Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1917)
- Date
- 1917-07-13
- Page
- Seite 335 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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ähren, d, mit )er die ie hat es gut >g mit. ffe der llechter nachtte em ein zu Nacht twort. Sie :annste zu be- ). Als 1 schon dieser rredeii verzeih seit ich bleiben t gutes i. Sie iveisen, ssneten sitzen. Tut de Ganz;t, daß lte auf h, vieliß .mer rregten n bloß wollen :n hins Kind nebbig >er wie mg is, for fiel) alleine haben wollen. Kinder geheren einen doch nich, se sin einen doch bloß anvertraut." »Ach, Tante Phine, Tante Phine." Ich schluchze jetzt fassungslos. „Wäre ich «doch erst dort! Wäre ich doch erst neben-ihnen!" Und sie, mitten in ihrer aufgeregten Wanderung stehen bleibend: „Na, da hast es je! Da is es je so, wie's hat kommen missen! „Wäre ich erst dort!" Meinste, du bist anders wie andere Menschen? Meinste, du alleine auf de Welt trauerst ewig? Das wollen Eltern nich. Was der Rasen deckt, das muß das Herz vergessen. Meinste, du heultest und jammertest heute noch um de Eltern, — deine selige Mutter ist zehn Jahr dort —, wenn de den Kopf und s' Herz voll mit eigene Sorgen und Freuden hättest? Ich will deine seligen Eltern keinen Vorwurf machen, se sin an der Wahrheit. Dein guter Vater — Gott habe 'n selig — er war immer e unpraktischer Mensch — und deine selige Mutter, — es warer wohl keiner gut genug sor dich? Oder wie is es gekommen? E Mädchen wie du kann sich doch nich einmal, zehnmal kann die sich doch verheiraten in der richtigen Zeit?" Tantes leidvolle Auffassung hat etwas Ansteckendes. In dem einen verstehe ich sie, wenn sie auch eine andere Sprache redet, in dem einen Punkt schreit mein Herz ein wildes, leidvolles „Ja". Um mich ist eine furchtbare Einsamkeit, und wie wir auch -mein Leben einrichten, es konnte nicht trostloser, nicht ärmer werden. (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. — Literatur z u r j ü d i s ch e n F r a g e *). W l. Kossowsky: Les persecutions des Juifs en Russie. Fascicule - premier: les expulsions. Publie par le Comite pour Petranger du „Bund“. Bern 1915. 64 S. Discours prononces a la Douma et au Conseil d’Empire sur la Situation du peuple juif en Russie. Traduit par M. Gustave Brocher. Librairie F. Rouge et Cie. Lausanne 1915. 66 S. Bulletin Juif. Non-periodique. Nr. 1, 2. Imprimerie Fr. Ruedi. Lausanne 1916. L'Emaneipation juive. Bulletin bi-mensuel de la Eigne pour la Defense des juifs opprimes. Nr. 1—9. Paris, 4 rue Armand-Moisant, 1916. La question juive en Pologne. Publie par FAgence Polonaise de presse. Paris 1915. Die vom jüdischen „Arbeiterbund" in französischer Sprache herausgegebene Broschüre Wl. Kossowskys stellt eine überaus fleißige Arbeit dar; der Verfasser bemüht sich, an Hand von Nachrichten, die in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften zerstreut waren, ein allgemeines Bild der jüdischen Ausweisungen aus der russischen Kriegszone zu entwerfen. Daß die Nachrichten, die Kossowsky nicht weniger als in sechzehn Kapiteln systematisch bearbeitete, vornehmlich in der russischen, der strengen Kriegszensur unterstellten Presse erschienen waren, verleiht der Schrift einen sehr zuverlässigen, oft authentischen Charakter. In einem Anhang veröffentlicht Kossowsky u. a. einige in der Reichsduma gehaltene Reden, die die Ausweisungen der Juden zum Gegenstand hatten. Ausführlicher berichten über die Verhandlungen der beiden russischen Kammern, soweit sie die Juden betrafen, die „Diseours prononces 4 la Douma et au Conseil d'Empire". Zwei Reden des Führers der Kadettenpartei, Miljnkow, zwei Reden des Führers der D „Neue Züricher Zeitung", Freitag, den 3. November 1916, Nr. 1758. Da ich voraussetze, daß sich meine Leser für diese Literatur interessieren, gebe ich diese Besprechungen wieder, obgleich die fraglichen Schriften mir nicht Vorgelegen haben. sozialdemokratischen Fraktion, Tscheidse, die Vota der Arbeitsparteiler Kerenski und Dsjubinski, der Juden Friedmann und Bomasch in der Duma und des Barons Rosen im Reichsrat zeigeis das große Elend der russischen Juden im Kriege. Die „Diseours" verdienen die wei° teste Verbreitung schon wegen der Authenzität der Berichte, die von der Kammertribüne erstattet wurden; die Reden verloren auch bei der Uebertragung ins Französische ihre Wucht nicht. Genau genommen, gehörte das Programm des sogenannten „progressiven Blocks", auch wenn es einen Punkt über die Judenlage enthält, in die „Diseours“ nicht hinein, eher, schon in einen Anhang; auch ist den Herausgebern bei der Uebecschrift der sozialdemokratischen Interpellation (S. 40 und 65) ein kleiner Irrtum unterlaufen: mit dem Reichsrat hatte diese Interpellation nichts zu tun. Dokumentarisch ist auch das „Bulletin Juif"» wobei zwar nicht immer, aber doch meistens die Quellen angegeben sind, aus denen die Nachrichten geschöpft werden; auch aus der „N. Z. Z." ist einiges in der Preßübersicht verwendet worden, lieber die Lage in Rußland, in Polen und in Rumänien, über die Tätigkeit der amerikanischen Inden zugunsten ihrer notleidenden Brüder jenseits des Ozeans, über den Beistand Wilsons, der die Bevölkerung der Union zu einem „Judentag" aufsorderte (den Originaltext des Ausrufs des Präsidenten findet der Leser aus S. 9), über einige Kundgebungen in Frankreich und England zugunsten der russischen Juden gibt das „Bulletin Juif" zMveileu sehr interessanten Aufschluß. Eine Erklärung des Senatsbureaus der c Universität Gens im 1. Heft und ein kurzer Brief Romain Rollands im 2. Heft dürfte den Schweizer Leser vornehmlich interessieren. Das Ziel, das das „Bulletin Juif" verfolgt, schwebt auch der Pariser „Emaneipation juive" vor, nur ist letztere viel reichhaltiger; sie enthält auch Leitartikel, oft von führenden französischen Persönlichkeiten geschrieben, und tritt mit einem genau umschriebenen konkreten Programm hervor. Es ist schon im Namen dieser zweiwöchentlich erscheinenden Zeitschrift enthalten: die Emanzipation der Juden; diese soll angestrebt werden im Bunde mit den fortschrittlichen Kräften jener Länder, in denen die Gleichstellung noch nicht dnrchgeführt worden ist, und anderseits soll für die Sache der jüdischen Gleichberechtigung in diesen Ländern die öffentliche Meinung des republikanischen Frankreichs gewonnen werden. Das ist in der Tat um so uotweudiger, als man bisher in Frankreich bemüht war, die russisch-jüdische Frage während des Krieges totzuschweigen — „aus Gründen diplomatischer Natur", wie die „'Emaneipation juive" die herrschende Stimmung erklärt. Diese Gründe scheinen übrigens auch jetzt noch für die französische Zensur ausschlaggebend zu sein; die weiten weißen Felder in der „Emaneipation juive" bestätigen es sowie die Erklärung der Redaktion in Nr. 6 und 7, daß dieses bereits Vor einem Monat fertiggestellte Heft nicht rechtzeitig erscheinen durfte. Die Zeitschrift wird unter dein Patronat von B u i s s o n , M i l h a u d , S e i g n o b a s u. a. m. herausgegeben. „La question juive en Pologne" nennt sich' ein dilettantisch-antisemitisches Machwerk, das die Polnische Preßagentnr in Paris zum besten gibt. Daß der anonyme Verfasser der Schrift im Lande der Droits de l’homme et du citoyen die übliche Pogromsprache.durch eine liberale Terminologie ersetzt, wird niemand verwundern; aber die Last des Anstandes bis zu Ende seiner Broschüre zu tragen, vermag der Autor doch nicht. Das alte abgeschmackte Märchen von den nach Polen eingewanderten Inden, die angeblich einen Russifikativnsfaktor bilden, wird selbstverständlich aufgetischt, obschon der nicht eben ritterliche Kampf, den die Polen in den letzten Jahren gegen die Juden führen, in erster Linie nicht gegen den russifizierenden, sondern gerade gegen den national denkenden Teil der Judenheit gerichtet war, gegen jene Elemente, die in Polen eine reiche jüdische Literatur und Presse zu schaffen und ihre Sprache zu entwickeln vermochteu, von der der gebildete Anonymus genau weiß, daß der „Jargon" eine Mischung aus dem Slawischen und den: Deutschen darstelle (S. 5). Nicht mehr Wissen verrät der Exkurs des Verfassers in die Geschichte der zionistischen Bewegung (S. 8), aus dem hervorgehen soll, daß die Juden nunmehr Polen als bas „gelobte Land" für sich nusersehen hätten. L. G. — Ah re ns, Dr. W., Hebräische Amulette mit magischen Zahlenquadraten. Berlin 1916. Verlag Louis Lamm. Die Amulette und Talismane, die vor einem Jahrhundert Mode und Liebhaberei der Damenwelt der ersten. Städte Europas waren.