Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 26 (29.6.1917)
- Date
- 1917-06-29
- Page
- Seite 304 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ihrer Feinde besitzen", werden die „Tore der Feinde" auf die — Kohlenstationen und Stützpunkte bezogen, die Großbritannien in allen Weltteilen besitzt. Port Said wird als „Tor" des Herrn gedeutet: Konstantinopel, das den Briten zum Besitz vorbestimmt sein soll, ist Me „Hohe Pforte": Aden liegt mn Bab-el-Mandeb, d. i. ÜrnHentür; Kapstadt ist das Eingangstor von Südafrika: ähnlich Bombay, Madras und Kalkutta für Indien, das von diesen Städten aus erobert ward, 11. ä. Biele Stellen bei den Propheten werden auf die mächtige britische Flotte bezogen, so Hesekiel, Kap. 38 (Zurückschlagiing der Angriffe „Gogs", d. i. Nutzt an ds (0 im Orient): andere auf den kolonisatorischen Siegeszug! über die ganze Erde; so Jes-aia, Kap. 49, .8: „Du wirst die Erde beleben unb ihre loüsten Teile besitzen!" Hub so fort. vielleicht weiß er gar nicht, wo die Seinen leben, ein Mensch von Menschen gequält, ein Schwacher von starker Faust geschlagen. Und dennoch, wer auf die Augen blickt, wer diesen ehrwürdigen Kopf mit dem langen Barte auf sich wirken läßt, jene ehrwürdige Gestalt in der Kühle des Morgens, in der Ecke eines galizischen Hofes, wie er sein Morgengebet mit der Ruhe dessen spricht, der hinter den flüchtigen Begebenheiten die Ewigkeit vernimmt, und in diesem Bewußtsein sein Gebet: ,,Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, ist ein einiges Wesen", einen Heimatklang in der Fremde, herstammelt, der empfindet, wie sein der Künstler hier Erlebtes mit der Radiernadel festgehalten hat." Die beiden heraldischen Tiere des britischen Wappens, Löwe und! Einhorn, werden auf die gleichen heraldischen Sinnbilder der Stäunne > Inda und Ephraim zurückgeführt undals Beweis für dir plan- ' mäßig (zumal in dem Handbuch British Israel Truth) verbreitete j Lehre verwertet, daß die verlorenen zehn Stämme, die nicht ans dem j Babylonischen Erit zurinkkehrten, nach den britischen Inseln („Die! Inseln des Meeres", von denen Iefaias an vielen Stelleil, die „fernen; Inseln", vor: denen Jeremias 31, 10 weissagt) gewanderr und somU die Vorfahren.der heutigen Britell sind. Eine noch in meinem Besitz befindliche Nummer des Banner of Israel aus dem Jahre 1902 zeigt nur Kopf diefes Wappen mit Löwe und Einhorn als Schild- Hüller: links daneben beit Vers aus Micha so, 7): „Und die Uebrigbleibenden von Jakob werden inmitten vieler Völker llnter den Weltvölkern sein, wie ein Löwe unter den Tierendes Waldes, wie ein junger Löwe unter beit Schafherden, dem niemand widerstehen kann, wenn er in sie einbricht, sie zerfleischt und zertritt": rechts den auf Ephraiill bezüglichen Bers aus dein 5. Buch Mose (33, 17): „Seine Erscheinung ist wie ein erstgeborener Stier: seine Hörner sind wie Einhörner, mit dellen er die Völker zu Haufen niederstoßen wird bis an die Enden der Erde . . ." Der Apostel Paulus sagt aber im Briefe an die Römer (1, 22): „Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden!" Siegkned Lsbolchm: Dss Morgengebet. ie schöne Radierung, die von dem Breslauer Künstler S. Laboschin erschienen ist-), hat berechtigtes Aufsehen erregt. Wir freuen uns, eine Reproduktion davon geben zu können, und glauben, daß auch die Leser dieses Blattes eine reine Freude beim Anschauen des Bildes empfinden werden. Zum Verständnis oder zur Erklärung ist kaum etwas hinzuznfügen: einige Sätze aus der Besprechung eines christlichen Beurteilers, des Herrn Jakob L. Schwalbach, in der Zeitschrift „DerPapagei" genügen, um den Standpunkt zur Beurteilung des Blattes gewinnen zu lassen, das wir als ein äußerst wohlgelungenes und einen tiefen Eindruck erweckendes bezeichnen möchten. Diese Sähe tauten: „Was Laboschin uns in seinem Blatte gibt, ist die Erfüllung der durch das Wort Erpressionismus etwas in Mißkredit gekommenen Forderung nach Seele. Das Auge erfühlt nach 'kurzem Anschauen die Seele eines anderen Menschen. Dieser arme Jude ans Polen ward durch die kalte, Menschenempfinden nicht schonende Hand des Krieges ans seiner Heimat heraus nach Galizien geschleudert. Hier in kalter Einsamkeit tritt ihn die rohe Wirklichkeit mit Füßen, vielleicht ist er von seiner Familie getrennt, Wir wollen nicht verfehlen, das schöne Blatt unseren Lesern nachdrücklich zu empfehlen, L. G. Walther Hsthenau über das Judentum. ^crr (Surt T r ü tzfchl e r v. Falkenstein hat eine jener Broschüren geschrieben^), die ebenso wohlmeinend lvie überflüssig sind. Wohlmeinend, denn, fern vom Antisemitismus, erkennt er das Gute bei Inden und im Judentum an; überflüssig, denn seine „Lösung" ist eben die Taufe, die Aufforderung an die Juden, Christen zu werden. In seiner Schrift widmet er S. 16 W. Rathenau höchst anerkennende Worte: er schickte ihm (26. März) seine Schrift mit der Bitte, ihm seine Ansicht darüber kundzugeben. Rathenau entsprach diesem Wunsche, was ich, nebenbei bemerkt, nicht getan haben würde, und veröffentlicht nun diese Antwort (11. April) in einer Broschüre-), auf die wir gern die Aufmerksamkeit unserer Leser lenken. Nachdem er auf die früheren Versuche edeldenkender Christen hingewiesen, die Inden zur Annahme des Christentums zu bestimmen, fährt er fort: „Lassen Sie mich zunächst ein Wort über den mosaischen Glauben sagen. Auch er hat im Lauf der Jahrtausende sein Antlitz geändert: er war Stammesglaube, er war Kirchenreligion, er war dogmatischer Spekulation, er war dem aufklärenden Deismus, der forschenden Zersetzung unterworfen. Was er in seinem Innersten ist, scheint manchem schwer zu entwirren; es gibt Juden, die an vorgeschichtlichen Riten und an scholastischen Distinktionen hängen, wie es in deutschen Gauen Christen gibt, deren Muttergottesbilder Besuche austauschen und deren geweihte Symbole in Kutschen einhersahren; es gibt Juden, die den Gottbegrifs zum reinen Pantheismus verflüchtigen, wie es Christen gibt, die aus der .Heilslehre der Evangelien eine kommunistische Sittenlehre lesen. Dennoch läßt der reine Begriff des Judentums wie der des Christentums sich zeitlos, im Bilde der Ewigkeit erfassen, und die Trübung des Oertlichen, des Zeitlichen, des Zivilisatorischen bedeutet nicht mehr als die Schliere in der Kristallinse eines Refraktors. Im Gegensatz zum nachpaulinischen Christentum bildet die mosaische Religion keine Kirche. Mögen ihre Bekenner durch S. Laboschin: Da- Morgengebet. *) Die Radierung ist in numerierten Atlas-, Japan-Drucken und in nnnumerierten Japan-Drucken zum Preise von 40 bis 75 Mark im Selbstverläge des Künstlers, Breslau, Tauentzienstraße 5h, oder in Kunsthandlungen zu haben. I „Die Lösung der Judenfrage im Deutschen Reiche." Bon Cnrt Trützschler v. Falkenstein. Falken-Berlag zu Darmstadt. 1917. *) „Eine Streitschrift vom Glauben." Bon Walther Rathenau. S. Fischer, Verlag, Berlin 1917. Erstes bis achtes Tausend. 75 Pf.