Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-07-20 · Heft 29 (20.7.1917) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 29 (20.7.1917)
Date
1917-07-20
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3229286-3229315--73275-3285747
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

2 Michaelis Dadt, Inhaber der Firma Marclis Badt in Posen, Krankenträger Ariel Miskvwski in Königsberg i. Pr., Gefreiter Herbert Goltz, Unteroffizier Siegmund Leß (Thorn), Lehrer Jacob Singer, Sohn des verstorbenen Rabbiners Singer (Mogilno), Kanonier Max Jacob (Koschmin). Kanonier Alfred Seelig, Sohn des Herrn Robert Seelig (Kempen i. P.), Unteroffizier Herbert M a y (Breslau), Unteroffizier Robert Abrahamsohn, Gefreiter James Masse, Willy Wolfs (Hamburg), Unteroffizier Arthur L ö w e n be r g (Gülzow i. M.), Gefreiter Walter H a a s e (Hannover), Musketier Robert Leß m ann (Bochum), Offizierstellvertreter Karl Rosen thal (Hörde), Sohn des Herrn D. Rosenthal in Bielefeld, Hugo Kaiser (Gelsenkirchen), Erich Weinberg (Norden), Infanterist Max Sommer (Bad Kreuznach), Gefreiter Erich W e i ß (Essingell), Moise S ch i l l i s , Armad Leder, Armad Bloch (Nosheim), Feldunterarzt Manfred Meyer (Eisenach), Josef I a ch n r i a s (Werl), Gruppenführer Sichel, Sohn des Bankiers Herrn Gustav Sichel (Kassel), Musketier Harry Krebs (Antonienhütte), Lnndsturmmann Louis Eisner (Hindenburgf, Musketier Heinrich H a r t m a n n (Beuchen, O.-S.), Freiwilliger Max Bau m , lillter Beförderullg zum Vizefeldwebel und Offiziersaspirant (Bonn), Leutnant der Reserve Rechtsanwalt Strauß, Sohn des Herrn Hermann Strauß (Elberfeld). Das Eiserne Kreuzerster Klasse erhielten: Rittmeister Dr. Bernhard Weiß, derzeitiger Bataillonsführer eines Infanterieregiments, Amtsrichter in Berlin-Mitte, Sohn des Herrn Mar Weiß, Leutnant der Reserve in einer Fliegerabteilung Dr. August Moser, Sohn des Kommerzienrats Adolf Moser, Vizewachtmeister Otto Mond, unter Beförderung zum Leutnant der Reserve, Sohn des Herrn Bernhard Mond (Groß-Berlin), Oberstabsarzt Dr. K r o n e n b e r g (Solingen), Bataillonsarzt Dr. Erich H o f m a n n , Sohn des Lehrers Hofmann (Meiningen), Oberarzt Dr. N or d m a n n (Mülhausen i. E.), Rechtsanwalt Dr. Hi r s chbcrg und Hauptmann der Reserve Dr. Paul Dreh (München). W. Posen, 13. Juli. Unter tiefer Anteilnahme der Mitglieder unserer Synagogengemeinde wurde Kantor Samuel Abel G o r d o n zur letzten Ruhe bestattet. Fünfzehn Jahre hindurch hat der Verstorbene die Stellung eines Kantors an der Gemeindesynagoge B (Israelitische Brüdergemeinde) bekleidet. Die Gemeinde betrauert in dem Heimgegangenen einen mit den Obliegenheiten seines Amtes vertrauten, gewissenhaften und pflichttreuen Beamten. Durch sein bescheidenes und znvorkommendes Wesen hatte er sich das Vertrauen und die Wertschätzung der Gemeinde Mitglieder imt> seiner Kollegen insbesondere erworben, die dem Verblichenen über das Grab hinaus ein ehrendes Andenken bewahren werden. Der Tahingeschiedene \vax Mitglied des Vorstandes des Jüdischen Gesangvereins und hat als solches die Interessen des Vereins zn fördern gesucht. Mit der Geschichte des Vereins bleibt sein Name eng verbunden. Auch hatte er sich bei in Ausbruch des Krieges bereitwilligst in den Ehrendienst der städtischen Arnrenverwaltung gestellt, in dem er sich durch seine Pflichttreue die Wertschätzung seiner Mitarbeiter und das Vertrauen der Armen erworben hat. In der Monatssitzung gedachte der Vorsitzende der Armcnkommission V, Herr Rechtsanwalt Dr. He rose. in ehrenden Worten des Heimgegangenen und rühmte seine großen Verdienste um das Armenwesen. — Die Beerdigung gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung. Herr Gemeinderabbiner Professor Dr. Bloch zeichnete in seiner Leichenrede das Wesen und Wirken des Entschlafenen. Seine Aufgabe war, seine Kinder in seinem Sinne zu braven Menschen und frommen- Juden zu erziehen, was ihm in bester Weise gelang. Jeder, der über die Schwelle seines Hauses trat, schied mit einer tiefen Enrpfindung von ihm. Mt seiner Friedensliebe im Hause und im Verkehr mit seinen Mitmenschen Paarte sich Rechtlichkeit und Geradheit des Denkens. Herr Kurz trug wehmutsvoll die üblichen Trauerpsalmen vor, moranf vier Söhne und der Schwiegersohn, alle in feldgrauer Uniform, die Leiche zu Grabe trugen. — Virmaserrs, 1*3. Juli. Der mysteriöse Mord an dem Kaufmann L ö w e n t h a l aus Berlin zieht immer weitere Kreise. Das Gericht hat neues Beweismaterial in die Hände bekommen, auf Grund dessen auch die beiden Frauen der bereits in Untersuchunas-- haft befindlichen Makler Gebhardt und Sohn nun verhaftet wurden. Außerdem ist wegen Mitwisserschaft an dem Mord eine -Trau Rendchen aus Zweibrücken verhaftet worden. Als ihr Mann, ein Matrose, auf Urlaub nach Zweibrücken kam und von der Verhaftung seiner Frau hörte, mit der er erst seit kurzer Zeit verheiratet ist, wurde er von Tobsuchtsanfällen befallen und mußte ins Militärlazarett gebracht werden. §2 Aachen, 13. Juli. Herr Leopold Spier, erster Vorsitzender des Vorstandes der Synagogengemeinde Aachen, feiert am 24. d. M. seinen 80. Geburtstag in erfreulicher geistiger und körperlicher Frische. Geboren zu Rees a. Rh. erfreute er sich dort allgemeinem Achtung und Beliebtheit in allen Kreisen der Bevölkerung. In verhältnismäßig jungen Jahren wurde er Vorsteher der Israelitischen Gemeinde in Rioes, Anfang der siebziger Jahre 1. Beigeordneter der Stadt Rees und Mitglied der Handelskammer in Wesel. Im Jahre 1890 siedelte er nach Aachen über, wo er nach nicht langer Zeit in Würdigung seines Ansehens, seiner Kenntnisse und infolge der rasch gewonnenen Beliebtheit im Vorstand der Synagogengemeinde Aufnahme fand. Bold nachher wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden und nach dem Ableben des 1. Vorsitzenden Herrn Jak. Lippmann an dessen Stelle gewählt. Seitdem verwaltet er sein verantwortungsreiches Amt mit ebenso viel Umsicht wie Takt und Gewandtheit. In Anerkennung seiner vielseitigen Verdienste und öffentlichen Aemter wurde ihm bei der Eröffnung des Israelitischen' Altersheims in Aachen, dessen Fertigstellung durch ihn wesentliche und sachgemäße Förderung erfuhr, der Kronenorden vierter Klasse verliehen. Die Gemeinde läßt jetzt zu seinem Geburtstage in dankbarer Anerkennung für seine Mühen und Dienste in der Gemeinde und zum Gedenken für spätere Zeiten sein Bildnis in Oel Herstellen. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch eine ansehnliche Reihe von Jahren im Interesse der Gemeinde zu wirken und seine ihm noch vergönnten Lebensjahre in gleich jugendlicher Frische und Gesundheit zu verbringen! er. Köln, 13. Juli. Eine imposante Kundgebung f ü r den inneren Frieden fand vier im überfüllten städtischen Gürzenichsaale statt.- Der Kölner Ortsausschuß zur Pflege des inneren Friedens, der sich aus Männern der verschiedenen Bekenntnisse, Parteien und Meinungen unter dem Vorsitz des Redakteurs Dr. Hoeb-er von der „Kölnischen Volkszeitung" zusammensetzt, hot gemeinsam mit einem Ehrenausschuß eine bedeutsame Kundgebung für die Wahrung des Friedens unter den Konfessionen und Parteien über den Krieg hinaus veranstaltet. Die erste Ansprache hielt Redakteur Dr. Hoeber. dann folgten Reden von evangelischen und katholischen Geistlichen, Vertretern der evangelischen und katholischen Bevölkerung und eines Vertreters der Kölner Monistenvereiniaung. Für die jüdische Bevölkerung svrach der Vorsitzende der Kölner Ortsgruppe des Ze n t r a l v e r ei n s deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und Mitglied unserer Gemeindeverwaltung, Herr D. Feilchenfeld. Er erklärte unter lebhaftem Beifall der Versammlung: „Wir Angehörige einer Minorität im deutschen Volke schließen uns beute freudig den Vertretern der großen Konfessionen an. Wir erklären gern unsere Bereitschaft — ohne Aufgabe unserer Anschauungen, ohne Verwirkung unseres geistigen Standpunktes —, am Ausbau des inneren Friedens mitzuwirken. Wir begrüßen die Bildung des Verständiaungsausschusses. Das Gezänk soll aufhören, das nur auf Mißverständnissen beruht, und welche Polemik hatte mehr auf Mißverständnissen beruht als die gegen uns Juden, und wer von allen hätte unter diesen Mißverständnissen mehr zu leiden gehabt als aerade wir Deutschen jüdischen Glaubens! W i r Deutsche i ü di scheu Glaubens sind nicht anders geartet und wollen nichts anderes sein als die B o l k s a e n o s s e n anderer Bekenntnisse: ihre Vorzüge, ihre Fehler sind im allgemeinen die nnsriaen. Sollten noch Eigenarten, die aus dem Drucke der Jahrhunderte sattsam sich erklären, bei manchem von uns vorhanden sein, so werden diele desto rascher verschwinden, ie mehr wir Juden am deutschen Volksleben teilnehmen. ie mehr wir in ihm aufgehen, je mehr und ie bester uns Gelegenheit geboten wird, gemeinsam mit den anderen Volksgenossen am Wohle des Ganzen zu arbeiten. Wir Deutsche iüdischen Glaubens stellen daher freudig alle unsere moralischen, alle unsere materiellen Kräfte in den Dienst jeder Bestrebnna. die auf eine Zusammenfassung aller im deutschen Volke vorhandenen Kräfte hinzielt." — Rach Anhörung der verschiedenen Redner wurde eine Ents ch l i e ß u n g gefaßt, welche fordert, daß die unvermeidliche Auseinandersetzung zwischen den Bekenntnissen und Parteien in sachlicher Weise ohne Beschimpfung und Heranziehung des Gegners erfolge.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.