Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1917)
- Date
- 1917-08-03
- Page
- Seite 369 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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-- S69 Nehmern des „Jungen Deutschland" gestempelten Schriftsteller. Namentlich sein Brief an den Bundestag, von dem gleich die Rede ist, bezeugt diese seine Würde und sein festes Vertrauen auf die Gerechtigkeit seiner Sache. R. M. 21. Februar 1836. Heines Schreiben an den Bundestag hat hier bei vielen einen sehr günstigen Eindruck gemacht. Man hat ihm diese Anhänglichkeit an Deutschland nicht zugetraut, die sich ernst, wahr und rührend darin kundgibt. Ich freue mich, meine Freude an ihm bei manchem gerechtfertigt zu sehen; denn Heine ist mir in neuerer Zeit das frischeste und anregendste Element lind übt einen eigenen Zauber auf mich durch seine Poesie und seine geistreichen Ansichten. Dabei ist er sehr klug und verständig. Wie groß feine Wirkung und Gewalt ist, wird sich noch in der Folge kundgeben. Ich denke, ihm in kurzem durch eine Gelegenheit zu schreiben. R. M. 31. September 1836. Die Professorin Wurm war diesen Sommer mit ihrem Mann in Württemberg. Sie besuchte mich nach ihrer Rückkunft und erzählte mir, sie habe dort eine große Entrüstung darüber gesunden, daß man dem Almanach Heines Bild vorsetzt. Die meisten haben ihre Beiträge wieder zurückverlangt. Mehrere schon gedruckte Bogen mußten umgedruckt werden. Man ist aufgebracht gegen den Verleger. Die gereizte Empfindlichkeit geht so weit, daß man eine Trennung der schwäbischen Dichter von den Norddeutschen fürchtet. Diese Parteisucht der Württemberger kann ich nicht loben, obgleich! sie mir erklärlich ist. Sie sind in den politischen Zuständen ihres kleinen Ländchens ebenso. Ich glaube, die Norddeutschen hätten sich nicht so gebärdet, wenn es etwa dem Verleger beliebt hätte, Menzels Bild vorzusetzen, der einige hübsche Gedichte gemacht hat, von denen man aber gar nicht weiß, wie er dazu kömmt, da er kein Dichter ist, ein widriger Geselle, an dessen Bild sich kein Mensch gefreut haben würde, da sich alles von ihm abwendet, dahingegen Heine ein Meer von Freunden und Verehrern zählt und vielen, wenn sie ihm auch nicht ganz beistimmen,' interessant ist. Wenn man gleich verletzt sein würde, wenn unsere Sympathien verletzt werden, so wäre man mit der halben Welt in Feindschaft; ich wär's mit meinen besten Freunden, da wir über manche Punkte uns nicht vertragen können. Um das eben Mitgeteilte zu verstehen, sei erwähnt, daß der von Chamisso und Gustav Schwab herausgegebene Musenalmanach, in dem die beiden Herausgeber alternierten, mit einem Bild Heines geziert werden sollte. Die Süddeutschen, die Heine aufsässig waren und die auch politische Mißhelligkeiten durch eine solche öffentliche Ehrung fürchteten, erklärten sich darüber auf das höchste erzürnt und veranlaßten durch ihr Vorgehen Heines bekannte Satire „Schwabenspiegel". — Der in dem letzten Briefe erwähnte Menzel ist der bekannte Geschichtsschreiber, Literarhistoriker und Kritiker Wolfgang Menzel, der in jener Epoche eine förmliche Diktatur in der kritischen Welt ausübte. Die in den an letzter Stelle gebrachten Mtteilungen erwähnten Tatsachen und Personen bedürfen einer kurzen Erläuterung. Heine beabsichtigte wirklich, in Paris eine deutsche Zeitung herauszugeben, worüber seine schon gedruckten Briese außerordentlich wichtiges Material enthalten. Der zuletzt genannte Ludwig Wihl, ein damals sehr jugendlicher Dichter, war längere Zeit in Paris gewesen, hatte sich an Heine angeschlossen, war aber mit diesem später in Differenzen geraten und von Heine furchtbar gehöhnt worden. Er war ein frisches, wenn auch nicht großes Talent, und es ist erfreulich zu erwähnen, daß Rosa Maria in ihrem Spürsinn und in ihrer Anerkennung jeder wirklichen Begabung freundliche Worte für ihn findet, die indessen än dieser Stelle nicht mitzuteilen waren. — Höchst charakteristisch sind die Bemerkungen über Heines Geliebte, seine spätere Gattin Mathilde. Rosa Maria kannte diese nicht von Ansehen; für ihre Beurteilung war sie daher nur auf die Berichte von Fremden angewiesen; in ihrem keuschen Sinn, ihrer etwas altjüngferlichen Auffassung konnte sie sich mit dieser Vereinigung nicht einverstanden erklären. R. M. 5. April 1838. Von Heine ist in diesen Tagen ein Brief an Campe eingetroffen. Er soll sehr mißmutig sein, teils es ihm mit der Herausgabe der „Deutschen Zeitung" nicht recht glücken will, teils auch wegen der Hindernisse, die der Herausgabe seiner sämtlichen Werke entgegenstehen, und teils auch wegen der vielen Angriffe, denen er sich ausgesetzt sieht, unter denen der von Psitzer ihm empfindlich sein soll. Ueberall Tadel und Streit! Unzufriedenheit und Hemmung! R. M. 11. Juni 1838. Auch Heine hat er (Wihl) öfters gesehen und erzählt nicht eben das Erfreulichste von ihm. Heine hat mit Mathilde, dein Mädchen, mit dem er in Paris lebte und die auch Mundt bei ihm gesehen hat, eine dauernde Verbindung geschlossen und sie zur Frau genommen. Er sucht sie zu bilden und läßt sie unterichten, und da sie noch jung ist, mag ihm manches bei ihr gelingen. Es ist aber doch ein Unglück, in solch eine Verbindung zu geraten, die von Anfang an in Widerspruch mit hergebrachter Ordnung und Sitte steht und immer mit Mißbilligung und Abneigung in der Gesellschaft zu kämpfen hat. Es ist für Heine ein Unglück, wenigstens halt' ich es dafür, obgleich sein Herz und Charakter ihn vielleicht gerade hier schön und edel zeigt. Er soll überhaupt mit seiner Stellung und Lage in Paris nicht sehr zufrieden sein. VorbMichkeit jüdischer GlsubrnssnhsnsUchkett und Glaubenslehre nach heutigem chrittlichen Artet!. ine der gediegensten und mit Recht am meisten geschätzten großzügigen deutschen Zeitschriften neueren Stils, die „S ü d d e u t s ch en M o n a t s h e f t e" in München, veröffentlichte im April ein Monatsheft „Der Vatikan". Darin ergreift ein Mann durchaus altbayerischkatholischer Erziehung, der Königliche Gyrnnasialprosessor fürneuere Sprachen in München, Dr. Josef H o f m i l l e r , Mitherausgeber der „Süddeutschen Monatshefte", das Wort, um innerhalb des 12J4 Seiten langen, stark durchgesehenen Neudrucks seiner Bonaventura Unterzeichneten „Laiengedanken zum Unterricht in der Religion" aus der entschlafenen berühmten „Beilage zur Allgemeinen Zeitung" vor anderthalb Jahrzehnten den für den römisch-katholischen Religionsunterricht maßgebenden Stellen sehr ernst gemeinte und wohlüberlegte Ratschläge zu erteilen. Darunter spielt der Nachdruck, welchen der geistesgeschichtlich, literaturkundlich und volkspädagogisch gleichermaßen beschlagene Laienrichter der religiösen Schulunterweisung seines eigenen Bekenntnisses auf Pflege historischer Ueberlieferung legt. Während ihm da nun der protestantische Religionsunterricht mancherlei Nachahmenswertes im Umfange des kirchengeschichtlichen Lernstoffs darbietet, findet Hofmiller im r e l i g i ö s e n W i s s e n d e s h e u t i g e n deutschen Judentums so viel, was ihm größte Hochachtung abnötigt, daß er in der vermutlichen oder vermeintlichen Grundlage dieser Kenntnisse, dem Religionsunterricht, ein Muster für den katholischen erblickt und hinstellt. Namentlich imponiert ihm die sprachliche und innerliche Beherrschung