Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-08-10 · Heft 32 (10.8.1917) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 32 (10.8.1917)
Date
1917-08-10
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3229286-3229318--73325-3285800
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

81. Jahrgang Nr. 32 Berlin, 10. August 1917 Der Gemeindevote. Bettsgr zur „Allgemeinen Leitung deS Judentums. korrrlpondrnZrn und Kschritzrm. DkUtschlsnü. frfr Berlin, 7. August. Die Schaffung ein er Zentralstelle für die jü di sche WohltätigkeitsPflege in Deutschland, die in einer bedeutsamen Sitzung des Berliner Verbandes für jüdische Wohlfahrtspflege, der eine Zentralstelle der jüdischen Wohlfahrtsbestrebungen Groß-Berlins darstellt, beschlossen wurde, nähert sich ihrer Verwirklichung. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund, die Großloge U. O. B. B. und der Jüdische Frauenbund haben die Idee ausgenommen, die zuerst von einer ostpreußischen Gemeinde ausging, welche sich darüber beschwerte, daß an Gemeinden und Private so häufig mehrere Aufrufe für gleiche Zwecke ergehen, daß es schwer sei, die Eignung der betreffenden Sammelstelle richtig zu beurteilen und die Verteilung der eingehenden Mittel richtig zu verfolgen. Als Beispiel wurden die von verschiedenen Seiten erlassenen Aufrufe für Kriegswaisenkinder.aufgeführt. Der D. I. G. B. hat diesen Fragen eine Abhandlung in der letzten Nummer seiner ,,M i t t e i l u n gen" gewidmet. Zur Abstellung der mit Recht gerügten Mängel will der Gemeindebund eine Auskunftsstelle gründen, die die öffentlichen Aufrufe, die an die deutsche Judenheit in großer Zahl und von verschiedenen Seiten ergehen, prüfen soll. Auch als Beratungsstelle für Persönlichkeiten, die Stiftungen errichten wollen, soll die neue Auskunftsstelle dienen, der durch die Anregung zu Stiftungen, für die ein tatsächliches Bedürfnis vorliegt, eine besondere Bedeutung zukommt. Die neue Organisation soll gemeinsam mit der Großloge U. O. B. B. und dem Frauenbünde, geschaffen und andere Organisationen und auch hervorragende Eknzelpersönlichkeiten sollen zugezogen werden. Diese Zentralstelle soll so bald als möglich ins Leben treten. In einer am 27. v. M. abgehaltenen Sitzung verschiedener Körperschaften wurde eine Reihe von Leitsätzen für die zu begründende Zentral wohlfahrts stelle der deutschen Juden aufgestellt und angenommen. Als wichtige Aufgaben wurden bezeichnet die Zusammenfassung der jüdischen Wohlfahrtspflege in allen jüdischen Gemeinden Deutschlands und die Schaffung von Provinzialverbänden, die Vertretung der jüdischen Wohlfahrtsorganisationen im Verkehr mit den Behörden und den Körperschaften der öffentlichen und der interkonfessionellen Wohlfahrtspflege und die Organisierung von Verbänden solcher Vereine, Stiftungen und Einrichtungen im ganzen Reiche, die gleichen oder ähnlichen Zwecken dienen, wie z. B. Jugendfürsorge, Kinderheime, Handwerkervereine, Berufsberatungsstellen, Arbeitsnachweise, männliche und weibliche Jugendorganisationen, Haushaltungsschulen, Wohnheime für Jugendliche und andere. Ferner wird die Einrichtung einer Beratungs- und Auskunftsstelle über Wohlfahrtseinrichtungen geplant; eine Sammlung des gesamten einschlägigen Materials soll eingeleitet werden. Zur Besprechung über grundlegende Fragen der jüdischen Wohlfahrtspflege, wie Armenwesen, Hygiene, Wohnungsfragen, Jugendpflege, Erziehungs- und Sittlichkeitsfragen, Berufs- und Bildungsfragen, Bevölkerungsprobleme, und ähnliche Fragen sollen häufige Tagungen anberaumt werden. Die näheren Bestimmungen über die neue Organisation ist einer Versammlung Vorbehalten, die im September in Berlin zusammentreten soll. E. M. Berlin, 7. August, Wie wir bereits kurz gemeldet haben, ist Geheimrat Professor Dr. Julius Lazarus in Berlin, der lange Jahre als Chefarzt die innere Abteilung des Jüdischen Krankenhauses geleitet hat, am 28. v. M. an den Folgen einer Operation gestorben. Lazarus stammte aus Neusalz a. d. O. Er absolvierte seine medizinischen Studien in Breslau und Berlin als Schüler von Joseph Meyer und Rudolf Virchow. Den Feldzug gegen Frankreich machte er als Feldassistenzarzt mit. 1874 wurde er Assistenzarzt im Jüdischen Krankenhaus zu Berlin, zuerst auf der chirurgischen Abteilung unter v. Langenbeck, dann auf der inneren Station unter Traube. 1876 erhielt er die Leitung des pneumatischen Instituts und der Poliklinik für innere und Hals- und Nasenkrankheiten, die auf seine Veranlassung an dieser Anstalt eingerichtet wurde. 1891 wurde er dirigierender Arzt der ganzen inneren Abteilung, 1900 erhielt er den Prosessortitel. Seine Publikationen betreffen die Krankheiten der Atmungsorgane, des Herzens, experimentell-physiologische Studien und die Krankenpflege. An der Begründung des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen nahm er lebhaftes Interesse, das er dem Verein bis zuletzt bewahrte. Auch im Dienste seiner Vaterstadt Berlin hat Professor Lazarus sechs Jahre als Stadtverordneter gewirkt. — Zu der Beerdigung hatte sich auf dem Friedhofe in Weißenfee eine große Trauergemeinde eingefunden. Die Jüdische Gemeinde war durch ein Mitglied ihres Vorstandes vertreten, ebenso das Jüdische Krankenhaus und der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen. Aerzte und Verwundete des Lazaretts, das der Verstorbene leitete, wohnten der Trauerfeier bei; den M a g i st r a t vertraten die Stadträte Düring und D o f l e n, mehrere Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung warenunter Führung des Vorstehers M i ch e l e t erschienen. In der Trauerrede gedachte Rabbiner Dr. Bergmann der vielseitigen hervorragenden Eigenschaften des Toten, der seine Wissenschaft und Kunst mit der religiösen Inbrunst des Priesters übte. Er, der als junger Arzt auf dem Schlachtselde Frankreichs dem Vaterlande diente, stellte sich mit jugendlicher Begeisterung im Jahre 1914 als Greis wieder in den Dienst der Heimat. Nach den üblichen Gebeten wurde der Sarg zur Gruft getragen. Unter den reichen Blumenspenden befanden sich Kränze des Vorstandes des Vereins sür jüdische Krankenpflegerinnen, des Krankenhausvorstandes, der Aerzte der inneren Abteilung des Krankenhauses und der Aerzte des betreffenden Reservelazarettes. er. Berlin, 7. August. De n 8 0. Geburtstag beging am 6. d. M. der ehemaliae Oberkantor der Berliner Jüdischen Gemeinde Herr A b r a h a m R o s e n t hol (Charlotten bürg). Der greiie Jubilar begann seine kantorale Laufbahn in Danzig. 1872 wurde er nach, Posen beruien, von wo er 1880 einem Rute nach Berlin folgte, wo er am 1. August sein Amt antrat. Er wurde von dem verstorbenen Musikdirektor Lewandowfki, dem Schöpfer vieler erhebender synagogaler Melodien, auf das wärmste empfohlen. Roienthal übernahm aks Nachfolger des verstorbenen Oberkantors Licktenstein das Amt des ersten Vorbeters an der Alten Synagoge, das er bis zum 1. April 1909, also nahezu ein Menschenalter, beibehielt. Sein hebräisches Wissen und sein kantorales Können werden sehr gelobt; als! echter Scheliach zibbur wollte er mehr sein und war er seiner Gemeinde mehr als nur der stimimbegabte Vorsänger. Der 80. Geburtstag brachte dem allgemein hochgeschätzten Manne zahlreiche Ehrungen, so vom Vorstände der jüdischen Hauptgemeinde, aus Kollegenkreisen und von zahlreichen Freunden und Verehrern. — Möge dem verehrten Manne noch ein langer sonniger Lebensabend befchieden sein. fr&fr Berlin, 7. August. Am 3. und 4. v. M. tagte in Wilna eine Konferenz der auf dein östlichen Kriegsschauplatz tätigen Feldrabbiner. Anwesend waren außer Dr. Levi, der um Orte seinen Sitz hat, die Herren Dr. B a e ck (Vorsitzender), Dr. A rthurLevy, Dr. Sonderling, Dr. Winter, Dr. H a n o v e r und Dr. Tänzer. Als Gäste wohnten' den Beratungen bei Dr. Wilhelm Levh (Berlin, z. Z. Wilna) und Dr. Voge l st e i n aus Königsberg. Die Verhandlungen galten der Beschlußfassung über eine Reihe wichtiger, aktueller Fragen, insbesondere über vorbereitende Sckritte zur Regelung der jüdischen Militärseelsorge im Frieden und die Rechtsstellung der jüdischen Feld- und Armeegeistlichen, Schaffung eines neuen jüdischen Feldgebetbuches, da das bisher am meisten verbreitete, vom Verbände der Deutschen Juden herausgegebene sich auf Grund der bisher gesammelten Erfahrungen als nicht mehr ausreichend- und nicht genügend umfassend erwiesen hat, und die Befriedigung des Lesebedürfnisses bzw. die Besorgung geeigneten Lesestoffes für unsere jüdischen Krieger. Die Debatten waren alle getragen vom Geiste der Befriedigung über die Erstarkung des jüdischen Bewußtseins und religiösen Verlangens unter unseren Kriegern. fr&fr Berlin, 7. August. Nach den bis 22. Juli eingegangenen Kriegsadressenmeldungen stehen von den über 1100 Mitgliedern

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.