Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 32 (10.8.1917)
- Date
- 1917-08-10
- Page
- Seite 381 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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381 setzte sich der Zug in Bewegung und bald waren schon durch die Unterhaltung, Gesellschaftsspiele und namentlich durch gegenseitiges Zureichen der gespendeten Bonbons und Früchte die Schmerzen des Abschieds bei den Kindern verflogen, und ich konnte bald in allen Abteilungen eine recht gemütliche Stimmung feststellen. H Osnabrück! Erstes Umsteigen mit dem teilweise viel zu Frohen Gepäck, Kinder von 6 Jahren hatten Kasten, die so groß waren wie sie selbst. Hier gab es Ansichtskarten in Hülle und Fülle, doch keine Marken, und ist daher der Gruß der Kleinen aus Osnabrück den Eltern teuer zu stehen gekommen, i Bentheim! Die gefürchtete Zollrevision! Da nirgends etwas auszusetzen, war die Angst schnell überstanden, und muß ich sagen, daß die Beamten unendlich zuvorkommend waren und den Kindern entzückend halfen. Jetzt wurde man mit rasender Geschwindigkeit in den Zug hineingepreßt und nun hinein nach Holland! Schon in Oldenzaal, der ersten Station, stehen Herren und Hoffentlich werden die Kinder ebenso gekräftigt, vergnügt und des Dankes voll zurückkommen wie die 40 Kinder, die ich im Monat Februar hinüberbrachte. Tante Trude. Roman einer Vierzigjährigen. Von Au na Goldschmidt. (23. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Cante Trude, auch mich nicht?" sagt er treuherzig. „Ueberhaupt, Tante Trude schämen Sie sich mit Ihren Tantenansichten. Tante Phine aus Roschmin. Na ja, na ja, die Erfolge sind ja gut, da haben Sie schon recht. Besser ist es ja, |H| Feierliche Einweihung von 200 Heldengräbern und eines Gedenkobelisken auf dem Jüdischen Friedhose in Lemberg in Gegenwart des Stadtkommandanten Generalmajor v. Rimmel. Gemeinderabbiner Dr. Guttmann hält die Gedenkrede. Damen bereit, ihre Zöglinge zu empfangen, und rührend war es hier wie auf jeder Station zu sehen, wie liebevoll man die Kleinen empfing und sich gleich durch Süßigkeiten gut Freund machte. Nun gab es so viele Käsebrote und Schokolade, daß wir alle bis ans Ende der Reise viel zu viel zu essen hatten. Das schmeckte aber! Doch waren die Kinder alle riesig bescheiden und niemand hat sich den Magen verdorben. In Deventer hieß es: von 35 Kindern rührenden Abschied nehmen. Ein Herr des holländischen Komitees brachte sie nach Groningen, Hoogeveen, Leeuwarden und Umgegend. 8y, Uhr! Genau auf die Minute lief der Zug in Amsterdam ein. Wieder dieselbe herzliche Begrüßung und hier verließen' uns auch unsere beiden Amsterdamer Vorstandsdamen, die uns bis Oldenzaal entgegen gefahren waren. Mit nur 5 Kindern setzte ich meine Reise fort und um 10 Uhr konnte ich meine letzten Schutzbefohlenen den liebevollen Wirten in Haag übergeben. Ich war froh, daß der Tag so glücklich verlaufen war; denn nicht der geringste Zwischenfall war vorgekommen. > hübsche junge Mädchen werden ein bißchen streng gehalten, als daß sie so verwahrlosen wie hier die besseren jungen Damen. Das ist ein Poussieren in der Hauptstraße — toll, wie sich die Mädels benehmen. Und in dieser Zeit!" „Reden Sie nicht auf die Leute, Günther. Die Mädchen sind jung, und das sieht sich alles schlimmer an, als es ist." „Merkwürdig sind Sie. Immer duldsam gegen die Allgemeinheit und eisern streng gegen sich und die Nächsten. Ist das wohl auch jüdisch?" „Jüdisch oder christlich, ich weiß nicht. Prüfen Sie nicht immer alles daraufhin." „Aha, schon wieder an die Krone gegriffen!" sagt er kleinlaut. „Nun sollte ich schon nicht mehr über diesen Stein des Anstoßes stolpern. Nun sollte ich schon wissen, daß Sie in dem Punkt immer gereizt, immer feindselig sind. Ihr Vater war so ganz anders. Er war ein herzensguter und kämpfender Mensch, alle Standessragen, alle Menschheitssorgen gingen ihm nah, waren seine Herzensangelegenheit. Für die Judenfrage an sich hat er sich, glaube ich, gar nicht