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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-08-10 · Heft 32 (10.8.1917) · p. Seite 379

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 32 (10.8.1917)
Date
1917-08-10
Page
Seite 379 (sequence 7)
Language
German
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nicht sympathisch gezeichnet, ist nur der Charakter Kains. Wie sich der Dichter die spätere Entwicklung gedacht hat, deutet er nicht an. Man wird durch keine Stelle darauf hingewiesen, wie sich die spätere Geschichte Adams und Kains entwickelt und was aus jenen Frauen wird, die einer anderen Religion angehören als das erste Menschenpaar: sie sprechen von einem höheren Wesen: Kali, das sie verehren. Ob sich eine Bühne entschließen wird, das Drama auszuführen, ob ein solcher Versuch Aussicht auf Erfolg hat, vermag ich nicht zu sagen. Immerhin muß man gestehen, daß die Dichtung, ohne eine gerädezu überragende Leistung zu sein. Poetische und dramatische Qualitäten besitzt, so daß wir sie gern und fveudig begrüßen. — In dieser Uebersicht stehe ferner eine eben erschienene biblische Erzählung „Jonathan"'). Die modernen Dichter schalten mit der Bibel sehr frei. Diesen allgemeinen Satz kann man auch auf die zu besprechende neue Prosadichtung anwenden. Sie ist ein Bruchstück in jeder Beziehung. Denn trotz des Titels, der ausschließlich auf Jonathan hinzuweisen scheint, ist sie ein Ausschnitt aus der Geschichte Sauls und Davids. Aber die Hauptsache bilden die Siege, die Jonathan ohne Geheiß, ja zum Teil gegen den Willen seines Vaters Saul bei Gibea und Mickmahs davonträgt. Mit diesen Siegen aber ist die Gefahr, die den Israeliten von den Philistern droht, .zwar gemindert, aber nicht vollständig abgewendet. In der Ratlosigkeit, die durch die Unentschlossenheit Sauls hervorgerufen ist, Sauls, der schwankt zwischen Mißmut und Selbstbewußtheit, das in sehr stolzen Reden hervortritt, der von einem Teile seines Heeres geliebt, von einem anderen, infolge seines Bruches mit Samuel, mißtrauisch angesehen wird, erscheint David. Dieser ist kein Hirtensohn, kein Knabe, der mit der Schleuder hereintritt, sondern ein kühner Krieger an der Spitze einer großen Schar. Ihm werden große Siege zuteil, die scheinbar von Saul anerkannt werden, während dieser in Wirklichkeit von Mißtrauen gegen der Neuling erfüllt, den Speer gegen David schleudert. David entfernt sich, um zu neuen Siegen auszuziehen. Ein Hauptteil dieser Prosadichtung, ein Friedensidhll in den wüsten Kämpfen, ist die Freundschaft zwischen David und Jonathan. Diese Freundschaft bricht wie die. Liebe aus auf den ersten Blick. Sie ist frei von Eifersucht, genährt durch die gemeinsame Entfremdung gegen Saul. Sie ist poetisch dargestellt und bietet den anziehendsten Teil der merkwürdigen Dichtung. Ihre.Sprache, prosaisch aber voll poetischen Schwunges, nähert sich dem biblischen Ton und ist doch durchzuckt und erfüllt von modernen Klängen. Der Verfasser hat schon viel geschrieben und bereitet Mannigfaches vor; nach den in der Zusammenstellung am Anfang des Buches gegebenen Titeln nichts, was mit unserem Interesse sonderlich zusammenhängt. Das ist schade; vielleicht wäre er berufen, eine große jüdische Dichtung zu schaffen. Denn dieser Jonathan ist ein Bruchstück, das Erwartungen erweckt. Die Ausstattung des Buches, die sich von allem unangenchm Modernen sernhält, ist erfreulich und vornehm. Den Schluß dieser Uebersicht mache der Hinweis auf eine Moses gewidmete Erzählungh. Bei solchen Büchern ist der Beurteiler stark in Verlegenheit. Er möchte den guten Willen und die Befähigung der Verfasserin, sich in ferne Zeiten zu versetzen, ihr Bemühen, einen fremden Stofs verständlich zu machen, rückhaltlos loben, kann aber dieses Lob nicht ohne Einschränkung erteilen, da er zur 7) Albert H. Rausch: „Jonathan Patroklos." Egon Fleische! u. Co., Berlin, 1916. h „Moses." Eine Erzählung aus der Sagenzeit des Volkes Israel. Von Jacot des Combes. Druck und Verlag: Artistisches Institut Orell Füßli, Zürich, 1917. Erkenntnis gelangt, daß die Kräfte der Verfasserin nicht zureichen. Die Verfasserin hält sich im großen und ganzen an die Bibel, hat vielleicht auch manche haggadischen Quellen benutzt, läßt aber auch ihre Phantasie frei walten. Besonders schön sind drei Stellen: die unverwüstliche Liebe der Mutter Jochebed zu ihrem Sohne, die Umwandlung Moses aus einem Götzendiener zum Gläubigen, und die neuerwachte Liebe desselben zu einer zweiten Frau, nachdem Zippora ihn verlassen hat. Auch das Verhältnis Moses zu Josua wird ansprechend geschildert. Aber doch fehlt durchaus die Hauptsache. Denn diese müßte unseres Erachtens darin bestehen, daß eine große psychologische Darstellung geboten würde. Es müßte gezeigt werden, wie dieser Begründer des Judentums sich aus seinen Zweifeln zu religiöser Glut emporringt; es müßte dargestellt werden, durch welche Mttel er sein Volk befreit und wie ans der schwankenden Menge sich ein gläubiges Heer entfaltet. Das Menschliche müßte neben dem Göttlichen in Erscheinung treten. Zu all diesen Dingen sind in dem Buche wohl Ansätze enthalten, aber die Vollendung fehlt durchaus. Die Verfasserin ist an ihre Quellen gebunden und schwankt zwischen dem gegebenen und dem freigestalteten Stoffe; man erkennt ihr Ringen mit dem reichen und zur poetischen Behandlung einladenden Stoffe und sieht doch auf Schritt und Tritt, daß sie der großen Ausgabe, die sie sich gestellt hat, nicht völlig gewachsen ist. Man darf das Werk nicht geradezu verurteilen, da das Streben der Dichterin ein gutgemeintes ist, aber man kann nicht zugeben, daß hier eine gelungene Lösung des großartigen Gegenstandes vorliogt. stüdilchr heldmgräber. 3ch betrachte es als eine der heiligsten Pflichten der jüdischen Gemeinden, unseren Glaubensgenossen, die, draußen an der Front ihre Brust dem Feinde darbietend, sowohl für das.Wohl des Vaterlandes als auch für die Ehre des jüdischen Namens kämpfen, den ihnen gebührenden Dank in gehöriger Form abzustatten. Wenn es einerseits erwünscht ist/ daß den invalide heimkehrenden Soldaten, dann den Witwen und Waisen gefallener Soldaten im Anschluß an die einigermaßen knapp bemessene staatliche Versorgung auch jüdischerseits mitgeholfen werde, so sollen auch den Toten selbst jene Ehrenbezeugungen erwiesen werden, die ihr Andenken auf Generationen hinaus in ehrender Erinnerung zu bewahren vermögen. Wo dies nur irgendwie möglich ist, sollen auf jüdischen Friedhöfen Heldenabteilungen errichtet und dauernd instand gehalten, ferner die Exhumierung und Ueberführung der auf freiem Felde, an Straßen u. dgl. provisorisch beerdigten jüdischen Krieger bewerkstelligt werden. Womöglich sollen die Namen der aus einer Ortschaft stammenden, im Kriege gefallenen Glaubensbrüder auf Gedenktafeln, die vor den Synagogen oder am Eingänge der jüdischen Friedhöfe anzubringen wären, verewigt, ferner alljährlich an einem bestimmten Tage, so etwa am Todestage Moses oder am Versöhnungstage, eventuell am Tage des Friedensschlusses, eine offizielle Seelenfeier äbgehalten werden. Einige große Gemeinden sind in dieser Hinsicht bereits mit gutem Beispiele vorangegangen. In Berlin, Wien, Budapest, Prag und anderwärts sind auf den Gemeindefriedhöfen sehr stattliche Heldengräberabteilungen entstanden. Es ist lobenswert, daß auch die Kultusgemeinde Lemberg, die ja eine fast einjährige Jnvasionszeit hinter sich hat und kaum zwei Eilzugsstunden hinter der Front liegt, trotz der auf ihr lastenden moralischen und materiellen Sorgen die nötige Energie und Opferwilligkeit bekundet hat, den in ihrer

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