Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1917)
- Date
- 1917-07-20
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Berliner Jüdischen Gemeinde, deren Verwaltung er als Mitglied der Stiftungskommission angehört. Zurzeit ist der Jubilar in der Veranlagungskvmmission tätig. Der Vorstand bat Herrn Rüben in einem Glückwunschschreiben seine herzlichsten Wünsche übermittelt. — Sein 2 5 j ä h rige s Dien st j u b ilüu m als Beamter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin beging der Expedient im Steuerburean der Gemeindeverwaltung Herr Albert Berg m a n n. Der Jubilar trat vor 25 Jahren in den Gemeindedienst und war in dieser Zeit ununterbrochen irr der Steuereinziehungsstelle beschäftigt. An seinem Ehrentage überreichte Geheimer Negiernngsrat Tr. Pieck namens des Gemeiudenorstandes dem Jubilar eine Ehrengabe: für den Verein der Gemeindebeamten sprach dessen Vorsitzender, Hauptbuchhalter G o l d st e i n , die Glückioünsche des Gemeindetörpers aus und überbrachte ein Festgeschenk, das die Beamtenschaft ihrem Kollegen widmete. — Seine Majestät der König von Sachsen hat dem im Krankenhause der Jüdischen Gemeinde.tätigen Krankenpfleger Paul Kunz das sächsische Ehrenkreuz für freiwillige Wohlfahrtspflege mit dem Bande für Tüchtigkeit im Kriege verliehen. — Der Vorsitzende des Auf.sichtsrats der Schuhfabrik Eonrad Tack u. Eie. A.-G., Herr Wilhelm Krojanker, hat der Handelskammer Berlin 100 000 Mark zur Gründung einer Wilhelm- und-Iennh-Krojanker-Stiftung überwiesen, aus deren Zinsen unbemittelte junge Leute, die durch den Krieg arbeitsunfähig geworden, Unterstützung finden sollen. - Herr Leo R emak hat der Stadt Berlin 50 000 Mark, deren Zinsen armen Kindern zugute kommen sollen, vermacht. — Der verstorbene Stadtverordnete Leopold I a c o b i hat für Blinde und für Berliner Ferienkolonisteu einen größeren Geldbetrag gestiftet. - Ter Berliner Sanitätsrat Tr. Louis Le ß ist am 11. d. M. im Alter von 57 Jahren gestorben. -- Aus Lautenburg in Westpreußen wird uns geschrieben: Auf Veranlassung der Kriegshitssknmmission der Jüdischen Gemeinde Berlin ist es den Bemühungen des Herrn Lehrers Treumann gelungen, auch in unserer Gemeinde 20 jüdische Kinder. 12 Mädchen und 8 Knaben, unterzubringen.. Die Kinder sind bereits vier eingetroffen und fühlen sich bei ihren Pf legeetteru sehr wohl. Sie sollen zwei bis drei Monate hier bleiben uvtb werden sich bei der guten Pflege in unserer herrlichen Gegend trefflich erholen. Herr Tremnaun, der selbst eingezogen ist, hat auch die Aufsicht über die Kinder übernommen. - In der Synagoge B zu Posen lIsraeli tische Brüdergemeinde) fand di e Porvereidignng jüdischer Bc'anuschaften des Feldartillerieregiments Nr. 20 statt. -Herr Gerneinderabbiner Professor Tr. Bloch hielt die Ansprache. Er erläuterte die Heilig Haltung des Eides und ermahnte die Versammelten zur Königstrene und Wahrung der Vaterlandsliebe. Nach Verrichtung des Kaisergebets trug der Synaaogenckwr die üblichen Psalmen stimmungsvoll vor. - Der Titel Professor wurde denr Privatdozenten der Philosophie an der Breslauer Universität Herrn Br. pbil. Julius G u t t m a n n verliehen. Professor Dr. Julius Guttmann ist ein Sohn des Rabbiners Professor Tr. Jakob Guttmann. Fabrikbesitzer Alfred W e i n b e r g in Görlitz hat eine Stiftung in Höhe von 50 000 Mark mit der Bestimmung errichtet, die Zinsen zur Weiterbildung unbemittelter befähigter Knaben, deren Väter im Kriege gcfaLien sind, zu verwenden. Die Stiftung wurde von den städtischen Behörden mit Dank angenommen. Die mündliche Reifeprüfung an der Israelitischen Realschule zu Fürth fand am 5. und 0. d. M. unter Vorsitz des Ministerialkommissars Kgl. Rektors Tr. Zwanziger statt. Alle nenn Prüflinge bestanden die Prüfung. Am 27. März hatten, bereits drei andere Schüler der 6. Klasse behufs Eintritts in den vaterländischen Hilfsdienst sich an der vom Ministerium angeordneten N o t reifeprüfnng beteiligt und dieselbe gleichfalls bestauben. - Frau Ernst S a in n e l in Elberfeld, Borsitzende der bortinen Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes, erhielt das Berdienstkreuz für Kriegshilfe. —- Die Reprüsentantenversammlung der Svnagogengemeinde Köln beklagt den Verlust von Herrn Emil M a y e r, der 10 Jahre dem Kollegium angehört hat als ein liebenswürdiger und pflichttreuer Kollege. — Im Amsterdamer Indenviertel wurden am 4. Juli mehrere Läden geplündert. 'Auch in anderen Vierteln brachen Unruhen ans, so daß Polizei und 'Militär zu Hilfe gerufen werden nmßte. Antimilitaristeu versuchten unter den Soldaten zu werben. - Aus Wien wird gemeldet: Im Abgevrdnetenhause überreichte Abgeordneter Dr. Straucher eine dringende Anfrage in Sachen des seit 18 Jahren im Kerker befindlichen Leopold Hits u e r , der in dem bekannten Polnaer Ritualmordprozeß verurteilt wurde. Der „Jutelligents" verlangt unter dem Hinweis, daß derzeit in Rußland eine Revision des Bei tis-Prozesses ungeachtet feiner Freisprechung vom Amts wegen verfügt wurde, um seine völlige Unschuld zu erweisen, die außerordentliche Revision des Hi lsner-Prozesses. — Der gewesene Staatssekretär im ungarischen Justizministeriuin L. V a daß wurde bei seiner Versetzung in den Ruhestand mit einer hohen Auszeichnung dekoriert. Er ist Jude und als solcher Mitglied der orthodoxen Gemeinde in ,Kisvarda. — Herr Rabbiner Dr. W. K u r r e i n in Salzburg hat vom Militärkommando Innsbruck ein Diplom der belobenden Anerkennung erhalten mit folgendem Inhalt: „Ich spreche Euer Hochwohlgeboren für Ihre während der Kriegszeit in der Militärseelsorge geleisteten vorzüglichen Dienste die belobende Anerkennung des Militärkommandos aus. Innsbruck, am 18. Juni 1917. Ter Militärkommandant: Franz Daniel, FM." — Bisher unbekannte Täter brachen in der Nacht zum Donnerstag, vorletzter Woche in die Synagoge in Oesterreichisch-Oderberg ein und demolierten die gesamte Einrichtung. Die Betstühle wurden zerhackt, die Leuchter verbogen und zerbrochen. Das Innere des Tempels bietot ein Bild grauenhafter Verwüstung. Ter Grund zur Tat ist vollkommen rätselhaft, da ein Racheakt gegen die Kultusgemeinde in solcher Form kaum denkbar erscheint. Der Sachschaden beläuft sich auf 5000 bis 6000 Kronen. -- Der Oberrabbiner von Frankreich, Alfred L e v y, beging kürzlich das 50jährige Amtsjubiläum. Zahlreiche historische Arbeiten über d>e Juden in Frankreich flössen aus seiner Feder, viele davon erschienen in der „Revue des etudes juives", so z. B. „Die Juden in Lyon". Tie Feier des Amtsjnbilüums wurde in allen Gemeinden begangen, wo Der Jubilar bisher gewirkt, und es trafen zahlreiche Adressen ein. - Aus London wird gemeldet, daß die „Mvrning Post" sich gegen die Ernennung des Lord M o n t a g u znm Minister wendet, weil er Jude sei. Neben seiner Liebe zum Geburtslande sei der Jude seiner Nation treu ergeben. Es wäre daher nicht ratsam, in die Regierung zu viele Inden aufzunehmen. — Aus Petersburg wird berichtet: Die Versammlung des Arbeiter- und Soldatenrates hat eine Entschließung, betreffend den Kamps gegen den Antisemitismus angenommen. In der Entschließung wird die gegen die Israeliten gerichtete Bewegung getadelt und darin -eine Gefahr für die revolutionäre Bewegung erblickt. Tie gesamte Demokratie wird zur tatkräftigen Bekämpfung aller Versuche einer antisemitischen Hetze sowie zur Unterdrückung jeder Propaganda dieser Art aufgefordert. Desgleichen hat die Provisorische Regierung beschlossen, alle Dokumente des Beilis-Prozesses von Kiew nach Petersburg zu schassen. Auf Befehl des Justizministeriums werden die Akten revidiert, um die Urheber des Ritualmordskandals zu ermitteln und zur Verantwortung zct ziehen. — Tie russischen Handelsangestellten haben in Moskau ans ihrer Versammlung int Gegensatz zu der von Warschau beschlossen, daß der Sonntag für Christen der Ruhetag sein soll, dagegen für Juden und Mohammedaner der Sabbat bzw. Freitag. — Die Juden Finnlands planen eine Konferenz, die im August nach Helsiugfers eiuberufen werden soll. Tie Tagung wird ein Gesetzprojekt über die Gleichstellung der finnischen Inden und über die Organisierung der jüdischen Gemeinden Finnlands ansarbeiten, um es dann den maßgebendcn finnischen Stellen vorzulegen. Heber diesen Plan hielt W i n a w e v mit den jüdischen Vorstehern in Wiborg Beratungen ab. — In Warschau ist die Errichtung eines jüdischen Lehrerinnenseminars in Aussicht genommen. Die für die Neugründung erforderlichen sehr erheblichen Mittel stellt Frau T a l g r ü n zur Verfügung, die sich nur die Entwicklung des jüdischen Schulwesens in Polen bereits große Verdienste erworben hat. Frau Talgrün war auch die Stifterin der ältesten Franenmittelschule in der polnischen Hauptstadt. Das neue Lehrerinnenseminar bedeutet ein wichtiges Glied in der Kette der jüdischen Volksbildungsbestrebungen. Die Erziehung llnd Beeinflussung der weiblichen Jugend für moderne Berufe gehört zu den wichtigsten und schwersten Problemen der polnischen Judenheit. —- Jacob H. Schiff hat mit einer Gruppe angesehener Amerikaner an Balfvur, Biviani und -an die englisch-französische Komlllisiion eine Adresse gegen den Wirtschaftskrieg nach dem Kriege gerichtet. — Das „Jüdische Korresprudenzburean" im Haag meldet aus New Uork, daß Wilson eine besondere Kommission über Palästina und die Palästina beim Friedenskongreß betreffenden Fragen berufen hat. In der Kommission sitzen Henry Mvrgenthau, der frühere Botschafter in Konstantinopel, Levin Ed st ein und Professor Felix F r a n k f u r t e r von der Havard-IIniversität. Morgenthau als Vorsitzender erklärte, er werde für die Durchführung des Z i o n i s m ii.§ in iveitestgehendem Maße eintreten. Verantwortlicher Redakteur: Alb erl Katz in Berlin-Vankow, Floraftratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: i. V. Hans Schröder. Berlin O. Druck und Verlag von Rudolf Moste