Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1917)
- Date
- 1917-06-15
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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N'M" wm wie im jüdischen Gemeindehause an der Berliner „Toleranzst r a ß e". ~ Kattohuitz, 8. Juni. Am 29. v. M. ist hier im Alter von 7 6 Jahren der Stadtverordnete Leopold Alt m a n n verschieden. Er zählte zu den angesehensten Kaufleuten in Oberschlesien. 1865 hatte er hier eine Eisengrotzhandlung gegründet, zu der seit 1902 eine Zweigniederlassung in Beuthen O.-Schl. gehört. 1894 erwarb er die Firma E. Nacks Nachf., deren Seniorchef er war. 1907 wurde er Mitgesellschafter der Kattowitzer Eisenhandelsgesellschaft m. b. H. Vor zwei Jahren konnte er sein 50jühriges Bürgerjubiläum feiern. Seit 1896 war er ununterbrochen- Stadtverordneter und wirkte unermüdlich und opferfreudig für das Gemeinwohl. Eins der ältesten Gemeindemitglieder von wahrhafter Frömmigkeit, hat er sich auch lange Jahre als Vorsitzender des Krankenpflege- und Beerdigungsvereins den Werken reiner Menschlichkeit und Nächstenliebe in geradezu aufopfernder und vorbildlicher Weise überaus segensreich gewidmet. Im Vorstand der Synagogengemeinde hat er durch reifes Urteil und milden Sinn hervorragend an der Verwaltung mitgearbeitet und für die Erhaltung ihrer bewährten religiösen Einrichtungen sein besonderes Interesse bis in die Tage betätigt, da Krankheit ihn verhinderte, an den Sitzungen persönlich teilzunehmen. Tie Verehrung, welche er in unserer Gemeinde genotz. fam bei seiner Beerdigung zum Ausdruck,.die am 1. Juni unter ganz außergewöhnlich großer Beteiligung aller Kreise aus ganz Oberschlesien stattfand. Im Trauerhause hatten sich eingefunden Oberbürgermeister P o h l in a n n mit dein Stadtverordnetenvorsteher Grünfeld, viele Magistratsinitglieder und Stadtverordnete, der Vorsitzende der Shnagogengemeinde, Justizrat Badrian, mit dem Vorstand, Vertreter von Vereinen, viele Rabbiner und Kantoren aus den Nachbarstädten. Rabbiner Dr. de Haas (Kattowitz) widmete ihm einen Abschiedsgruß, worauf die Bahre von den Vorstandsmitgliedern der Chewra Kadischa zum Leichenwagen gebracht wurde. Auf dem Friedhose hielt Rabbiner Dr. de Haas die Trauerrede, worauf Rabbiner Dr. Kopfstein (Beuthen) und Bezirksrabbiner Dr. B a m b e r g e r (Hanau) dem Entschlafenen Worte des Abschieds widmeten. B. Beuthen O.S., 8. Juni. Unter überaus großer Teilnahme hat man hier vor einigen Tagen einen jungen Kriegshelden zu Grabe getragen», den Kandidaten der Pharmazie Herrn Kurt Freudentha l. Mit flammender Begeisterung für sein Vaterland war er in den Krieg gezogen, trotz jugendlichen Alters und zarter Gesundheit. Aus hinterlassenen Tageblättern, welche geistvollen Aphorismen klassischer Tagebuchblätter gleichkommen, vermag man die Tiefe des Gernütslebens und die hohe Ausfassnng von vaterländischer Pflicht, die den Heimgegangenen erfüllen, voll zu würdigen. Die Grabrede des Herrn Rabbiner Dr. Kopfstein knüpfte an diese Tagebuchblätter au und entwarf ein Bild von dem Leben und idealen Streben des Helden, das zu den schönsten Hoffnungen für Staat und Glaubensgemeinschaft berechtigte. Es mag noch hervorgehoben werden, daß es sein innigster Wunsch war, in den vordersten Frontreihen zu kämpfen, wie der höhere Vorgesetzte seinen Eltern mitteilte, deren Stolz und Freude er als einziger Sohn gewesen. E. 8. Breslau, 8. Juni. Ter hiesige Jüdisch-Liberale I u g e n d v e r e i n war auch im ersten Semester 1917 eifrig tätig. Rabbiner Dr. G o l d m a n n (Oppeln) hielt Vorträge über Idealismus und über die Grundlagen der Moral. Justizrat Joel svrach über seinen Vater Rabbiner Manuel Joel. Rabbiner Dr. T i e n e mann leitete das Purimsest durch Purimgedanken ein. Von längeren Mitgliedern des Vereins — Sind. med. M o se s und Herrn Bettsack — wurde über die Themen ,,Die Juden in der deutschen Kunst und Literatur" und über „Judentum und Geld Wirtschaft" referiert. An diese Vorträge schloß sich oft eine rege Aussprache, in der die verschiedenen Auffassungen mit jugendlichem Eifer, aber auch mit Ernst und Gründlichkeit vertreten wurden. So gestaltete sich das Vereinsleben trotz der Ungunst der kriegerischen Verhältnisie außerordentlich lebhaft. Die Mitgliederzahl des Vereins stieg auf über 300. Der Verein zeichnete 400 Mark Kriegsanleihe; er war auch bei der Begründung der Breslauer Bernfsberatungsstelle der deutschen Juden vertreten. Ebenso war er bei der Begründung der Posener Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugend beteiligt, wobei seine Aüfsässungen insbesondere von den Herren Berger und Bayer zur Darstellung gelangten. All den Herren, die sich in liebenswürdigster und zuweilen auch geradezu in aufopfernder Weise an der Vereinsarbeit beteiligten, sei auch an dieser Stelle bestens gedankt. W. Pose«, 8. Juni. Der Isr aeliti scheVer e i n„Frauenj hilf e" hat durch den Tod der Frau Jenny Stranz geb. Schocken < einen schmerzlichen Verlust erlitten. Beim Erscheinen des Jahresi berichts wird der Verstorbenen pflichtgemäß ehrend gedacht. Sie war , nach zweijährigem Bestehen des Vereins in den, Vorstand gewählt worden und hat in demselben bis zu ihrem Wegzüge aus Posen jeder- , zeit in selbstloser und aufopfernder Weise für die Ziele und Aufgaben , des Vereins gewirkt und wird ihr ein stetes, treues Gedenken bewahrt. \ — Der Ausbruch des Krieges hat das alljährliche Erscheinen des < Jahresberichts aufgehalten. Aus den Berichten von 1914, 1915 und 1 1916 ist ersichtlich, daß der Verein trotz der schweren Zeiten und Lasten, t die der Krieg allgemein gebracht, imstande war, den großen Am 1 forderungen, die an ihn gestellt wurden und die sich noch täglich ' erhöhen, zu genügen. Dies ist dem Wohlwollen und der Opferfreudigf keit der Vereinsmitglieder zu danken, die durch reiche Spenden und i zum Teil erhöhte Jahresbeiträge es erniöglichten, den Kreis der Auf- ( gaben noch zu erweitern, indem nicht nur Kranke und Wöchnerinnen - gepflegt, sondern zahlreiche vom Krieg schwer Getroffene unterstützt i und aufgerichtet werden. — Die Ausgaben in 1914 erreichten die Höhe von 6309,54 Mark; in 1915: 6088,30 Mark: in 1916 : 7260,17 Mark. - l Die Einnahmen betrugen 1914: 5526,03 Mark; 1915: 6496,61 Mark J und 1916: 6802,65 Mark. — Ein deutliches Bild der sich stetig steigern- * den Anforderungen, aber auch der stetig zuteil gewordenen tatkräftigen \ und aufopfernden Hilfsbereitschaft seitens der Vereinsmitglieder. Der l vom Verein schon lange gehegte Wunsch, die Errichtung einer rituellen bürgerlichen Küche, hat sich jetzt verwirklicht. Für mäßigen Preis wird s gute nahrhafte Kost täglich jedermann zur Verfügung gestellt, die l namentlich jetzt für unsere Feldgrauen eure erwünschte und viel be f nutzte Einrichtung geworden ist. Durch großzügige Unterstützung mit reichlichen Geldmitteln und Rat in jeder Hinsicht hat der Vorstand ' des Nationalen Frauendienstes es ermöglicht, diesen Plan ins Leben i zu rufen. Frau Rabbiner Dr. F r e i m a n n hat die Küche unter ihre f spezielle Obhut genommen; sie hat es verstanden, viele Freunde und Gönner zu erwerben und einen ansehnlichen Stab hilfsbereiter Frauen < und junger Mädchen im Ehrendienst um sich zu scharen. Zu Ank fang des neuen Vereinsjahres erlitt der Verein einen sehr schmerzlichen Ü Verlust durch das plötzliche Hinfcheiden von Herrn Ludwig Blei- 1 st ein, der dem Verein seit vielen Jahren als Revisor treu zur Seite z gestanden und sein Interesse für die Bestrebungen des Vereins jederv zeit 'bekundet hat. Der Verein besteht nunmehr seit 25 Jahren und n gehört zu den größeren Vereinen innerhalb der Shnagogengemeinde. i Die Mitgliederzahl beläuft sich auf über 860. Der Vorstand setzt sich u ulsammen aus den Frauen: Anna Auerbach, Amalie Behr, v Lea Calvary, Helene E o b l i n e r , Auguste C z a p s k i, Flora u Ephraim, Regina Fr ei mann, Fanny Oelsner. Johanna Pleßner , Toni Popper. Frieda R o t h st e i n und Regino v Victor. H. W. Schlimm, 8. Juir. -Herr Rabbiner Dr. Salomon Golds ch m i d t in Kolberg, 1837 hier geboren, begeht am Freitag, 22. Juni, ö seinen 80. Geburtstag. Seit 1863 in Kolberg als Rabbiner tätig, bea mühte er sich, das dortige „Jüdische Kurhospital" zu begründen, dessen Fortentwickelung ihm zu danken ist. Ganz besonders liberal zeigt er sich gegen Hilfesuchende aus der Provinz Posen, und werden gewiß viele zu e seinem Jubiläumstage Anlaß nehmen, ihm ihre Dankbarkeit zu zollen. Der Vater des Herrn Dr. Goldschmidt wirkte längere Zeit als Lehrer 2 an der hiesigen öffentlichen israelitischen Volksschule. \) M. Hamburg, 10. Juni. Der beeidigte Handelschemiker Tr. Louis Allen ist vlötzlich aus dem Leben geschieden. Der 1 Verblichene, der nur ein Alter von 45 Jahren erreichte, erfreute sich in der Handelswelt unserer Stadt hoher Achtung und Wert- . schätzung. In unserer Gemeinde hinterlaßt er eine schwer ausfüllbare Lücke; denn trotz seiner ausgebreiteten geschäftlichen Tätigkeit jj war er ein gescheitster Mitarbeiter in den Wohltätigkeitsinftitutionen der Gemeinde. Ten armen Obdachlosen, den aus dem Osten dertriebenen Brüdern war er Helfer und Berater, dessen Verlust bitter beklagt wird. Schon in jungen Jahren wurde er in die Verwaltung des Israelitischen Vereins für Obdachlose gewählt und hat mehr als