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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-06-22 · Heft 25 (22.6.1917) · p. Seite 298

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 25 (22.6.1917)
Date
1917-06-22
Page
Seite 298 (sequence 10)
Language
German
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m Falte gegraben hat, mit Daumen und Zeigefinger gefaßt und hält den Kopf nachdenklich gesenkt. Paula steht auf, ergreift zögernd die Obstschale und bietet den Gästen unsicher etwas an, dabei schickt sie mir hinter den Köpfen der Herren flehend aufmunternde Blicke hinüber. Eßt! Laßt es stehen, bleibt oder geht! Mir egal! Ich sticke! Es klingelt. Wir fahren alle nervös auf. Tante Phine? Unsinn! und wenn sie stundenlang keine Luft bekäme, sie würde nicht herschicken und diese schicksalsschwere Stunde stören. In mir lacht es höhnisch. Ganz ohne Liebe denke ich jetzt an sie. Sie wird sich wundern. Paula nimmt den Rotkopf nicht, und ich - der Roschminer Lehrer ist ein großer Mann, aber das muß er gleich allen Großen der Erde erfahren, es gibt Grenzen seiner Macht. Pfui, ist das ein ekelhaftes Geschäft, Menschen zu verhandeln! „Kommt man denn heute gar nicht rein zu Dir?" Ach so, cs hatte ja geklingelt. Richtig! Und da steht Eilli Benjamin im Türrahmen und hinter ihr - trotzdem er noch viel größer ist als sie - wie von ihrer massigen Fülle ganz erdrückt, Günther Westphal. Ach, Günther, wenn du jetzt allein gekommen wärst! Ach Günther, die Luft ist wieder rein und gut und klar, seit du im Zimmer bist. Tu siehst bös und traurig ans, wie immer, wenn du Fremde bei mir triffst. In dir zittert ja auch noch der Schmerz um deine Zurückstellung, -- ach, wenn du jetzt allein mit mir wärst, wie wollte ich ihn dir vertreiben und dich mit lieben, tröstenden Worten hätscheln, du gutes, unschuldiges, reines Kind. In mir ist ein sonderbarer Allsruhr, ich ekle mich so vor dem Geschäft des Roschminers und vor dem Handel, den man mit mir vorhatte. Und Günther ist zu all dem der Gegensatz. „Sag mal, möchtest du mich nicht auch begrüßen?" sagt Eilli in ihrer drolligen Art. Richtig, ich war ja wohl noch bei Günther. Eine schöne Wirtin bin ich heute, habe der kleinen Paula überlassen, die Gäste einander bekannt zu machen. „Wenn dir etwa der späte Ueberfall nicht recht ist — ich bin der Attentäter. Herr Tr. Westphal, den ich eben traf, hatte tugendhafte Anwandlungen. Abends!> Uhr zil einer Dame nicht rühran! , ich habe ihn mit Gewalt hergeschleist." „Herr Tr. Westphal lveiß, daß er mir iminer willkommen ist und nie Bedenken zu haben braucht." Mir ist der Hinweis auf die späte Stunde linangenehm. In Eitlis Augen blitzt es unternehmend auf, aber mein kühl bestimmter Ton schlägt all die kleinen witzigen Anzüglichkeiten, die sie in Bereitschaft hat, nieder. Eilli ist nicht mehr dieselbe Person in Herrengesellschaft. Wenn lvir beide allein sind, ist sie so unendlich bitter lind unglücklich über ihr verfehltes, verdrießliches Leben, daß ihre Unzufriedenheit beunruhigend und ansteckend noch lange in mir nachwirkt. Sind Herren dabei, ist sie wie innerlich ausgepeitscht und überspringt in ihrer Aufgeregtheit und Witzsucht die Grenzen des Schicklichen und Schönen. Sie merkt auch heute nicht, daß sie eigentlich wenig Entgegenkommen findet, denn das verlegene bereitwillige Grinsen des Lederhändlers, der froh ist, wenn eine laute Stimme seine eigene Unzulänglichkeit übertönt, kann sie doch nicht befriedigen. Die beiden anderen Herren sind abweisend still. Mir ist Eilli heute gerade recht so. Ja, ich werde in meiner eigenen Bitterkeit über die Gewalt, die man mir antun wollte, grausam, ich kläre sie auf über Herrn Simons Witwerschaft. Und da ist kein Halten mehr. Ihre blitzenden Augen bekommen einen bewußteren Glanz. Sie läßt ab von Günther und der Allgemeinheit, die sie amüsieren wollte, und wendet sich hauptsächlich dem Witwer zu, fragt ihn nach seinen Kindern und findet Herzenstöne, die ich ihr gar nicht zugetraut hätte. Wo ist mein mitleidiges Herz von sonst? Nuß ich nicht die armd» Magdeburger Waisenkinder schützen? Eilli als Stiefmutter! Sie hat mir erst neulich erzählt, daß ihr Kinder, ein Greuel sind. Der Magdeburger kriecht wirklich auf den Leim, d. h. soweit es seine Vorliebe anbetrifst, von seinen Kindern zu reden. Ich höre ihre kleinen Drolligkeiten von heute mittag zum zweiten Male. Beinahe will mir das Herz wieder leis mitlachen; er erzählt väterlich nett, er lächelt sehr befriedigt, als Eilli sich schütteln will vor Belustigung. „Nein, goldig! Zu süß! Gertrud, hast du schon je so etwas Niedliches gehört? Einfach rührend." Der Witwer sieht mich an, da wird mein Gesicht wieder ab weisend kühl. Was gehen mich seine Kindergeschichken an! (Fortsetzung folgt.) Mchrreinlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Der Neue Orient. Halbmonatsschrift für das politische, Wirtschaft liche und Mistige Loben im gesamten Osten. Schriftteitnng Dr. jm\ Herbert Müller. I. Band, Nummer 2. Die Methodik des jüdischen Religionsunterrichts. Von Seminar ober loh vor Jakob Stoll in Wjürzburg. 1. Heft. A. Päd-agogisth-pshcho logische Grundfragen. 6. Die Methodik der Biblischen Geschichte. Die Medizin der Juden nach der Vorstellung des Anton Eermou von Albertiz. Beitrag zur Bewertung der jüdischer Heilkunde in der Gelehrteuwelt des 18. Jahrhunderts. Von Dr. med. Willy Hofmaur. Frankfurt a. M. 1917, Verlag von A. I. Hofmann. Jizchok Leib Pcrez. Ehassidische Geschichten aus dem Jüdischen. Von Alexander Eliasberg. 1917. Wien und Berlin. R. Lövit Vertan. Nachlässe der Wiener Inden im 17. und 18. Jahrhundert. Ein Ben trag zur Finanz-, Wirtschafts- und Familie ngeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts. Herausgegeben mb bearbeitet wir Dr. I. Täglich!. Wien und Leipzig. Wilhelm Braumüller, k. k. Universitäts-Verlage bnchhandlung. 1917. Rede aus Anlaß des Amtsaustrittes des GemeindereligionslehrerL Herrn Tr. phil. Moritz Spanier. Gehalten in der Synagoge zu Magdeburg am Freitagabend, den 80. März 1917, von Rabbiner Tr. Bruno Lange. Die Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Ali! teiluugen zur Eröffnung der Sammlung von Moritz Stern. Berlin 1917, Berlag Hausfreund. Dr. Gustav Kohn zum Gedächtnis. Herausgegeben von Mar Schwager. Selbstverlag, Wien. Mitteilungen des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Teutstli lands. Jahrgang 8, Heft 2. Berlin, den 1. Mai 1917. Redaktion und Geschäftsstelle Berlin C, Burgstraße 26. Reden bei der Einweihung der neuen Synagoge zu Augsburg | am 4. April 1917. Neue Jüdische Monatshefte. Zeitschrift für Politik, Wirtschail | und Literatur in Ost und West. 1. Jahrgang. 25.. April 19l7 Heft 14. Verlag der Neuen Jüdischen Monatshefte, Berlin München. Milchome-Zeit (Kriegszeit), Skizzen und Bilder von Ben-Ehanorhi (Eh. I. Bristowskl). Lodz 1917. Geprüft und sreigegeben vom' K. D. P., Abt. Lodz, unter Nr. 1302. Ter Jude. Eine Monatsschrift. Erster Jahrgang. 1916/191' N. Lövit Berlag, Berlin-Wien. Internationale Korrespondenz (I. K.) über Arbeiterbewegung! Sozialismus und auswärtige Politik. Ausgabe W. 3. Jahrgang.! Nr. 103. 30. März 1917. Herausgeber und Verleger I. K.-Der!m^ (A. Baumeister), Berlin SW 68, Lindenstraße 114. Josef Unger. Das Elternhaus — die Jugendjahre 1828 bis 185. Biographischer Beitrag von Tr. S. Frankfurter. Mit einem Bildnis Josef Ungers. Wien und Leipzig, Wilhelm Braumüller, k. k. Univerii^ täts-Berlagsbuchhandlnng, Gesellschaft m. b. H. 1917. Von den Aufgaben der Juden im Weltkriege. Von Eduard Ben>^ stein, M. d. R. Berlin, Erich Reiß Verlag. 1917.

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