Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 26 (29.6.1917)
- Date
- 1917-06-29
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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Er war ein Ateister der Rede lmd verstand es, die Menge für die Idee, der er diente, zu begeistern und sie lortzureißen. Fast ein Menschenalter gehörte er zn den Leitern dieses Vereins, bis ihn vor einigen Jahren ein Leiden zwang, sich ans der Leffentlichkeit zurückzuziehen. Schätzer stand nicht ans unserem Standpunkt, aber er lvar ein edler Mann, der es mit dem Jndelltmn ernst meinte, und darum genoß er auch in liberalen Kreisen die ihm pebührende Achtung und Wertschätzung. Zu der B-c e r d i g u n g , die gestern auf dem Friedhofe in Weißensee stattfand, hatte sich eine große rrauergemein.de eingefunden, in der man die Abordnungen zahlreicher Lrganisationen bemerkte, denen der Verstorbene im Leben nahepestanden hatte. — Nach einem einleitenden Chorgesang hielt Rabbiner Xi*. Warschane r die Gedächtnisrede, in der er Schätzer als Menschen und Inden schilderte, der aufrecht und zielbewusst dem Judentum nach besten Kräften diente. Als Vertreter des Vorstandes des 'lentralvereins für die Interessen der Jüdischen Gemeinde rief Herr t'l. Lewinski dem Toten die letzten Abschiedsgrüße nach. Er pab dem Danke des Vereins an seinen verstorbenen Begründer Ausdruck und betonte die Kunst des Verstorbenen, mit hinreißender Beredsamkeit für seine Ziele zu werben. Schätzer, der Hüter des konservativen Gedankens, war ein im wahrsten Sinne des Wortes liberaler Mann. Jeglicher Ehrgeiz lvar ihm fremd; es genügte ihm das Bewußtsein zu wirken. Aernter nahm er nur ungern an. Mit einem Duste für seine Leistungen und dein Gelöbnis, die Arbeit des Tvten iortzusetzen, schloß der Vertreter des Zeutralvereins seine Ansprache. - Lbertäntor Kali scher von der Stznagoge Kaiserstraße sang das El-mole-rachamim-Gebet, dann wurde der Sarg nach einein Schlußliede des Synagogenchores zur Gruft getragen. E. M. Berlin, 20. Juni. Zur Förderung des bargeldlosen Verkehrs hat die Gemeindeverwaltung außer dem Postscheckkonto, Vas bisher schon für die Steuerkasse bestand, ein weiteres Post- 'checkkonto für ihre Hauptkasse eingerichtet, das in Verbindung mit einem besonderen Bankkonto der Gemeindehauptkasse ermöglicht, den Verkehr wir Bargeld noch mehr zu verringern und die An- 'ammlung sowie den Umsatz von Bargeld nach Möglichkeit 31t verhüten. E. M. Berlin, 26. Juni. Die e r st e öffentlich e K 0 ni i r m a t i 0 n in der Berliner G c m e i n d c fand vor genau einem halben Jahrhundert am ersten Tage des Wochenfestes in der A'euen Synagoge statt. Als Rabbiner leitete Herr Tr. A u b die Feier, an der fünf Knaben und fünf Mädchen teilnahmen. Die Feier ivar in zwei Teile zerlegt, in einen Prüfungsakt und die feierliche Konfirmation. Am Sonntag vor dem Wochenfeste hatte Dr. Aub im Dmifaal der Neuen Synagoge in Gegenwart der Gemeindebehörden, der Lehrer, der Gemeindeanstalten und der Angehörigen der Kinder die Konfirmationsprüfung vorgenommen. Der enge Kreis, vor dem die Prüfung abgelegt wurde, sollte samilienartig geschlossen auf die Konfirmanden wirken. Die feierliche Konfirmation war durch ivürdige Einfachheit ausgezeichnet. Sie schloß sich an den Festgottesdienst nach einer viertelstündigen Panse an. Ter etwa eine Stunde dauernde Festakt wurde durch ein Chorlied eingeleitet, dem die Einsührungsrede des Rabbiners folgte. Die jungen Gemeindemitglieder sprachen einige gemeinsame Bekenntnisworte, legten aber kein feierliches Gelöbnis ab. Erneuter Chor- und Gemeindegesang beschloß die Feier, zu welcher der damalige Rektor der Knabenschule, H 0 rw i tz, die Texte gedichtet hatte, die von dem Dirigenten des Chores der Neuen Stznagoge, dem berühmten Musikdirektor Lew a 11dowski, vertont worden waren. Die Konfirruationsseier wurde lebhaft besprochen und kommentiert. Besonders viel erörtert wurde die Frage, ob die Konfirmation in den Gottesdienst gehöre oder nicht. Bekanntlich sind zurzeit die Berliner Gemeindebehörden mit einer Revision der jetzt für die Einsegrmngsfeier geltenden Liturgie beschäftigt. Königsberg i. P., 22. Juni. Die 25. Jahresversammlung des Vereins jüdische r R e l i g i 0 n s l e h rer O st - Preußens fand am 20. v. Äk. in Königsberg statt und war trotz der ungünstigen Zeit recht gut besucht. Der Vorsitzende, Prediger Sturmann (Osterode), begrüßte die Anwesenden und gab in seiner Gedenkrede einen Ueberblick über die Geschichte des Vereins, der ans der im Jahre 1SS2 von Rabbiner Dr. Bamberger s. A. gegründeten Lehrerkonserenz hervorgegangen ist. Vier Vlitglieder jener ersten Versammlung, darunter auch der Vorsitzende, nahmen an der diesjährigen Jubiläumsversammlung teil. Des Krieges wegen wurde von größeren Veranstaltungen Abstand genommen. Mit dem Wunsche und der Hoffnung ans einen baldigen Frieden schloß der Vorsitzende seine von andachtsvoller Weihe getragene Rede. Des weiteren berichtete der Vorsitzende über die cun 23. April d. I. stattgesundene Feier des 25jährigen Auitsjubiläums des verdienstvollen stellvertretenden Vorsitzenden Direktor Peritz (Königsberg). Stadtrat Prof. Dr. L a s f a r - C oh n überbrachte Grüße und Glückwünsche der Königsberger Shnagogengemeinde. Im Namen des Verbandes der Stznagogengenleinden Ostpreußens begrüßte Gemeinderabbiner Tr. V 0 g e l st e i n die Versammlung. Der Vorsitzende dankte beiden Rednern und verlas eingegangene Begrüßungsschreiben vom Vorsitzenden des Verbandes der jüdischen Lehrervereine Deutschlands und vom Nachbarverein Westpreußen. Nachdem Herr Direktor P e r i tz dem Verein für die Glückwünsche zu seinem Jubiläum gedankt halte, folgte sein mit großem Beifall aufgenommener Vortragi ,,Ausgaben des jüdischen Lehrers in der Gemeinde". Ten Aus-führungen lag folgender Gedankengang zugrunde: Die gegenwärtige ernste Zeit stellt dem jüdischen Lehrer besonders in Ostpreußen hohe Ansgabeu, denen er seine ganze Aufmerksamkeit und Kraft widmen muß. Er darf sich durch die trüben Erscheinungen unserer Zeit nicht zur Mut- und Hoffnungslosigkeit verleiten lassen. Der rechte Lehrer muß Idealist sein, er muß an die Zukunft und an die dauernde Erhaltung des Guten in der Welt glauben. Nach drei Seiten hat jeder treue Lehrer sein Interesse in der Gemeinde heute zu betätigen: für die Armenpflege, für die Gemeindepflege und für die Jugendpflege. Die Armenpflege hat heute die Kriegshilfe und Militärhilfe mit zn umfassen. Tie Militärseelsorge ist allen Mitgliedern durch unfern Verein wiederholt ans Herz gelegt worden und wirdan allen Orten aufs beste betrieben. Aber auch der Witwen und Waisen, der Kranken und Invaliden des Krieges, der wirtschaftlich durch den Krieg Betroffenen -usw. hat sich der Lehrer anzniiehinen. Die Gemeindepflege darf nicht bloß in der Versorgung der Gemeinde mit Gottesdienst, Predigt und Schechita bestehen: sie muß sich auf das ganze jüdische Leben erstrecken, auf die gesellschaftlichen wie die höheren geistigen Interessen der Gemeinde. Gottesdienst und rituelles Leben haben durch den Krieg sehr gelitten und bedürfen der besonderen Pflege iu jeder Gemeinde. Durch freie gemeindliche Zusammenkünfte, an welchen Männer, Frauen und erwachsene Kinder teilnehmen, wird wieder das Interesse für das allgeul-eiu - jüdische Leben geweckt. Bei der Ausübung der Jugendpflege befindet sich der Lehrer ans seinem eigentlichen Lebensgebiet. Der Krieg hat uns viel Opfer an Menschen gekostet; ein Verlust nach Zahlen nnb in Menschenwerten. Diese Verminderung wird sich durch die weiteren Folgen an weniger geborenen Kinder und in geringerer Zahl geschlossener Ehen künftig am Gesamtkörper der Gemeinschaft noch fühlbarer machen. Wir müssen daher ganz besondere Anstrengungen machen, den angedenteten Verlust für unsere Gemeinschaft nach Möglichkeit auszugleichen. Die Kinderfürforge muß eine der wichtigsten Ausgaben der öffentlichen Kriegsnwhlfahrtspflege werden. Blau muß jedem einzelnen kjJ,