Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1917)
- Date
- 1917-07-20
- Page
- Seite 344 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8,44 mit der ganzen Leidenschaft, die ich für sie empfand, hinzugeben. Lovis Eorinth war mein erster Lehrer. Längere Studienreisen -führten mich nach Paris, Florenz und Rom. Gelegentlich habe ich auch kleinere Reisen nach Polen gemacht und dort starke Anregungen empfangen. Aber erst in Litauen, wohin mich der Krieg vor anderthalb Jahren geführt hat, habe ich inmitten unseres alten Volkes tiefe, innerliche Erlebnisse gehabt und mich gereinigt von allen möglichen Einflüssen, denen ich vorher unterworfen war." Diesen Bemerkungen legte Herr Steinhardt eine Menge Photographien seiner Zeichnungen bei, von denen ich zwei ungemein charakteristische hier folgen lasse. Ich freue mich, damit einen jungen Künstler dem großen Publikum vorzuführen, der zu Hoffnungen berechtigt, und wünsche von Herzen, daß es ihm vergönnt sein möge, seine künstlerischen Fähigkeiten zu entwickeln und auch im Dienste des Judentums zu -betätigen. L. G. Losa Marrens. Von Regina Reißer. ^^^er Weltkrieg hat die all- ' gemeine Aufmerksamkeit mehr denn je ans die skandinavische Halbinsel gelenkt. Esdürfte daher von großem Interesse für den geschätzten Leserkreis dieses Blattes sein, das Lebensbild einer jüdischen Dichterin vorgesührt zu erhalten, über die bisher nur sehr wenig bekannt war. Rosa Marrens hat uns nicht nur mit hochwertigen eigenen Geistesprodukten beschenkt, sie hat es auch verstanden, aus den Schützen fremder Literatur die Goldkörner für uns hevanszulesen und sie bei uns heimisch zu machen. Namentlich hat sie der skandinavischen Literatur ihre Studien gewidmet. Geboren zu Karlskrona in Schweden am 24. Februar 1821, übersiedelte sie mit ihren Eltern schon in ihrem fünften Lebensjahre nach -Hamburg, wo sie bis zu dem im Jahre 1861 erfolgten Heimgang ihres Vaters ihren dauernden Wohnsitz hatte, immer bemüht, ihr Wissen zu bereichern, ihre dichterische Begabung mehr und mehr auszubilden. Mit begeisterter Schwärmerei ihrem Geburtslande anhangend, vertiefte sie sich zuerst mit Vorliebe in die schwedische Literatur und übersetzte, ohne je eine Schule besucht oder einen geregelten Unterricht genossen zu haben, im Versmaß des Originals die Volkslieder der Vorzeit, die im Jahre 1857 in Leipzig erschienen und viel Anklang fanden. Uebe'rhaupt war es der nordische Sagenkreis, der sie mächtig anzog, und ermuntert durch die günstige Aufnahme ihres ersten Werkes, erschienen jetzt in schneller Reihenfolge „Dänische Volkslieder", Hamburg 1858, „Schottische Volkslieder", 1861, „Zwei Lieder der Edda", 1863, und von da ab bis 1863 „Norwegische, Isländische, Finnländische Volks¬ Hi Jakob Steinhardt: Moischele aus Rossienie. Zeichnung, Oktober 1916. lieber", denen dann, Berlin 1878, eine Sammlung eigener geist- und gemütvoller Dichtungen folgte, in denen zuweilen eine schwermütige Stimmung vorherrscht. Sagt sie doch selbst in einein ihrer Gedichte, daß „jedwedes ihrer Lieder einer dunklen Stunde Vermächtnis ist". , Doch ein reines Gefühl für die Schönheiten der Natur, tiefe Empfänglichkeit für Duft und Klang in dieser spricht sich in den meisten ihrer Poesien aus, und so weihte sie auch eine innige Hingebung den Herrschern im Reiche der Natur, allen voran Alexander v. Humboldt, dem sie eine glühende Verehrung zollte und dem sie auch ihre „Dänischen Volkslieder" mit einer schwungvollen, hochpoetischen Widmung zueignete. Sein ihr gespendetes Bild, auf dessen Rückseite von seiner Hand die Worte standen: „Der anmutigen, geistreichen Sängerin germanischer Volksstämme, Fräulein Rosa Warrens, in dankbarer Ergebenheit A. v. Humboldt" sowie ein dem Bilde beigefügtes ihr gewidmetes Berschen hielt sie wie die Reliquien eines Heiligen. In rastloser, uneigennütziger Weise hatte sie sich den Bestrebungen derer, die es sich zur Pflicht gemacht hatten, den durch den Feldzug des Jahres 1866 ihrer Ernährer beraubten Witwen und Waisen beizustehen, angeschlossen, und die darauf bezüglichen anerkennenden Schriftstücke, namentlich das Handschreiben des Kronprinzen von Preußen, das sie in Begleitung seines und seiner Gemahlin Bild in schöner Uinrahmung erhielt, erfüllte sie mit freudiger Genugtuung. Im Vorgefühl ihres nahen Todes übergab sie diese Schriften und Bilder sowie die Andenken von Humboldt einer von ihr hochverehrten Freundin einige Wochen vor ihrem Heimgange, damit ihr liebster Besitz in würdige Hände gelange. Berlin war nach dem Tode ihres Vaters die neue Heimat der Dichterin geworden, wo sie mit ihrer hochgebildeten greisen Mutter ziemlich zurückgezogen lebte. Mit dieser reiste nun Rosa Wärvens im Sommer 1878 nach Freienwalde zur Kur, und als sie dort den bitteren Schmerz erfuhr, ihre Mutter zu verlieren, fühlte sie, daß auch ihr Lebenskeim geknickt sei. Als sie dann nach Berlin zurückgekehrt war, wiederholte sie oft, daß ihr die Seele entrückt sei und sie sich nur noch körperlich auf der Evde befinde. Ihre ältere, in Kopenhagen verheiratete Schwester eilte zu ihr, und nachdem sie einige Wochen bei der nun auch körperlich Leidenden geweilt hatte, suchte sie diese zu einer Uebersiedelung nach Kopenhagen zu bewegen. Die Reise war zwar glücklich zurückgelegt worden, aber nach kaum einer Woche endete ein Herzschlag, dem nur ein kurzes Unwohlsein vorangegangen war, das Leben der hochbegabten Dichterin.