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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-08-17 · Heft 33 (17.8.1917) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 33 (17.8.1917)
Date
1917-08-17
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Der Gemrindevott. üSeilagr zur „Allgemeinen Teilung deK IudenrumK". Lorrrlpondrn?rn und Sachrichiro. Leutschlsnü. <r/D Berlin, 14. August. Am 8. d. M. wurde eine markante Persönlichkeit der Berliner Judenschast, Herr Direktor Sally Les- Z y n s k y, auf dem Friedhof in Weißensee zur letzten Ruhe bestattet. Der Entschlafeneeiner Lehrerfamilie aus Hameln entstammend, widmete sich dem Kaufmannsstande und erlangte, dank seiner hervorragenden organisatorischen Begabung, eine leitende Stellung bei der Lebensverstcherungsgesellschaft Viktoria zu Berlin, die er zu hoher Blüte brachte. Er gründete anläßlich der silbernen Hochzeit des Kronprinzen Friedrich Wilhelm, 1883, bei dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, dessen Ausschuß er angehörte, die Friedrich- Wilhelm-Viktoria-Stiftung, die den Zweck hat, den in der Viktoria eingekausten jüdischen Kultusbeamten einen namhaften jährlichen Prämienzuschuß zu gewähren. Der Heimgegangene fand neben seiner verantwortungsvollen und verzweigten Tätigkeit immer noch Muße genug, um in vielen Hum am tätsv er ei n en zu wirken und zu schaffen. Au der Bahre schilderte Rabbiner Dr. Earlebach (Lübeck) in beredten Ausdrücken das schaffens- und segensreiche Leben des Dahinaeschiedenen. Der Predigt lag der Psalmvers zugrunde: Reicher Friede ist den Freunden der Gotteslehre beschieden, usw. Hierauf ergriff im Auftrag des D. I. G. Professor Dr.' S ober n heim das Wort, um das Wirken des Verstorbenen im Nahmen des Gemeindebundes, dessen Ehrenmitglied er war, zu zeichnen. Herr Eli L a z a r u s sprach im Namen des Berliner Beth Hamidrasch. Herr Lehrer Bachrach brachte dem Entschlafenen den Scheidegruß seiner Vaterstadt'Hameln, an die er Zeit seines Lebens große Anhänglichkeit bewahrte. So begründete er u. a. auch die dortige Chewra Kadischa. Den Schluß der eindrucksvollen Trauerseier bildete das vom Königlichen Musikdirektor Oberkantor F r i e d m a n n vorgetragene El-mole-rachamim- Gebet. Unter zahlreicher Beteiligung wurde hierauf Herr Sally Leszynsky zu Grabe getragen. Ebre seinem Andenken! 2/D Berlin, 14. August. Jüdischen Lehrern, die ein-über die Bedürfnisse des Elementar-Unterrichts hinausaebendes Wissen ans dem Gebiete der Religionswissenschaften Nachweisen wollen, ist Gelegenheit geboten, vor einer vom Vorstand der Berliner indischen Gemeinde eingesetzten Kommission durch Ableaung einer Prüfung den gewünschten Nachweis nt erbringen. Die Prüfung, die jährlich im Märr und Sevtember stattsindet, erstreckt sich aus folgende Gebiete: Methodik, biblische Geschichte, Hebräisch, jüdische Geschichte, Religionslehre, Religionsphilosophie und Einleitungswissenschaft. Gesuche um Zulassung zur Prüfung sind zu richten: An den Schulnnd Talmud-Thora-Vorstand der Jüdischen Gemeinde, Berlin N 24, Oranienburger Straße 29. Interessenten wird auf Ersuchen Abdruck des Prüfunasreglements verabfolgt. E. M. Berlin, 14. August. Eine unerwartete und nicht vorauszusebende Nebenwirkung hat der Krieg in Gestalt einer erheblichen Bevölkerungszunahme für die Berliner Gemeinde in seinem Gefolge gehabt. Diese Erscheinung erklärt sich durch den starken Zustrom von Juden aus den östlichen Provinzen unseres Vaterlandes, die im ersten Kriegsjahre 1914, zur Zeit als die östlichen Grenzen noch aefährdet und die Russen in Ostpreußen eingedrungen waren, nach Berlin flüchteten. »Fast alle diese Flüchtlinge hatten wohl die Absicht, sich nur vorübergehend in. Berlin aufzuhalten und nach der Befreiung ihrer Provinz in die Heimat zurückzukehren; die meisten haben diese Absicht auch ausgeführt, doch hat ein. nicht unbeträchtlicher Teil dieser Zuwanderer den ursprünglichen Vorsatz nicht ausgeführt und in der Reichshauptstadt seinen ständigen Wohnsitz genommen. Die Jüdische Gemeinde hat dadurch einen erheblichen Zuwachs erfahren. Die Anzahl der Zenfiten betrug 1912/13 42 090, im Jahre 1913/14, dem ersten Jahre der verflossenen dreijährigen Etatspetiode, 42 048; 1914/15 waren 41471 steuerzahlende Gemeindemitglieder verzeichnet; 1915/16 betrug die Anzahl 44 878. Das Jahr 1913/14 erbrachte. gegen das Vorjahr einen Rückgang um 42 Steuerzahler, 1914/15 bezifferte sich die Abnahme sogar auf 577; um so überraschender ist die hohe Zunahme für 1915/16, die bei einem Zugang von 8535 Steuerzahlern, von denen ein Abgang von 5135 Zensiten zu kürzen ist, einen Reinzuwachs von 3400 steuerzahlenden Gemeindemitaliedern bedeutet. . Hierzu ist zu bemerken, daß der Zugang an Steuerzahlern durchaus nicht gleichbedeutend ist mit dem Zugang an Gemeindemitgliedern, da sicher auch eine große Anzahl von steuerfreien Juden zugezogen ist, die selbstverstättdlich der Berliner Gemeinde ebenfalls zuzurechnen ist. Die Zunahme an Steuerzahlern läßt auf ein sehr erfreuliches Anwachsen der Seelenzahl schließenda .ja in den meisten Fällen nur ein Familienmitglied als Erwerber die Steuerlasten trägt. Es darf also ruhig festgestellt werden, daß die Berliner Gemeinde in der Zeit vom 1. April 1915 bis zum 31. März 1916 einen Zuwachs an Steuerzahlern und Seelenzahl zu verzeichnen hat, der dem Umfang einer größeren Gemeinde im Reiche gleichgesetzt werden kann. E. M. Berlin, 14. August. Während das Bestehen einer Jsraelitischsevhardischen Gemeinde in Wien und die Bedeutuna der „P o r t u - c i es e n", welche der H a mb u r g e r jüdischen Gemeinde durch Jahrhunderte das Gepräge verliehen haben, allgemein bekannt ist, wissen nur wenige Einaeweibte von dem Bestehen einer spagmolischen Gemeinde in der deutschen Hauvtsiadt. Hier besteht feit dem Jahre 1891 eine Bereinigung der fephardiscben Juden, - der ,.J sraelitisch - Sephardische Berei n", der die sephardifchen Glaubensgenossen umfaßt, welche sich in Berlin anfhalten. Die Mitglieder dieser Organisationgehören meist dem Kausmannsstande an, doch sind auch Akademiker, .Handwerker mit spezifisch orientalischen Erwerbsarten, wie Tevivichstopfer, Zigarettenarbeiter und so weiter, sowie andere Berufsstände vertraten. Der Verein besteht bereits überein Vierteljahrhundert: aus kleinen Anfängen hervorgegangen, hat er heute bereits eine.'stattliche Mitgliederzahl aufzuweisen, unter der sich viele klangvolle Namen befinden, die an die stolzesten Epochen der Geschichte der Juden in Spanien erinnern. Der Verein unterhält seit dem Jahre 1911 in der Lützowstraße 111 eine Andachtsstätte, die aus der Synagoge und einem kleinen Saal besteht, in der an den Sabbaten und Feiertagen der Gottesdienst nach dem sephardifchen Ritus abgehalten wird. Außer dieser Synagöae. die von der Berliner Hauptgemeinde subventioniert wird, unterhält der Verein noch mit großen Ovrern aus eigenen Mitteln eine Religionsschule, die „I s r a e l i t i s ch - S epbardische S ch u I e". die im Jahre 1916 eröffnet wurde. Bor einigen Jahren wurde d-»r Verein von dem Großrabbiner der Türkei. H a j i m N ahn rn /besucht. Als geistliche Beamte wirken ein Rabbiner und ein Leb rer und Kantor. Die Gottesdienste werden von den auswärtigen Gephardim, die sich nur vorübergehend in Berlin aufhalten, sehr gern besttcht. wodurch der Verein sich immer mehr zum Mittelpunkt der Sephardim' in Berlin entwickelt. Gegenwärtig wacht die Organisationeine schwere Zeit durch, weil mehr als zwei Drittel ihrer Mitglieder zu den - Waffen eingezogensind. Berlin, 14. August. Wir erhalten das Protokoll der letzten Vorstandssitzung des Jüdischen Frauenbundes, Sommer 1917, dem wir folgendes entnehmen: lieber die Jugendkommission des I. F. B. wird berichtet, daß dieselbe auf der Eisenacher Tagung durch Verhinderung der 'Kommissionsvorsitzenden Fräulein Werner nicht vertreten war, wohl aber durch -Frau Helene Meyer bei der Sitzung des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine. Der Vorstand beschließt, weiter an der Organisation der jüdischen weiblichen Jugend zu arbeiten, sich aber bereit zu erklären und bereit zu findenvraktisch mit dem Verband der Jüdischen Jugendvereine zu arbeiten. Nach Beschluß der Delegiertenversammlttng sind mehrere bekannte Rabbiner gebeten worden, ein Flugblatt über jüdische Sexualethik der - jüdischen sozialen Frauenarbeit und Jugendarbeit auszuarbeiten. Es ist keine Arbeit eingegangen, was sehr bedauerlich ist, da auch für die vielen Sittlichkeitskonferenzen eine populäre und Verantwortliche Darstellung der jüdischen Sexualethik dringend notwendig ist. Keine jüdische Frau undauch nur wenige Männer beherrschen das! Gebiet und können in der Diskussion einen jüdischen Standpunkt einnehmen und verteidigen.' Man bedauert, daß die Herren, die man um: ein so bedeutsames Erziehungsinstrument gebeten hat, versagt haben.

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