Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1917)
- Date
- 1917-07-27
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 ein freistehendes Häuschen: rechts das Grabmal Isaaks, links das der Rebekka. An der anderen Seite des Hofes ist ebenfalls eine Vorhalle, die ans beiden Seiten je ein Zimmer hat. Rechts ist das Grabmal Jakobs, links das der Lea. Zur rechten Hand am Ende des Säulenganges des Tempels führt eine Tür zu einer langen Galerie, die mau auch als Moschee verwendet'; von dort o,dauert man in ein anderes Zimmer, darin das Grabmal Josephs zu sehen ist, der in Aegypten starb und dessen lleberreste die Israeliten hierher gebracht haben. Alte Grabmüler der Patriarchen sind mit reichen, grünseidenen, köstlich mit Gold gestickten Teppichen überdeckt. Die Sultane in Konstantinvpel schenkten die Teppiche, die zuweilen erneut werden. Am Grabmale Abrahams sind neun solcher Teppiche übereinandergelegt. Die Zimmer, in denen sich die Grabstätten befinden, sind ebenfalls mit reichen Teppichen belegt; der Zugang ist mit eisernen Gittern, hölzernen silberplattierten Türen, mit silbernen Schlüsseln und Borlege schlossern verwahrt. Zum Dienste in der Moschee sind über hundert Personen angestellt, und in der Moschee selbst ist eine Kanzel für die Feiertagspredigten. W. Posen, 20. Juli. Nach kurzem schweren Leiden verschied hier der Rentier Louis Meyer im 58. Lebensjahre. Er war Vorstandsmitglied der Jüdischen Unterkunftsstätte und hat diese junge Institution durch sein Ableben einen herben Verlust erlitten. Seit Begründung dieser gemeinnützigen Einrichtung hat der Verstorbene dem Borstandskollegium angehört. Er war stets bereit, seine reichen Erfahrungen und genaue Sachkenntnis in den Dienst der gesteckten Jiele der Wohl sah rtsei u richtung zu stellen. Der Verblichene war auch Vorstandsmitglied des Vereins Anschei-Chessed. Mit großem Interesse und warmem Herzen hat er sich um das Emporblühen dieses Vereins bemüht und sich anerkennende Verdienste erworben. Das Andenken dieses wackeren Mannes wird allezeit in Ehren gehalten werden. Herr Gemcinderabbiner Dr. Freimann hielt die Leichenrede. Redner würdigte das Wesen und Wirken des Entschlafenen mit eindringlichen Worten. Breslau, 20. Juli. Dem soeben erschienenen Rechenschaftsbericht des Israelitischen Mädchenheims zu Breslau für die Jahre 1914, 1915 und 1916 entnehmen wir folgende Angaben: Das Israelitische Mädchenheim zu Breslau konnte in der abgelousenen Berichtsperiode auf das erste Vierteljahrhundert seines Beliebens zurückbticken. Tie Kriegszeit hinderte, den Gründungstag festlich zu begeben, und so fand nur eine Erinnerungsfeier im inaftcn Kreise statt, die vor allem Gelegenheit bvt, der verdienstvollen Leiterin des Heims, Frau Helene Freund, die mit dem Heim ihr 25jähriges Aintsjubilämn begehen konnte, die Anerkennung und den Dank der Verwaltung auszusprechen. Das Israelitische Mädchenheim, das eine Tochteranstalt der hiesigen Waisenanstalt genannt werden darf, verdankt seine Entstehung dem ehemaligen Leiter dieser Anstalt, Inspektor Michaelis S i l b e r st e i n. Die von ihm zur Gründling eines Müdchenheims ausgegangene Anregung fiel auf fruchtbaren Boden, besonders im Kreise der Lessingloge. Es wurde innerhalb der Loge ein Komitee gebildet, das die Ausführung des Planes übernahm. An seine Spitze trat Herr Emil Sachs, der später, nach der Konstituierung des Vorstandes, zum Vorsitzenden gewählt wurde und fast 25 Jahre, bis zu seinein Tode, mit rührigem Eifer und liebevollem Verständnis die Geschäfte verwaltet hat, allezeit rastlos bemüht, das Mädchenheim zu fördern und zur Blüte zu bringen. Zur Leitung der Anstalt wurde dann Frau Helene F r e n n d berufen, die sich in den 25 Jahren ihrer reichgesegneten Wirksamkeit als treue, umsichtige und verständnisvolle Hausmutter bewährt und sich in hohem Maße die Liebe und Anhänglichkeit der ihrem Schutze unverdauten Zöglinge gewonnen hat. Besondere Verdienste um die Anstalt und ihre Fortentwicklung hat sich Frau Jnstizrat Ollendorf erworben. Im ersten Jahre fanden 17 Mädchen Aufnahme. Bald waren die Räume der gemieteten Wohnung zu klein, und auf Vorschlag des Herrn Inspektor S i l b e r st e i n wurde das kleine, villenartige Gebäude, Grübschener Straße 51, das noch heute das Heim beherbergt, zum Preise von 32 500 Mark erworben; es wurde am 5. Oktober 1894 bezogen, zunächst nur in den oberen Stockwerken benutzt bis zum Jahre 1899, zu welcher Zeit auch die Parterrewohnung hinzugenommen wurde. Nunmehr war die Möglichkeit vorhanden, 25 bis 28 Mädchen in das Heim aufzunehmen, und nur selten blieben Plätze unbesetzt. Das Vermögen wuchs in den 25 Jahren auf 90 000 Mark an. Im Jahre 1905 konnte das Grundstück, für das zwei Gönner den Anzahlungsbetrag vorgestreckt hatten, schuldennnd lastenfrei übernommen werden. 433 Mädchen haben Aufnahme in dem Heim gefunden, und den meisten von ihnen wurde erst dadurch die Möglichkeit geboten, sich auf ihren Beruf vorzubereiten und eine gesicherte Lebensstellung zu gewinnen. Der Durchschnittsaufenthalt betrug in den letzten Jahren 7 bis 8 Monate, wobei jedoch zu berücksichtigen ist, daß eine größere Anzahl von Mädchen nur vorübergehend Aufnahme findet, und bisher für manche Berufe die Ausbildungszeit nur wenige Monate beträgt. So darf das Israelitische Mädchenheim mit Befriedigung ans die 25 Jahre seines Bestehens zurückblicken. Es ist eine Zeit steter, vorwärtsschreitender Entwickelung gewesen, und wenn auch manche Wünsche und Hoffnungen unerfüllt geblieben sind, so besonders die je länger, je mehr hervortretenden Mängel in den Räumlichkeiten und der Ausstattung des Hauses, so darf es doch beruhigt der Ziikunft entgegenschauen und den Aufgaben, die es nach dem Kriege wohl in noch erhöhterem Maße zu erfüllen haben wird. Der Bericht gedenkt zum Schluß der um das Heim hochverdienten, in der abgelanfenen Berichtsperiode verstorbenen Frau Ottilie Sachs und sprüht dem Vorstande der Gemeinde für die alljährliche Beihilfe herzlichsten Tank aus. Der Kassenbericht für die abgelanfenen drei Jahre schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 88 244,64 Mark. — Leipzig, 20. Juli. Die „Post reisender Kauflent-e" in Leipzig schreibt: „Die Rechtsbeschränkungen für Juden und Fremdstämmige in Rußland sind durch einen vom Jnstizminister Kerenski dem russischen Ministerrat vorgeleqten, einstimmig angenommenen Gesetzentwurf aufgehoben worden. Die Maßnahme ist nicht nur für das innere Rußland, sondern in Zukunft auch für Deutschland von Bedeutung, denn die bisherigen Beschränkungen, nanrentlich für Juden, machten sich für den größtenteils ia in jüdischen Händen liegenden Verkehr der deutschen Geschäftswelt in Rußland sehr kräftig geltend. Unsere Mitglieder werden sich erinnern, daß deshalb der Bund reisender Kaufleute Deutschlands in wiederholten Eingaben an die maßgebenden Behörden für eine Gleichstellung aller reisenden Kaufleute in Rußland nachdrücklich eintrat, aber leider bislang noch nichts erreichen konnte. Wahl sahen auch das Reichsamt des Innern und das Auswärtige Amt die Ungerechtigkeit der betreffenden Maßregeln ein, wohl war deshalb auch die Aufhebung dieser Beschränkungen bereits in den letzten beiden Bertragsverhandlungen mit Rußland von 1894 nnd 1906 eindringlich verlangt, aber sie war doch nur in beschränktem Maße für deutsche Staatsangehörige indischer Konfession zugestanden worden. Nunmehr hat der Krieg und die Umwälzung im russischen Reiche gebracht, was in Friedensjahren nicht zu erlangen war!" er. Würzburg, 20. Juli. Unsere Gemeinde beklagt den Heimgang einer ausgezeichneten Persönlichkeit in der Person des verstorbenen Rechtsanwalts Tr. Felix Freu denberger, dessen Beerdigung auf unserem Gemeindefriedhofe unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung stattfand. Wie sehr der Dahingeschiedene allgemein geschätzt wurde, hob in seiner Rede der amtierende Geistliche Distriktsrabbiner B a m b e r g e r hervor, der das warme Herz, den klaren Geist, das innige Gemüt und die unermüdliche Arbeitsfreudigkeit Dr. Freudenbergers besonders pries. Rechtsanwalt Beck gedachte des Verstorbenen im Namen des Anwaltvereins als eines ebenso schlichten wie liebenswürdigen und charaktervollen Kollegen. Für die Aktiven der Verbindung „Salia" widmete Rechtspraktikant Dr. L e h m a n n herzliche bundesbrüd^rliche Worte. Landgerichtsdirektor Sauer legte mit ehrendem Nachruf im Namen des Landgerichts am Sarge des als Mensch und Jurist überall beliebten Anwalts Kranzspenden nieder. Das Grab schloß sich über Dr. Felix Freudenberger, aber sein Andenken wird als das eines Mannes von ganz hervorragend beruflichen und menschlichen Eigenschaften immer hoch in Ehren gehalten, werden. L. Mainz, 20. Juli, linker der Ueberschrift „Eine Fronleichnam- Erinnerung aus Alt-Mainz" bringt der Mainzer „Neueste Anzeiger" den folgenden Bericht: „Nachdem der durch sein unerschrockenes Wirken als Priester in Straßbnrg hochgeachtete Bischof Colmar als Bischof von Mainz zu Beginn des vorigen Jahrhunderts installiert war. wurde ihm von der Bürgerschaft ein Festmahl veranstaltet. Als Colmar vor Begiml der Tafel die Huldigungen entgegengenommen hatte, dankte er mit /beut Bemerken, daß er leider die Gegenwart der weiteren Amtsgenossen vermisse. Seinem Wunsche entsprechend wurde