Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1917)
- Date
- 1917-07-27
- Page
- Seite 353 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ich kann in diesem Zusammenhang diesen sehr wichtigen Punkt nur leichthin streifen, behalte mir aber vor, bei anderer «tzelegenheit näher auf ihn einzugehen. — Es ist selbstverständlich daß bei dem Hinweisen auf die Feste, den häuslichen und öffentlichen Gottesdienst dem Fassungsvermögen der Kleinen vollauf Rechnung getragen werden muß. Auch die anderen Einwände, die Herr Friedländer gegen das der Vorschule gestellte Pensum erhebt, kann ich nicht als l'erechtigt anerkennen. Ich stehe euch aus dem Standpunkt, daß die Erzählungen des Schöpfungsduches sich am besten für die Schüler der ersten Schuljahre eignen. Aber soll man den Vorschülern, zumal im dritten Jahre, vor dem Chanukafeste nichts von den Makkabäern, vor demPurimfeste nichts von Mordechai und Esther, in den „drei Wochen" »nd in den Sfirahtagen nichts von der Zerstörung Jerusalems und von Rabbi Akiba usw. erzählen. Die uns hier entgegentretenden Lebensbilder lassen sich sür die religiösen Zwecke nicht in geringerem Maße nutzbar »lachen wie die biblischen Gestalten. Es kommt eben alles auf die unterrichtliche Behandlung an. Daß der Plan nun gar auch bei der Unterstufe das psychologische Moment außer acht gelassen und die geistige Fassungskrast der Schüler nicht berücksichtigt habe, weil die jüdische beschichte bis zur Zerstörung des Tempels für diese Stufe nicht geeignet sei und für die Mittel¬ und Oberstufe zurückgestellt werden müsse, muß ich ebenialls als unzutreffend hinstellen. Wird denn nicht auf dieser Stufe auch die ganze profane Geschichte des Altertums durchgenommen? Gerade in Rücksicht darauf ist die Stoffeinteilung in besagter Weise vollzogen worden. Es sollte hierdurch dem Grundsatz von ter Konzentration des Unterrichts entsprochen werden, wodurch die Schüler den einen Lehrstoff zum anderen in engere Beziehung setzen und das Gelernte innerlich leichter verarbeiten. Schließlich findet auch die Anordnung der Unterrichtsstoffe nach konzentrischen Kreisen nicht die Billigung des Herrn Friedländer. Aber hat denn Herr Friedländer nicht bedacht, daß der ganze Unterricht an den höheren Lehranstalten, ja, daß lmser ganger Wissenserwerb sich zum großen Teil auf diesem Prinzip ausbaut. Es sind gerade psychologische Erwägungen, die uns überall auf dieses Lehrverfahren Hinweisen. Denn es •ft schlechterdings unmöglich, die Schüler von vornherein mit Vom alten Judenfriedhof in Posen. einem Lehrgegenstand so vertraut zu machen, daß man den gewonnenen Wissenskreis später nicht zu erweitern und zu vertiefen braucht. Uebrigens ist der vorliegende Lehrplan keineswegs sklavisch auf die konzentrische Methode festgelegt, sondern er sucht zwischen dem konzentrischen und fortschreitenden Lehrverfahren die Mitte zu halten. Zum Schluß möchte ich noch einmal hervorheben, daß ich schon in meinem in der Generalversammlung des Rabbinerverbandes gehaltenen Referat auf die Schwierigkeiten hingewiesen habe, die sich der Ausarbeitung eines Lehrplans, den alle religiösen Richtungen als Richtschnur nehmen können, entgegenstellen, und daß es geradezu unmöglich ist, dabei allen Wünschen und allen Forderungen zu entsprechen. Man möge also bei der weiteren Besprechung des Planes immer im Auge behalten, daß er nur eine Richtschnur abgeben, keinesivegs aber den Unterricht in eine ein,zwängende Uniform stecken soll. fl. Grotte: Mrdermrirr- Grsddeirkmälkr. tftttne neue Schrift') unseres <2^, verehrten Mitarbeiters A. Grotte, die mit austeraußerordentlich zahlreichen und gelungenen Bildern verziert ist (der Text umfaßt nur Vier- Seiten), würde im allgemeinen hier unbeachtet bleiben müssen, da sie ein Gebiet betrifft, über das nur Kenner urteilen dürfen, zu denen mich zu rechnen ich nicht das Recht habe. Und doch verdient sie in diesen Blättern eine Stelle wegen der Bemerkung (S. 3), die so lautet: „Man hat in der Literatur wiederholt auf das Vorbild alter Judenfriedhöfe verwiesen. Hier ist die Einheitlichkeit bezüglich Form und Größe durchgeführt, ohne zur Schablone zu erstarren. Innerhalb des allgemeinen Größenrahmens zeigen die einzelnen Steine ververschiedenartige Ornamentik, Schriftanordnung usw. Allgemein sind nur die Ehrengräber der Geistlichen und Gelehrten durch größere Höhe ausgezeichnet, gleichsam das Ueberragen dieser Männer in geistiger Hinsicht kennzeichnend. Es scheint, als ob die von konservativen Gemeinden noch immer übliche Art des Leichenbegängnisses und die rituell vorgeschriebene nüchterne Sargform (ohne Rücksicht auf arm und reich) auch auf die Herstellung der Leichensteine rückgewirkt haben. Bezeichnend für das neuzeitliche rücksichtslose Nebeneinanderstellen reicher hoher Grabdenkmäler hart an kleine ist Abb. 14, die man als Gegenbeispiel betrachtet wissen möchte." Ich lasse zur *) Biedermeier-Grabinäler und ihre Beschriftung von Friedhöfen der Ostmark. 27 Tafeln maßstäblicher Ausnahmen und 18 Lichtbilder. Herailsgegeben von Dr.-Jng. Alfred Grotte. Mit einem Geleitwort des Prov.-Konservators Professor Dr. Ludwig Kaemmerer, Band 1. Verlegt bei Ernst Wasmuth, A.-G., Berlin W 8, 1916.