Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1917)
- Date
- 1917-07-27
- Page
- Seite 352 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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352 ausgelief-ert wurde. . . . Wohl soll inan es nicht verhehlen, daß mit ei nein Federstrich all die Dum alten Regime mvfgehätt'ften Ueberlieferungen nicht aus der Welt zuschaffen sind. Allein gerade deswegen war es unumgänglich nötig, diesen Schritt heute und nicht morgen zu machen. Wenn die Zeit für ein ruhiges Zusanuuenleben kommen rvi-rd, wollen nur alle mit aller Kraft danach streben, den Haß und das gegenseitige Mißtrauen, diese Giftsaat des alten Regimes, zu vergessen." Freilich muß man sich, angesichts der Unsicherheit der dortigen Verhältnisse nicht übertriebenen Hoffnungen hingeben und muß in Erwägung der Roheit der Volksmassen und deren planmäßigen Erziehung zum Judenhaß auf unliebsame Erscheinungeu gefaßt sein. Daher ist folgender Artikel der „Deutschen Zeitung" beachtenswert: Die neu e R eg i e r uu g u n b bi e I u d en. W a r s ch a u . 12. Juli. „Moment" schreibt unter der Ueberschrist „Der Kommentar": Aus dem neu befreiten Rußland kommen günstige Nachrichten über die Stellungnahme der vorläufigen Regierung gegenüber den Juden. Sie bekämpft den dlntisennti-slnus im eigenen Lande und wendet. sich sogar gegen den Antisiemit-isinus in fremden Ländern. (Rumänien). Der Minister des Aeuhern Terestschenko hat. einen scharfen Protest an die rumänische Regierung gerichtet wegen Hetzereien, die an der rumänischen Front gegen die Juden betrieben werden. Solche Nachrichten von der vorläufigen Regierung und vom russischen Minister des Aeußern wären geneigt, uns nrit Freude und Zufriedenheit zu erfüllen, wenn die Stellungnahme der russischen Negierung gegen die Judenverfolgungen nicht durch den „Kommentar" begründet wäre: „Weil Pogrome möglicherweise eine Gegenrevolution mit sich bringen können." Die Sorge für die Juden ist also Nebensache, auch für die neue Regierung in Rußland. Die alte zaristische Bureankratie hat Pogrome veranstaltet, um die Revolution zn ersticken, die neue Negierung vermeidet die Pogrome, um die Revolution nicht zu ersticken. * Endlich sei der „Freisinnigen Zeitung" die nachstehende beruhigende Mitteilung entnommen: K eine Gewalttaten g e g o n d ie. I u .d e n i n P a l äst i n a. S t o ck h v l m, 19. Juli. Wie „Astonbladet" nritteilt, J^.btc Re^ gierung der Bereinigten Staaten vor einiger Zeit die s-Awedische^ Regierung telegraphisch ersucht, die angeblichen Mißhaudlungeu-der . Juden in Palüstilia an Ort und Stelle, untersuchen. gn I-nffcn. Die schwedische Gesandtschaft in Konstautinopel, die mit . der Ausführung des Auftrages betraut wurde, erklärt nun in einem amtlichen Bericht, alle Angaben Liber Niedermetzelimsen von, Juden in Palästina, die jetzt oder früher während des Weltkrieges stattgofnnden haben sollten/ seien unrichtig. Tatsächlich seien keine Gewalttaten gegen die jüdische Bevölkerung in Palästina voraekonrmen. Die schloedische Regierung hat dem Stockholmer amerik-airischen Gesandten dieses Ergebnis nntgeteitt. Kurz nach dem Erscheinen dieser Nummer fällt der 9. Ab; die Erinnerung an die Zerstörung des Tempels in Jerusalem wird damit aufgefrischt. Wohl mag die Klage an solchem Tage berechtigt sein, aber die Klage soll übertönt werden durch Hoffnungsruf. Unser wahrer Tempel kann nicht zerstört werden: wir bauen ihn täglich neu in unserem Geist und in unserem Herzen. Er lebt und begeht, unsichtbar und doch von vielen erkannt, begehrt und bewundert: der Tempel des Glaubens, des Friedens, der Freiheit. Der Mrmallehrplan kür den jüdischen Keligionsunterricht an höheren Lehranttalten. Bon Rabbiner Dr. Rosenberg (Thorn). Nummer 28 dieses Blattes hat Herr Rektor Friedländer (Danzig) zu meinem Lehrplan das Wort genommen, und indem er den für ihn ausgestellten Grundsätzen rückhaltlose Anerkennung zollt, glaubt er dem Plane selbst seine Billigung versagen zu müssen, weil ich bei seiner Ausarbeitung den eigenen Forderungen nicht gerecht geworden sei. Dies gibt mir Veranlassung, mich abermals über meinen Entwurf auszusprechen, um für die weitere Diskussion solch mißverständlichen Auffassungen vorzubeugen, wie sie bei Herrn Friedländer vorzuliegen scheinen. Es sind vornehmlich drei Einwürse, die Herr Friedländer gegen meinen Plan geltend macht. Zunächst soll ich die Unterrichtsstoffe allzu reich bemessen haben. Aber schon i» meinem vor der Generalversammlung des RabbinerverbandeS gehaltenen Referat') habe ich ausdrücklich hervorgehoben, daß der Plan nur den Rahmen bilden solle, in den man, je nachdem der religiöse und pädagogische Standpunkt, viel oder minder viel einspannen könne, daß aber die Ausgestaltung des Unterrichtsbildes dem Lehrer überlassen bleiben müsse. Demgemäß bezeichnet der Lehrplan für alle Stufen nur die Ausgangs- und Zielpunkte, die der Unterricht in den einzelne» Klassen stets im Auge zu behalten hat. Nur bei der jüdische» Geschichte auf der Unter- und Mittelstufe sind die Stoffgruppc» enger umschrieben, dafür aber so spärlich zugemessen worden, daß man eher über ein . „zu wenig" als ein „zu viel" klage» kann. Die Wahl der übrigen Unterrichtsstoffe bleibt vollständig dem Lehrer bzw. der betreffenden Unterrichtsanstalt überlassen. Man könnte also höchstens sagen, daß die für die einzelne» Klassen gesteckten Rahmen zu groß bemessen seien. Aber es waltete aus pädagogischen wie aus Praktischen Gründen bei mir das Streben vor, den Plan von unten an so aufzubaue», daß. der Unterricht mit der Untersekunda einen gewissen Abschluß erhalte, um den nach Absolvierung dieser Klasse ins Leben tretenden Schülern ein abgerundetes und in sich geschlossenes religiöses Wissen mitgeben zu können. Innerhalb der durch den Plan gesteckten Grenzen kann aber der Lehrer, entsprechend seiner pädagogischen Ansicht, die Stoffe beiseite lassen oder nur kursorisch durchnehmen, von denen er sich einen gxringeren religiösen Ertrag verspricht, um die Partie» eingehender zu behandeln, die er für den Lehrzweck am geeignetsten hält. Dies gilt besonders für den Unterricht auf der Unterstufe, der auf der-Mittelstufe seine Ergänzung erfährt. Völlig unzutreffend ist jedoch die Behauptung des Herr» Friedländer, daß die g a n z e biblische Geschichte auf der Mittel¬ und Oberstufe in jedem Jahre wiederholt werden soll. — Für die Oberstufe ist die Durchnahme der biblischen Geschichte i» methodischer Weise überhaupt nicht vorgesehen, wenn auch i» der systematischen Religionslehre immer wieder auf sie zurückgegrifsen werden muß. Nur für die Mittelstufe ist deren fortlaufende Wiederholung im Anschluß an das Bibellesen geplant, aber auch nicht in der Weise, wie Herr Friedländcr meint, daß der gange Geschickitsstoff in jedem Jahre, im ganzen also „viermal"?, wiederholt werde, sondern — und dies wird ausdrücklich in dem Lehrplan hervorgehoben — im ersten Jahr entsprechend der Unterstufe im ersten Jahr und io fort, so daß sich die Wiederholung, Vertiefung und Ergänzung auf drei Jahre erstreckt. Der zweite Einwurf des Herrn Friedländer lautet, daß ich das geistige Fassungsvermögen der Schüler nicht berücksichtigt habe. Dies trete besonders bei der Vorschule hervor. Tic Besprechung der Festtage, des häuslichen und öffentliche» Gottesdienstes dürfe nicht in der Vorschule, sondern könne nur auf einer höheren Stufe erfolgen. Aber will denn Herr Fricdländer die Kinder der Vorschule gedankenlos an unsere» Festen vorübergehen lassen? Will er ihnen keine Anleitung geben, zu Hause und im Gotteshause zu Gott zu beten? Will er nicht den von mir geforderten, religiösen Anschauungs- ') Gedruckt ^bei I. Kausfmann, stranksurt a. M.