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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-07-13 · Heft 28 (13.7.1917) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 28 (13.7.1917)
Date
1917-07-13
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 ein kostbares Blumenarrangement übersandt. Eine Abordnung des Kuratoriums und des Lehrerkollegiums überbrachte mit den Glückwünschen der Anstalt eine Adresse, die die Ernennung Geheimrat Cohens zum E h r e n m i t g l i e d e des Kuratoriums enthielt. Ter greise Jubilar dankte mit sichtlicher Rührung für die ihm zuteil gewordenen Ehrungen. — Ter Oberlehrer Dr. Samuel Blach wurde mit der Roten-Kreuz-Medaille dritter Klasse ausgezeichnet. —- Frau Louis Sachs hat von dem dem Deutsch- Israelitischen Gemeindebunde zum Bau der Repziner Anstalt seinerzeit gewährten Darlehen von 10 000 Mark 5000 Mark erlassen. — Aus Posen wird uns geschrieben: Am 1. Jllli feierte der Rentier Isidor Kantorek im Alter von 76 Jahren mit seiner Gattin Snsanna geb. Pfysow, 71 Jahre alt, das Fest der goldenen Hochzeit. Beide Eheleute sind geistig und körperlich noch sehr rührig. Von allen Seiten kamen herzliche Glückwünsche sür das Jubelpaar. Vier Kinder und vier Enkelkinder scharten sich um die Gefeierten. Herr Gemeinderabbiner Dr. Freimann überreichte im Aufträge Seiner Majestät des Kaisers und Königs die goldene Ehejubiläumsmedaille mit einer diesbezüglichen Ansprache. - Den Bäckermeister Foch - scheu Eheleuten iiv Obornik wurde anläßlich ihrer goldenen Hochzeit die Ehejubilänmsmedaille verliehen. Der 13jährige Schüler Erwin O b e r schützky in Hamburg rettete seinen elfjährigen Freund mit eigener Lebensgefahr vom Tode des Ertrinkens im Jsebeck-Kanal. --- Ter Gefreite Julius Hei nein a n n, Sohn des Lehrers Heinemann in Bergen, der schon längere Zeit Inhaber des Eisernen Kreuzes ist, wurde am jüngsten Wochenfeste auch mit der hessischen Tapferkeitsmedaille allsgezeichnet. — Herr Robert M aier in Mainz hat im Verein mit Herrn Daniel Du im in Amsterdam den ganzen Sommer über für jeden Monat 15 bis 20 Kinder in jüdisch-religiösen Familien Hollands unteraebracht. Fliegerleutnant Dr. Franz R o s i n , der Sohn des berühmten Lehrers der Stantsrechte Geheimen Regierungsrat Vrokessor Dr. Heinrich Rosin an der Universität Freiburg i. B., ist am 4. d. M. auf dem Felde der Ehre gefallen. Der junge Fliegerlentnank, der im Privatberuf Rechtspraktikant war, zählte erst 27 Jahre. Er stand seit Kriegsbeginn im Felde, lvo er bei einem Infanterieregiment zum Leutnant ernannt wurde. 1915 meldete er sich zur Fliegertruppe, wo er sich zu dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse auch das Eiserne Kreuz er st er Klasse für hervorragende Leistungen im Luftkampf erwarb. Herr Sig. Kahn in Straßburg i. E., Direktor des Kaufhauses „Hoher Steg", zurzeit Beamtenstellvertreter, .erhielt das badische Kriegsverdienstkreuz. -.In Amsterdam wurde dieser Tage der neue Oberrabbiner Herr Samson A. Onderwhzer in sein Amt eingesührt. . Alls Wien wird geschrieben: Zum kaiserlichen Rat wurde ernannt Herr Sigmund Planer, Gesellschafter der Firma Sigmund Planer u. Bruder. Kaiserlicher Rat Sigmund Planer ist durch feine rege Mitarbeit an vielen Wohltätigkeitsaktionen, bei der Verwaltung des Roten Kreuzes (Zweigverein Leopoldstadt) bekannt. Die Auszeichnung erhielt er wegen seiner Verdienste als Mitglied der beiden Steuerschätzungskommissionen (Erwerb- und Einkommensteuer) in der Leopoldstadt, welchen er durch zwölf Jahre angehört. - In Wien ist vor kurzem der jüdische Gemeinderat Dr. Alfred Mittler gestorben. Der Verblichene war einer der energischsten Führer der Wiener Liberalen, ein schneidiger Tebatter ilnd wirkungsvoller Redner. Er erfreute sich allgemeiner Wertschätzung, und selbst seine politischen Gegner versagten ihm ihre Achtling nicht. Am 22. Jlmi, als dem Jahrestage der Wiederbesetzung Lembergs durch österreichische Truppen, fanden in allen (Gotteshäusern Festgottesdienfte statt. In der fortschrittlichen Gemeindesynagoge hatten sich der Vertreter des Negierungskommissars der Stadt Dr. Schleicher, der stellvertretende Regiernngskommissar der Kultusgemeinde Dr. Wasser, die Vertreter aller Gemeinde-Institutionen, eine Abordnung des Offizierskorps und ein sehr zahlreiches Publikum eingefunden. Nachdem Oberkantor S e i tz mit Chor- und Orgelbegleitung einen Festpsalm zum Vortrag gebracht, hielt Gemeinderabbiner Dr. Guttmann eine warmernpfundene Ansprache, .die in dem Appell ausklang, es möge seitens der Gemeindemitglieder sür die Zukunft der vielen Kriegswaisen nach Kräften gesorgt werden. --- Die erste Versammlung der Rabbiner Italiens fand am 26. und 27. v. M. zu Bologna statt. Das Programm enthielt unter anderem folgende Punkte: das Problem der Erziehung, die öffentlichen Organisationen zu rituellen Zwecken, die jüdische Frage, Wjahl des Bor standes des Italienischen Rabbinerderbandes. — Die Lage der Inden in Rumänien ist nach wie vor unerträglich. Trotz aller Versprechungen der rumänischen Regierung bleiben die jüdischen Ge meinden in Rumänien vollständig rechtlos. Sie finden in dem gegenwärtig in der Moldau herrschenden Lebensmittelmangel nicht die geringste Hilfe. Ganze Familien sterben vor Erschöpfung. Sofortige Hilfe mit Lebensmitteln und Medikamenten sei notwendig; diese Hilfe kann nur aus Rußland kommen, da die rumänischen Behörden nur die christlichen Rumänen unterstützen und unter den Juden wegen deren angeblicher Deutschfreundlichkeit ständig Verhaftungen oder sonstige Repressalien vornehmen. — Auf der letzten Londoner Konferenz der englischen Sozialisten berichtete der jüdische Sozialist Feinberg von einer gegenwärtig unter den englischen Arbeitern weitverbreiteten antisemitischen Verleumdung: die Juden des East-Ends hätten die Geschäfte der -eingerückten Soldaten aufgekauft und sie verdrängt. In einer längeren Rede zeigte Feinberg die Grundlosigkeit dieser Verleumdung und deckte die reaktionären und gefährlichen Absichten dieser antisemi tischen Erfinder auf. Die Debatte wurde dazu benutzt, um die Judenfrage im gegenwärtigen Augenblick aufzurollen. Unter anderem kam auch die Frage des Militärdienstes der in England wohnenden russischen Juden und schließlich auch der Zionismus zur Sprache. Der sozialistische Abgeordnete Alexander aus London besprach die gegenwärtige politische Lage und forderte die Sozialisten auf, zur Lösung der Judenfrage durch das Eintreten für eine freie jüdische Entwicklung in Palästina beizutragen. — Die intelligenten K a r ä e r in Rußland protestierten kürzlich bei der neuen russischen Regierung.gegen das Verbleiben ihres Ehachams Schapssal in seinem Amt. Zur Zeit der Revolution in Persien stand Schapssal im Solde der russischen Reaktion, mit deren Hilfe er, trotz aller Proteste der angesehenen Karäer, zu ihrem Chacham ernannt wurde. Die erste Rede, die er nach seinem Amtsantritt in Eupatoria hielt., galt der gebildeten karäischen Jugend, die er als Revolutionäre und Verräter brandmarkte. Er fand einige Unterstützung bei den konservativen Karäern, die seine Verbindung mit dem russischen Hof kannten und — fürchteten. Noch einige Tage vor der Abdankung des Zaren Nikolaus II. wurde Chacham Schapssal von ihm in besonderer Audienz empfangen. Nun haben sich auch die konservativen Karäer von ihm abgewandt, die in letzter Zeit, wie e* scheint, auch ihre Stellung gegenüber den rabbinifchen Juden geändert haben. Es wird nämlich berichtet, daß in einer in Eupatoria kürzlich stattgefundenen Karäerversammlung die Ueberzeugung zum Ausdruck kam, daß einer Verständigung mit den Rabbaniten nichts mehr im Wege stehe, seitdem diesen die Gleichberechtigung gewährt worden ist und die Karäeb nicht mehr git fürchten brauchen, daß man die für die Juden geltenden Ausnahmegesetze gleichfalls auf die Karäer anwenden werde. — In Rußland kehren viele getaufte Juden zum Judentum zurück. Bei den Kanzleien der Petersburger und Moskauer Rabbiner laufen viele Bitten von einzelnen Per sonen oder ganzen Familien ein, welche wieder ihre alte Religion anzunehmen wünschen, die sie unter dem früheren Regime unter dem Zwange der Umstände verlassen haben. Unter diesen Personen befinden sich höchst zahlreiche akademisch Gebildete, zwei Professoren der Moskauer Universität und einige hohe Beamte. Diesen Bitten wird schnell entsprochen, denn ihrer Ausführung steht kein Hindernis im Wege. Die Zahl dieser zu ihrem Judentum Zurückkehrenden beläuft sich auf mehrere tausend Mann. — Am Lodz wird gemeldet: Zur Umgestältung, der jüdischen Lebens nütt-elgenossenschaften hat die Zentralverwaltung derselben einen Plan ausgearbeitet. Nach dem Vorbild der vereinigten Arbeiterkooperative soll ein gemeinsames Warenlager errichtet und ein Ausschuß zum Einkauf von Waren in der Umgegend gebildet werden, der auch die einzelnen Genossenschaften kontrollieren wird. — Auf der achten Jahresversammlung der New Dorker „Kehilla" teilte Rabbiner I. L. M a g n e s, der Vorsitzende der Konferenz, mit, daß ein Komitee gegründet werden soll, 400 bis 500 Personen umfassend, mit Richter- Otto Rosalskh als Vorsitzendem, das die Aufgabe haben wird: einen Fonds von 250 000 Dollar für die Förderung der jüdischen Schulen in New?)ork ins Leben zu rufen. Verantwortlicher Redakteur: AlbertKah in Berlin-Pankow, Floraftraße 58. Verantwortlich sür den Anzeigenteil: i. V. Hans Schröder. Berlin 0. Druck und Verlag von Rudolf Mosie

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