Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1917)
- Date
- 1917-07-27
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Tr. Hermann 52 oc b aus Karlsruhe ungestellt. Herr^Dr. Loeb acfjört der liberalen Richtung an. Seine rabbinischen Studien absolvierte er am Jüdisch-Theologischen Seminar zu Breslau und an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Der Unterschied zwischen den Aemtern des Predigers und des Rabbiners besteht nicht nur im Amtstitel, vielmehr ist den Predigern neben ihrer Kanzeltätigkeit eine besonders intensive Betätigung im Religionsunterricht an den höheren Schulen zur Pflicht gemacht. Um die Zeit der Herren für diesen Zweck verfügbar zu erhalten, sollen sie Kasualien nur in besonderen Fällen übernehmen dürfen. Der Religionsverein „Moabit-Hansaviertel" wählte in der letzten Generalversammlung aus einer größeren Anzahl von Bewerbern auf einstimmigen Vorschlag des Vorstandes Herrn Dr. Heinrich A. (v 0 h n aus Basel, bisher Rabbinatsvertreter in Ansbach, zum Rabbiner. Stadtverordneter, Fabrikbesitzer und Handelsrichter Martin Friedberg beging am 23. d. M. seinen 70. Geburtstag. Er ist seit 17 Jahren Stadtverordneter und vertritt die südliche Friedrichstadt in der ersten Abteilung. — In Anerkennung langjähriger Tätigkeit hat der Kaiser dem spanischen Generalkonsul ($: lt g e n L a n d a u den K r o n cnorbcn zweite r Klasse verlrcheu. - Ter in jüdischen Kreisen Alt-Berlins bekannte und nuvcn seiner streng religiösen Lebensführung. geschätzte Buchhändler Herr Eduard Rosen stein, ein Neffe des 1869 verstorbenen Nabbinatsassessors der Berliner Jüdischen Gemeinde Rabbi Etchanan Rosenstein, begeht am 29. d. M. seinen 70. Geburtstag. Möge ihm ein froher und sorgenloser Lebensabend beschieden sein! - Dem Stabsarzt Dr. Hugo Reiche aus Berlin ist der Eharakter als Oberstabsarzt verliehen worden. - - Aus Kattowitz (O.-SJ wird uns geschrieben: In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vom 9. d. M. widmete der Vorsitzende Baumeister Grünfeld dem verstorbenen Kaufmann L. Attmann, der 21 Jahre Stadtverordneter war und sich uni die Entwickelung der Stadt große Verdienste erworben hat, einen ehrenden Nachruf. In derselben Sitzung wurde eine Schenkung der Frau Elsa S i l b e r st e i n : 5000 Mark, angenommen, deren Zinsen für unbemittelte Schüler der Oberrealschule bestimmt sind. Die landesherrliche Genehmigung erhielt die Stiftung des Fabrikbesitzers Mar H n m b u r g e r in Lündeshut mit 60 000 Mark zum Bail eines Hauses für die Mütterberatungsstelle des Vaterländischen Trauenvereins. Aus Eulmsee in Westpreußen wird uns geschrieben: Dem Beigeordneten Herrn Isidor Sternberg, der auch erster Vorsteher unserer Gemeinde ist, wurde das Verdienstkreuz für K r i e g s h i l f e verliehen. - Herr Polizeioberassistent Louis Asch,er in Hamburg konnte am 1. Juli auf eine 25jährige Tätigkeit im Dienste der Hamburger Polizeibehörde zurückblickell. Aus diesem Anlaß wurden ihm von seiner Vorgesetzten Behörde, der eisernen Zeit entsprechend, eine eiserne Gedenkmünze und ein Geldgeschenk überreicht. - Prof. v. Dr. Gustaf D a l m a n , Vorsteher des Deutschen evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Lalldes in Jerusalem, hat den Ruf auf den alttestamentlichen Lehrstuhl an der Universität Greifswald angenommen. Er ist geboren 1855 zu Nieskh in Schlesien, promovierte 1887 in Leipzig zunr Dr. phil., wurde im gleichen Jahre Lehrer und 1893 Direktor des Instituts Delitzschianum in Leipzig. Im Jahre 1891 erhielt Dnlmau die Venia, legendi in Leipzig und 1895 die Ernennung zum ao. Professor mit Lehrauftrag für Hebräisch und Aramäisch. Außer zahlreichen theologischen Schriften hat er ein aramäisck)-ueLlhebräisches Wörterbuch und eine „Grammatik des palästinischen Aramäisch" verfaßt. Auch das jüdisch-deutsche Volkslied hat er zum Gegenstand eingehender Studien gemacht. —- Wie auS Leipzig gemeldet wird, soll bei der philosophischen Fakultät der Leipziger Universität aller Wahrscheinlichkeit nach schon im kommenden Wintersemester ein Institut für Südost-Europa- und Islam-Forschung ins Leben treten: eine Frucht der auf eine künftige intensive .Pflege der Auslandsstudien an den deutschen Universitäten hinzielenden Bestrebungen, wie sie veranlaßt ist durch die bekannte Denkschrift des preußischen Kultusministeriums vom 24. Januar d. I., die zurzeit die deutschen Kultusministerien und Universitäten beschäftigt. — Der am 6. Juli 1917 verstorbene Königliche Kommerzienrat Weingutsbesitzer Friedrich Wilhelm Mayer hat der Stadt Bad Dürkheim 250 000 Mark vermacht. Darunter auch 10 000 Mark dein dortigen Israelitischen Jünglingsverein. — Aus Hörde wird geschrieben: Zur. Verbesserung .der Wegeverhältnisse im Zuge der neuen Emscherstraße zwischen Viktoriastraße und Seekante beschlossen die Stadtverordneten in geheimer Sitzmrg den Ankauf des alten israelitischen Friedhofs zum Betrage von 26 600 Mark. Die Leichen sollen auf einen neuen Friedhof übergeführt werden. Die Kosten der Urnbestattung sind auf 4000 Mark veranschlagt, die auch bewilligt wurden. — Der allgemein geachtete und beliebte Gemeinde-Rabbiner Dr. Frank in. Köln wird am 6. September d. I. sein 50jähriges Amtsjubiläum . begehen. 42 Jahre wirkte er segensreich in Köln. Seine zahlreichen.Freunde und Bekannten werden sich an diesenr Tage sicher gern der vielfachen Verdienste erinnern, die sich der Jubilar in dieser langen Zeit erworben hat. — Dem Vizefeldwebel Ca pell in Köln, der. erst kürzlich mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde, ist das bulgarische silberne Kreuz mit Schwertern verliehen worden. — Auf dem alten Judenfriedhof in Prag (Josefstadt), der zu den interessantesten Denkmälern Altprags zählt, wütete ein halbes Jahr lang eine Bande von Vandalen, welche die Grabsteine beschädigte. Im Laufe der Zeit hatten sie einen Schaden von ungefähr 4000 Kronen angerichtet, ohne daß es gelungen wäre, der Friedhofsschänder hclbhast zu werden. Vor einigen Tagen endlich konnte die Polizei einen Burschen verhaften, welcher eingestand, daß er im Verein mit fünfzehn Genossen, die im Alter von 14 bis 17 Jahren stehen und durchweg in der Altstadt wohnen, aus Ilebermut die Schandtaten begangen habe. Es Handels sich dabei aber um keine Tat religiösen Hasses, schon darum nicht, weil sich unter den fünfzehn Gassenjungen leider auch drei Juden befinden. -- Wie Wiener Blätter melden, soll die Aufhebung der jüdischen Flüchtlingslager beschlossene Sache sein. Die Aufhebung dieser Lager wird in allen Kreisen, die über die Zustände, dst sich nachgerade in den Barackenlagern entwickelt hatten, unterrichtet sind, mit lebhafter Befriedigung begrüßt.. — Unter dem Eindruck der in Odessa kürzlich stattgefundenen rumänienseindlichen Kundgebungen versandte Bratianu an russische, finnische und neutrale Blätter ein Dementi gegen die von der Petersburger Telegraphenagentur verbreiteten Angaben über antisemitische Ausschreitungen in Rumänien. Das Dementi hebt hervor, daß der: König einer Abordnung der rumänischen Juden die Gleichberechtigung nach dem Kriege jn Aussicht gestellt habe. Hierzu bemerkt „Djen", daß die russische Gesandtschaft in Jassy das betreffende Dementi nur teilweise bestätige. Froh der offiziösen, auf das Ausland berechneten Ableugnung habe die jll den feindliche Agitation im rumänischen Heer einen besonders bösartigen Charakter. Höhere rumänische Offizi-^e schreiben diese Strömung hauptsächlich dem Einfluß der russffHen Befehlshaber an der rumänischen Front zu. Nach dem gleichen Blatt wurden auf Befehl des Bataillonsausschusses beim Wsischon Regiment 618 in Tarnopol sämtliche, insgesamt 172, jüdisc^n Soldaten, Unteroffiziere und Aerzte verhaftet und zum Train besetzt.— Major Alfred T r e y f u sbefindet , sich wieder im fraMsischen Heeresdienst. Bei Beginn des Krieges hatte sich Major Dreyflch sofort der Heeresverwaltung zur Verfügung gestellt und um Aktivierung gebeten. Inzwischen hat Major Trehfus auch einen Sohn seinem Baterlande als Opfer lassen müssen. — - Dem Direktor der amtlichen Handelsstelle deutscher Handelskammern im Generalgouvernement Warschau, Hermann Davidson, ist das Zivilverdienstkreuz für Kriegshilse verliehen worden. — Der Wunsch der jüdischen Frauen Amerikas, aktiven Teil gm ayMikanisch-jüdischen Kongreß zu nehmen, fand seinen Ausdruck in M Nominierung von 16 Frauen unter den Delegierten vyn Groß- New Aork. Die Zahl der weiblichen Delegierten wirtz jedoch zweifellos erheblich größer sein: denn es kommen die Delegierten aus anderen Städten und die Vertreterinnen der nationalen Frauenorganisationen hinzu. Mehr als 200 000 jüdische Frauen Amerikas, die bisher keiner jüdischen Organisation angeschlossen tvaren, haben sich in die „Frauen-Organisation für den amerikanischjüdischen Kongreß" eintragen lassen. Die Tätigkeit dieser Organisation beschränkt sich nicht auf New Port: in 103 Städten sind Zweigvereine gegründet worden. Eine aktive Propaganda wird geleistet, Literatur wird verbreitet, Vorträge und Volksversammlungen werden veranstaltet, eine Preßkampagne wurde unternommen. Die Kandidatinnen vertreten die verschiedenen Interessen der Bevölkerungsklassen, von denen sie ausgestellt worden sind. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: i. V. HansSck>röder. Berlin 0. Druck und Verlag von Rudolf Moste