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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-06-22 · Heft 25 (22.6.1917) · p. Seite 299

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 25 (22.6.1917)
Date
1917-06-22
Page
Seite 299 (sequence 11)
Language
German
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Mit 68 Textabbildungen und 24 Tafeln. 2. Teil. 1696 bis 1783. Wien und Leipzig, Wilhelm Braumüller, t. k. Universitäts-Verlagsbuchhandlung, Gesellschaft m. b. H. 1917. Le Moniteur Polonais. Revue Politique. Nr. 4/5. 15. Mai 1917. Lausanne. Ehezerwürfnisse. Von Alfred Friedmann. Phönix-Verlag (Inhaber Carl Siwinna), Breslau 2 — Kattowitz — Berlin SW 11. Der fliegende Felician. Roman von Alfred Lemm. 1917. Georg Müller Verlag, München. Literarische Mitteilungen. — N u r Erinnerungen. Von Paul Lindau. Erster Band. Mit Bildnis. Stuttgart und Berlin, 1916, I. G. Cottalche Buchhandlung Nachfolger. Von Paul Lindaus „Erinnerungen" hatte ich mir eine größere Sen. iaHon versprochen und hegte größere Erwartungen zur Erkenntnis jüdischer Dinge, als sie durch das Buch wirklich gewährt wird. Aber das, was Lindau zu erzählen hat, ist vielfach von ihm schon anderweitig berichtet worden. Auch daß wir in Lindau einen der Unsrigen zti sehen hätten, ist, wie man weiß, falsch; denn die von Judenfeinden verbreitete Nachricht, daß Lindau von Juden stammt, ist, wie oft nachgewiesen wurde, ein Märchen. Trotzdem bietet das in angenehmem Plauderton geschriebene Buch viel Interessantes, Unterhaltendes und Lehrreiches. Schon die Jugenderinnerungen über die Märztage 1848 und die Berichte über das Pariser Leben, namentlich über den Tannhüuscr-Skandal, sind außerordentlich merkwürdig. Tie Berichte über 'eine journalistischen Anfänge, über den Verkehr mit Hofsmann u. Fallersleben u. a. gewähren viel Amüsantes, und lvenn man auch ziemlich weitläufige Erzählungen über manches Gleichgültige mit in Kauf nehmen muß, so gehört das Buch doch zu den Bereicherungen un- 'erer Literatur. Ebenso wird der, der speziell Jüdisches kennen lernen will, dies Buch nicht ohne Gewinn beiseite legen. Hervorragendes Interesse gewährt der Abschnitt über Heine oder eigentlich die fünf Abschnitte, in die das große Heine-Kapitel zerfällt: 1. Heinrich Heines Leidenstage. Frau Maxime Jaübert, eine Freundin des Dichters; .. Briefe von Heine an seilte Freundin; 3. Mathilde; 4. Ter weiße Elefant; 5. Das Ende. Es wird den Literarhistoriker erstaunen, daß ein so feiner Kenner, wie Lindau es ist, die französisch geschriebenen Briefe -Heines an die genannte Dame in deutscher Uebersetzung, mag sie auch ltoch so flüssig sein, und nicht im Original bringt. Außer dem eben ge» nannten Abschnitt über Heine, der für unsere Leser große Bedeutung besitzt, handeln über jüdische Persönlichkeiten folgende Abschnitte: lieber Joseph Lehmann, S. 139, 200 ff. An der ersten Stelle werden die Beziehungen unseres Schriftstellers zum „Magazin für Literatur des Auslandes" dargelegt, an der zweiten der Lehmann-Lehseldtsche FarnAienkreis sehr anziehend und reizvoll geschrieben. Besonders wichtig ist der große Abschnitt über Lassalle (S. 169 bis 198), aus dem namentlich die sehr wichtige Stelle über das Manuskript seiner Verteidigungsrede hervorgehoben lverden muß. Speziell von berlinisch-jüdischem Interesse sind die kleinen Artikel über Gumbinner und Hersch (S. 241 ff.), Mitarbeiter und Teilnehmer am Wolffschen Lelegraphenbureau. Eine ganz besondere Hervorhebung verdienen die Mi'tteiliU.ngen über Julius Rodenberg und Berthold Auerbach iS. 263 ff.). Der erstere war damals Herausgeber des „Salon", wo Lindaus „Harmlose Briefe eines deutschen Kleinstädters" erschienen. Ueber Berthold Auerbach findet sich eine größere Stelle, die so hübsch ist, daß wir sie unseren Lesern nicht vorenthalten wollen: „Der gemütvolle sinnig-weise Schwabe Auerbach, mit dem mächtigen Lchädel auf der gedrungenen kräftigen Gestalt, der leuchtenden hohen Stirn und den großen blauen Augen, schon damals mit den Allüren eines literarischen Patriarchen, strahlte zu jener Zeit im goldigsten Glanze seines Ruhmes, der viel schneller, als wir Millebenden glaub, ten, dem grausamen Naturgesetz der Vergänglichkeit verfallen ist. Dermalen, in seinen besten Jahren, wie noch später, bis kurz vor seinem Tode, und wie überall so auch in Rodenbcrgs engem Stübchen, war er bald der Mittelpunkt des Kreises. In hohem Grade war ihm die Gabe zu eigen, die gewöhnliche Unterhaltung aus ein weiteres interessantes Gebiet hinaus- und zu einer gewissen Höhe hinaufzuführen. Er sprach gut und klug und liebte es, in seinen Vortrag Sentenzen einzustreuen, die auf seine andächtigen Hörer wie tiefsinnige Weisheitssprüche wirkten. Er hörte sich gern sprechen, und seine naive Freude an sich, die er mit einer den Spott entwaffnenden Offenherzigkeit zur Schau trug, zeigte sich auch in seinen Gesprächen mit Freunden und Bekannten, die sich willig von ihm um einige Semester zurückversetzen ließen und zu den Füßen des Meisters seinem Kolleg ex cathedra lauschten." Endlich soll die Bekanntschaft mit Max Friedländer einem Vetter Lassalles, dem Herausgeber der „Neuen Freien Presse", hervorgehoben werden, die voll von pikanten und merkwürdigen journalistischen Einzelheiten ist. Das Ganze also ein Buch, das erfreut, belehrt und viel Neues bringt. l q — Die Familie in ihrer Bedeutung fn r dasVolksleben. Von Richard E h r e n b e r g. Jena, Verlag vou Gustav Fischer. 1916. Herr Geh. Hofrat Prof. Dr. Richard Ehrenberg in Rostock, der zwar selbst kein Jude mehr ist, aber Sohn von Philipp Ehrenbcrg in Wolsenbüttel und Enkel uon S. M. Ehrenberg, dem Lehrer und freunde von Leopold Znntz, gibt in der vorliegenden Schrift Andeutungen, die, ohne daß sie Jüdisches enthalten, in einer jüdischen Zeitschrift Erwähnung verdienen. Denn gerade durch einen Ursprung dessen er pietätvoll gedenkt mtd den er durch eine große Arbeit über seine eigene Familie zu wahren beflissen ist, kam er dazu, allgemeine Grundsätze zur Ersorschltng des Familienlebens atlszn stellen. Er tut dies in zwei lehrreichen Kapiteln: „Tie Familie in ihrer Bedeutung für das Volksleben" und „die Familie als Gegenstand wissenschaftlicher Erkenntnis". Das erste endet mit dem schönen Wort (S. 29): „Die Wiederbelebung des Familiettgedaukens ist ein Weg zur Erneuerung und Kräftigung deutscher Eigenart. Sie ist auch ein Weg zur inneren Einigung. Hier können sich so schroffe Gegensätze nicht bilden wie auf anderen Gebieten: denn hier ist jeder Pater und jede Mutter beteiligt, ohne Unterschied des Standes. Es ist nicht nur ein Kriegs-, sondern auch ein Friedenswert'. Die Arbeit muß im Kriege beginnen, aber im Frieden kann sie sich erst entfalten. Deshalb ist der Familiengedanke wohl imstande, die einigende Wirkung des Krieges ans die Friedenszeit zu übertragen." Das zweite mit dem Satz (S. 48) „Goethes großartige Naturanschaunng muß auch hier als Ziel voraulenchten. Auch in der Famitienforschung gilt es hinabzudriugen bis zu den Urphänomenen-, bis zu den einfachsten Fällen, welche eine Erscheinung in möglichst klarer Weise zeigen und von denen sich alle übrigen Phänomene ableiten lassen. So kann uns ein wenig von der inneren Ruhe Goethes zuteil lverden, von dem sicheren Bewußtsein, auf dem rechtetl Wege zu seilt, alletn Widerstande der „stumpfen Welt" zum Trotz." Sie mögen hier stehen, um die Auffassung des Verfassers klarznlegetl; sie lehren zugleich, daß auch der jüdische Leser ans dieser Schrift viel gewinnen kann, um einerseits, was freilich als Eigenart der jüdischen Gemeinschaft gilt, den Familiengedanken zu hegen und zu Pflegen, anderseits, was bei den Juden int allgemeinen gering geachtet, ja geradezu vernachlässigt wird, die Familientraditionen zu wahren, die Dokumente eifrig zu samuieltl, aus denen die Entwicklung der Familie und der geschichtliche Zusammenhang mit der Vergangenheit erkannt werden kann. L. G. — W. S. Reymont, Die polnischen Bauern. Aus dem Polnischen übersetzt von Jean Paul d'Ardeschah. 1916. Jena, Eugen Diederichs Verlag. 4 Bände. Als ich das große Werk von Rehmont über Lodz besprach (die Besprechung ist abgodrnckt in der ,,A. Z. d. I." Nr. 14) konnte ich scholl daraulf Hinweisen, daß der Verfasser auch eitlen großen. Bauernro-mau geschrieben hatte, den ich nach Mitteilung eines kundigen Kollegen als ein Meisterstück bezeichnen mußte. Schneller als ich glauben konnte, ist es mir gelungen, dieser, vor nicht langer Zeit gedruckten Uebersetzung eines vor fast, einem Jahrzehnt im. Original erschienenen Werkes habhaft zu werden. Es -ist ein. großes vierbändiges Werk, i

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