Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1917)
- Date
- 1917-07-27
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3229286-3229316--73293-3285766- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Colmar 1× ep/1047872
OCR text
g sofort im bischöflichen Galawagen ein Abgesandter zu dem Vorstände der evangelischen und jüdischen Gemeinden abgeschickt und beide Herren: im Namen des Bischofs zur Teilnahme an dem Feste gebeten. Bei Eintritt der letzteren in den Festsaal, schritt Colmar sofort den Herren entgegen, und ihnen die Hände reichend, ersuchte er sie, -an seiner Seite die Plätze einzunehmen. Da während der kommenden Kriegsnot mit all ihren Drangsalen der humane Kirchensürst stets in aufopfernden Weise für , das Wohl der Stadt und seine Diözesanen ohne Unterschied der Konfession Sorge trug, so wußte er auch die Herzen aller in so hohem Maße 31t gewinnen, dos; sein Name noch jetzt in seiner Diözese mit ungeteiltem Lobe genannt wird. Als besonderes Zeugnis dieser Verehrung sei die Tatsache erwähnt, daß bei der erstell öffentlichen Prozession, die irn Jahre 1817 nach Genehnligullg des Großherzogs Ludwig I. durch die Straßen der Stadt Mainz sich bewegte, die jüdische Gemeinde aus eigenem Antriebe eine Ehrenpforte ans Blunlengewinden in der Klarastraße anl Eingang in die Synagogenstraße errichten ließ und in dieser sinnigen Art ihrer Anerkennung für den dereh r n n g swürdigeu Bischof Ausdruck verlieh." -- Diese Aufmerksamkeit der Mainzer Gemeinde war keine Verehrung eines frenldell Kults, sondern sie galt der Person des hochherzigen Bischofs, der im wahren Sinne des Wortes ein Priester dor Liebe und Gerechtigkeit war. Holland. X. Amsterdam, 20. Juli. Die Amsterdanler Judenheit beging am 3. v. M. ein Fest, wie sie ein solches schon lauge nicht gefeiert hatte. Seit dem Hinscheiden des berühiuten Oberrabbiners von Nord-Holland Dr. I. H. D ü n n e r am 24. Tischre 5672 (15. Oktober 1911), also länger als fünf Jahre, war das hohe Amt, das durch beinahe drei Jahrhunderte von Kapazitäten bekleidet war, verwaist. Nunmehr wird Herr A. S. Onderwijzer — zum erstenmal ein geborener Niederländer — dieses Amt besetzen, und ihm zu Ehren wurde dieser Tag als ein Feiertag begangen. — Die Amsterdamer. Hanptsynagoge stellte ihren großen Versammlungssaal zur offiziellen Installation zur Verfügung, wo sich die Familie des Herrn Onderw i j z e r, die Mitglieder der Israelitischen Kirchengenossenschaft Nord- Hollands, der Kirchenrat der Amsterdamer Hauptsynagoge, Abgeordnete der anderen Gemeinden, ferner Rabbiner von Nord-Brabant luld Limburg Herr S. H e e r t j e s , sein Amtsgenosse von der Portugies.-Jsrael. Gemeinde vom Haag Herr A. Z. Pareira, der Rektor des Niederl.-Jsrael. Seminars Herr G 0 b i t s, der Rabbiner zu Haarlenl Herr M. Vries, Mitglieder der Portugies. Kirchengenossenschast ltnb anderer Genossenschaften versammelten. — Um halb 2 Uhr betrat der Oberrabbiner Onderwijzer den Saal, geführt uni) gefolgt vom Bürgermeister von Amsterdam Herrn Tellegen, dein Stellungskommandanten Generalmajor O p h 0 r st, dem Vorsitzenden des Ressorts Nord-Holland Herrn Ascher, dem Oberrabbiner A. v an L 0 e n , dem Alt-Konrektor vom Seminar Oberrabbiner P a l a ch e, dem Rabbiner V r e d e n b u r g llnd Rabbiner S a r l 0 u i s. Nachdem alle die ihnen angewiesenen Plätze eingenommen hatten, eröfsnete der Vorsitzende des Vorstandes Herr Ascher die Versammlung. Er brachte ehrerbietige Huldigung dem Andenken des verstorbenen Oberrabbiners Dr. D ü n n e r dar, der durch seine Arbeit, insbesondere für die Alnrn mator der jüdischen Religionswissenschast sowie für das Seminar, fortleben wird in der Erinnerung kommender Geschlechter. In einer längeren Ansprache begrüßte er dann den neugewählten Oberrabbiner und erklärte ihn als den Oberrabbiner vorn synagogalen Ressort Nord-Holland installiert. Der Oberrabbiuer sprach seinen Dank aus für die Worte des Vorredners, die ihm, nach seiner Versicherung, zur Stütze auf dem schwierigen Pfad, den er soeben betreten hat, sein werden. Auch er wird stets seiner großen Vorgänger in Ehren gedenken. Hierauf schloß der Vorsitzende die Versammlung nnb man zog zur Synagoge. Auf dem Wege dahin standen Hunderte von Leuten, um ihren Gruß und ihre Ehrerbietung dem neuen Oberrabbiner darzubringen. Nach einem kurzen Gebet stimmte der Chor der Hauptsynagoge einen Jubelsalm an und Herr Rabbiner V r ed enb n r g hielt eine Ansprache zur Begrüßung des neuen Oberrabbiners Onderwijzer. Dieser dankte hierauf in herzlichen Worten, und den Schluß dieser Feier bildete das vom Chor gesungene Halenu und Jigdal. 22 Den Haag, 20. Juli. Die Spendeneinnahmen des Jüdischen Nationalfonds im Monat Juni 1917 betrug 2 42 420 Mark; die Eingänge des ersten Halbjahrs 1917 belaufen sich auf 6 23 5 52 Mark (gegen 282 315 Mark im 1. Halbjahr 1916); außerdem sind für den Pionierbeitrag (des Genossenschaftsfonds) 6255 Mark eingegangen. — Die Einnahmen von' fast einer Viertelmillion im Monat Juni stellten eine Nekordsumme dar, doch sind darin die Erträge des Blnmentages in den Vereinigten Staaten von Nordamerika sowie eine größere Sammlung aus Rußland enthalten. Der Eingang für den P i 0 n i e r b e i t r a g stammt in der Hauptsache von beit Vlumeutagen der holländischen und belgischen Zionistenfvderation. — Das Halbjahrsergebnis übertrifft mit mehr als das Doppelte den im ersten Halbjahr 1916 erreichten Betrag. Mit Rücksicht ans die aus Anlaß der Evakuierungen in Palästina eingeleiteten Notstand s a r bc i t e n ans den Besitzungen des INF. und seine Erfordernisse für die Zeit n a ch Friede n s s ch l u ß ist zu hoffen, daß die Opferwilligkeit uud der Eifer der Spender und Sammler in der nächsten Zeit noch eitle Steigerung erfahren werden. Gestrrreich-Angsrn. Budapest, 26. Juli. Der kürzlich hier verstorbene (Getreide- Händler Herr Leopold Emil K 0 P st e i n hat testamentarisch außer Legaten für seine Familienangehörigen eine halbe Million Kronen für wohltätige Zwecke hinterlassen. Diese Summe verteilt sich folgendermaßen: Für eine seinen Namen tragende urologische Abteilung am Spital der Pester israelitischen Neligionsgemeinde 200 000 Kronen mit der Bedingung, daß sein langjähriger Freund, Privatdozent Dr. Desider Raskai, mit der Leitung dieser Abteilung betraut werde: an der Bndapester Handelsakademie eine seinen und seines Bruders Ludwig Namen führende Stipendienstiftimg von 10 000 Kronen: eine Stiftung für die Wiener israelitische Knltnsgemeinde von 10 000 Kronen auf den Namen seines älteren Bruders Julius zur Unterstützung verarmter Kauflente; eine Bettstistnng von 10 000 Kronen im Bndapester israelitischen Spital ans den Namen seiner Eltern; dem Asyl für verkrüppelte Kinder 10 000 Kronen: dem Gratismilch-, Gratisbrot- und dem Bndapester Ferienkotonieverein je 5000 Kronen: zwei Stiftungen von je 50 000 Kronen für Kriegswaisen irn Bndapester israelitischen Knaben- und Mädchenwaisenhans; dem Siechenhaus der Pester Ehewra Kadischa eine Bettstiftnllg von 30 000 Kronen: dem Kaufmännischen Asvl eine Stiftung von 20 000 Kronen: dem Hilfsverein der Bndapester Waren- und Effektenbörse eine Stistltng von 10 000 Kronen: für Mutter- und Säuglingsschuh 25 000 Kronen: der israelitischen Mensa academica 10 000 Kronen; dem israelitischen Botksküchenverein 5000 Kronen; der sozialwissenschaftlichen Gesellschaft zur Prämierung wertvoller Werke 10 000 Kronen: der Frei en Schule dieser Gesellschaft 5000 Kronen: dein Galileiktub 5000 Kronen. Die Testamentsvollstrecker, Direktor der Kornmerzialbank Dr. Emil Stein, Privatdozent Dr. Desider Raskai und Advokat Dr. Ernst Mayer, werden auf Grund der erhaltenen Ermächtigung auch beim Pensionsinstitut ungarländischer Journalisten eine Stiftung von 4000 Kronen kreieren. Von Msh und Fern. — Am Freitag, den 20. d. M., beging Prof. Dr. Mar L i e b e r - mann seinen 70. Geburtstag. Die vielen Freunde und Verehrer des Meisters benutzten gern diese Gelegenheit, um ihm ihre (Glückwünsche persönlich darzubringen. Telegraphisch gratulierten: Prinz August Wilhelm von Preußen, der frühere Reichskanzler v. B e t h m ci rt n H 0 llweg , der Kultusminister v. Trott z n Solz, der Reichstagsprüsident Exzellenz Dr. Kaemps u. v. a. Die philosophische Fakultät der Berliner Universität brachte Liebermann als ihrem Ehrendoktor die wärmsten Glückwünsche dar. Der Großherzog von Sachsen-Weimar ließ dem Künstler durch Fritz Mackensen die Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft erster Klasse überreichen. Tie Stadt Berlin stiftete eine künstlerisch ausgestattete Adresse. Ans Attlaß seines Geburtstages stiftete der Meister der Akademie der Künste den Betrag von 100 000 Mark zur Unterstützung notleidender Künstler. — Tr. James S i m 0 n hat dem Kupferstichkabinett der Berliner Museen eine Anzahl von Zeichnungen alter Meister gestiftet. Darunter sind zwei alte Niederländer mit schönen Landschaften vertreten: der Maler der Wasserfälle van Everdingen und Woilvertnan mit einein seiner beliebten Gegenstände: Reisenden zu Pferde. Ferner sind in der Schenkung James Simons zwei Zeichnungen alter Franzosen, des Lagnean und Duronstier, enthalten. — Die Berliner Jüdische Gemeinde hat nunmehr den dritten Prediger in der Person des Herrn Rabbiner