Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1917)
- Date
- 1917-08-03
- Page
- Seite 363 (sequence 3)
- Language
- German
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363 fttofren Wahrheit, die Moses uns lehrt: verzichten, sich bescheiden und weiter hassen und kämpfen von Geschlecht ans Geschlecht, unermüdlich und ohne Wanken ist Völker- und Menschengeschickt Dann wird unserem Volke niemand und nichts etwas anhaben können, die Väter werden die Kinder ermutigen, diese wieder das nachfolgende Geschlecht •51t heiligem Tun und zähem Streben zur Ehre unserer Genreinschaft. Die Mache. Berlin, den 31. Juli. ie Verfolgung der Russen dauert an. Noch ist das Ziel, ihre Vertreibung aus Galizien und der Bukowina, keineswegs völlig erreicht, noch leisten sie an manchen Orten kräftigen Widerstand und sammeln sich gelegentlich zu blutigen Gegenstößen, aber T a r n 0 p 0 l, das von ihnen länger als zwei Jahre besetzt war, ist, ebenso wie Kolomea, genommen und die deutschen Truppen mit ihren Verbündeten haben sich Ezernowitz bereits genähert. Da die Disziplinlosigkeit im russischen Heere große Dimensionen anznnehmen scheint, da auch in der Hauptstadt und an anderen Orten neue blutige Unruhen ansgebrochen sind, so sieht es so ans, als ob Rußland bald aufhören würde, aus der Reihe unserer gefährlichen Gegner zu scheiden. Freilich, diese Hoffnung hegt man schon so lange, daß man Bedenken tragen muß, sich ihr ganz hinzngeben. Und selbst dann, wenn diese Hoffnung sich erfüllen sollte, haben wir noch immer keine greifbare Aussicht -auf Ruhe und Frieden. Denn England verlangt unsere Demütigung. Obgleich das englische Volk stark zu leiden beginnt und die Regierung sich entschließen mich, zur Rationierung der Lebensmittel und zur Austeilung von Karten behllfs der Ernährung zu schreiten, beharrt die Regierung auf ihrer Meinung, in Deutschland den Schuldigen zu sehen, und auf ihrem Verlangen, daß Deutschland diese Schuld eingestehe und sich zu ihrer Sühnung entschließe. England spielt sich weiter auf als Verteidiger der Freiheit, der in Deutschland den Imperialismus und den Militarismus bekämpft. Es ist freilich bedauerlich, eingestehen zu müssen, daß die freiheitlichen Bedürfnisse und Forderungen des Volkes und des Reichstages bei der Preußischen und deutschen Regierung kein rechtes Entgegenkommen finden, aber das sind innere Angelegenheiten, in die keiner anderen Nation eine Einmischung zusteht. Und es ist eine grobe Heuchelei, die von England geübt wird, wenn diese Macht nun erklärt, ihr Kampf gelte dem Politisch zurückgebliebenen Deutschland: denn gerade das machtvolle, durch Handel und Jndilstrie groß mtb der englischen Machtherrichaft gefährlich gewordene Deutschland ist cs. dem Englands Feindschaft gilt: unser Vaterland klein zu machen, es aus der Rolle der Konkurrenten zu verdrängen, ist sein einziges Streben. Es würde einem freiheitlichen Deutschland genau so gegenübertreten wie den: jetzigen, wenn dieses sich nicht mit der Rolle eines machtlosen Kleinstaates begnügen wollte. Darum müssen wir für uns, so sehr wir die Freiheit lieben, wnb auch für Deutschland, wenn auch auf friedlichem, nicht gewaltsamem Wege, die Durchführung einer demokratischen Regierungsform wünschen, diese Forderungen ^urücftreten lassen hinter dem Verlangen, mit unseren Feinden fertig zu werden. Sie dürfen uns nicht beugen und uns nicht ihr Gebot anfertegen, sondern sie müssen nachgeben, damit wir unsere innere und äußere Entwicklung nach eigenem Ermessen gestatten. Daß dies sich erfülle, ist unser heißer Wunsch. So tief in jedem Menschen, bei der Sorge und Entbehrung, die sich täglich und überall spüren läßt und die auch im kommenden Herbst und Winter nicht geringer werden kann, sondern immer größer werden wird, die Sehnsucht ist, daß dieses furchtbare Blutbad, diese Vernichtung kostbarster Werte, diese Verödung und Verarmung ganz Europas endlich anshöre, wir müssen allshalten, bis unsere Feinde zur Vernunft kommen, von ihren falschen Anklagen im Hinblick auf die Vergangenheit und von ihren unberechtigten Forderungen für die Zukunft ablassen. So schreiten wir in das vierte Kriegsjahr nicht fröhlichen Gemüts, aber in der sicheren Ueberzeugung von unserem Recht, in dem ungeschwächten Vertrauen aus die Unerschütterlichkeit unseres Heldenvolkes und in fester Hoffnung auf die Zukunft. Möge eine solche Hoffnung und dieses Vertrauen bald gerechtfertigt werden! Die unerhörte Verlogenheit unserer Feinde geht deutlich hervor ans den Enthüllungen, die der deutsche Reichskanzler den Vertretern der Presse gemacht hat. Daraus erhellt, daß die Franzosen unmittelbar vor dem Ausbruch der russischen Revolution weitgehende Eroberungspläne mit der Regierung des Zaren vereinbart haben, die Frankreich außer Elsaß-Lothringen das S a a r b e ck e n und w e i t - g e h e n de G e b i e t s e r W eite r u n g e n a m linken R h e i n n f e r s i ch e r n sollt e n , u n d daß F r a n k r e i ch n a ch d er r n s s i s ch e n R ev 0 luti 0 n er kl 8 r t hab e, die Provisorische R e g i e r u n g m ü s s e das halten, was die z a r i s ch e v e r s P r.0 ch e n h a t t e. Aus diesen Zeugnissen geht unwiderleglich hervor, daß wie für den Beginn dieses Krieges auch für die Fortsetzung ausschließlich unsere Feinde die Schuld tragen, die sie auf uns abzuwälzen sich wahrheitswidrig bemühen. * Dur „Mitteilungen des Jüdischen Korrespondenzbureans" im Haag entnehmen wir folgende Nachrichten: D i e I u d e n i n N u ß l a n d. An des Jüdische Korrespolldenztmreau im Haag, wird unterm 17. Juli ans Stockhobn telegraphiert, daß der Kongreß der Arbeiter und Soldaten für die nationale Autonomie der russischen Völker bis zur Unabhängigkeit eiutritt, ihre Durchführung jedoch der Konstituante Vorbehalt. Die nationalen Minderheiten sollen vor Unterdrückung beschützt werden. Das Russische soll Staats- und Rechtssprache sein, aber die Gerichtshöfe müssen die Volkssprachen verstehen. Ans Vorschlag des Bnndisten Lieber wurde beschlossen, diese Prinzipien auch auf die Juden anznwenden. In verschiedenen Städtell haben die schwarzen Hundertschaften unter dem Deckmantel radikalster und anarchistischer SchlagNwrte eine heftige antisemitische Propaganda entfaltet. In Petrograd haben Maitifestauten unter antisemitischen Ausrufen eilte Bnndistenfahne niedergeholt. D e r P 0 g r 0 m in Leed s. Dem Jüdischen Korrespondenzbureau im Haag wird ans London berichtet, daß der Minister des Jltnern durch I. King befragt wurde, ob er einen vollständigen Bericht über die antisemitischen Ausschreitungen in Leeds empfangen habe und ob er eilte Erklärungabgebelt werde, wer an den Unruhen schuldig, wie groß der Schade und die Zahl der Verwundeten wäre. Sir George Eave erloiderte, daß er eilten Bericht mit allen verlangten Einzelheiten erhalten habe. Er erachte es indes für unnötig, ihn zu publizieren oder eine Erklärung abzngebelt. Die Unrlthen seien durch die Polizei unterdrückt worden, urtb der Polizeichef erwarte nicht, daß sie wiederholt würden. Durch manche Zeitungen geht nachstehende Notiz: I lt t e r it a t i 0 lt a l e r Z i 0 n i st e n k 0 lt g r e ß t it S t o.ck h 0 l m. Am 15. August tritt bekanntlich ans Einladung.des russischen Arbeiterintd Loldatenrates m Stockholm der internationale Sozialistenkongreß zusammen. Zn gleicher Zeit findet in der schwedischen Hauptstadt eine Konferenz der internationalen Zionistenvereinigung „Poale Zion" statt. Die Tagesordnung für diese Konferenz lautet: 1. Die politischen