Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1917)
- Date
- 1917-07-06
- Page
- Seite 314 (sequence 2)
- Language
- German
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314 vollständig erscheint; man beschafft Unterlagen, und wenn man alles beisammen glaubt, dann scheitert alles an einer nicht beachteten, weil nicht gekannten Bedingung; man würde all die Mühe erspart haben, wenn man von Anfang an sich hätte vollständige Gewißheit verschaffen können; denn nicht immer kann man gedruckte Satzungen erlangen. Allen solchen unangenehmen und bisweilen schädlichen Umständen könnte durch ein Handbuch begegnet werden. Die angeführten Beispiele weisen schon darauf hin, wie ein solches beschaffen sein müßte. Es müßte weit mehr Angaben enthalten als die, die gegenwärtig, im „Jahrbuch des D. I. G. B." Ausnahme gefunden haben, müßte die Möglichkeit geben, sich aus ihrn für jeden einzelnen Fall zuverlässig zu unterrichten. Der Zweck der Organisation, Stiftung usw. müßte möglichst nach dem Wortlaut der Satzung angegeben sein; in voller Deutlichkeit müßten die Bedingungen, unter denen, und die Personen, an die eine Hilfe gewährt werden kann, angeführt werden; U'cnn nur in längeren Zwischenräumen Beschlüsse gefaßt w'erden können, müßten diese Zeitpunkte zu erfahren sein. — Bei den Anstalten, die den verschiedenen Arten von Wohlfahrtszwecken dienen, sollte auf den Charakter des Heimes hingewiesen sein. Ich bemühte mich z. B. für ein junges Mädchen aus dem Mittelstände, das eine höhere Töchterschule durchgemacht hatte und nun in einer Großstadt einen Beruf erlernen sollte. Im Jahrbuch fand ich ein Heim genannt, das in solchen Fällen billige Pension gewährt; in einer Auskunft, die ich darüber einholte, wurde mir das Heim sehr empfohlen. Vermutlich hatte ich wohl die Einzelheiten des Falles nicht klar genug angegeben; denn als alles erledigt war und das Mädchen sich in Begleitung der Mutter im Heim vorstellte, war die Leiterin selber recht verwundert, daß das Mädchen in das Heim kommen wollte: es würde seiner Herkunft und seiner Vorbildung nach nicht in den Rahmen passen, auf den das Heim zugeschnitten sei. — Nicht unwichtig wäre auch bei solchen Anstalten, Altersheimen, Siechenhäusern usw. eine Angabe über die Höhe der verlangten Entschädigungen. Es würde nicht genügen, wenn da zu lesen wäre, daß über diese Beträge je nach den Verhältnissen Beschluß gefaßt wird, sondern mit bestimmten Zahlen, Durchschnitts- oder Höchstzahlen, würde dem Zwecke mehr gedient werden. Man kann danach viel leichter ein Bild gewinnen, ob man im bestimmten Falle an diese oder jene Anstalt herantreten soll. — Von der größten Bedeutung würde vor allem auch die genaue Bezeichnung der Bezirke sein, deren Einwohnern die Wohltat jeder einzelnen Einrichtung zugute kommen kann. Es gibt lokale Vereine, die nur den Mitgliedern ihrer Gemeinde dienen; andere stehen einer Provinz, einem Bundesstaate, dem ganzen Reiche offen. Es darf nicht übersehen werden, daß auch lokale Gründungen selbst in mittleren und kleinen Orten für weitere Kreise Beachtung finden müssen, da auch hiervon in geeigneten Fällen Gebrauch gemacht werden kann. Zur äußeren Einrichtung mag bemerkt werden, daß selbstverständlich größte Uebersichtlichkeit in der Anordnung den Gebrauch erleichtern müßte. Selbst auf die Gefahr hin, daß dieselbe Einrichtung an verschiedenen Stellen genannt werden muß, müßten die Organisationen nach verschiedenen Gesichtspunkten rubriziert werden, um in jedem Falle ohne Mühe das Geeignete aufzufinden. Es kann nicht Aufgabe dieser Zeilen sein, alle Einzelheiten des Planes zu entwickeln, nach dem ein solches Handbuch angelegt sein müßte; es sollen nur einige Grundzüge angedeutet werden, die den Wert und die Notwendigkeit einer solchen Unternehmung auszeigen sollen. Die Ausführung ist ohne Zweifel keine leichte, aber ihre Verwirklichung wohl kaum so schwer, wie es zunächst den Anschein hat. Die Namen der in Betracht kommenden Vereine usw. sind ja, wenn auch nicht vollständig genug, im Jahrbuch verzeichnet. Es würde von einer dazu eingesetzten Kommission ein Fragebogen entworfen werden; dieser würde, begleitet von einer Denkschrift, die den Zweck darlegt, an sämtliche Gemeinden verschickt werden, und von diesen würden die einzelnen Organisationen um die Erteilung der Auskunft ersucht werden. Gemeindevorstände, Rabbiner und andere Vertrauensmänner müßten das Material aus seine Zuverlässigkeit und Zweckmäßigkeit hin prüfen, und das dann gesammelte Material könnte durch die Zentralkommission verarbeitet werden. Vielleicht ivürde auch hier eine Dezentralisation förderlich sein, in dem Sinne, daß die provinziellen Synagogengemeinden-Verbände die Arbeiten für ihren Bezirk übernehmen und womöglich ihrerseits wieder verschiedene Unterkommissionen einsetzen. Wenn erst einmal Material gesammelt ist, wird cs ein leichtes sein, in bestimmten Abständen Nachträge oder Neubearbeitungen herznstellen, in denen alle Veränderungen berücksichtigt werden. Und auch die Kostenfrage kann keine Schwierigkeiten bereiten, da sicherlich der Absatz ein größerer sein müßte. Ich stelle diese Ausführungen zur Besprechung, in der Ueberzeugung, daß schon viele andere auf Grund ihrer Erfahrungen zu dem gleichen Wunsche getrieben wurden. Nachdem schon ohnedies 'eine Sammlung des Materials in Angriff genommen werden soll, dürfte die Verwirklichung dieses Wunsches nicht mehr in weiter Ferne liegen, wenn auch von einer anderen Seite auf die Notwendigkeit eines Handbuches hingewiesen wurde. Sie Woche. Berlin, 3. Juli 1917. rvtz der entnervenden beispiellosen Hitze, die hoffentlich auf den Kriegsschauplätzen nicht so fürchterlich ist ale in Berlin, müssen unsere unvergleichlichen Truppen fast überall Kämpfe bestehen. Selbst die Russen, die eine so lange Kriegspause innehielten, haben an verschiedenen Orten wieder ihre Tätigkeit begonnen; eine schwere Schlacht mit furchtbaren Verlusten für die Russen ist geliefert worden. Während es im Süden und Südosten ziemlich still ist, geht es im Westen äußerst lebhaft zu. Gegen die Franzosen, deren Minister die Friedenssehnsucht und Kriegsmüdigkeit der Truppen aufs äußerste bekämpfen, ist manch glücklicher Vorstoß gelungen; den Engländern, deren besonnene Staatsmänner mit größter Besorgnis auf die immer gefährlichere Tätigkeit der U-Boote sehen und offen von einer möglichen Aushungerung ihres Landes reden, wird der beharrlichste Widerstand geleistet, so daß es ihnen trotz ihrer ständigen Angriffe nur unter den blutigsten Verlusten gelingt, schrittweise vorwärtszukommen. Ihre Versuche, die deutschen Heere zu umzingeln, sind kläglich gescheitert; die Erfolge, deren sie sich, um sich selbst und die Welt zu täuschen, laut prahlend rühmen, beschränken sich auf winzige räumliche Fortschritte. Von den Amerikanern soll eine Division nach Europa gelangt sein; die aufrichtigen Militärschriftsteller jenes Landes "bezeugen aber öffentlich, daß es vor dem Frühjahr 1918 nicht möglich sein dürfte, selbst bei verfügbarem Frachtenraum, der sehr fraglich ist, größere Masten nach Europa zu schaffen, und daß diese weder ausgebildet genug, noch hinreichend mit Munition versehen sind, um tätig in den Krieg einzugreifen, so daß es den Engländern und Franzose» überlassen bleiben müßte, diese sehnlichst erwarteten Bundesgenossen mit dem Erforderlichen. auszustatten und die Kriegsungewohnten zu dem blutigen Handwerk heranzubilden, Griechenland ist nach der erfolgten Vergewaltigung und