Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1917)
- Date
- 1917-06-22
- Page
- Seite 295 (sequence 7)
- Language
- German
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Freunde ins Gewissen redet, jcx nicht zu viel zu arbeiten, um dadurch seine Gesundheit nicht zu untergraben. Vor allem solle er das Studieren des Nachts unterlassen, weil nichts auf Erden so sehr angreife. Er bittet ihn um Entschuldigung, daß er den Arzt spiele, aber er könne es doch dem Freunde nicht verargen, wenn er um ihn besorgt und bemüht sei, ihn so recht lange als möglich dem Leben zu erhalten. * Er habe auch in Frankfurt a. O. einige gute Freunde, wie z. B. den Grafen Alexander v. Dohna-Schlobitten sowie einen Herrn Keverberg; aber diese seien ihm lange nicht so,' wie er ihm gewesen, und werden es ihm auch nie werden. (Schluß folgt.) Eduard Michaelis in Hamburg. s würde an lind für sich wohl erlaubt sein, von einem segensreichen Institut, das in einer großen Gemeinde Deutschlands, in Hamburg, nun hundert Jahre wirkt, zu reden; einen Anlaß dazu bietet eine zu diesem Jubiläum erschienene kleine SchriftJ. Ein besonderer Anreiz dazu liegt in einem wundervollen Bilde des Stifters der Gesellschaft, das diesen Zeilen hinzugefügt ist. In Heines Gedicht „Deutschland", Kapitel 22, findet sich ein Hinweis des Dichters ans seine alten Bekannten, die er nach langer Entfernung in Hamburg wiedersah, das er fast als seine Vaterstadt betrachtete. Tort findet sich die Strophe: „Am besten hat sich conserviert Mein Freund der Papierverkäufer; Sein -Haar ward gelb und umwallt sein Haupt, Sieht aus wie Johannes der Täufer." Besser kann man das Bild, das >vir an dieser Stelle wiedergeben, nicht charakterisieren. Ter also geschilderte Papierverkäufer ist, wie man schon ans Strodtmanns Heine-Biographie l 425, II 308 entnehmen konnte, während die Heine-Kommentare darüber schweigen (auch in Heines Briefen in der Ausgabe von Karpeles ist der Name des hier behandelten Mannes nicht zu finden), der Großkausmann Eduard Michaelis in Hamburg. Ueber ihn heißt es in der Nathanschen Schrift: „Eduard Michaelis war kurz nach 1770 in Zirke (Provinz Posen) geboren und kam um 1806 nach Hamburg; ein Mann aus der alten Humanitäts- und Aufklärungsschule, wie Haarbleicher ihn nennt, ward er durch seine aufopfernde Tätigkeit für die Armen und Kranken während der Belagerung Hamburgs näher bekannt. Durch seine vielfachen Bestrebungen zur Hebung der sozialen und bürgerlichen Lage der Hamburger- Juden, durch seine Teilnahme an der Verwaltung der Israelitischen Freischule und des Vereins zur Beförderung nützlicher Gewerbe unter den Israeliten hat er sich um die Hami) Das Israelitische Vorschuß-Institut in Hamburg 1816 bis 1916. Festschrift anläßlich seines hundertjährigen Bestehens, im Aufträge seiner Verwaltung bearbeitet von Syndikus Dr. M. Nathan. Hamburg, Ackermann u. Wulff Nachflg. (Grossardt u. Gowa), 1916. burger Judenheit verdient gemacht. Auch seine Tätigkeit als Begründer und Mitglied der Verwaltung deS Vorschuß-Instituts bildet nur einen Teil dieser seiner Bestrebungen. Er gehörte der Verwaltung des Vorschuß-Instituts bis zu seinem am 19. Mai 1847 erfolgten Tode an und war bei der Feier der fünfundzwanzigjährigen Wirksamkeit des Instituts am 26. März 1841 Gegenstand besonderer Ehrungen. Ein schlichtes Denkmal auf dem Grindel-Friedhof bezeichnet die Stätte, an welcher nach segensreichem Wirken ein edler, echter Biedermann zur ewigen Ruhe bestattet ist." In einer Anmerkung zur oben angeführten Stelle hat Nathan auf die Verse Heines hingewiesen; er verspricht, an anderem Orte mehr über Michaelis zu sagen. Danach ist das Obenstehende nur als eine vorläufige Notiz zu betrachten. 31 Jahre lang gehörte Eduard Michaelis der Verwaltung des Israelitischen Vorschuß-Instituts in Hamburg an. Von ihm rührt der Plan her, von ihm wurden die ersten Statuten ausgearbeitet. Das Institut wurde als Verwaltungszweig der Israelitischen Armenanstalt betrachtet und daher durch ein Mitglied des Vorsteherkollegiums der Gemeinde geleitet. Als sein Zweck galt die vorbeugende Fürsorge für die Hilfsbedürftigen, zugleich aber auch für die Erwerbsfähigen; die gewährten Darlehen mußten in 32 wöchentlichen Raten zurückgegeben werden. Später, 1869, wurde das Institut von dem Armcnkollegium der Gemeinde abgetrennt. Tie Höhe der Darlehen bewegte sich zuerst zwischen 6 bis 300, dann von 20 bis 1000 Mark Banko; später wurde der Mindestbetrag auf 40, der Höchstbetrag auf 5000 Reichsmark festgesetzt. Um einen Begriff von der Entwicklung des Instituts zu geben, sei erwähnt, daß im Jahre 1829 29 Darlehen mit 1522 Mark, 1841 657 mit 45 256 Mark, 1875 554 mit 128 650 Reichsmark gewährt wurden. Im letzten Berichtsjahre (1915) wurden 130 Darlehen gewährt im Betrage von 39 490 Mark. Das Kapital des Instituts, das im Jahre 1816 1522 Mark betrug, hat sich im Laufe von 100 Jahren auf 95 583 Mark erhöht. Man liest mit Freude solche Zahlen, hat allen Anlaß, der segensreich wirkenden Anstalt langes Gedeihen zu wünschen, und erinnert sich gern des wackeren Mannes, der eine solch vortreffliche Einrichtung ins Leben gerufen und lange an ihrer Spitze gestanden hat L. G. Las Lied vom „Larkunkelltkin, dem brsorn.. Eine zeitgemäße Anregung. Von A. Mahler (Hamburg). m Verlaufe des gegenwärtigen Krieges hat es einen ge- » wissen Reiz und anläßlich der sich mit unerhörter Dreistigkeit hervorwagenden antisemitischen Verdächtigungen auch eine leider nicht bestreitbare Berechtigung, älteren Eduard Michaelis Juli 1838, im 86. Lebensjahre. ML