Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 26 (29.6.1917)
- Date
- 1917-06-29
- Page
- Seite 303 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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gerade in der „Deutschen Zeitung" aber er stellt dach varsichtig die Gegenfrage: „Gibt es fein anderes Geld als die angeblichen Millionen der Schwerindustrie? Und: Hat man noch nicht gehört, daß gewisse Parteien bei Wahlen und auch sonst ihre Kassen von Seiten gefüllt bekommen, die dem „Berliner Tageblatt" und der „Frankfurter Zeitung" sehr nahe stehen? Aus welchen menschenfreundlichen Gründen geben diese Herrschaften ihr Geld gerade an diese Partei?" Man sieht schon aus diesen Sätzen, daß Herr v. Gebsattel sich nicht gerade durch Klarheit des Ausdrucks auszeichnet. Zunächst spricht er von „gewissen Parteien", die ihre Kassen von „Seiten" gefüllt bekommen, die dem „Berliner Tageblatt" und der „Frankfurter Zeitung" nahe stehen; dann macht er diesen Herrschaften — welchen Herrschaften? — zum Vorwurf, daß sie ihr Geld „gerade an diese Partei" -- welche Partei? — geben. Da wir nicht Zeit noch Lust haben, die Gebsattelschen Rätsel zu ratelr, so rnöchten wir ihn schon bitten, etwas deutlicher zu werden. Nachdem Herr v. Gebsattel noch in ebenso unbegründeten wie wahrheitswidrigen Andeutungen von dem „Juseratenmonopol des Hauses Mosse" gesprochen und auf die angebliche „Herrschaft der Juden im Theaterwesen" usw. hingewiesen hat, kommt er zu dem Schluß: „Beide Seiten müssen meines Erachtens darüber klar sein: wenn' die Frage „alldeutschalljüdisch" erst einmal in: Volten Erliste aufgeworfen wird, muß sie im vollen Ernste behandelt und gelöst werden." Das bedeiltet also, daß Herr v. Gebsattel den Alldeutschen Verband zu einem Organ der Judenhetze ausgestalten will. Man darf ihm zugeben, daß er damit rmr den bewührteil Bahnen des Panslawismus mit seiner Pogromtaktik folgen würde. Sollen dazu auch die „Millionen der Schwerindustrie" dienen? * Eine Erklärung bei: türkis ch e n R e g i e r u n g. Bon der Teutsch-Jsraelitisch-Osmanischen Union erhalten wir nachstehende Mitteilung: „Die in der Depesche des Deputierten Earasso angekündigte offizielle Widerlegung der irrigen Gerüchte über die Lage der Juden in Palästina ist ullnmehr eingetroffen. Durch Vermittlung der Türkischen Botschaft in Berlin hat die Deutsch-Jsraelitisch-Osluanische Union eine von der türkischen Negierung ausgehende ausführliche Erklärung erhalten, welche sich in drei Teile gliedert. Der erste Teil ist der Frage der Räumung von Jaffa lrnd Gaza gewidmet'. Daran knüpft sich eine Widerlegung der von der Ententepresse verbreiteten Behauptung, daß die türkischen Behörden den heiligen Stätten der Christenheit gegenüber sich ungebührlich benommen hätten. Zum Schlüsse schlägt die türkische Regierung die Bildung von Besichtigungskvnunissionen vor, die die evakuierten Gegenden bereisen sollen, dar- > unter einer Delegation von Vertretern der jüdischen Presse. Wir lassen nun die Erklärung folgen: Z u r R ä u rn u u g v o n I a f f a u u b G a z a. Da die Ententepresse anläßlich der durch das türkische Oberkommando angeordneten Räumung voll Jaffa und Gaza tendenziöse Kommentare veröffentlicht hat, legen wir Gewicht darauf, die Tatsachen, dem wirklichen Verhalt entsprechend, sestzustellen, um die öffentliche Meinung aufzuklären. 1. Jaffa'und Gaza ebenso wie die Dörfer dieser Gegend sind einzig llnd allein aus militärischen Gründen geräumt worden, um zu verhüten, daß die an den Kämpfen nicht beteiligte Bevölkerung beu Gefahren des Krieges ausgesetzt werde. Die Tatsache, daß Gaza heule infolge des Bombardements nichts als ein Trümmerhaufen ist, beweist, wie gebieterisch die Notwendigkeit dieser Maßnahme war. 2. Die Räumungsorder erstreckte sich auf alle Bevölkeruugsgruppen ohne Unterschied; Mohammedaner, Christen und Israeliten wurden vor ihr betroffen. 3. Diejenigen Personen, welche sich der Landwirtschaft widmen, ebenso wie die Fabrikbesitzer und ihre Angestellten, waren von der Maßnahme ausgenommen. 4. Es wurde öffentlich angekündigt, daß den Personen, welche ihre Wohnungseinrichtung und ihren sonstigen beweglichen Besitz nach Jerusalem schicken oder auch in ihren Häusern zurücklassen wollten, gestattet ist, nach ihrem Belieben vorzugehen. Die Jnventare der zürückgelassenen Haushaltungen wurden den Ortsbehörden übergeben llild die Regierungsbealnten sind für ben Schutz dieses Eigentums persönlich verantwortlich. Das Oberkommando der türkischen Armee, hat durch amtliches Rundschreiben angeordnet, daß jeder, der sich der Plünderung schuldig machen würde, unverzüglich die durch das Gesetz vorgeschriebene Strafe erleiden sollte. Bis jetzt ist jedoch kein Fall dieser Art vorgekommen. 6. Die Bevölkerung ist nur aus jenem Teil der Bezirke von Jaffa und Gaza entfernt worden, welche zur Kriegszone gehören; die Einwohner derselben Bezirke, welche sich innerhalb der Zone der militärischen Operationen befanden, wurden iit ihren Wohnstätten mit der Freiheit belassen, sich hinzubegeben, wo es ihnen beliebt. Alle Israeliten aus der Umgebung von Jaffa, aus Telabek (Tel Awiw) und Ms (?) wurden in den jüdischen Kolonien in der Umgegend von Tiberias, Haifa und Sagd (?) untergebracht. Niemand wurde nach den Dörfern der Meeresküste gesandt, wo die Verproviantierung ziemlich schwierig ist. Diejenigen, welche auf Kosten der Negierung verpflegt werden wollten, wurden nach Hama gebracht. Die Regierung hat für die Uebersiedlung und Verpflegung der Evakuierten 100 000 Ltq ausgegeben. Die Uebersiedlung wurde völlig kostenlos durch Militärzüge bewirkt. 6. Gelegentlich eines nächtlichen Luftangriffes des Feindes wurden 50 Frauen und Kinder tit Ramleh, einer außerhalb der Kriegszone gelegenen Ortschaft, tot nufgefundeu. Tie Bevölkerung von Jaffa, welches außerhalb der Kriegszone gelegen ist, würde noch viel erheblicheren Unglücksfällen ausgesetzt sein, wenn sie nicht entfernt worden wäre. Es ergibt sich daraus in unzweifelhafter Weise, daß die Räumung eine Wohltat für die Bevölkerung der Kriegszone war. 7. Alle Orangen- und Mandelpflanzungen sowie die Gemüsegärten wurden im Besitze ihrer Eigentümer belassen. Die Bevölkerung ha: selbst Beanstragte gewählt, oenen die Unterhaltung und Pflege dieser Kulturen anvertraut wurde. Das „Haager Korrespondenzbureau" übersendet uns nachstehendes: Eine offizielle E r k l ä r u n g d e r r u s s i s ch e n R e g i e r u n g z u r I u d c n f r a g e. Das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag wandte sich an die russische Negierung unter Himveis auf die Tatsache, daß bisher die jüdischen Forderungen in keiner offiziellen Note oder Erklärung über die Friedensbedingnugen erwähnt wurden, mitden: Ersuchen, ihre Haltung gegenüber auf die Friedenskonferenz gerichteten jüdischen Wünschen zu bestimmen. Darauf empfing das Bureau folgendes Telegramm vom 24. Mai: „Die provisorische Regierung überläßt es dem jüdischen Volk, nach seinem Belieben zu bestimmen, ob es sich als konfessionelle Einheit oder Nationalität betrachten muß. Tie Negierung wird sich beglückwünschen, sich die Mitwirkung dieser Nation all dem Werke der internationalen und sozialen Regeneration der Menschheit zu sichern. Toretschenko, Minister für auswärtige Augelegellheiten Rußlands, # Ein Kuriosum aus dem „Deutschen Kurier" mag die diesmalige Uebersicht beschließen: Tie E n g l (in bei* d a s „a u s e v w ählt e B o l k". Voll Tr. Bi. d e I o ll g e. Zu ben im „Deutschen Kurier" vom 7. Julli (Beilage zu Nr. toll) gemachten interessanten Mitteilungen des Herrn Kulltzemüller über den in England vielverbreiteten Wahn, daß die Briten das moderne „Gottesvolk" feien, kann ich eine wertvolle Ergünzllng liefern. Die mif dem Festlande wenig bekannte Tatsache Unvb von besonderem Interesse sein, daß dieser Wahn in Großbritannien in organisierten Formen, vereinsmäßig luib literarisch, genährt und verbreitet wird. Es gibt eine „British Israel Association“, die in einer Wochenschrift The Banner ol* Israel, einer Monatsschrift, in dem in über 10 000 Exemplaren verbreiteten Jahrbuch British Israel Truih, außerdem in zahlreichen Büchern und Flugschriften die Lehre verbreitet, daß di>e alt testam endlichen! Prophetien (wm „Segen Abrahams" an) sich in der lnodernen britischen Geschichte lmd na der heutigen britischen Nation buchstäblich erfüllen.. Die zahlreichen Auslegungen der einschlägigen Bibelstellen entbehren für den theologisch geschulten Kenner nicht eines erquickenden Humors. Ein Beispiel statt vieler: Jll der Weissagung im 1. Buch Mose, Kap. 22, 17 (an Abraham): „Deine Nachkommen sollen die Tore