war. Tief im alten Ueberlieferten wurzelnd, hat er durch seine Liebe, durch seine herzgewinnende Freundlichkeit, durch die Güte, die aus seinen Augen und aus seinem Munde sprach, alle Richtungen versöhnt und Frieden gestiftet, irnd an seinem Grabe trauern Orthodoxe und Freisinnige, Zionisten und Liberale, Juden und Christen. Bei all dem Bedeutenden, das er für die Allgemeinheit geleistet hat, ist vielleicht auch der Schimmer dieser edlen, guten Persönlichkeit das, was am stärksten in aller Zukunft fortwirkt und beispielgebend in unendlicher Reihe die Zeiten überdauert. Sallh Leszhnskh stammte aus einem alten, jüdischen Gelehrtengeschlecht. Großvater und Urgroßvater waren Rabbiner in der Provinz Posen und die älteren Glieder der Familie bis hinauf ins 16. Jahrhundert, wo sich der Stammbaunl der Familie im Dunkel verliert, gehörten der jüdischen Wissenschaft an. Der Vater des Verstorbenen, Josua Leszhnsky, kam in jungen Jahren als Lehrer nach Ostfriesland und später nach Hameln a. d. W., wo er bis zu seiner Pensionierung als religiöser Leiter seiner Gemeinde verblieb. Hier wurde ihm am! 20. September 1844 sein einziger Sohn Sallh geboren. In j den kleinen Verhältnissen einer westdeutschen Kleinstadt, in i beut frommen Hause eines jüdischen Lehrers verlebte Sallh