Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1917)
- Date
- 1917-07-06
- Page
- Seite 321 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/3224737-3229286-3229313--73236-3285706- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
--— 321 Ereignissen in Palästina verschiedene Unterstützungen bewilligt. Für die aus Jaffa evakuierten Juden hat die Allianz durch das Ministerium des Aenßern einen Betrag von 20 000 Kronen überwiesen. Mjtzkllkn. 3 n d e n päpstlich e n Schutzbrie f e n f ü r d i^ e I u d e n. W. Wiederhold druckt in N a ch r i ch t e n de r Ges. d. W i s s., Göttin gen, Phil. Kl., Beih. 1913, S. 139, Clemens' III. Schutzbrief für die Inden vom 10. Mai 1138 ab. Dieser verbietet, sie gewaltsam Zu taufen, ohne Gerichtsurteil zu. verwunden, zu töten, zu berauben, zu entrechten, in ihrer Festseier durch Prügel oder Steinwürse zu stören, zu unrechtmüßiger Fron zu zwingen, ihre Kirchhöfe zu beeinträchtigen, ihre Leichen auszugraben. — Lvwenfeld hatte in seinen Regesta pontif. Ho m. II n. 1 6 5 7 7 Zlveisel an diesem Schutzbriese Clemens' mit Unrecht geäußert. F. L. # E i n ge t a u s te r I nd e i n de r L i ter at u r de s el f te n Jahrhunderts. Der Jude, der Paul getauft und Mönch zu Fulda wurde, dichtete über die Bekehrung seines Namenspatrons eine lateinische Sequenz, die man früher Gottschalt von Klingen,- Münster, seinem Zeitgenossen., zuschrieb. Llus Anrognirg der Aebtissin Heilika vor: Niedermünster zu Regensburg, das einen Heiligen, Bischof Erhard, verehrte, schrieb Paul 1054—1073 dessen Leven. W. Levison hat es 1913 wissenschaftlich neu herausgegeben (Mon. G e r m., Script. Meroving. VI [1913] 1.). Es zeigt den ln ortreichen Schwulst, den Wunderglauben mid die möuchische Frönnuigkeit wie das gewöhnliche Heiligenleben jener Zeit, aber auch lvie dieses glatte Liatinität und reiche Bibelkenntnis. Keine Spur von. historischem Wissen, eigenen Gedanken oder, soviel ich sehe, jüdischer Besonderheit. F. Liebermann. & Zur Süs;-Oppenheimer-Bibliographic. Paul Marx veröffentlicht unter denl Titel, den ich dieser kurzen Mitteilung vorausgesetzt habe, eine Zusammenstellung in der „Zeitschrift für Bücherfreunde" 1917/18, Heft 1. Es sind im wesentlichen Nachträge zu einer ähnlichen Zusammenstellung in derselben Zeitschrift 1904/05. Sie sind sehr interessant, weil sie Genaueres, als Hahn in der letzterwähnten Mitteilung darbot, über den ehemaligen würtlenwergischen Finanzrat Süh-Oppeuheimer beibringen, der wegen seiner wirklichen oder vermeintlichen Untaten gefangengesetzt und schließlich gehängt wurde. Das Interessanteste ist, daß sich in der Tübinger Stadtbibliothek große handschriftliche Berichte über den Genannten finden: eine Anklage von 97 und eine Verteidigung von 400 Seiten, aber leider lverden über den Inhalt dieser beiden Aktenstücke keine weiteren Mitteilungen gemacht. Bon nicht minderer Wichtigkeit ist eine andere Schrift, die ein unter den Inden nmhergehendes hebräisch abgefaßtes öffentliches Ausschreiben wiedergibt. Auch Verse finden. sich in den einzelnen Schriften, aus beneu unter anderem hervorgehoben wird, daß die Inden gelvarnt lverden, ihre BUtmenschen zu betrügen. Wir haben zwar keinen Grund, ans mtfcreit Glaubellsgenossen Süß-OpPenhennerstolzzn sein, wenn er auch eine Zeitlang eine Ministerunisorm trug. Immerhin kann eine genaue historische Darstellung der außerordentlichen Schicksale dieses merkwürdigen Mannes nur dazu beitragen, die Schuldfrage anfzntlären und, lvie es wahrscheinlich ist, zu beweisell, daß Süß Oppenheimer, \m\n er auch viel Unrechtes, ja Verbrecherisches begangen, doch durch die Verschwendungssucht seines Fürsten und dessen ewiges Geldbedürfnis zu manchen Handlungen verleitet wurde, die ihm später als Verbrechen angerechnet und als solche bestraft wurden. Es wäre daher als ein Gewinn zu begrüßen, wenn auf Grund des gesamten Materials eine unparteiische Darstellung des sensationellen Falles gegeben würde. L G * In dem Henricischen Auktionskatatog Nr. 39, Berlin 1917, lvird ein Brief Immanuel Kants vom 6. November 1787 mitgeteilt, der, loenn er auch, lvie wahrscheinlich, in der großen Kant-Ausgabe gedruckt ist, an dieser Stelle eine Erwähnung verdiellt, weil er die freilich nicht unbekannten Beziehlingen das großen Weltweisen zu zwei jüdischen Jüngern auseinandersetzt und außerdem zeigt, lvie vielerlei Interessen Kaut verfolgte, und wie er sich bemühte, mid] praktisch hilfreich zu sein. Die Notiz lautet: „Kaut an David Friedländer, Königsberg, 6. November 1737. Kant zeigt in bicjein Briese seine rege Anteilnahme all den Fortschritten der Technik in bemerkenswerter Weise. Er sucht den hochedelgeborenell Herrn David Friedläuder iu Berlin für die Erfindung einer Spinnmaschine zu interessieren, die trotz der Einpfehtuligen der Kölligsberger Behörde voll bein Fab r i kendepa rtem e a t des Generaldirektvrii in Berlin ohne nähere Prüfung zurnckgewiesen worden lvar. Es handelt sich lim eine Spillllmaschine, die der Vorsteher einer Königlichen Erziehungsanstalt Jakob Gottlieb Isaak Bötticher erfunden hatte. Kant trägt deur Adressaten Grüße an seinen lieben Freund Herrn Hvfrat Herz aus." L. G. * In „Ben-Chananjai", Zeitschrift für jüdische Theologie, Herausgeber und Redakteur Leopold Löw, Oberrabbiner in Szegedill, 3 Jahrg. 1860, findet sich S. 515 folgender „Die jüdischen Künstler in Prenßell im Jahre 1798" überschriebener Artikel: Der kgl. Medailleur A b r a h a m s o u reifte aus königliche Kosten nach Italien und wurde nach seiner Rückkehr Mitglied der Akadenlie der Künste. Friedman u hat dlirch verschiedene Bildhanerarbeiteli, Gruppen und Büsten sich hervorgetan; er lvlirde von derselben Akademie zum akademischen Künstler ernannt. Löwe, bekanllt als Miniaturmaler und Kupferstecher. Seliger, ebenfalls Miniaturmaler. S ch l e s i li g e r , Landschaflsinaler. Fließ, Porträtmaler. kennet Salomon, Kupferstecher. (Seine letzte Arbeit, das Porträt Friedrich Wilhelms 11., erhielt den Beifall der Akademie, die ihn zum akademischen Künstler ernannte.) Mademoiselle Gold s ch m i d t, als Stickerin hervorragend. Zacharias als hervorragender Mechaniker bekannt. Saxe als Architekt: der erste Jude, dem die Stelle eines kgl. Kondukteurs anvertraut wurde. Bergmeister Nt eher und sein Bruder, der Hntteninspektor, sind die ersten Juden, die diese Stellen bekleiden und Hüttennnisorm tragen. M. Sp. * Aufnahme der Juden in die Zünfte zu Berlin 189:;. Zn diesem in der Ueberschrift genannten, für die Geschichte der Juden in Berlin bedeutsamen Borgang liefert Oskar Sn der in der diesjährigen ersten Nummer der „Mitteilungen des Bereins für die Geschichte Berlins" einen bemerkenswerten Beitrag. Der Zeugschmiedemeister Köhler in der Jüdenstraße Nr. 40 zu Berlin hatte im Jahre 1799 den Jndenknaben Hirsch Fliege aus Posen hilflos aufgefnnden, in seinen Haushalt ausgenommen und in seinem Gewerbe unterwiesen. Nach beendeter Lehrzeit weigerte sich jedoch das Zengschmiedegelvert, den Fliege zur Gesellenprüfung zuznlassen und dem Lehrherrn die Prämie zu zahlen. Köhler richtete deshalb am 6. April 1803 eine Eingabe an die Kurmärkische Krieges- und Dvmainentämmer, die den Gesnchstetler abschläglich beschiel), lveil in der Knrmark die Ausnahme eines jüdisrl-en Burschen in die Zunft nicht verordnet sei. Mit diesem Bescheide keineslvegs zufrieden, lvendete sich Köhler an den Borsitzenden der Kamlner. Er bemerkte in seiner Eingabe, Hirsch Fliege sei ein Mensch vom besten moralischen Charakter, er habe nichts Jüdisches, weder in seinem Betragen noch auch in seinen Handlungen, und habe das Metier, lvelches ihm gelehrt sei, vollkommen zu erlernen sich bemüht. Da loir in einem Zeitalter lebten, das durch Aufklärung und Glaubensduldnng sich vorzüglich auszeichne, so würde inan gelviß ans bloßem Bornrteil nicht das ganze Glück eines Menschen, der bloß das Unglück habe, nicht zu unserer Glaubellspartei zu gehören, verhindern wollen. Auch müsse er betteln gehen, falls er in seinem Metier nicht arbeiten dürfe. Da Köhler hiermit indessen doch keine Aenderullg in dem Bescheide erreichte, so wendete er sich unmittelbar all den Köllig, wobei er, außer den bereits genannten Gründen, noch besonders anführte, daß Fliege sein Metier nicht in Berlin ausüben, sondern anderwärts sein Unterkommen suchen wolle. Daraufhin erging die folgende Kabinettsorder: Mein lieber Staatsminister v. Boß! Die Ulnstände, welche der Zeugschiniebemeister Köhler für sein anliegendes Gesuch wegen Annahme des jüdischen Lehrlings Hirsch Fliege zlnn Gesellen allführet, sind so beschaffen, daß es wohl die Menschlichkeit erfordert, der Bitte des Supplikanten, soweit es nur irgend tunlich