Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1917)
- Date
- 1917-06-22
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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Heidelberg, 15. Juni. Ter Grosze Oberrat der Israeliten hat vor kurzem für ganz Baden eine „Zentrale zur Unterbringung von Stadtkindern bei israelitischen Familien auf dem Lande" Hierselbst eingerichtet, deren Leitung Bezirksrabbiner Tr. Pinkuh übernommen hat. Trotz aller Ernährungsschwierigkeiten hat eine erfreulich große Zahl von Familien in nicht genug anzuerkennender Weise sich zur unentgeltlichen Aufnahme von bedürftigen Stadtkindern, zum Teil auch nichtjüdischen, für mehrere Wochen oder Monate bereit erklärt. Allein ans Karlsruhe und Heidelberg sind bereits etwa 40 Kinder untergebracht, zahlreiche Meldungen von Familien liegen noch vor. Mehrere Gemeinden stehen mit der Berliner Zentrale wegen Aufnahme außerbndischer Kinder in Verhandlungen. Gesterrrich-Angarn. Z. Budapest, 15. Juni. Ter Israelitische L a u d e s k u l - t u r v e r e i n u u d & e s s e u M e n s a Academica fyidtm am •30. v. M. unter Vorsitz der Barone Moritz Herzog undBela Dirßtay ihre letzte Direktionssitzung vor der Generalversammlung ab. Tie Schlußrechnungen wurden nach den Worten des Vizebürgermeisters Tr. Franz Dery zur Kenntnis genommen. Generalsekretär Tr. Ernst Weiler erstattete über die Mensa und über die Kriegswohlfahrtsinstitutionen Bericht. Ter Verein erhält neun Kriegswohlfahrtsanstalten, in denen mittags 700, abends 300 Personen unentgeltlich Verpflegung erhalten. Tie Mensa Academica, iu der -350 Studenten verpflegt wurden, stand unter Leitung der Präsidentin Frau Tr. Armin Neumann, der die Damen Frau Tr. David Schwarz, Sam. Goldschmied, Tr. Julius Frenkl, Tr. Wilhelm M e i s e l s , Franz Prager imb Jzso Bubai unermüdlich zur Seite standen. Tie Kriegsküche wurde von der Vizepräsidentiu Frau Tr. Moritz v. Tomony, die Familienspeisehalle von Frau Heinrich Fellner, die bürgerliche Speisehalle von Frau Eduard Spitzer und Frau Emanuet v. Stein, das. Kasino der rekonvaleszenten Soldaten von Frau Baronin Bela D i r sz t a h , die Lebeusmittelsektion von Frau August Kohuer. Baronin Beta Dirßtah, Frau Josef v. Wolfner, Frau Jul. Schwarz, Frau Tr. Jul. Frenkl. die unentgeltlichen Nachtmahle voll Frau Jos. v. Wolfner, die Bekleidungssektiou von Baronin With. G u t t m a n u . Frau Emerich Svab, Frau Tr. Karl v. Neu manu geleitet. In den unter Leitung des Rabbiners Tr. Sim. Hevesi stattgehabten Stenographie- und Maschiuenschreibkllrseu erhielten 74 Kriegsuwisen. Witrvcn und Invalide unentgeltliche Ausbildung. Von Msh und ssern. Für r 11 u e 11 lebende Sold a t e n , die infolge Kriegsbeschädigung innerhalb des Deutschen Reiches Genesung und Erholung suchen, ist in ausreichender Weise durch eine entsprechende Einrichtung beim R o t e n K r e u z Fürsorge getroffen. Diese Einrichtung wird von der Abteilung IX der Bäder und Anstaltsfürsvrge der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz nuterhalten. Tie Erledigung der Geschäfte der Einrichtung erfolgt durch einen Mpräsentant-eu der hiesigen Jüdischen Gemeinde, welcher in jener Abteilung tätig ist. Dem Bankier Herrn Ludwig Verl in Berlin ist Dom Kaiser von Oesterreich der erbliche Adel verliefen worden. Bei der K a i s e r - W i l h e l m - G e s e l l s ch a f t zur Förderung der Wissenschaft hat der Kaiser die Wahl einiger neuer Mitglieder bestätigt: u. a. Kommerzienrat Eduard Beit v. Speyer (Frankfurt a. Nt.) und A r o n H i r s ch A.-G., Kupfer- und Messiugwerke, in Berlin. - Im Alter von 72 Jahren ist am 10. d. M. in Baden-Baden der Berliner Stadtverordnete Selmar S o l m i tz gestorben. Der Tahingeschiedene war neben seiner ausgedehnten Wirksamkeit für das öffentliche Wohl auch im Ehrermmte der Berliner Jüdischen Gemeinde tätig. Seit 1394 gehörte er ununterbrochen dem Vorstande des Krankenhauses an, war einige Zeit hindurch Mitglied des Gemeindevorstandes und wirkte auch in der Veranlagungskommission. Biele jüdische Vereine und Wohlfahrtseinrichtungen der Stadt Berlin verlieren in ihm einen treuen Freund und Förderer. - Am 10. d. M. verschied Herr Bankier Julius Rose n h e i m, Mitglied des Kurator mms des Micheuhermscheu Waisenhauses. - Tie Shnagogengemeinde Köpenick betrauert den Tod des stellvertretenden Vorsitzenden des Gemeiudevorstandes, Herrn Gustav Ehrlich, der am 15. d. M. im 61. Lebensjahre verschieden ist. Vorstand und Reprüsentanteuversanuuluug widmen ihm einen ehrenvollen Nachruf. - Aus Königsberg wird geschrieben: Unser Ehrenbürger Geheimrat Walter S i mir n stiftete anläßlich seines 60. Geburtstages seiner Vaterstadt Königsberg 60 000 Mark zu wohltätigen Zwecken. Die Firma Julius F ü r st schenkte 50 000 Mark zur Beschaffung von Bekleidung für Königsberger Kriegersamililen. - In den Vorstand der Posener Anwaltskammer ist Herr Justizrat G o l d s ch m i d t aus Ostrowo gewühlt worden. — Der Kaufmann Herr Hermann L e w h (iu Firma. Scher-ek Wwe.) in Posen ist zum Handelsrichter wiederern-annt worden. — Kantor Daniel Holzapfel aus Berlin, ein Schüler des Kasseler Seminars, ist nach Vollendung seiner kantoralen Fortbildungsstudien bei Oberkantor T a v i d s o h n (Berlin) zum ersten Kantor der Synagogengemeinde in Bromberg gewählt worden. — Aus Erone a. d. B. .wird uns geschrieben: Dem Stadtverordnetenvorsteher Alexander Jaks ist das Erinnerungszeichen für Verdienste um das Feuerlöschwesen vorn Kaiser verliehen worden. Außerdem wurden Stadtverordnetenvorsteher Alexander Jaks und Hauptlehrer Louis Franken st ein mit der Roten-Kreuz-Medaille 3. Klasse vom Kaiser ausgezeichnet. — Aus H a m bürg wird uns geschrieben: Das von dein hiesigen Israelitischen humanitären Frauenverein seit Jahren in dem benachbarten Segeberg unterhaltene Erholungsheim reichte nicht mehr aus, um allere sich meldenden kurbedürftigen Frauen, Mädchen und Kindern — jetzt auch Kriegs beschädigten — Genesung bzw..Erholung 311 bieten. Dank der Großherzigkeit einiger Gönner konnte der Verein das seinem bisherigen Heim benachbarte geräumige Landhaus mit herrlichem Garten käuflich erwerben und ist so in der Lage, seine segensreiche Tätigkeit erheblich zu erweitern. — Herrn I. G 0 l d m a n n irr Dresden, dem Begründer der bekannten großen Konfektiousfirma L. Goldmann, an deren Spitze er über 45 Jahre steht, ist das Ritterkreuz 1. Klasse des Albrechtsordens verliehen worden. - Kommerzienrat S it ß in n u n in Leipzig erhielt vom Könige von Bulgarien das Rote Kreuz 1. Klasse. Neben dem Sächsischen Kriegs-Verdienstkreuz wurden ihm gleiche Ehrungen von Oesterreich-Ungarn und vom Türkischen Roten Halbmond für zahlreiche Dienste und Hilfsleistungen in den mit Deutschland verbündeten Staaten verliehen. —- Der Präsident der Erfurter Handelskammer, Kommerzienrat Friedrich B e n a r y , Inhaber der Samenfirma Ernst Benary, ist im Alter von 67 Jahren gestorben. — Herr Jakob A r 0 n iu Worms feierte sein vierzigjähriges Jubiläum als Vorsitzender des Israelitischen Schüler-Untersttttzungsvereins. In dankbarer Anerkennung seiner Verdienste wurden dem Jubilar durch eine Abordnung des Vorstandes eine sehr schöne, der Feier entsprechende Gedenktafel mit Widmung und ein prachtvolles Geschenk überreicht. Außerdem wurde er zum lebenslänglichen Ehrenvorsitzeudeu ernannt. — Aus Mannheim wird gemeldet: Der Verleger der „Neuen Badischen Landeszeituug", Julius Ben sh ei wer. ist im Alter von 67 Jahren an einem Herzschlage gestorben. Er gehörte dem Stadtverordnetenvorstand an. - Im Selbstverlag des „Vereins der württembergischeu Rabbiner" ist erschienen: „Festschrift zum 70. Geburtstage des Oberkirchenrats Tr. K r 0 n e r ". Die Schrift enthält wissenschaftliche Beitrüge aus dem talmudischen und jüdisch-geschichtlichen Gebiete und ist zu beziehen vom Rabbiner Dr. S t r a ß b n r g e r in Ulm zum Preis von 4 Mark. Zu den B e - r u f u n g e u ins ö st e r r e i ch i s ch e H e r r e n h aus, bei welchen der Präsident der Jüdischen Gemeinde in Wien, Herr Tr. Stern, übergangen wurde, nachdem er zuerst auf der Liste der zu Wählenden stand, schreibt die zionistische „Jüdische Zeitung": „Es war feim glückliche Hand, die den Stift zum Zrvecke der Streichung Dr. Sterns aus der Liste der zu Ernennenden über das Papier führte, und schlechten Ratgebern hat die Regierung hierbei ihr Ohr geliehen. Diese Ratgeber aber mögen sich gesagt sein lassen: in ihrem Eifer, dem Kultuspräsidenten Tr. Stern und damit den Juden eins am Zeuge zu flicken, haben sie dem Staate keinen guten Dienst erwiesen." In Moskau fand unter Vorsitz von R. A. G 0 tz die Gründungsversammlung einer neuen jüdischen Partei statt, die sich „Freiheit und Tradition" nennt. In seinem programmatischen. Vortrag erklärte der Rabbiner M. G. Iturok, die neue Partei wolle die demokratischen' Prinzipien in allgemein politischen Fragen vertreten und dabei die Traditionen des Judentums wahren. Tie Versammlung sandte eine Begrüßung an die Provisorische Regierung und an den Rat der Soldaten- und Arbeiterdeputierten. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankvw. Floraftrabe 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge. Berlin-Friedenau.' Druck und Verlag von Rudolf Masse.