Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1917)
- Date
- 1917-07-20
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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8t. Jahrgang Nr. 29 Berlin, 20. Juli 1917 Der Gemeindevote. Betrage zur „Allgemeinen Leitung drK Judentums. Korrespondenzen und Sschrichkra. DkUtschlklNd. §2 Berlin, 17. Juli. Tie W o h l t ä t i g k -e i t sz c n t v n l e d e r B erli n e r K a u s m annschoft (Vorsitzende die Herren H e i.n r i ch Grünfeld, i. Fa, F. V. Grünfeld, und Dr. I a in e s Simon; Geschäftsstelle Flottwellstroße 4) versendet soeben ihren Geschäftsbericht f ü r d a s I a h r 1916. Der sehr übersichtlich gegliederte Bericht gibt einen anregenden und aufschlußreichen Emblick in die Bedeutung, die die Wohltötigkeitszentrale in der Reform der G e l d m i.t t e l b e s ch a f f u n g für Wohlsahrtszlvecke sowohl für die Berliner Kaufmannschaft tute für die Vereine gewonnen hat. Es ist ihr gelungen, den früher so häufigen, den Sammlungszweck herabsetzenden K u n d c n d r u ck a u f ein M i n d e st m a s; e i n z it sch r ä n k e n. In welchem Maße es weiter erreicht worden ist, die h e r o n z i e h u n g d er K au fm a gn sch a ft zu r A u s - st nt tu ng von Basaren und Tombolen zu vermeiden und ihre Beteiligung an den sozial und wirtschaftlich so.viel mehr wertvolleren Geldsam m l u n g e w z u. erhöhen, geht aus einer in dein Bericht enthaltenen Statistik hervor. Die von den Mitgliedern der Geschäftsstelle zur Prüfung überwiesenen T o m b olabitten gingen von 33,2 Prozent der Gesamtgesuche im Jahre 1911 und 25 i m Jahre 1912 auf 3,1 Prozent i m I a h r e l 91 6 zurück. Die Geldbitten sind von 12,5 Prozent bzw. 19 Prozent in den Jahren 1911 und 1912 auf 45,5 Prozent im Jahre 1916 gestiegen. Welche Uebersülle von Hilfseinrichtungen in Berlin vorhanden und wie unerläßlich es daher ist, sich von fachlicher Seite beraten zu lassen, wie schwierig aber auch die Prüfung ist, geht daraus hervor, daß in den sechs Jahren die Geschäftsstelle über insgesamt 1781 verschiedene W o h l f a h r t s e i n r i chtu n g en Rat und Auskunft erteilt hat. Allein im Jahre 1916 sind 188 Organisationen neu g e p r ü f t worden, darunter 9 7 Krieg sgründ ungen. Da unter all diesen zahlreiche überflüssige oder aus unsachlichen Motiven hervorgegangene Einrichtungen sich befanden, so hatte dies zur Folge, daß von den im. abgelansdnen Kalenderjahr insgesamt geprüften 1228 Gesuchen nur 695 seitens der Mitglieder berücksichtigt werden konnten. Seit dem Bestehen sind insgesamt 10 281 Gesuche geprüft worden. Ihren Einfluß unter der Kaufmannschaft sichert sich die Wohltätigkeitszentrale neben der Einzelberatung durch die Versendung allgemeiner Rundschreiben. Sie enthalten zum Teil Warnungen oder Aufklärungen, die insbesondere auch deshalb oft notwendig sind, weil die Ähnlichkeit der Namensbezeichnung einzelner Organisationen leicht zu Verwechslungen führt. Ferner wurde u. a. eine I u - s a m m e n st e l l u n g de r f ü r Liebesgaben für Truppen n n d L a z a r e t t e zu emvsehlonden Sammlungen gemacht. Zu Weihnachten ist eine eigene M i t g l i e de r s p e n d e zugunsten der Berliner R e s e r v e l a z a r e t t e eingeleitet worden, die einen Ertrag von 3410 Mark brachte und unter Beratung der Territorialdclegierten von Berlin und Potsdam verteilt wurde. Die Wirksamkeit der Zentrale i-st weit über die Kreise der aus den meisten ersten Geschäftshäusern aller Zweige des Warenhandels zusammengesetzten Mitgliedschaft hinaus der gesamten Warenkanfmauuscha.ft zum Nutzen geworden, da auch sie zu einem großen Teil sich die Grundsätze zu eigen gemacht haben und von unberechtigten Belästigungen frei wurden. E. M. Berlin, 17. Juli. Der Krieg hat der Berliner Jüdischen Gemeinde bedeutend höhere Lasten für die Waisenpflege auferlegt, als im Frieden erforderlich waren. Die für die Jahre 1916 bis 1918 in den provisorischen Gemeindehaushaltsplan eingestellten Summen von 79 500 Mark für den Unterhalt der Kinder und 3000 Mark sür die Bekleidung der Pfleglinge der Waisenkommission reichen für die erhöhten Anforderungen nicht aus. Da bereits im vorigen Jahr die etatmäßig zur Verfügung stehenden Beträge nicht ausreichend waren, erhielt die Waisenkommission zur Bestreitung der durch den Krieg und die gesamten Zeitverhältnisse bedingten Mehrausgaben einen Sonderzuschuß von 25 000 Mark zu den Unterhaltungskosten ihrer Pflegebefohlenen. Bei größter Sparsamkeit wurde es möglich, die Unterhaltungskosten zu -bestreiten, doch mußte der für die Bekleidung der Zöglinge eingestellte Betrag überschritten werden. Für das Jahr 1917 ist noch ein weiteres Steigen der Ausgaben zu erwarten. Auch die Aufwendungen für den Unterhalt der Kinder sind wieder erheblich angewachsen; die Pflegegelder, mußten um etwa zehn Prozent erhöht werden und schon jetzt scheinen weitere Auftvendnngen auf diesem Gebiet nicht ausgeschlossen zu sein. Auch der Bekleidungsfonds mußte höher dotiert werden. Die Gemeindekörperschaften haben deshalb beschlossen, der Waisenkommission für das kommende Jahr einen besonderen Kriegszuschuß von 30 000 Mark zu den Unterhaltungskosten zu gewähren und den Bekleidnngsfonds um 1500 Mark zn erhöben. — Diese Beträge sind nur für die Erhaltung der iit offener Waisenpflege befindlichen Kinder bestimmt: die Fürsorge für Anstaltszöglmge ist in diesen Summen nicht einbegriffen. E. M. Berlin, 17 Juli. Eine Stiftung für kranke jüdische Studentinnen ist am Anfang dieses Jahres bei der Jüdischen Gemeinde begründet worden. Die Erträge dieser Stiftung sind zweimal jährlich je. zur Hälfte an eine arme kranke jüdische Studentin zu vergeben; wenn keine Gesuche kranker Bewerberinnen vorliegen, darf das Stipendium einer anderen Studentin zuerkannt werden. Mehr als zweimal darf die Unterstützung derselben Person nicht erfolgen. Das Gründungskapital dieser „E r n a - H i r s ch f e l d - S t i s t u n g " betrug 3000 Mark; die Begründer der Stiftung, Frau und Herr Alfred Hirschfeld, haben dasselbe durch eine neuerliche Zuwendung auf 6000 Mark erhöht. — Bei der Berliner Jüdischen Genreinde besteht noch eine andere Stiftung für jüdische Studentinnen, die die bekannte Philanthropin Frau Geheime Kommerzienrätin Henriette Becker vor etwa zehn Jahren aus Anlaß ihres 75. Geburtstages errichtet hat. Dis Kapital der Henriette-Becker- S t i f tmm g beträgt 19 00>0 Mark. Die Stiftung ist dazu bestimmst unbemittelten jüdischen Personen weiblichen Geschlechts, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, nach bestandener Maturitätsprüfung eine Beihilfe zum Sbudium an einer deutschen Universität zu gewähren. Um diese Beihilfe besonders wirksam zu gestalten, hat die Stifterin bestimmt, daß die Erträge der Stiftung stets derselben Stipendiatin für die ganze Dauer ihres Studiums zufließen, wenn sie dasselbe in angemessener Zeit absolviert. Frau Geheimrat Becker hat sich das Vorschlagsrecht für diese Stiftung lebenslänglich Vorbehalten. (Soeben geht uns die Mitteilung zu, daß Frau Geheimrat Becker gestern im 84. Lebensjahr verschieden ist. Tie Red.) Berlin, 17. Juli. Am 8. d. M. fand in dem Schwesternheim des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen eine Trauerfeier sür die verewigte Oberin Rose Blau statt. Nach stimmungsvollem Gesang des Schwesternchors würdigte Frau Dr. Frankl die Verdienste der Verewigten um die Entwicklung des Vereins und schilderte ihren Einfluß auf die Schwestern, die in verehrungsvoller Liebe an ihr hingen. Nochmaliger Gesang endete die weihevolle Feier. Sodann wurde die neugewählte Oberin, Fräulein Margarete Elk an, durch den Vorsitzenden, Herrn Solomon S e l i g so hn, in ihr neues Amt eingeführt und ihr das Amtsabzeichen, das Schild Davids am einer goldenen Kette, übergeben. Mil der Versicherung, ihr Bestes für ihren neuen Beruf einznsetzen, übernahm Fräulein Elton ihr Amt. Berlin, 17. Juli. Dos Eiserne Kreuz zweiter Klosse erhielten: Kanonier Poul Fried mann und Gefreiter Hans F r i e d m a n n , Söhne des Königlichen Musikdirektors Oberkantors A. Friedmann, Pionier Hermann Cohn, Unteroffizier Dagobert L e \v i n , Musketier Warf ch o w s k i , Sohn des Herrn Joseph Warschowski, Landsturmmann Erich Rieß (Groß-Berlin). Die gleiche Auszeichnung erhielten: Feldzahnarzt Hermann G r ü n - bäum, Sohn der verwitweten Frau Sophie Grünbaum in Posen, Feldhilfsarzt K r a y n bei einer Sanitntskompagnie im Westen, Sohn des Kaufmanns Herrn Krahn in Posen, Unteroffizier Max S e e l i g , Sohn des Kaufmanns Herrn Simon Seelig in Posen. Rechtsanwalt Dr. Kochei m in Posen, zurzeit Unteroffizier bei einem Feldartillerieregiment im Westen, Gefreiter Hermann Eohn, Sohn der verwitweten Frau Dora Eohn in Schwitz, Feldwcbellentnan;