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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-08-17 · Heft 33 (17.8.1917) · p. Seite 392

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 33 (17.8.1917)
Date
1917-08-17
Page
Seite 392 (sequence 8)
Language
German
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W —- . jlttib ein Lag kam, und ringsum das feindliche Korps. Der Hauptrnann rief: Freiwillige vor! Und Löwenthal stellt sich als erster llvran. ' „Wer je mich gefordert, Mann für Mann, ' ' Heul fordre ich ihn. Nun, 'Brüder, drauf! - Mir nach!" — Da stürzt er mitten im Lanf. Sie setzten auf Grab ihm ein schlichtes Mal: . „Wir folgen dir/ Isaak Löwenthal!" . Zu dem zweiten Gedicht, von dem hier die-Rede sein soll, ist der Dichter angeregt worden, als die Wogen des Antisemitismus hochgingen, so daß der Jude schier am Vaterland und Volk, glaubte verzweifeln zu müssen. Aus dieser Stimmung heraus würde schon allein das. folgende Gedicht verständlich sein und keines weiteren Kommentars bedürfen. Vielleicht hat aber der Dichter inzwischen zwar nicht den Kommentar selbst gegeben, aber doch einiges zur Entstehung des Gedichtes verraten. L o e w e n b e r g erzählt nänrlich in seinem Lebensroman „Aus zwei. Quellen" (Berlin 1914) von dem Heldentode seines älteren Bruders, der bei Mars-la-Tour sein Leben für das Vaterland ließ. Das betreffende Kapitel des Romans - „Krieg" betitelt — enthält eine meisterliche Schilderung alles dessen,' was in dem Wort Kriegsstimmung zusammengefaßt werden kann, von dem stillen, geheimen Grauen, von der unheilvollen Schwere, welche die Luft bei Kriegsausbruch erfüllt, von der Begeisterung der Jugend, welche die Besorgnis der Alten zum Schweigen bringt, bis zu den ersten Siegesnachrichten vom Kriegsschauplatz und weiter bis zu der schmerzlich-bitteren Kunde, die das Glück und die Heiterkeit aus der stillen Hütte verscheucht. Dieses Kapitel muß man vielleicht kennen, um L o e w e n b e r g s Gedicht „Das Eiserne Kreuz" ganz zu verstehen. Er mag, als der Antisemitismus sein Haupt erhob und seine Anklagen und Verleumdungen ausspie, bitteren Herzens des heiligen Opfers gedacht haben, das mit den Seinigen Hunderte seiner Glaubensgenossen gebracht hatten, denen man jetzt das Recht am Vaterlande bestritt. Aber voll Tapferkeit und in ruhiger Selbstgewißheit findet der Dichter den Äusweg aus aller Qual. Auf dieses Gedicht hinzuweisen, ist heute — leider — allzu zeitgemäß; aber in der Weise, in welcher es ausklingt, ist es doch wiederum gerade geeignet, uns zu stärken und gegen diejenigen zu wappnen, die auch vor der Majestät des Todes, der für das Vaterland erlitten wurde, ihren Haß nicht zu begraben und nicht zu schweigen vermögen. Das Gedicht selbst lautet:. Das Eiserne Kreuz!. Es sitzt in niedrer Kammer ein Greis, gebückt, allein. Umflort vom Spätherbstnebel schaut trüb der Tag herein.;' Des Alten Blick starrt tränend aufs Blatt in seiner Hand, Da steht: Der Jüd' bleibt Fremdling, er hat kein Vaterland. „Kein Vaterland! Ein Fremdling! Ist das der Treue Lohn? Der Krieg, der mitleidlose, nahm mir den einzigen Sohn. Bei Metz ist er gefallen, er stritt in erster Reih', Nicht frag des Feindes Kugel, .ob er ein Jude sei. Mau hat den Todeswunden noch mit dem. Kreuz, geschmückt, Sie haben's dann uns Alten zum Trost hierher geschickt.' . - Wer tüöstet eine Mutter?' Sie folgte bald ihm nach. Ich. hatck so schwer zu tragen, daß schier das Herz mir brach, Doch als ich sah erstehen des Reiches Herrlichkeit, Wie hall ich mitgejübelt im tiefsten Seelenleid! - ' ' - , Nun packt mich bittrer Zweifel, wofür denn stritt mein Kind, Wenn wir noch stets als Fremde, verfemt, geächtet sind? . Wofür, denn hat er freudig sein Leben .-eingesetzt? . ' Daß man beschimpft den Vater, die Seinen höhnt und hetzt? Doch nein, fort Groll und Zweifel! Den Trost, den ich empfand, Ihr sollt ihn mir nicht rauben — er siel fürs Vaterland. Fürs Vaterland! Wer trennte ein Band, so fest gefügt? Vernehmt's, ihr frechen Schelme, ihr lügt, bei Gott, ihr lügt!" —n. Lin lehrreiches Schriftstück. Von S: Rotschild (Worms). Drt der interessanten Arbeit des Herausgebers dieser Zeitung: Zünz im Verkehr mit Behörden und Hochgestellten in Brauns „Monatsschrift", fand ich auch den Namen D i e st e r w e g, an den Zunz unter den sieben Personen Einladungen zu seinen Vorlesungen geschickt hatte. Die Lehrerschaft Deutschlands hatte vor wenigen Monaten den 50jährigen Todestag dieses hervorragenden Pädagogen, der als Landtagsabgeordneter von Berlin einst seine bedeutende Rede gegen die „Regulative" mit den Worten geschlossen: Nene, Tekel L’farsin, in ernster Weise begangen. Der viel und mit Recht gefeierte Mann hatte ebenso viele Gegner, besonders im tonservativen Lager, so daß die Freunde seinen Namen als „Dies der Weg", aber seine Feinde in „Düsterweg" deuteten. Da Diesterweg auch eine Zeitlang in Worms als Lehrer am Gymnasium, damals Sekundärschule geheißen, gewirkt, bot mir sein 50jähriger Todestag Gelegenheit, den Jahresbericht des Jahres 1812 anzusehen, der, mit anderen Berichten in einem Bande gebunden und nur noch meinem Exemplar vorhanden, bis 1805 zurückreicht. In dom Bericht dieses Jahres bespricht der damalige Direktor Schneidler die Frage der „B e r m i f ch u n g -v o n K i n d e r n a l l e r Relig i o n spar t e i e n in S chnlen in ausführlicher Weise und sagt dann das Folgende: „Der vorteilhafte Einfluß ge«nei n schastlicher SchnI e neusdie Reit g io nen und R el i g i o n s P a rt ei en selb ft läßt sich nicht deutlicher und bündiger dartun, als wenn man eine Religion besonders aushebt, und sie in diesem Gesichtspunkte näher betrachtet. Ich will dazu die jüdische erwählen. Zulange hat in manchen Ländern ein blindes Vorurteil die zahlreichen Bekenner derselben nicht nur von den bürgerlichen Vorteilen ausgeschlossen, sondern sogar ihre Menschenrechte mit Füßen getreten. Selbst in Staaten, deren Verfassung ihnen beides in vollem Maße zuerkennt, blickt der große Hause, mitunter auch der sich besser dünkende, verachtend aus sie, als auf Wesen niedriger Art herab, erlaubt sich Spott, Mutwill«! und Mißhandlungen aller Art gegen sie und verweigert ihnen nicht selten in Notfällen diejenigen Hilfeleistungen, die der gntgeqrtete Mensch jedem seiner Brüder, ohne Rücksicht auf Stand und Religion, in solchen Lagen gern leistet. Wenn dies Verfahren gegen den einzelnen schon ungerecht ist, gesetzt auch, daß er durch seinen Unwert oder sein eigenes Betragen Veranlassung dazu gegeben hätte, so isbs noch unverantwortlicher, wenn es, bloß der Religion wegen, ein ganzes Volk trifft, das wegen seiner ehemaligen glänzenden Rolle (Volt Gottes hieß es bei den Theologen und Nichttheologen vorzugsweise vor allen Völkern), wogen seiner Geistesanlagen, wegen der vortrefflichen Männer von Kopf und Charakter, die es von jeher in seinem.Schoße erzeugte und die auch letzt gewiß nicht ganz unter ihm fehlen und schon wegen seiner bedrängten Lage eher Ächtung als Schmach verdiente. Forscht man nach dem Grunde dieses Vorurteils, so wird man freilich finden, daß eine gewisse Versunkenheit des Lebens und der Gesinnungen bei dem größeren, ärmeren Teile unter ihnen es oft veranlaßt oder wenigstens unterhält; aber kein Unbefangener wird auch leugnen, daß die große Verschiedenheit in Sprache, Gebräuchen, Lebensart die. Absonderung von den anderen Religionsverwandten, unter welchen sie leben, und

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