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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-08-10 · Heft 32 (10.8.1917) · p. Seite 384

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 32 (10.8.1917)
Date
1917-08-10
Page
Seite 384 (sequence 12)
Language
German
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—- 384 entsetzliches Grauen empfindet, muß man in den Kauf nehmen, da man es offenbar mit einer starken Talentprobe zu tun hat und die Hoffnung hegen darf, daß sich aus dem Most, der sich freilich „absurd gebärdet", ein trinkbarer Wein entwickelt. L. G. Maria Zanitscheks Gedichte. 1. bis 3. Tausend. Berlin 814, I. Hermann Herz G. m. b. H. 1917. Unsere verehrte Mitarbeiterin Frau Maria Janitschek hat ihre Gedichte, deren erster Druck vor vielen Jahren ausgegeben wurde, in einer neuen, vollständigen Sammlung erscheinen lassen. Es ist hier nicht der Ort, auf diese stimmungsreichen eigenartigen gluterfüllten Dichtungen im einzelnen einzugehen, doch will ich nicht verfehlen, meine für Poesie empfänglichen Leser auf diese bedeutsame Erscheinung hinzuweisen. Hier soll nur bemerkt werden, daß sich unter den Gedichten manche befinden, die es mit jüdischen Dingen zu tun haben. Es sind die folgenden: Judäas Herkunft, Gomorrha, Moses, Jesaias, Beth-Et, Elias, Davids Werbung, Jeremias, Saul. Ich drucke hier zwei Gedichte ab, um den Lesern einen Begriff von der sinnigen Ausfassung und der beredten Ausdrucksweise der Dichterin zu geben. Die Gedichte lauten: Judäas Herkunft. Wo die Sonne purpurne Rosen flicht Um der Felsen ehernes Angesicht, Wo der Schritt auf metallischem Boden klirrt Und der Löwe sich seine Löwin kürt. Wo Wasser kostbar wie Fürstenblut, Wo die Nacht voll Rätsel und heimlicher Glut, Wo Engel verlangend zur Erde steigen Und schlanke Palmen im Samum sich neigen: Ta kommen sie her, geheimnisvoll; Ihre Liebe ist brennend wie ihr Groll. Scharf schlägt ihr Schwert, ihr Stirngeschmeid Ist alte Gottesherrlichkeit. Jesaias. Er war seiner Mutter Schmerzenskind, Seine Zunge war schwer, sein Auge wie blind. Für Schwert und Sense war zu schwach seine Hand Ein Tier schien reicher als er an Verstand. Und weil er so elend und unnütz war, Verstieß ihn seiner Brüder Schar. Er sagte kein Wort, bettelte nicht. Sie lachten über den dummen Wicht, Er ging einen Weg, der ihm unbekannt. Ohne Ziel, ohne Hoffnung, ohne Brot in der Hand. Er ging, geführt von fremdem Gebot, Wie der Stern, der durch finstere Lüfte loht. Es war am Mittag. Ringsum kein Laut, Die Sonne brannte ins dürre Kraut, Der Flüchtling vermochte nicht weiter zu fliehn. Erschöpft sank er am Wegrand hin. Und wie er ruht, erhebt sich ein Wehn, Als ob kühle Quellen durch Schatten gehn; Durch die lautlose Luft fährt schwirrend nieder Ein Jüngling mit gleißendem Gefieder. Unterm Stirnring zweier Augen Glanz Drohende Kraft, und doch Erbarmen ganz. Und er preßt die schneeweiße Engelshand Mit der himmelentführten Kohle Brand ' Auf Jesaias Mund. „Es wachse dein Mut, Es rauschen und kling' deine Lippen Wie das Meer, das befreit von beengenden Klippen, Wie der Jubel der Schar, die Aegypten entflohn. Wie die tönenden Becken vor Jahves Thron!" Da, umrauscht von Schrecken und himmlischem Qualm, Stammelt Jesaias seinen großen Psalm. L. G. — D i e B e st.i m m u n g e n ü b e r d a s B e k e n nt n i s der Kinder. Zusammengestellt auf Anregung des Präsidiums des Evangelischen Bundes, von Dr. B. v. Don i n. Berlin 1916, Verlag des Evangelischen Bundes. Das Schriftchen versucht auf elf Seiten die im Deutschen Reiche geltenden gesetzlichen Vorschriften über die religiöse Kindererziehung, Insbesondere über die Erziehung der Kinder aus Mischehen, zusammenzustellen. Trotz der Literaturangaben, die in 36 Anmerkungen gesammelt sind, und trotz des Abdruckes der Gesetzesstellen, die in 23 Bundesstaaten, in Oesterreich und der Schweiz, den Gegenstand behandeln, ist es dem Verfasser nicht geglückt, den Stoff für den Nichtjuristen übersichtlich zu gliedern und für den täglichen Gebrauch der Geistlichen, Kirchen- und Synagogenvorstünde einen zuverlässigen Führer herzustellen. Es liegt das weniger am Fleiße und dem Bemühen des Verfassers als an den Schwierigkeiten des Stoffes, den Kahl (Referat auf Einladung des Zentralvorstandes des Evangelischen Bundes vom 8. August 1894, unter dem Titel „Die Konfession der Kinder aus gemischten Ehen", im Jahre 1895 veröffentlicht) «einen ungeheueren nennt; dieser anerkannte Kenner und Lehrer des Kirchenrechts nennt den Zustand des Rechtsgebiets in Preußen ein „unerschöpfliches Versuchsfeld wissenschaftlicher Erklärungen und richterlicher Entscheidungen", in Bayern eine „Quelle von Zweifeln und Schwierigkeiten", und er hat leider heute noch recht damit. Es Hütte nahe gelegen, wenn ein praktischer Führer durch diese Wirrsal geschaffen werden sollte, die Entscheidungen der obersten Gerichtshöfe zu sammeln und kritisch zu beleuchten; auch die Zusammenstellung der Erörterungen des Reichstags zum sogenannten Toleranzantrage des Zentrums wäre eine dankenswerte Aufgabe, die für den Juristen und Verwaltungsbeamten einem Bedürfnisse entsprochen hätte. Leider ist hiervon in dem Heftchen nichts zu finden. Schlimmer ist es, daß seine Ansichten zum großen Teil aus einer Auslegung des Gesetzes beruhen, die offenbar mißverständlich ist. Er meint, daß die Gültigkeit der Verträge über die religiöse Erziehung der Dlischehenk-inder dort nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch zu beurteilen sei, wo die Landesgesetze versagen; «er übersieht aber, daß der von ihm abgedruckte Artikel 134 ff. d>es Bürgerlichen Gesetzbuches die landesgesetzlichen Vorschriften über die religiöse Erziehung der Kinder schlechthin unberührt läßt. Damit ist auch die Hilfsweise Geltung des Reichsrechts deutlich ausgeschlossen. Das Verdienst der Arbeit als Beitrag zur endlichen Beseitigung dieses landesgesetzlichen Vorbehalts kann allerdings nicht bezweifelt werden. Lövinsohn. Mcherrmlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Der Wiener jüdische JugendgoLtesdienst und seine Reorganisation. Voran geht ein kurzer Abriß seiner Geschäfte. Referat, erstattet der Konferenz der isr. Religionslehrer an den Wiener Mittelschulen am 1. Mai 1917 von Dr. M. Rosenfeld, k. k. Professor. Wien 1917. Der ethische Monotheismus der Propheten und seine soziologische Würdigung. Von Dr. Benzion Kellermann. Berlin 1917, C. A. Schwetschke u. Sohn, Verlagsbuchhandlung. 44. Jahresbericht der Israelitischen Allianz« zu Men, erstattet an die 44. ordentliche Generalversammlung «am 25. Juni 1917. Wien 1917. Verlag der Israelitischen Allianz zu Wien. Druck von Moruz Waizner u. Sohn, Wien IX, Kolingasse 11, Liechtensteinstraße 5. Karl Emil Franzos: Der Pojaz. Eine Geschichte aus dem Osten. 11. und 12. Auflage. Stuttgart und Berlin, I. G. Cottasche Buch- «Handlung Nachfolger. Mitteilungen des Verbandes der Modischen Jugendvereine Deutschlands. Jahrgang 8, Heft 3. Redaktion und Geschäftsstelle: Berlin 0, Burgstraße 26. Stefan Markus. Biblische Komödien. Stuttgart, Dheaterverlag Heukeshoven. Das Doppelbild. Komödie in drei Akten. Von Stefan Markus. Theaterverlag Heukeshoven, Stuttgart. Der Jude. Eine Monatsschrift. II. Jahrgang. Heft 4, Juli 1917. R. Löwit, Verlag, Berlin-Wien. Neue Jüdische Monatshefte. Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Literatur in Oft und West. I. Jahrgang. 10. Jpli 1917, Heft 19. Verlag der Neuen Jüdischen Monatshefte, Berlin-München.

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