Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 32 (10.8.1917)
- Date
- 1917-08-10
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 desK. C., unter Einrechnung der Gefallenen und infolge Verwundung oder Erkrankung als dienstunbrauchbar Entlassenen, 948 im Heeresdienst. Hiervon gehören bzw. gehörten dem Feldheere 778 an. Den Heldentod starben bis dahin 71 K.C.er. In diese Zahl sind 2 Bundesbrüder eingeschlossen, an deren Tod kein Zweifel besteht, deren Namen aber auf Wunsch der Familien noch nicht veröffentlicht werden sollen. Vermißt werden ferner 4 K.E.er, außer den seit mehr als 6 Monaten vermißten Kb. Kb. Willy Mottech, Kurt Haas und Hans Grünwald neuerdings Kb. Fritz Walter Löwenberg (Spreviae) seit 5. Mai 1917 bei Laon. 5 K.C.er haben ihre Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse, 400 mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse, 1 mit dem Eisernen Halbmond, 134 sonstige Kriegsauszeichnungen gemeldet. 67 K.C.er wurden während des Krieges zu Offizieren des Beurlaubtenstandes befördert: 56 im preußischen Heere einschließlich des württembergischen Kontingents und im sächsischen Heere, 11 im bayerischen Heere. Außerdem wurden 2 K.C.er im preußischen, 1 K.C.er im sächsischen Heere zu Feldwebelleutnants befördert, 8 K.C.er gehörten M Kriegsausbruch als Offiziere des Beurlaubtenstandes dem bayerischen Heere an. H. Wreschen, 3. August. Unter überaus großer Teilnahme wurde der Funker S a l o K e m p e auf dem Friedhof hier zur letzten Ruhe bestattet. Er starb den Heldentod fürs Vaterland infolge einer Blinddarmoperation im blühenden Alter von 19 Jahren. In dem Geschäft von ScherekWitwein Posen war der Verblichene tätig und wegen seines biederen Charakters allseitig hochgeschätzt. Herr Gemeinderabbiner Dr. M. Lew in sprach in ergreifender Weise Worte der Tröstung an die trauernden Hinterbliebenen. Der Entschlafene entstammte einer in jüdischen Kreisen bekannten frommen Familie. Breslau, 3. Aüaust. Am 31. v. M. fand auf dem Friedhof an der Lohestraße die Beisetzung des Chefarztes der inneren Abteilung des hiesigen Israelitischen Krankenhauses Geheimen Sanitätsrates Dr. Ernst Sandberg statt. Die große Leichenhalle erwies sich zu klein, um die zur Trauerfeier herbeigeeilten Leidtragenden, Freunde und Verehrer des Entschlafenen zu fassen. Nach einleitendem Chorgesang ergriff Herr Rabbiner Prof. Dr. Guttm ann das Wort, um das Lebens- und Charakterbild des Verklärten in bekannter meisterhafter Weise zu zeichnen: als Mensch, als Arzt, als Jude. Den Dank der Krankenanstalt brachte namens des Vorstandes dessen Mitglied Dr. Paul Schottländer zum Ausdruck, insbesondere für das glückliche Einvernehmen bei aller Selbständigkeit der Handlung, nicht zuletzt für den Musterbau, der nach seinen Plänen geschaffen, die er nach den Eindrücken aus seinen Reisen im In- und Auslande bis ins einzelne entworfen. Nach ibm rief Pros. Dr. Gottstein dem verehrten Kollegen seinen Dank nach. Er rühmte seine hohe Lehrbefähigung, die er leider nicht an der Universität verwerten konnte. Zuletzt sprach namens der Familie Geh. Justizrat und Amtsgerichtsrat a. D. Dr. Bo rchert (Berlin), ein Schwager des Verstorbenen, wehmutsvolle Worte des Abschieds. Nach dem vom Rabbiner vorgetragenen .^azur-tomim-Gebet und abermaligem Chorgesang setzte sich der Zug mit der Bahre zum Grabe in Bewegung. Voran schritten verwundete Soldaten, geleitet von zwei Unteroffizieren, die prachtvolle Kränze trugen: es folgten einige dreißig Schwestern des Jüdischen Schwesternheims, Mädchen des Israelitischen Waisenhauses, der Vorstand, Aerzte lind Beamte des Krankenhauses, Vertreter der Gemeindebehörden, die große Schar der Kollegen und Verehrer. Sie alle nahmen am Grabe traurigen Abschied von dem, der ihnen ans Herz gewachsen war und in ihrer Erinnerung fortleben wird als das Vorbild eines edlen, guten und hilfreichen Menschen. — Ernst Sandberg wurde am 12. November 1849 in Czempin (Prov. Posen) geboren. Die großen Verdienste, die er sich um die Breslauer Gesundheitspflege erworben hat, ruhen auf dem Jüdischen Krankenhause, dem seine ganze Lebensarbeit gegolten hat, dessen Ausbau und Vervollkommnung zu dem großen, mustergültigen und tonangebenden Neubau in der Hohenzollernstraße sein Lebenswerk gewesen ist. Als junger Arzt von 23 Jahren trat er 1872 in die Israelitische Krankenverpflegungsanstalt (Kommerzienrat Fraenckelsche Stiftung) auf der Antonienstraße 6/8 ein. Vom Assistenzarzt stieg er 1890 zum Primärarzt auf, nach 18 jähriger angestrengter Arbeit, und übernahm 1903 die Leitung der inneren Abteilung des neu geschaffenen Hauses. Was er in dieser Zeit geleistet hat als Arzt und als Mensch, das richtig zu würdigen vermag nur der, der sein Wirken selbst zu beobachten Gelegenheit hatte. 45 Jahre hat er an der Anstalt segensreiche Arbeit geleistet, daneben eine umfangreiche Privatpraxis versehen. Als, er 1915 das 25 jährige Jubiläum als Priwärarzt beging, verlieh ihm der Vorstand die Ehrenrnikgliedschast. Ganz hervorragend war er als Diagnostiker geschätzt, dessen weisen Rat viele Tausende von Kranken aus weiter Ferne erbaten. Als nach Ausbruch des Krieges der Vorstand das Krankenhaus dem Festungslazarett zur Einrichtung einer Abteilung zur Verfügung, stellte, widmete er sich auch dieser und erhielt für seine Verdienste das Eiserne Kreuz am weiß-schwarzen Bande. An Anerkennungen hat es ihm überhaupt nicht gefehlt; im August 1911 wurde er zum Geheimen Sanitätsrat ernannt. Die größte Anerkennung aber sah er und wurde ihm in der treuen Liebe seiner Patienten, seiner Amtsgenossen und der Krankenschwestern. Gin hervorragender Arzt, ein tüchtiger Lehrer, ein edler Mensch, ein Helfer und Tröster der Kranken und Armen ist mit ihm aus dem Leben geschieden. Auch dem Wohle der Allgemeinheit, und nicht zuletzt den Angelegenheiten seiner Glaubensgemeinde, wandte er lebhaftes Interesse zu. Als mit dem Kriege die Bedeutung unseres Krankenhauses in den Vordergrund der Interessen der Synagoaenaemeinde trat, legte man Wert auch auf seine Mitwirkung in deren Verwaltung. Er wurde zum Repräsentantenstellvertreter 1915 gewählt.. Außerdem gehörte er dem Kuratorium des Aerzte-Unterstützungsfonds an (für Aerzte und deren Hinterbliebene), der Dr.-Elias-Henschel-Stiftung (Beihilfe für Mediziner zum Promovieren und Stipendien) und der Dr.-Michael-Munk-Stiftung (für studierende Mediziner und Aerzte). Weit aber über diesen Kreis wird der Name Ernst Sandberg in den Herzen der Menschen fortleben. M. Hiaurbrrrg, 3. August. Das Nepräsentante n ko l leg i u m der Deutsch-Israelitischen Gemeinde hielt im Gemeindehaus eine Sitzung unter Vorsitz des Herrn Jos. L i p p m a n n ab. Der Vorsitzende gedachte zunächst des 90. Geburtstages des Vorsitzenden des Gemeindevorstandes, des Herrn Levin Lion, und sprach den Wunsch aus, daß die schätzenswerte Kraft des Vorsitzenden noch lange der Gemeinde erhalten bleibe. Die zur Genehmigung vorgelegte Abrechnung, der Depositenkasse milder Stiftungen wurde einer Kommission zur weiteren- Prüfung überwiesen. Zur Abrechnung der Geweindekasse für das Jahr 1916 bemerkte der Vorsitzende, daß diese bei einer Einnahme und Ausgabe von 309 781 Mark mit einem Fehlbetrag von 41 895 Mark abschließe. Dieser Betrag, der weit hinter dem Voranschlag zurückbleibe, erscheine gegenüber den großen Anforderunaen, die die jetzige Zeit an die Gemeindeeinnahmen stelle, verhältnismäßig gering. Die Mehreinnahmen gegenüber dem Voranschlag, namentlich in. bezug auf die Gemeindesteuer, stellten dem Opfermut der Gemeindemitglieder ein glänzendes Zeugnis aus und böten die Gewähr dafür, daß die Gemeinde in der hoffentlich, nickst allzufernen Friedenszeit sich zu neuer Blüte entfalten werde. Im übrigen wurde die Abrechnung ebenfalls einer Kommission zur Prüfung überwiesen. Der Antrag des Gemeindevorstandes betreffs Einrichtung einer Seelsorge in den Krankenhäusern und Irrenanstalten sowie Schaffung der Stelle eines Seelsorgers und Bewilligung des Gehalts für diesen gab Veranlassung zu einer lebhaften Aussprache, deren Ergebnis die Ablehnung des Antrages in der vorliegenden Form war. Das Kollegium erklärt sich iedoch zur nochmaligen Beratung in einer gemischten Kommission bereit. Beim Antrag des Gemeindevorstandes auf Bewilligung einer Beihilfe von 300 Mark für die Berufsberatungsftelle der Juden in Hamburg weisen die Herren L iss.er und Laskav darauf hin, daß ' diese Beratungsstelle für die Hansestädte, Schleswig-Holstein und Mecklenburg unter Anlehnung und im engsten Zusammenhang mit der allgemeinen Beratungsstelle von einem Komitee, bestehend aus Mitgliedern der Bne-Brith-Logen. des Humanitären Fraumvereins und des Vereins selbständiger jüdischer Handwerker, gegründet worden sei, um bei der Berufsberatung für die schulentlassene Jugend auf die besonderen religiösen und sozialen Bedürfnisse der Juden Rücksicht zu nehmen. Die Gründung sei im vollen Einverständnis mit der allgemeinen Berufsberatungsstelle erfolgt und werde von dieser auch in jeder Weise unterstützt und gefördert. Ter Antrag des Gemeindevorstandes fand einstimmige Annahme. Ter Antrag des Vorstandes auf Bewilligung von Beiträgen für Ausrüstung von Feldrabbinern wurde gleichfalls einstimmig angenommen. Ter Antrag des Vorstandes * auf Genehmigung der Satzungsänderungen der Kommission für das