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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-08-03 · Heft 31 (3.8.1917) · p. Seite 364

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 31 (3.8.1917)
Date
1917-08-03
Page
Seite 364 (sequence 4)
Language
German
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364 Forderungen, a) in allen Ländern der Diaspora, b) in Palästina. 2. Die Stellung zum internationaler: Sozialistenkongreß. 3. Die Stellung zu anderen jüdischen Parteien. 4. Die Reorganisation der Partei. 5. Die Einberufung eines jüdischen Weltkongresses und einer jüdischen Arbeiter-Weltkonferenz. * Es sieht fast so aus, als wenn Amerika, das sich seit Ausbruch des Krieges völlig im englischen Schlepptau befindet, auch bereit ist. die englischen Pläne in bezug auf P a l ä sti na zu unterstützen. Wenigstens lesen wir in einem Berliner Blatte: Die von Wilson ernannte Palästinakvmmission, bestehend ans dem früheren Botschafter Morgenthau, Professor Frankfurter mtb Lewis Eckstein, ist in Europa angekolnureu, von wo sie sich nach Aegypten begibt. Sie wird dann die Ententeregierungen besuchen. Die jüdischen Wünsche betreffend die Zukunft Palästinas sollen nach dem Willen Wilsons berücksichtigt werden; in diesem Sinne wird die Kommission auch ihre in Aussicht stehenden Verhandlungen einleiten. Ueber die Absichten, die England hinsichtlich Palästinas verfolgt und die von Wilson kräftig unterstützt werden, hat sich die englische Zeitschrift „New Europe" kürzlich wie folgt geäußert: ..Stets hat Englands auswärtige Politik darauf hingearbeitet, zu verhüten, daß Aegypten und Palästina, die beiden Länder, die dem Landwege nach Indien vorgelagert sind, in die Hände einer großen europäischen Macht fielen. Wir haben uns Aegypten gesichert, und dieser Krieg muß uns Palästina bringen. Die Türkei darf Palästina nicht behalten. Können wir es aber zugeben, daß es in die Hände einer anderen europäischen Großmacht fällt? Man hat uns vorgeschlagen, Palästina an Frankreich zu geben. Frankreich hat weder politische noch militärische Interessen in Palästina, und seine syrischen Interessen können nicht besser geschützt sein als durch ein zionistisches Palästina unter britischer Flagge. Palästina ist ein Pfeiler für Englands imperialistische Politik. Das haben wir erkannt, und deshalb erobern wir es mld werden es behalten. Wir werden vorwärtsgetrieben von der unwiderruflichen Logik der Politik, mit der wir die Aktien des Suezkanals aufkauften und Aegypten besetzten." Die Frage, ob Palästina nach dem Kriege bei der Türkei verbleiben, ob es England zugesprochen werden solle, ist eine, die unserer Kompetenz fernliegt. Jedenfalls kann sie nicht jetzt, am wenigsten durch eine reisende Kommission, entschieden werden. Trotzdem wollen wir nicht unterlassen, als unseren Standpunkt zu erklären, daß wir ein zionistisches Palästina, mag es ein selbständiger Staat sein oder unter englischer Oberhoheit ein Scheinleben führen, als ein großes Unglück für das Judentum betrachten müssen. Entwickelt sich Rußland aus den furchtbaren Wirren, in die es noch verstrickt ist, zu einem wirklich freien Staat, wird Polen selbständig und freiheitlich ohne nationale Beschränktheit, bleibt in Oesterreich die Auffassung herrschend, auch in Galizien den Juden Daseinsmöglichkeiten zu verschaffen, und entwickeln sich, wie wir hoffen, auch im Deutschen Reiche die Zustände so, daß der Antisemitismus verschwindet, dann ist der Anlaß zur Auswanderung großer Massen vollkommen vernichtet. Selbst die Zionisten glauben schwerlich daran, daß, wenn die Ursachen zu einer Massenauswanderung aufhören, wenn die Juden aller Länder keinen Grund haben, über ihre heimischen Zustände zu klagen, große Mengen Lust haben, die Länder, an die sie seit Generationen das Heimatsgefühl gekettet, selbst in Epochen schmachvoller Unterdrückung, nun zu verlassen, wenn die Sonne der Freiheit ihnen lächelt. Heimatlosen mag man eine Heimatstätte gewähren; die, die ein Land gefunden haben, deren Vollbürger sie sind, brauchen keinen neuen Wohnort. Und eine gesicherte Heimstätte könnte ein Land nicht werden, das zum Zankapfel und Spielball rivalisierender Mächte ausersehen ist. Wir, die große Majorität der europäischen Juden, wollen aber keinen jüdischen Staat, am wenigsten einen zionistischen; wir wollen als gleichberechtigte Söhne des Vaterlandes, dem wir durch Geburt und Gesinnung angehören und das uns das Bekennen und die Ausübung unserer Religion sichert, arbeiten, kämpfen, auch, wenn es die Zeit erlaubt, genießen und, solange es nötig ist, bluten und leiden. tz. Cohen: Mos einigt die Lonkelüonen? ermann Cohen, der Unermüdliche, der in seinem hohen Alter nicht bloß seine große Lebensarbeit zum Abschluß bringt, sondern die halbe Muße, die ihm das Ausgeben seines Universitätsamtes verschafft hat, zu einer fruchtbaren akademischen Tätigkeit an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums verwendet, findet in seinem hohen Alter mehr als in der Zeit seiner Manneskraft Lust und Muße, sich in Zeitschriften vernehmen zu lassen und in den allgemeinen Vereinen, nicht bloß in jüdischen, Vorträge zu halten. Einen solchen, gehalten in der Freien Wissenschaftlichen Vereinigung zu Berlin am 9. Juni, bringt er in dem „Protestantenblatt" vom 14. und 21. Juli zum Ausdruck. Der Raum unseres Blattes gestattet nicht, die ganze gedankenreiche Ausführung hier folgen zu lassen; ich gebe daher nur die prägnantesten Stellen, vor allem die, die sich besonders aus das Judentum beziehen. Sie lauten folgendermaßen: Insbesondere bildet die Stellung, welche der Staat den zum Christentum übertretenden Juden gegenüber einnimmt, eine große Gefahr für den Fortbestand des Judentums und einen schweren Konflikt zwischen dem persönlichen Bekenntnis des Juden und seinem Staatsbewußtsein und Staatsgefühle. Die erste Forderung, die daher aus dem Gesichtspunkte der konfessionellen Einigung zu erheben ist, möchte sich beziehen auf die nicht fernere Bevorzugung der Konvertiten vor den Bekenntnistreuen bei staatlichen Anstellungen. Solange diese Bevorzugung offenkundig geübt wird, wird tatsächlich die Grundbestimmung der Verfassung, welche das Staatsamt unabhängig macht von dem Glaubensbekenntnis, illusorisch gemacht. Der Jude fühlt sich um die wirkliche Anerkennung seiner staatsbürgerlichen Gleichheit hintergangen und daher in seiner Gewissensfreiheit getäuscht. Es kommt hinzu, daß die Konvertiten einen neuen Gegenbund gegen die jüdischen Bekenner bilden, der an Gefährlich- Feldrabbiner Dr. Lewin. 7

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