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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-08-17 · Heft 33 (17.8.1917) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 33 (17.8.1917)
Date
1917-08-17
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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ftrüu Frankl und Frau E s ch e l b a cher wollen 'Hemm ÄaWjner Tr. E s ch e l b a ch e r in Düsseldorf bitten, das notwendige Flugblatt mit ihnen gemeinsam zu entwerfen. Ueber Isenburg wird berichtet, daß mit großen Opfern aus Frankfurt a. M. ein Haus III gekauft worden sei, da die Zahl der Aufnahmegesuche (Dauerfälle, vorübergehende Aufnahme Von Kindern, gefährdete und Schulkinder) ständig wächst und ein günstiger Kauf angrenzend an die erste Liegenschaft möglich war. Tie Kaufsumme von 23 000 Mark und die Einrichtung an Betten und Möbeln ist aber noch längst nicht aufgebracht. Die Vorstandsmitglieder sagen zu, je in ihren Gemeinden und Vereinen für die dringend nötigen Zuschüsse, sorgen zu wollen. Die Berliner Vorstandsmitglieder berichten, daß sie auf privatem. Wege 6000 Mark aufgebracht haben, Nürnberg 500 Mark, Kattowitz 294 Mark. Die meisten Gemeinden stehen aber diesem wichtigen Zweige der Jugendfürsorgearbeit des Jüdischen Frauenbundes noch fremd gegenüber. Es wird bestimmt, daß mit 500 Mark die „immerwährende Mitgliedschaft" erworben werden kann und eine Freistellenstiftung 3000 Mark betragen soll. Zu dem Punkt IX: „Bund erwerbender Frauen" berichtet Frau Meyer, daß für den September im Anschluß an eine weitere Sitzung in die praktische Arbeit eingetreten und eine Konferenz zusammenberufen werden soll, um darüber zu beraten. Es ist ein Flugblatt geschaffen, in dem klargelegt wird, wie die von jeder Devölkerungspolitik erhobene Forderung, die nachweislich gesunde Frühehe zu unterstützen, von den jüdischen Frauen zum erstenmal praktisch verwirklicht wird. Man glaubt, daß dieser Gedanke sowohl in seiner religiösen wie in seiner modern sozialen Bedeutung in allen jüdischen Kreisen Verständnis und freudige Bereitschaft zur Ausführung finden wird. Fräulein Pap Pen heim berichtet über das Angebot eines Hauses für das Landerziehungsheim, und es wird eine Kommission ernannt, die das Projekt vorsichtig prüfen solle. Frau Hopf berichtet über die Gründung des Bayerischen Landesverbandes Jüdischer Frauenvereine. Ein Bericht der Ortsgruppe Frankfurt des I. F B. liegt vor. nach dem das Jugendamt in Frankfurt die Bearbeitung der Inserate, „Pslegestellen und Adoptionen betreffend", übernimmt und die Ortsgruppe die dort erscheinende , Jüdische Zeitung" auf Kinderannoncen hin bearbeitet. Es wird die Anregung gegeben, daß alle jüdischen Zeitungen von den Ortsgruppen oder an geschlossenen Vereinen der Städte, in denen sie erscheinen, in gleicher Weise zurü Schutze der Kinder bearbeitet werden. Die Schriftlei tu ng hat diese neue Arbeit als wichtigen Kinderschutz in die Wege zu leiten. Frau Ollendorf regt an, eine Vertrauensperson in jeder Stadt, in der eine jüdische Zeitung erscheint, anzufragen, ob sie diese Arbeit übernehmen wolle. ar. Königsberg u Pr., 10. August. Der H>i l f s ve re i n für kranke russische Israeliten hielt am 15. Juli seine diesjährige Hauptversammlung ab. Dem Geschäftsbericht, welcher der Generalversammlung vorgelegt wurde, entnehmen, wir, daß im abgelaufenen Jahre etwa fünfzig'Kranken die Fürsorge des Vereins zugewendet wurde. Die 31 neuen Patienten entstammten ausschließlich den besetzten russisch-polnischen Gebieten, sie sind mit Genehmigung und zum Teil auch unter Mitwirkung der dortigen Militär- und Zivilbehörden überwiesen worden. Trotz dieser, im Vergleich zur Friedenszeit nur geringen Krankenzahl erforderten die Zwecke des Vereins Ausgaben in einer Gesamthöhe von 16 260 Mark. Hiervon entfallen auf Kurkosten in Kliniken und Anstalten etwa 13 200 Mark, auf Barunterstützungen 1671 Mark; die Verwaltungskosten betrugen 1100 Mark. Erfreulicherweise haben die Einnahmen des Vereins eine erhebliche Zunahme erfahren, so daß die Ausgaben vollständig aus den laufenden Einnahmen gedeckt werden konnten. Der Eiserne Fonds, dem Zuwendungen in Höhe von 17 420 Mark zuflossen, wies anr Jahresschluß ein Vermögen von 76 378 Mark auf; der Zuwachs beträgt für 1916 also über 20 000 Mark. Die Zuwendungen für den Eisernen Fonds erfolgten in Teilbeträgen bis zu 3000 Mark. Durch den Ausbau der Sammelbüchsen-Organisation hat sich der Verein eine neue Beitragsquelle erschlossen, die recht aussichtsvoll erscheint; die in den Pessach-Feiertagen vorgenommene erste Leerung erbrachte eine Einnahme von 767 Mark. Die Königsberger Synagogengemeinde leistet einen Jahresbeitrag von 500 Mark. In gleicher Weise bekunden noch 25 andere jüdische Gemeinden und Stiftungen ihr Interesse an den Vereinszielen teils durch laufende, teils durch einmalige Beiträge, die sich auf über 2500 Mark beziffern. Die Zahl der Vereinsmitglieder ist infolge geschickter Propaganda und eifriger Werbetätigkeit von 375 im Vorjahre auf 464 gestiegen. Die Aufgaben des Vereins wachsen andauernd, um fx> erfreulicher ist es, daß das Interesse, welches in unserer Gemeinde dem Hilfsverein für kranke russische Israeliten entgegengebracht wird, ebenfalls in stetem Wachstum begriffen ist. ~ Würzburg 10. August. Vor kurzem fand hier die konstituierende Sitzung der Thoraoundes statt. Der Thorabund erstrebt nach seinen Satzungen die Verbreitung und tiefere Erfassung der überlieferten jüdischen Wissenschaft. In die Leitung gewählt wurden Leo Wreschner in Frankfurt a. M., als Bundesvorsitzender, Kommerzienrat George Marx in Königsberg als Vorsitzender des Finanzausschusses, ferner Sanitätsrat Dr. Elieser Rosenbaum in Frankfurt a. M., Dr. Jonas Simon in Heidelberg und Sanitütsrat Dr. Hermann S t e r n in Fulda. Der Thorabund hat seinen Sitz in 'Heidelberg. — Hannover, 10. August. „Von jüdischen Fliegern" wollte einmal ein antisemitisches Blatt in seinem Verleumdungseifer etwas hören, ehe es geneigt sein sollte, jüdische Tapferkeit im Felde anzuerkennen. Seitdem ist bereits mehrfach vom Heldentod jüdischer Flieger berichtet worden. Heute gibt uns ein Zufall die wehmütige Einsicht in Briefe, die der Führer der Kampfstaffel 36 (Bayerisches Kampfgeschwader 6) an den Vater des im Flugkampfe gefallenen jüdischen Fliegerleutnants Ernst Müller, den Bankier Herrn Siegfried Müller, in Hannover, richtete. In der ersten Anzeige schreibt der Stafselführer Herr Oberleutnant Schwenden» daß Ernst Müller „als Beobachtungsoffizier bei der Staffel ganz hervorragenden und vorbildlichen Schneid zeigte" und eine „beste Stütze der Staffel" war, „stets bereit, sein alles für das Vaterland einzusetzen". Leutnant d. N. Ernst Müller war in einem Luftkampf bei Verdun mit seinem Flugzeug nach einem französischen Treffer abgestürzt. In einer beschwerten Blechkapsel, die sie am 26. Dezember 1916 herunterfallen ließen, teilten die Franzosen mit: „Ueber das Flugzeug C 1667—16: Am 9. November 1916 fielen Leutnant d. N. Ernst Müller nnb Unteroffizier Christian Bemsel, Flugzeugführer, bei Verdun. Sie wurden an Ort und Stelle mit militärischen Ehren beigesetzt. Sie haben sich tapfer geschlagen.". („Ils se sont battu hcroiquement.”) In einem späteren Briefe an den Vater schreibt der Staffelführer von Leutnant Ernst Müller u. a.: „Könnte ich ihm doch auch noch fernerhin ein guter Vorgesetzter und ein treuer Kamerad sein, so wie damals, als er noch mit ungebrochenen Schwingen über dem rauchenden Schlachtfelde seine Kreise zog. Doch er hat uns ja seine ideale Begeisterung für sein Vaterland Zurückgelassen, und so lebt er als Vorbild in uns weiter." Ein schöneres Ehrendenkmal kann einem gefallenen Helden nicht gesetzt werden. Ernst Müller, der als cand. med. eigentlich dem Sanitätsdienst angehörte, meldete sich sofort bei Kriegsausbruch freiwillig zum Dienste mit der Waffe. Schon nach drei Monaten zum Offizier befördert, kämpfte er ununterbrochen in den vordersten Reihen. Da aber bald der Grabenkrieg feinem Tatendrang nicht genügte, meldete er sich wiederholt und' endlich mit Erfolg zur Fliegertruppe. er. Frankfurt a. M., 10. August. Der hiesige Verein zur Beförderung der Handwerker unter den israelitischen Glaubensgenossen in Frankfurt a. M., dessen Bericht wir in unserer vorletzten Nummer bereits kurz anzeigten, kann bald auf eine hundertjährige Wirksamkeit zurückblicken. Er gehört mit dem Hamburger und dem Düsseldorfer Verein und der Marx Haindorfsschen Stiftung in Münster zu den ältesten Organisationen, die die Ueberleitung der Juden zu Handwerk und Bodenkultur bezwecken. Im letzten Geschäftsjahre hat der Verein 65 Zöglinge betreut gegen 95 im letzten Friedensjahre. Die Zahl der männlichen Lehrlinge hat durch die Zeitereignisse sehr stark abgenommen, und dieser Ausfall veranlaßte den Verein, auch einige junge Mädchen zu unterstützen, die sich einem handwerklichen Beruf zuwandten; bevorzugt wurden diejenigen, die sich technischer und kunstgewerblicher Tätigkeit widmeten. Auf die einzelnen Handwerke verteilten sich Lehrlinge im letzten Geschäftsjahre wie folgt: 17 Bäcker, 16 Schneider, 13 Metzger, 9 Tapezierer, je 7 Portefeuiller, Schuhmacher und Schneiderinnen, je 4 Buchdrucker, Elektrotechniker und Zahntechniker. Ferner erhielten Unterstützungen Maler, Dachdecker, Gärtner, Uhrmacher, Optiker, eine Kunststickerin und Lehrlinge aus verwandten Gewerben'. Außer den in Betracht kommenden jüdischen Anstalten

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