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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-07-06 · Heft 27 (6.7.1917) · p. Seite 320

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 27 (6.7.1917)
Date
1917-07-06
Page
Seite 320 (sequence 8)
Language
German
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320 oit Anbetracht der großen Ausdehnung der Hilfsaktion, und damit bk Verteilung in steter Fühlungnahme mit Vertretern aller sich für das Hilfswerk interessierenden Körperschaften und Bevölkerungsklasfen geschehe, wurde ein erweitertes Komitee gevildet, in welches neben dem leitenden Ansphusse der Israelitischen Allianz und dem Wiener Vertrauensmanne des Komitees in New?)ort, Herrn Mariuri-lian Paul-Schiff, je zwei Vertreter der Hmnanitätsoereine Bue Brith für Oesterreich und des Galizischen Hilfsvereins, zwei galizisch-jüdische R'eichsratsabgeordnete, drei Herren ans der Mitte der orthodoxen Judenschaft in Wien und drei von der zionistischen Organisation nonriuierte Herren gewählt wurden. In den Plenarsitzungen dieses Komitees werden die Grundlinien der Hilfsaktion beraten, deren Durchführung in der Hand der Allianz liegt. Was die F l ü ch tl i n ge ans Galizien und der Bukowina betrifft, so gibt der Bericht statistische Taten über die Verteilung derselben in den westlichen Ländern, wonach, in Böhmen fast in allen politischen Bezirken und in den Gebieten aller jüdischen Gemeinden zusammen 72 253, M ä h r e n 35 582, in O e st e r r e i ch i s ch - S ch l e - s i e n zirka 12 800, in Obe r ö st e r reich 10 000, in S t e i e rin a r f 3767, in S a l z b u r g .1815, in Wien und N i e d e r ö st e r r e i ch zirka 40 000, in Ungarn sin sieben westlichen Kvmitateu und in Budapest) zirka 20 000 untergebracht wurden. Zumeist wurden die Flüchtlinge in ganz kleinen Gruppen in den Dörfern zerstreut. Sv ergibt sich aus den Berichten der einzelnen von der Allianz eingesetzten Zentralkomitees, daß z. B. im Rayon Budweis 4510 Flüchtlinge in mehr als z w e i h n n d c r t Ortschaften, im Rayon (y a slau 1904 Flüchtlinge in h n n d e r t z w ö l f Dorfgemeinden, in O b erö st e r r e i ch , in Gegenden, wo niemals Inden geivohnt haben, im Bezirke Braunau 1712, im Bezirke Efserding 943, im Bezirke Perg 828, int Bezirke Ried 1712, im Bezirke Schärding 1101, im Bezirke Kirschhos 446, in Wels 1616 Flüchtlinge wohnen. Durch das Komitee in Budweis gelangten im verflossenen Jahre 108 000 Kronen, durch das Komitee in Pilsen, dem zwölf Bezirke unterstehen, 144 000 Kronen, durch das Komitee in Linz 133 000 Kronen, durch das Komitee in G r a z 65 000 Kronen, durch Karlsbad 85 200 Kronen, durch S a a z 60 600 Kronen, durch T r o p p a u 116 000 Kronen zur Verteilung. In Wien selbst sorgte die vom Gemeinderat Dr. R. Schwa rz-Hiller geleitete intertonsessionelle Zentralstelle für Kriegsflüchtlinge durch ihre zahlreichen Sektionen für alle Kategorien der heimatlos gewordenen Personen. Für Unterstützungen an notleidende Inden in besonders berücksichtigenswerten Fällen wurden dieser Zentralstelle von der Allianz regelmäßige Subventionen gewährt, ebenso für die Wohlfahrtsinstitntionen der Frau Anitta Müller (Wöchnerinnenfürsorge, Mütterheim, Sänglingssürsorge, Kinderheilstätte, Suppen- und Teeanstalt, Arbeitsschule für Frauen und Mädchen, Heimstätte für eriv erb ende Frauen und Mädchen). Die Gesamtsumme der an ungefähr 200 im Berichte aufgezühlten Flüchtlingsfürsorgekvinitees in ganz Oesterreich im verflossenen Jahre gewährten Subventionen einschließlich der dem Hilfskomitee in Budapest überwiesenen Beträge machte 3 225 096 Kronen ans. Was G a l i z i e n betrifft, so sind zahlreiche Orte, deren 'Einwohner beinahe vollständig nach Westen geflüchtet waren, und mit denen übrigens infolge der vorübergehenden neuerlichen feindlichen Okkupation eine Verbindung von Wien ans nicht nusrechterhalten lverden tonnte, aus der Liste ausgeschieden. Die Verkleinerung des Derritoriulns der Fürsorge bedeutete aber keineswegs eine Entlastung des Vereins, da, abgesehen von der Unerstützung der ans diesen Gemeinden geflüchteten jüdischen Bevölkeruilg, die Hilfe im übrigen Teile von Ost- und Mittelgalizieu infolge der steigenden Rot, der Erwerbslosigkeit und der Lebensmittelteuerung immer höhere Anforderungen stellte. Dem Jüdisch e n R c 11 u n gskomitee in Lemberg, welches die Hilfe für eine große Anzahl ostgalizifcher Gemeinden zentralisierte, ivurde im Jahre 1916 zugunsten dieser Gemeinden ü b er eine Bl i l l i o n K r o it c n zur Verteilung überwiesen. Es wurden Volksküchen, Teeanstalten unterhalten, Brot, Vlehl, Kartoffeln und Holz verteilt. In Lemberg selbst ivurde im Juni vorigen Jahres, als die neue Flüchtlingsbewegnng begann, ans denr Bahnhof eine Labestation eingerichtet, welche im Juni 9844, im Juli 11 572, im August 24 269 Flüchtlingen und Evakuierten auf der Durchreise Brot, Tee und Suppe sowie Milch für die Kinder verabreichte. In drei Kinderhorten wurden die durch die Kriegsereignisse verwaisten und schutzlos gebliebenen Kinder untergebracht. Ferner bestehen Zentralkomitees in G o x I i c c, I a rosl a u , I a s l o. P r z e m y s l, R z e s z o w und T a r n o iv für je eine Anzahl galizi-scher Gemeinden. Mit dein iin vorigen Jahre in Wien begründeten besonderen „Verein zur Rettung verlassener jüdischer Kinder ans Galizien und der Bukowina" hat die Israelitische Allianz das Abkommen getroffen, daß von dem gesamten Aufwande des Vereins für Kleider, Schuhe und Wäsche zugunsten der Waisenkinder 35 Prozent reftmdiert werden. Die Gesamtausgaben der Allianz-Aktion betrugen von Mai 1916 bis Mai 1917 in zirka 150 galizischen Gemeinden 1 718 100 Kronen (gegenüber 876 000 im Jahre 1915/16). In Russisch-Polen hat die Hilfsaktion erst im Januar 1916 beginnen können.Es wurden vier Hauptkomitees in Lublin,Rado m, Kielce und Piotrkow eingerichtet, und die ursprünglich an 120 jüdische Gemeindeit des Landes gewährten Unterstützungen betrugen insgesamt 79 400 Kronen monatlich Die Zahl der notleidenden Gemeinden vergrößerte sich in der Folge, und die Subventionen stiegen zeitweilig auf 136 000 Kronen monatlich. Im Roveinber 1916 wurde in Lublin -eine Konferenz von Vertretern aller jüdischen Gemeinden Russisch-Polens veranstaltet, an der als Delegierter der Israelitischen Allianz Herr Dr. A. Kaminka teiluahm. Es wurde beschlossen, eine Zelttraltontntision für die Verteilung der Unterstützungen für das ganze Land einzusetzen, welcher außer den monatlichen Subventionen ein besonderer Beitrag von 50 000 Kronen für Winteranschaffungen bewilligt nmrde. Aber schon nach zwei Monaten des Bestandes fand sich die Kommision veranlaßt, teils wegen der großen Entfernungen und der Schwierigkeiten, von Lublin ans die Aktion int ganzen Lande durchzuführen, teils wegen Reklamationen der Provinzkontitees, ihre Tätigkeit einzustellen, so daß die vier erwähnten Bezirkstömitees wieder aktiviert werden mußten. Es gelangten an zirka 140 Gemeinden bis Mar 1917 zur Verteilung-. durch Lublin 873 550 Kronen, durch' Radont 397120 Kronen, durch Piotrkow 188 500 Kronen, durch Kielce 173 200 Kronen, zusammen 1 632 470 Kronen. Die Unterstützungen wurden in den meisten Orten an die allerärntsteu Inden entweder durch die jüdischen Sektionen der Bürgerkoutitees oder durch Wohltüti-gteitsvereim: „Linas Hazedek" (für Obdachlose), „Achiesser", „Tontche Glvjonint" oder „Maskil el dol" (für Arntenmtterstütznng), bar verteilt. In den -größeren Städten wurden auch größere Beträge zur Erhaltung der Kinderasyle und Volksküchen sonne für Ausspeisungen der armen Schultinder verwendet. Auch mehreren tausend von der Nähe der Front nach den Gouvernements Radom und Kielce evakuierten jüdischen Fantilien nmrde Hilfe gelvährt. Die jüdischen Gemeinden in Wolhynien, die sich im gegenwärtigen österreichisch-ungarischen Okkupationsgebiete befinden, K owel, W l a d i nt i r - W o l y n s k (wo nach einer Mitteilung des k. n. k. Kreistontntandos in der Stadt selbst 10 152, in der Untgebung 8042 Juden zmneist in großer Rot verblieben sind), Ri aeiejow und T n r y j k, erhielten ebenfalls Unterstützungen. In Rumänien, wo durch die siegreichen Waffen der Zentralmächte in erfreulicher Weise die Inden int okkupierten Teile zum erstenmal als Menschen und Bürger aufatuten konnten, wurde seit Mürz dieses Jahres von der Allianz eine Hilfsaktion zugunsten der durch die Kriegsereignisse in Not geratenen jüdischen Bevölkerung eingeleitet. Dem unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. M. Beel steheudeit Zentralkomitee und dent Komitee in Crajova wurden bis jetzt Subventionen in der Gesamthöhe von 63 000 Kronen überwiesen. Das in Belg r a d für die notleidenden jüdischen Gemeinden Serbiens eingesetzte Komitee erhielt einschließlich einer Unterstützung für Monastir 24 000 Kronen, wovon 8800 Kronen anläßlich des Pessachfestes alt die spaniolische notleidende Bevölkerung in Belgrad, Schabatz, Sentendria, Kragujevac und Obrennovac zur Verteilung gelangten. Das Bureau der Israelitischen Allianz vermittelte ferner bis zum Abbruch der diplotnatischen Beziehungen mit Amerika Private Geldsendungen von Familienangehörigen in Amerika au notleidende Juden in der Monarchie und in den okkupierten Gebieten und veranstaltete Nachforschungen über den Verbleib von Angehörigen anterikanisch-jüdischer Fantilien. Zugunsten der in Jerusalem und Jaffa durch die Kriegsereignisse, durch das Ausbleiben der Spenden aus Galizien, die Entwertung der Valuta und die außerordentliche Steigerung der Lebensntittelpreise in Not geratenen Juden wurden bereits vor den letzten

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