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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-07-06 · Heft 27 (6.7.1917) · p. Seite 316

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 27 (6.7.1917)
Date
1917-07-06
Page
Seite 316 (sequence 4)
Language
German
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ruo- Es ist zu hoffen, daß auch tin Gebiet des Generalgouvernements Warschau, wo einstweilen die russische Iudengesetzgebung noch fortbesteht, numnehr baldigst der gleiche Standpunkt zum Ausdruck gelaugt. Wir glauben aber bestinnut zu wisserl, daß wir im Generalgouverneineut Warschau die Verantwortung für die Nichtaufhebung der russischen Iudengesetzgebung nicht bei der Verwaltung, sondern beim Staatsrat zu suchen haben. Während nämlich die Verwaltung sich auf den gleichen'Standpunkt wie Ober-Ost stellt, daß die Judengesetzgebung auch im Generalgouvernement nicht mehr fortbesteht, weigert sich der Staatsrat vorläufig unter dem Vorwände, die Beseitigung der Judengesetzgebung könne erst nach der Schaffung endgültiger Verhältnisse erfolgen, den selbstverständlichen Zustand anzuerkennen. Eine öffentliche Erklärung über diese Verhältnisse untre für weiteste Kreise von großem Interesse. * Die „Mitteilungen des Jüdischen Korrespondenzburealls" im Haag enthalten folgende Nachrichten: D e r j ü d i s che K o n g r e ß i n A m c. r i k a. Das Kongreßkomitee in New Uork kabelt dem Jüdischeil Korrespondenzbureau im Haag, daß die Wahlen zum Kongreß am 10. Juni unter außerordentlicher Teilnahme der jüdischen Bevölkerung stattfanden. .‘K)0 000 Personen gaben ihre Stimme ab. Ein jüdischer Kongreß in England. Die Zionistische Federation Englands hat beschlossen, im Vereine mit anderen jüdischen Organisationen des Landes einen Kongreß der englischen Judenheit einzuberufen, der die Forderungen der Juden Englands gegenüber der Friedenskonferenz formulieren soll. Dieselben „Mitteilungen" verbreiten nachstehende Nachricht, aus der das Anwachsen der zionistischen Bewegung in England hervorgeht: Unser Korrespondent in London telegraphiert uns: Der „Board of Deputies" nahm eine Resolution an, in der das antizionistische Manifest, das vom Jewish Conjoint Eommittee in den „Times" publiziert worden war, verurteilt und den Vorstand zum Rücktritt auffordert. Lord Rothschild begründete die zionistische Resolution und erklärte, daß sein verstorbener Vater dem Zionismus opponierte, da Palästilla unter türkischer Herrschaft war, jedoch immer einem jüdischen Palästina günstig gesinnt war. Der bekannte antizionistische Schriftsteller Lncieu Wolf fand keinen Anklang. Der Vorstand trat oh bloc zurück. * Heber die p a I ü st iuensischen Jude n lesen wir: Nach einem Bericht des „Schstoeizerischen Jnformationsbnreans" drahtete der bekannte Professor Jahnda aus Madrid, die spanische Regierung habe offizielle Mitteilung von einem Befehl der Türkei erhalten, wonach die ansgewiesenen Juden Palästinas sofort in ihre Heimatstädte zurückkehren durften. Dieser Befehl sei das Resultat einer Intervention der spanischen Negierung und des Königs Alfons. * Die „Berliner Morgenzeitung" enthält folgenden Artikel: Die rumänischen Juden haben, einem Privattelegramm zufolge, ihrem König in Jassy ihre Aufwartung gemacht und dabei ausgesprochen, daß sie die Lösung ihrer Fragen nur von der Weisheit des rumänischen Volkes erwarten, keineswegs aber ihm die Lage des Vaterlandes durch eine Diskussion über diesen Gegenstand erschweren wollen. Der König erwiderte mit dem Hinweise darauf, daß schon die eingeborenen Fürsten des Landes die Hebung jeder Religion geduldet haben. Er bekennt sich zu dieser Tradition und meint, daß er die Fahne der religiösen, politischen und ökonomischen Freiheit ergriffen habe als er die Negierung übernahm. Alle die, die für die Verwirklichung von Rumäniens Hoffnungen gekämpft haben, Christen, Juden oder Andersgläubige haben das Recht auf die Erkenntlichkeit des Vaterlandes und des Königs, und sie werden gleiche Rechte genießen in einem freien und blühenden Rumänien. Soweit die uns übermittelte Meldung. Es ist eine geschichtliche Tatsache, daß den rumänischen Juden die ihnen auf dem Berliner Kongreß zugesicherte staatsbürgerliche Gleichberechtigung von allen rumänischen Regierungen unter den nichtigsten Vorwänden stets verweigert worden ist. Trotzdem haben sie gegenüber ihrem stiefmütterlichen Vaterlande im Kriege ihre Pflichten voll erfüllt. Ihre Hoffnungen auf eine Besserung ihrer Lage nach dem Kriege durch die eigene Regierung, so berechtigt sie sind, müssen aber nach allen Erfahrungen als trügerisch bezeichnet werden, es sei denn, daß die Mittelmächte als Signatare des Berliner Vertrages über die ehrliche Erfüllung der Zusagen wachen. Aus New Nork wird gemeldet: In -einer großen Versammlung der „Liga -der Jüdischen Jugend" sprach vor kurzem der bekannte Philanthrop Jakob H. Schiff über die nächsten Ziele der Juden. Die mit großem Beifall aufg-enonnnenen Ausführungen Schiffs lauteten folgendermaßen: „Das -erste Gefühl, das in uns wachgerufen wird, wo immer wir Juden zusammenko-mmen, ist das der patriotischen Gesinnung. Wir haben ernste Zeiten erlebt und wir werden bald sehen, daß wir mitten im Kriege sind. Wir dürfen nicht vergessen, daß mir zunächst Amerikaner sind, so sehr wir auch gute Juden sein mögen. Wir müssen zuerst unsere Pflicht unserem Lande gegenüber erfüllen. In Rußland ist ein Wunder geschehen. Heber Nacht sind sechs Millionen Juden frei geworden. Es ist dies das -größte Ereignis, das in der Geschichte der Juden seit dem Auszug aus Aegypten geschehen ist. Aber das bringt Pflichten mit sich. Wenn wir wünschen, das Israel das bleiben soll, was es durch viele Jahrhunderte war, so müssen wir seine Ideale Hochhalten." Im weiteren Verlauf seiner Rede j wies Schiff darauf hin, daß die Aufhebung des Ansiedlungsrayons in Rußland gleichzeitig die Beseitigung eines Zentrums jüdischen Wissens und jüdischer Kultur bedeute; von diesem Zentrum kamen Millionen jüdischer Glaubensgenossen nach Amerika und brachten ihre jüdischen Ideale mit. Schiff glaubt daher, daß die Juden ein anderes Zentrum haben müßten, in dem jüdische Kultur, ungestört durch den Materialismus der Welt, gefördert undentwickelt werdenkönnte und ihre schönen Ideale über alle Länder verbreiten würden. Dieses Zentrum würde nur Palästina sein. Der gegenwärtige Krieg dürfte diese Ideale der Realisierung näher bringen. Das würde nicht an- -einem Tage, in einein Jahre oder in zehn Jahren geschehen. In der Zwischenzeit müssen die Juden die Flammen ihrer Ideale brennend erhalten. Die hebräische Sprache und der jüdische Nelimonsunterricht an den höheren Lehranstalten. Bvn Dr. 2. Pincus (Aachen). ach der Lektüre des anregenden, von Rabbiner Dr. Rosenberg (Thorn) in der Generalversammlung des Rabbiner-Verbandes in Deutschland im Mai 1916 gehaltenen Vortrages „Der jüdische Religionsunterricht an den höheren Lehranstalten Preußens" (erschienen bei Kaufsmann, Frankfurt a. M. 1916), dem auch der Entwurf eines Lehrplanes für den jüdischen Religionsunterricht an den höheren Schulen als Anhang beigefügt ist, und der den Zweck verfolgt, Mittel und Wege zur äußeren und inneren Hebung und Ausgestaltung dieses Unterrichts aufzuzeigen, drängt es mich, ans einen meines Erachtens sehr bedeutsamen Punkt in dieser Frage hinzuweisen, der in der genannten lehrreichen Abhandlung zwar auch behandelt, aber doch mehr nur gestreift wird, und dessen grundlegende Bedeutung und außerordentliche Wichtigkeit von dem Verfasser anscheinend nicht in dem Maße gewürdigt wird, wie er es wohl verdient. Der Verfasser erwähnt in seinem Vortrage auf S. 9, daß Herr Direktor Dr. Adler in Frankfurt a. M. vor wenigen Jahren in einer Denkschrift verschiedene Forderungen inbetreff der Umgestaltung des jüdischen Religionsunterrichts aufgestellt und u. a. verlangt habe, daß der Unterricht in der hebräischen Sprache einen notwendigen Bestandteil des jüdischen Religionsunterrichtes an den höheren Schulen bilden müsse. Diese Forderung muß bei der Inangriffnahme der Ausgestaltung des jüdischen Religionsunterrichts an den höheren Lehranstalten in erster Linie wieder aufgegrissen und in

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