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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-06-29 · Heft 26 (29.6.1917) · p. Seite 312

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 26 (29.6.1917)
Date
1917-06-29
Page
Seite 312 (sequence 12)
Language
German
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-- : 312 —- 4. Ergründnng der gesellschaftlichen un'd lvirtscha st liehen Verhältnisse der Juden in den Gebieten, die -etwa von dem Deutschen Reiche treu ernwrben tvürdett. Der Attfsatz, dessen Grnndzüge hier kurz mitgeteilt sind, regt zu lnaunig-fachen Gedanken an und wird noch zn vielfachen Erörterungen Anlaß geben. L. G. l> a x l Bert u ch tz T a g e b n ch v o nt W i e n e r Al o n g r e ß. Heransgegeben von Hermann Freiherr von Eglvffstein. Berlin, Verlag von Gebr. Paetel. 1916. Der größte Teil dieses Büchleins war schon früher in der „Deutschen Rundschau" erschienen; bei diesem ersten Erscheinen war in diesen Blättern einiger Notizen Erwähnung geschehen über die ans dein Judentum stammenden Familien Pereira und Arnstein, in denen der weimarische Buchhändler viel verkehrt hatte, der den wiener Alongreß besuchte, um ein Gesetz über die Freiheit der Presse und ein solches gegen den Nachdruck zu erwirken. -Hier sei um: auf einige wichtige stellen hingewiesen: Am 7. Oktober 1814 charakterisiert Bertrich Frau Arnstein als „eine angenehme Frau von grvßem Weltlvne"; in einem Bericht vom 19. Oktober erwähnt er bei einer Charakteristik der Arnsteinschen Gesellschaft, daß „mehrere jüdische Damen anwesend gewesen seien", und am 1. November, „daß daselbst ein getaufter Filde M-ayseder eine Oiivertilre spielte", lind sodann, „Meyerbeer von Berlin zeigte als Klavierspieler in einem variierten Thenra ein vorzügliches Talent lind große Fertigkeit in beiden Händen". Unter den übrigen zahlreichen Notizen über das Arnsreinsche Haus sei der ausführliche Bericht (10. Januar 1815) über ein dort veranstaltetes Wachsfigurenkabinett hervorgehoben, tu welchem besonders Fräulein Saaling glänzte. Interessant ist auch eine andere Notiz, in der bei Erwähnung öffentlicher Schaustellungen armenische Jüdinnen besonders genannt werden. Das Wichtigste ist die im Register in folgender Weise angeführte Notiz: „Juden, Aufnahme ihrer Wülische in die .Bnndesatte", aber der Text vom 5. April 1815 enthält nur den Hinweis auf die Versicherung von Gentz, „daß mail zwei übersehene Sachen, uns und die Juden ausnehmen wolle." Erführt man daher über diese wichtige Angelegenheit nichts Neues, so sind doch die zahlreichen Notizen zur Charakteristik der Wiener jüdischen Gesellschaft so bedeutend, daß wir uns and) unsererseits der wichtigen, trefflich gearbeiteten Publikation freuen können. L. G. — Die bunt e R e i h e. Ro-nan von Fritz Mauthner. Alrvnen- Berlag G. nt. b. H., Berlin SW 68. Eine recht amüsante Geschichte, bei deren Lektüre man freilich am besten iiicht daran denkt, daß ihr Verfasser der bedeutende Sprach frrscher und der vielfach erprobte feinsinnige Kritiker und Essayist ist. In unserem Blatte darf die Lustige Geschichte, die gewiß viele Leser finden wird, schon aus dem Grunde erwähnt werden, weil eilte der darin austretenden Personen, der Journalist Tr. Kattowitzer, ein Jude ist. Er ist ebenso tvettig ein anmutiges Menschenkind wie die meisten übrigen gefchildertett Persönlichkeiten: Sinnenmenschelt, Philister, verbummelte Schauspieler, rücksichtslose Geschäftsleute, verbuhlte Frauen. Die erzählte Geschichte ist etlvas gewöhnlich: eilt Volksschullehrer hat eilte Tragödie hohen Stils geschrieben, wird durch eilte der sogenannte tt guten Gesellschaft angehörige Dante atts seiner stillen .Klause heransgezogen, seilt Stück wird angenommen, aber vollkottttttelt verhunzk, er selbst um den Ertrag seiner Arbeit in listiger Weise gebracht. Seine Frau geht ihm durch, seine Gönnerilt entpuppt sich als eine mannst'Olle Dirne, und er wäre verloren, lvenn er nicht in einer gutmütigen, ungebildeten, reichen Frau eine Gönnerin und in einer ztvar talentlosen, aber charaktervollen Schauspielerilt seine Trösterin fände. Das Ganze, iticht eben übermäßig glaublich, zeigt eine höchst geschickte Mache, führt uns ilt das Berlin der siebziger Jahre lebensvoll eilt itnd amüsiert dlirch ntattltigfache Gesellschaftsschilderungen teils in Berliner Salons, teils ans ben Badekreisen Ostendes, die, lvenn and) keilten wirklichen Genuß, so doch ein kttrzes Behagen gewähren. L. G. --- Schriftett der G esellschaft f ü r die Geschichte der Israeliten in Elsa ß-L o t h r i n g e n. XIl. Aus der Feit der Revolutionskriege. Bon Dr. M. Ginsburger. Breslau, A. Favorkes Buchdruckerei. 1916. Ginsbnrger teilt die Namen tntd Schicksale der ersten jüdischen Soldaten mit aus Bollweiler i. Els., die nach den Bestimmungen der französischen Konstit wanke (1791) zum Militärdienst ansgehoben trurden. Der Berichterstatter ist nicht eben sehr kriegssretldig. Er erzählt von den Bedrängnissen, die er itnd seine Alanteraden erdulden,! und verzeichnet mit Betrübnis die Unmöglichkeit, rituelle Kost zu j gelrießen und die Feiertage zu halten. Er mischt in seine schlichte Er zählung Bibelstellen u-nd bekundet einensehr srom-men Sinn. Das von Ginsburger abgedruckte Aktenjstiück ist ein interessantes Doku meto vergangener Zeit, das von bem Herausgeber mit den nötigen An lnerkun-gen begleitet wird. I-. 0. Lüchereiulsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Tr. Salonton Kaßner: Die Judelt in der Bukowina. Wie» und Berlin, R. Löwit Verlag. 1917. Neue Jüdische Monatshefte, Zeitschrift für Politik, Wirt schaft und Literatur in Ost und West. 1. Jahrgang. 10./25. Mai 1917, Heft 15/16. Verlag der Neuen Jüdischen Monatshefte. Berlin/München. Wie die alten Inden die Politik der Vermehrung der Volkstraß betrieben. Völkerhygienische Skizze von Dr. med. Ratner, Wies baden. (Separatabdrnck ans der „Hygienischen Rndschatt" 19l>». Nr. 4.) Erez Israel. Mitteilungen des Hauptbtirealts des Jüdischen Nationalfonds, Den Haag, Heulstraat 5. In Kommission beim Jüdischen Verlag, Berlin. Heft 2. Mai 1917. In der Dämmerstunde. Gedichte einer Taubblinden von Jennp Bergmann, Insassin der Jüdischen Blindenanstalt Berlin-Steglitr. Wrangelstraße 6—7. Verleger und Herausgeber: M. Friedberger. Leiter der Jüdischen Blindenanstalt Berlin-Steglitz, 1917. Der Ittde. Eine Monatsschrift. R. Löwit Verlag, Berlin-Wien. 2. Jahrgang. Heft 3. Juni 1917. National-jüdische Zukunstsgedanken. Artikel ans dem „Israelitischen Wochenblatt für die Schweiz" von D. Weinbanm. Verlag: Israelitisches Wochenblatt für die Schweiz, Zürich 1917. Die Merkmale der israelitischen Prophetie nach der traditionellen Auffassung des Talmuds. Von Dr. Ernst Baß. Abgeänderte Amgäbe der bei der k. k. deutschen Universität in Prag überreichten Dissertation. Berlin, Verlag von Louis Lamm. Sprrchssal. Berlin X 37, den 28. Mai 1917. Herrn Geheimrat Prof. D. M. v o n G r u b e r München. Sehr geehrter Herr Gehettnwt! Gestern kaufte ich mir die Flugschrift „Deutschlands Zukunft bei einem guten und bei einem schlechten Frieden". Die Sache hat natnr gemäß ment brennendstes Interesse. Da kommt ttun Ihr Artikel „Scheidetttamtfcher Frieden oder Deutscher Friedelt?" Auf Seite 1! wettern Sie ohne die Spur einer Begründung gegen die angelsächsischen und jüdischen Geldlente tmd lassen hierdurch den gemeingefährlichen, volkverhetzenden a n t i s e m i t i s ch e tt Pferdefuß der sogenannten „Deutschen" Friedensfreude deutlich erkennen. Wie komnten Sie daztt, bei Ihrer angeblichen Friedensarbeit sogleich wieder die Judenhatz zn betreiben? Wie begründ eit Sie Ihre Handlungsweise? Können Sie wirtlich nicht begreifen, daß sich die Jttden mit aller Kraft gegen Ihre ganze Richtung wenden, weil diese ihnen nur Haß, Verfolgung und völlige Ent rech tu ng bringt? Ihr „Frieden" würde der Welt nur einen durclt Atempausen unterbrochenen ewigen Krieg bringen. Ich gebe zu, das: dieser Zustand der antisemitischen „Denkweise" entspricht, also noch lange nicht der allgemein-menschlichen. Darauf allein kommt es an, Herr Geheimrat! Ihr Verleger und eifriger Gesinnungsgenosse ist schon weitherziger. So bringt er „Deutschland", Tatsachen ttnd Ziffern, eine statistische Herzstärkung von D. Trietsch auf den Markt. — Trietscb (Vorname David) ist ein Nationäljude, ein eifriger Zionist! Un'd nun Herr Professor, zu deutsch — Herr Bekenner, bitte id) Sie, mir den l o g i s ch e n Zusaunnenhang zwischen Ihrem Frieden und Ihrer Jndenheherei zn erklären. Hochachtungsvoll Benno M n a ß.

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