Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1917)
- Date
- 1917-06-22
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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ollof, rderung williger b erjage v 33.), Geo nke v i Ernst t Har eh ohn des llsruhe). ll K i s - n st ei n >anitäts (Köln). N u tz er Otto r-Unterephonist kanonier a. M.>, rossizier Ober Cohn, cnunann Sigmund ngmund Zarmen», ert und nitz stl'i. e w i u kranken m Mm i i. W.>. lict* Leo (Wiesnt Curt »rderunq »fiel). - )i\ K cn l rrzt Tr. Kriege- , Stabs- R. Tr. nt Hans iDbra bei j, Dipl.- 1 e n k e l. Lasse! . Trier!, asels bei fiten der : R v m . Familie einigen )e. Tie lusgaben lben mit s dieser Richard die auch ert sind, mit einer des ehrern ein- \, denen tor muH en reicht tigte die ren nicht Zeiten inl >em modernen, fabrikähnlichen Neubau aus: vom Setzersaal bis in die verschiedenen Maschinensäle, von den Buchbinderwertstätten bis in die bedeutendsten Lagerräume, in denen fertige Druckbogen und gebundene Werke aufgestapelt sind. Wohlgeordnet finden sich hier tausende hebräische Geisteswerke; weiter sind eine eigene umfangreiche Bibliothek, große Papierlagerrümne und — das Wichtigste — ein feuersicherer Bau vorhanden, in dem in Metallkassetten die Matrizen zu sämtlichen in der Druckerei hergestellten Werken kartothekartig anfbewahrt werden. Die Druckerei ist so jederzeit in der Lage, jede einzelne Seite irgendeines Buches sofort Nachdrucken 31t können, während der Neusatz auf große Schwierigkeiten stoßen würde. Der erste Inhaber der Druckerei, deren erstes Werk, ein Kommentar zu den Psalmen von Jakob ben Chajim Cohen, im Jahre 1788 erschien, batte vom Könige Stanislaus August Poniatowski die Erlaubnis erhalten, in der Königlichen Staatsdruckerei hebräische Drucke herzustellen; auf den meisten bis 1795 erschienenen Drucken steht der Polentönig daher auch als Verleger verzeichnet. Das Stammhaus der Firma, das sich in Grodno befindet, mußte seine Offizin schließen, als die russische Regierung im Jahre 1837 den Druck hebräischer Werke auf die beiden Städte Wilna und Kiew beschränkte. W. Posen, 15. Juni. In treuer Pflichterfüllung bei Ausübung seines Berufes starb in Feindesland der Spezialarzt Dr. Max Lehmann im 48. Lebensjahre. In stiller Bescheidenheit, aber mit recht ärztlicher Treue, übte er seinen hohen Beruf aus. den Herzen zahlreicher Kranker, in vielen Familien, denen er oft in schweren Tagen ein sorglicher Helfer war, wird sein Andenken in Dankbarkeit fortleben. Er war ein Vorbild eines guten, selbstlosen, allezeit hilfsbereiten Menschen, der das Wohl anderer über das eigene Wohl stellte, der im Leben seinen Mitmenschen stets lieber gab als von ihnen nahm. — Homburg, 15. Juni. In der G e s e l l s ch a f t f ü r j ü d.i s ch e Volkskunde hielt vor kurzem Herr Feldrabbiner Dr. S 0 n d e r - l i n g einen sehr interessanten Vortrag über „Volkskundliches von den Ostjuden". Der Redner wies einleitend daraus hin, daß er zwar in bcu Ghettos von Ungarn und Mähren inehr greifbare Poesie gesunden habe, aber das Letzte und Tiefste ossendare sich doch erst in Rußland, und zwar nicht in den großen Zentren, wndern vor allen Dingen in den kleineren Städten, wo der wahre Pulsschlag des jüdischen Lebens ist, lvo selbst der christliche Tienstdote nur den jüdischen Jargon kennt. Dort ist es auch, lvo die drei- und vierjährigen Kinder von den Vätern hochbeglückt zum ..Eheder" gebracht werden, uni von dort aus dann den Weg zur Foschibah", der Hochschule für Talnmdstudium, zu finden. Der Pebner schilderte dann eingehend seine Erfahrungen ans der Jeschibah w Verditschew, lvo an 70 bis 80 „Bachurim" unter der Leitung eines Oberhauptes Rosch-Jeschibah, der es an Bildung mit jedem westeuropäischen Rabbiner anfninunt, ihrem Studium obliegen. Fort herrscht geregelte Ordnung und Zucht, denn der Aufseher ..Maschgiach") bewacht vollständig seine Zöglinge, die ihren Studien obliegen, ohne jedweden Nebenzweck. Und derselbe Bildungsdrang beseelt auch die jüdisch-russischen Mädchen, deren Ideal es ist, ein Gymnasium zu besuchen, sei es in der Schweiz oder sonst irgendwo, aber auch nicht zum Broterwerb, sondern nur um des Bildungsbranges willen, uni dann später in irgendeinem kleinen Ort als Hausfrau unterzutauchen. Das Haus bildet die Heimatstätte der nissisch-polnischen Juden und der Gradmesser des Reichtums ist win Beispiel die Anzahl der Kissen. Wenn das Haus besonders luxuriös eingerichtet ist, dann enthält es wohl auch ein Gramlnophon mit besonderen jüdischen Platten. Das luxuriöseste ist aber bie Küche, von deren Reichhaltigkeit selbst jetzt in Kriegszeiten wir uns keinen Begriff machen können. Und ebenso sprichwörtlich ist die berühmte jüdische Gastfreundschaft, welche wir in Deutschland auch nicht annähernd kennen. Der Vortragende ging dann noch näher auf die dortigen Verhältnisse ein und erntete für seine teilweise humoristischen, reich mit persönlichen Erlebnissen gemischten Ausnihrungen lebhaften Beifall. V- # Leipzig, 15. Juni. Eine a n t i s e m i t i s ch e Ent g l e i - 'ung in der Redaktion der „Kownoer Zeitung" wird die nächste Mitgliederversammlung der hiesigen Ortsgruppe des Landesverbandes der sächsischen Presse beschäftigen. Auf der Tagesordnung dieser Sitzung steht folgender Antrag des Chefredakteurs B. Wolf der leipziger Abendzeitung": „Das frühere Mitglied der Schrkftleitung der „Leipziger Abendzeitung", Herr Ernst Smiegelski, der seit geraumer Zeit zur „Kownoer Zeitung" kommandiert war, ist plötzlich infolge schwerwiegender Differenzen mit dem Leiter dieses Blattes, deni Mitgliede des Reichsverbandes deutscher Presse, Leutnant Oszmann, an die Front zurückgesandt worden. Der Vorfall spielte sich wie folgt ab: Smiegelski hatte über eine künstlerische Veranstaltung eine objektive Kritik geschrieben; er wurde von dem Herallsgeber dieses Blattes, Leutnant Oszmann, in schärfster Weise angefahren und ausgefordert, eine a n t i s e m i t i s ch e Kritik zu verfassen. Bei der nächsten Aufführung schrieb Oszmann selbst eine solche Kritik lind verlangte von Smiegelski, daß er sie mit seinem Namen unterzeichnen solle. Dies lehnte Smieg-elski ab, es folgte darauf dir bereits geschilderte Maßnahme. Ich beantrage daher: Tie Ortsgruppe Leipzig wolle beschließen, durch Vermittlung des Landesverbandes in eiligster Weise den Neichsverband zu ersuchen, in schärfster Weise gegen solche Borkounnnisse Stellung zu nehmen, und sogleich ihr Bedauern auszusprechen, daß ein Mitglied des Reichsverbandes in nicht zu billigender Ausnützung seiner Offiziersqualität an einen Journalisten ein Ansinnen stellt, das mit der Journnlistenehre und Jo-urnalistensitten nicht vereinbar ist. Eine eilige Entschließung ist um so notwendiger, da meines Wissens auch der Verein deutscher Zeitungsverleger 31t einem eiligen Vorgehen in .gleichem Sinne sich entschließen wird." 22 Hannover, 15. Juni. Der Verein „Israelitisches L e h r e r i n n e n h e i m", Orts g v 11 p p e H a n n 0 v e r, hielt kürzlich seine Generalversammlung ab. Die zweite Vorsitzende, Fräulein Klara M a r c u s, erstattete den Bericht und betonte, daß der Verein unter dem Druck der Kriegsverhältnisse keine Mitgliederversaunnlung seit 1914 -eiuberufen habe. Es läge die Gefahr vor, über all den anderen sozialen Anforderungen der Gegemvart, das Interesse an dem Verein erlahmen zu lassen: inan dürfe aber gerade in dieser harten Zeit nicht die sozialen Pflichten den Lehrerinnen gegenüber vergessen. Die Ortsgruppe Hannover des „Israelitischen Lehrerinnenh-eims" wurde vor nahezu '20 Jahren Don Damen ins Leben gerufen, die sich ihrer Pflichten den Vertreterinnen des Lehrberufs gegenüber bewußt waren. Ter Verein führt zwei Drittel der Beitrüge nach Berlin ab, zur Erhaltung des Lehrerinnenheims in Lichterfelde, in dem 25 Lehrerinnen ans allen Teilen Deutschlands dauernd wohnen, das aber auch vorübergehend erholungsbedürftigen Lehrerinnen Aufenthalt gewährt. Ein Drittel und die Schenkungen fließen dem Verein zu, verbleiben der Ortsgruppe als Zuschüsse für Ferienrcisen, die gerade in dieser Zeit, die verdoppelte Anforderungen an die Spannkraft stellt, von Notwendigkeit sind. Tie Vorsitzende bat die Mitglieder, viel zur Verbreitung der edlen Bestrebungen des Vereins beizutragm und nach Kräften Mitglieder zu werben. L. Mainz, 15. ouni. Nun haben die Alldeutschen auch ihre Mvmcksschrift und das deutsche Volk einen neuen Führer zu „nationaler" Gesinnungstüchtigkeit. „Deutschlands Erneuerung" heißt die vorn Geheimen Hofrat G. v. Below, dein Erengtänder H. St. Chamberlai n und dein Mainzer Rechtsanwalt H. Claß u. a. herausgegebene Zeitschrift, deren erstes Heft gleich eine Reihe von Rezepten zur Durchführung des im Titel liegenden Programms bietet. Uns interessieren diese einzelnen Mittelchen hier weiter nicht, wenngleich die intime Freundschaft vieler ihrer Verfasser mit den Grvßgranatendrehern deren Kriegsbegeisterung und Patriotismus etwas verdächtig erscheinen läßt. Was uns hier interessiert, ist, daß sich durch das ganze Heft der Haß gegen die „wesensfremden Bestandteile des deutschen Volkes" zieht, ein Haß, der sich bei diesen ihrer Natur nach argwöhnischen, reinen Rassetheoretikern von selbst versteht. Besonders kennzeichnend dafür ist ein Ausspruch von F. Lenz („Zur Erneuerung der Ethik"), der von dem Kriege mehr Land erwartet, aber nur für die Deutschen von Geblüt: „Ungleich erhabener ist das Ziel, welches Goethe im „Faust" zeigt: .Eröffn' ich Räume vielen Millionen, nicht glücklich zwar, doch tätig frei zu wohnen.' Auch lvir erhoffen diesen Erfolg von den Taten unserer Heere, aber wir verlangen, daß diese Millionen Deutsche sind, Deutsche nicht nur von Sprache und Kultur, sondern vor allein auch von Geblüt." Wie viele „Alldeutsche" vou „rein deutschem Geblüte" mag es wohl in unseren! der Abstammung nach so stark gemischten deutschen Volke geben? Daß unser Volk sich in diesen! Kriege so stark der gemeinsamen Reichszugehörigkeit bewußt geworden ist und auf dieser festen Grundlage im Frieden politisch, wirtschaftlich und kulturell weiter bauen lvill — das bietet für die Zukunft eine ganz andere und bessere Grundlage als die alldeutsche Reformdoktrin, die nur zu Rassen- und Nationalhaß llnd politischer Unfreiheit des Volkes führen kann. i