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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-07-13 · Heft 28 (13.7.1917) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 28 (13.7.1917)
Date
1917-07-13
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 u b a h exis ch e w Leutnants w u r d e n befördert: August Mainzer, Ernst Blank, Friedrich E h r m a n n, Israel K 0 sch - 1 a n d, Dr. Joses Lehmann, ' Erich K r a ck e n b e r g e r, Hugo 2 u n d h e i m e r, Fritz Dispecker, Ernst Ding, Friedrich Reis, Eugen T u ch m a n n, Rechtsanwalt Rudolf Bing, Rechtsanwalt M. Wer t he ime r, Mäher We i ßm a n n. Zum M aj 0 r befördert: Hauptmann der Landwehr Isidor Löwen so h n. Zu Ritt m e i st e r n 'bei m T r a irr w u r d e n befördert: Die Oberleutnants Paul K r a k e n b e r g e r und Emil F e ch h einte r. 3 u nr Hauptman n wurde befördert: Der Oberleutnant der Landwehr a. D. Max Erlbacher. — Pirmasens, 6. Juli. Der des Raubmordes an Walter Löwenthal aus Berlin verdächtigte und inhaftierte Otto Gebhard machte am Freitag abend einen Fluchtversuch aus dem hiesigen Amtsgesängnis, wurde jedoch rechtzeitig abgefaßt. Er hatte den Ofen feiner Zelle in die Nähe des Fensters gerückt, war hinaufgestiegen und hatte bereits einige Nägel aus dem Fensterholz entfernt, als der Fluchtversuch bemerkt wurde. Es werden jetzt immer mehr Einzelheiten bekannt, die bestätigen, daß Otto Gebhard sich in den letzten Wochen hier sowohl als auch auf Reisen in großen Geldausgaben gefiel und den noblen Mann spielte. Dem Händler August Hirsch hat er für zwei an Löwenthal gelieferte Schinken, obwohl nur 300 Mark verlangt wurden, großmütig 800 Mark gezahlt. Tie Auszahlung soll mittels Tausendmarkscheins erfolgt 'ein. Die Suche nach dem Toten ist immer noch umsonst gewesen. Gesterrrich-Ängarn. O. W. Wien, 6. Juli. Das Komitee der Flüchtlingsfürsorge hat ein aus neun Mitgliedern bestehendes Snbkomitee eingesetzt, dem als Mitglied die Vertreter der interessierten Gebiete angehören. Cs wurden als Referenten die Abgeordneten B u g a t t 0 und Graf L a s 0 c k i bestimmt. - Das Subkomitee ljat ein Gesetz ausgearbeitet, welches dem Vollausschuß vorgelegt wird und nächste Woche in das Abgeordnetenhaus gelangt. Durch dieses Gesetz sollen die Interessen der Kriegsflüchtlinge in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht wahrgenommen werden. Namentlich soll ihre Freizügigkeit sichergestellt und endlich die gesetzliche Versorgung der mittellosen Flüchtlinge gesichert werden. Die wichtigsten Bestimmungen des neuen Gesetzes sind: Vermeidung jedes Barackenzwanges und Erhöhung der Flüchtlingsunterstützung auf 2 Kronen täglich pro Person. Abgeordneter Reizes stellte auch folgenden Antrag: Die Negierung wird aufgefordert, eine strenge Untersuchung behufs Feststellung, welche Behörden in der parlamentslosen Ze.it für die widerrechtlichen Einschränkungen der persönlichen Freiheit und Freizügigkeit der Flüchtlinge verantwortlich sind, einzuleiten und hierüber dem Haus ehestens zu berichten. Abgeordneter Dr. Reizes war auch in Deutschbrod, um den Zustand in den Barackenlagern zu inspizieren. Er veranstaltete bei dieser Gelegenheit eine große Flüchtlingsversammlung, bei welcher auch vom Ministerium des Innern ein Regierungsvertreter zugegen war. Abgeordneter Tr. Reizes richtete an die Flüchtlinge eine Ansprache und forderte sie auf, ihre etwaigen Wünsche und Beschwerden zu notieren, was auch geschehen ist. Das Resultat dieser Intervention ist ein sehr günjtiges, und die Redaktion der „Oesterr. Wochenschrift" ist in der Lage mitzuteilen, daß die geäußerten Wünsche der Flüchtlinge ehestens v 0 l l e B e r ü ck s i ch t i g u n g. finden werden. Italien. z. Florenz. In Acqui verstarb der bekannte Sozialist Raffael e O t t 0 l e n g h i, der bei Christen und Juden in hohem An- 'ehen stand. Als Schriftsteller beschäftigte er sich auch mit der Wissenschaft des Judentums; bekannt sind seine „Stimmen aus dem Orient", die reiches Material enthalten. Ottolenghi vermachte 30 000 'üre für die Armenfürsorge der Stadt Acqui, wovon 20 000 Lire für die Errichtung eines Pavillons für Lungenkranke und 10 000 für ^äuglingsfürsorge; 4000 Lire der Israelitischen Gemeinde in Acqui, ie 500 Lire den drei Arbeitervereinen; 30 000 Lire dem rabbinischen Seminar in Florenz, 15 000 Lire dem israelitischen Waisenhaus in rurin. Außerdem sollen- 20 000 Lire dem Rabbiner Professor Tr. Nargulies in Florenz zur Verfügung gestellt werden, damit sie dieser nach seinem Gutdünken einer nationalen -oder internationalen Mischen- Organisation, die sich mit der Wiederbelebung der jüdischen Ideale befaßt, zuwende. SuhlanL. z. Petersburg. Tie nahezu abgeschlossene Untersuchung über die Tätigkeit des früheren Justizministers SüststheglowiLow', der während der ersten Revolutimrstage in Petersburg verhaftet wurde, führt der „Rjetfch" zufolge zur Erhebung der Anklage wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt, Urkundenfälschung und Verheimlichung eines Mordes. Die letzte Anschuldigung, die weitaus am schwersten wiegt, gründet sich darauf, daß 1911 in Odessa auf ausdrücklichen Befehl des damaligen Generalgouverneurs Tolmatschew ein unschuldig verhafteter Jude namens Motel Jscher von der Polizei umgelwacht wurde; die Akten über diesen Vorfall forderte Schtscheglowitow ein und ließ dann auf Grund eines völlig entstellten Jmmediatberichtes die Untersuchung durch den damaligen Zaren Niederschlagen. Die Untersuchungskommission hat wegen der engen Verbindung Schtscheglowitows mit dem Bunde echtrussischer Leute auch die Nachprüfung der Akten über die Ermordung der Abgeordneten zur ersten Duma, Jollos und Herzenslein, angeordnet, um festzustellen, ob Schtscheglowitow auch an diesem Verbrechen beteiligt war. — Der gleich nach Amtsantritt des früheren Iustizministers Kerenski eingesetzten Kommission zur Untersuchung der dirigierenden Tätigkeit der höheren und höchsten Organe des Justizministeriums in dem schändlichen Beilis-Prozetz ist es nun gelungen, wichtige Dokumente zu entdecken, die auch die wahren Motive der Vertreter der Zivilklage und der „unparteiischen" Expertise schonungslos bloßstellen. Der große Pogromapostel S a m h s l 0 w s k i, welcher in den Gerichtsverhandlungen die wilden Ausbrüche seines Judenhasses dadurch besonders zu bekräftigen versuchte, daß er seine pure, vollständig uneigennützige „Ueberzeugung" hervorhob und jede Zumutung einer Honorarentschädigung mit Entrüstung zurückwies — dieser Idealist bekam aus dem Gemeindefonds des Polizeidepartements 3500 Rubel für sein Auftreten im obengenannten Prozeß. Noch beschämender entpuppt sich die „wissenschaftliche Expertise" des Herrn Professors Kossorofow, welcher bekanntlich, entgegen den überzeugenden Untersuchungen der anderen Experten, der Herren Professor Zeib, Chirurg Pawlow und Kadjan, unerschüttert an dem für Beilis vernichtenden Standpunkt festhielt. Dieses stolze „Kann-nichtanders" findet jetzt seine Erklärung in der Tatsache, daß der Ritter ohne Furcht und Tadel der reinen Wissenschaft außer der üblichen Entschädigung von 400 Rubeln für die Expertise noch die nette Zulage von 4000 Rubeln vom gleichen Geheimfonds erhielt, sicherlich zum Ansporn seines wissenschaftlichen Eifers. Diese sauberen Herren haben jetzt die empfangsbestätigenden Unterschriften sofort anerkannt. Da wir es nur noch mit dem Anfang von Enthüllungen zu tun haben, so kann man sich denken, was für ein Netz von Gemeinheit und Heuchelei von den geübten Fingern der Machthaber des alten Rußland zusammengesponnen wurde! Ein Schauder durchzuckt uns beim Lesen all dessen, was aus den geheimen Archiven kommt. Rußland war auf dem besten Wege, bis in die tiefsten Wurzeln des Staates und der Gesellschaft vergiftet zu werden, und die Läuterungs- und Gesundungsarbeit, welche bevorsteht, ist unübersehbar. Die Millionen des russischen Judentums können jetzt die mehr als wohlverdiente Genugtuung erleben, daß die wahren Regisseure des unheilvollen und wahnwitzigen Menschenhasses endlich an den Pranger kommen. Von MH und fern. — Geheimer Negierungsrat Professor Dr. Her m min Cohen beging am 4. d. M. den 7 5. Geburtstag, der dem Wunsche des Jubilars entsprechend in aller Stille, ohne offizielle Feiern und Ehrungen!, verlief. Der V 0r stand der Iüd i sch e n Gemeinde, in deren Verwaltung Geheimrat Cohen als Mitglied des Ausschusses Dr Rabbinerwahlen sich betätigt, hat ein Glückwunschtelegramm gesandt, das dem unermüdlichen Vorkämpfer für die Ideale der jüdischen Religion und treuen Mitarbeiter die Glückwünsche der Berliner Jndenheit übermittelt. Das Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, an der Geheimrat Dr. Cohen als Kuratoriumsm itglied und Lehrer wirkt, hat

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