Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1917)
- Date
- 1917-06-15
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3229286-3229310--73189-3285656- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
81. Jahrgang Nr. 24 -:; ’. "• '•'■• '-7^ •>: •.'-^-"'^*v-’V^-.:'''--' v',7;?'*'-. V* <i*:'rrn-'" ■''• .- W/:«* ••.,.? v^.,. “•'•:■; •,.*.••; ■ _'■ ,;•-. Der Gemeindevote. Berlin, 15. Juni 1917 Vellage zur „Allgemeinen Teilung deS Judentums". Korrelpondrn?en und Kschrichttu. Skutschlsnd. Berlin, 12. Juni. Neue Drahtberichte jüdischer Persönlichkeiten bestätigen, daß die von den Telegraphenagenturen der Entente verbreitete Darstellung der Aussiedlung der jüdischen Bevölkerung in Palästina den Tatsachen nicht entspricht. Die „Deutsch- I s r a e l i L i s ch O s m a n i s ch e Union" erhielt neuerdings nachstehende Depeschen. Emanuel E a r a s s o, der bekannte jüdische Deputierte von Konstantinopel, sendet die vorläufige Nachricht: „Es handelt sich um Maßnahmen von durchaus allgemeiner N at u r, die die Lage erforderlich machte. Die türkische Regierung nimmt eine aufrichtig wohlwollende Stellung ein. Die Gerüchte waren tendenziös übertrieben. Eine eingehende Widerlegung wird vorbereitet." H. Ma r g o l i n - K alv ary ski, der bekannte Agronom, der seit zwei Jahrzehnten zu den Leitern des jüdischen Kolonisationswerkes gehört, drahtet aus Jerusalem: „Havas verbreitet irrige Nachrichten über angebliche Grausamkeiten, welche gegen unsere Glaubensgenossen während des Krieges, insbesondere anläßlich der Räumung von Jaffa, verübt worden sein sollen. Wir betrachten es als unsere Pflicht, die Wahrheit zur allgemeinen Kenntnis zu bringen. Kein Jude hat während des Krieges in seiner Eigenschaft als Jude Ursache zur Klage gehabt. Was die Kolonien betrifft, so waren sie vielmehr Gegenstand besonderen Wohlwollens seitens des Oberbefehlshabers der IV. Armee. Die Räumung von Jaffa hatte die p e r s ö nl i ch e Sicherheit der Einwohner zum Zweck und bildete eine allgemeine Maßregel für sämtliche Stadtbewohner ohne Unterschied der Religion." E. M. Berlin, 12. Juni. DieW i >t w e n - u n d Waisenkasse der Rabbiner Deutschlands versendet den Bericht über ihr zehntes Geschäftsjahr, aus den: eine befriedigende ^Entwicklung der Kasse festgestellt werden kann. Die Zahl der ordentlichen (versicherten) Mitglieder ist auf 19 gestiegen: der Kreis der außerordentlichen (unterstützenden) Mitglieder ist erheblich aryewachsen, weil nach der . letzten Mitgliederversanunlung vom 10. Mai eine energische Propaganda für die Kasse entfaltet wurde. In dieser Sitzung wurde nach einem Bortrage des Kuratoriumslnitglicdes. Rabbiner Dr. F r e u d e n t h a l - Nürnberg, der den Ausbau der Witwen- und Waisenkasse zu einerallgemeinen P e n s i o n s a n st a l t für Rabbiner empfahl, beschlossen, daß fortan jedes Mitglied des Rabbiner-Verbandes in Deutschland mindestens ein Tausendstel seines Amtsgehaltes als Jahresbeitrag an die Kasse abzuführen hat. Die meifteni Mitglieder des Rabbiner- Verbandes sind dieser Verpflichtung auch bereits nachgekommen. Die von Rabbiner Dr. Frendenthal gegebenen Anregungen unterliegen zurzeit der technischen Prüfung durch einen Versichernngssachverständigen. Die Jahreseinnahmen der Kasse haben eine nicht unerhebliche Steigerung erfahren. Die tatsächlichen Jahresbeiträge der ordentlichen, also der versicherten 19 Mitglieder betragen 4230 Mark: durch einen Zuschuß aus den Zinsen des Stammvermögens wurde die gebührenvflichtige Versicherungssumme um 4931 Mark auf 8261 Mark erhöht. Die Beiträge der außerordentlichen Mitglieder stiegen auf. 1.433 Mark, die Beihilfen und Subventionen, welche verschiedene Gemeinden und Verbände der Kasse gewähren, auf 1810 Mark. Hierunter befinden sich Beiträge von je 300 Mark von den Großgemeinden in Berlin. Frankfurt a. M. und Breslau: 200 Mark zahlten die Gemeinden rn Königsberg und Nürnbera: niedrigere Beträge gingen von den kleineren Gemeinden ein. 750 Mark flössen der Kasse an einmaligen Spenden zu. Das Stammvermögen beträgt 335 300 Mark, die Prämienreserve rund 20 000 Mark. Bon dem Gewinnkonto, auf das in vier Jahren 61179 Mark verbucht werden konnten, waren 20 392 Mark Verlust aus 1916 abgeschrieben. der aus Kursverlusten entstanden ist. Die Kasse hat wiederum einen Vermögenszuwachs erfahren. Die Ausgaben für W i t w e n - und W a i s e n r c it t e n beliefen sich auf 2712 Mark. — Die aufsteigende Entwicklung der Kasse ist im Interesse unseres Raibbinerstandes qufs freudigste zu begrüßen. Der geplante Ausbau zur Pensionskasse wird der Arbeit der Kasse eine erhöhte Bedeutung verleihen und ihre Wirksamkeit besonders segensreich gestalten. Wie uns mitgeteilt wird, hat das Kuratorium der Kasse bereits den Entwurf einer Satzung für die Pensionskasse bei dem Kgl. Aufsichtsrat zur Vorprüfung eingereicht. S/D Berlin, 12. Juni. Der Verein „L e h r l i n g s h e i m Panko w" hielt am 4. d. M. seine ordentliche Generalversammlung ab, die von den: Vorsitzenden, Herrn Rudolf M o s s e, eröffnet und geleitet wurde. Im Aufträge des Kuratoriums erstattete der Schriftführer, Herr Justizrat Kraft, den Jahresbericht und gedachte dabei der schmerzlichen Verluste, die der Verein durch den Tod der Kuratorinmsmitglieder M. D. Feilchenfeld und Professor Dr. Strelitz erlitten. Ans dem Rechnungsberrcht ist besonders hervorzuheben, daß ein Ausgleich zwischen den infolge des Kriegs verminderten Einnahmen und vermehrten Ausgaben des Vereins durch eine Spende des Herrn Rudolf Mosse in Höhe von 10000 Mark, aus Anlaß seines fünfzigjährigen Geschäftsjubiläums, ermöglicht wurde. Der Berichterstatter dankte nochmals herzlich Herrn Rudolf M o s s e fürfeine Munifizenz. Der zweite Punkt der Tagesordnung betraf den Bericht der Revisoren, den Herr G r o w a l d erstattete und namens der Revisoren die Entlastung beantragte, die auch einstimmig erfolgte. Bei den hierauf vollzogenen Wahlen wurden die Herren Eduard Growald, Map Mecklenburg und Direktor Zadig als Revisoren sowie das bisherige Kuratorium einstimmig wieder¬ und an Stelle des verstorbenen Kuratoriummitgliedes M. D. Feilchenfeld Herr Paul Loewenstein neugewählt. Ferner trat statutenmäßig der Amtsnachfolger tzes Professors Strelitz, Herr Direktor Dr. Altmann, als Mitglied in das Kuratorium eilt. Ein Vereinsmitglied beantragte die Einsetzung eines besonderen Propagandaausschusses, da die Mitgliederzahl bedauerlicherweise sebr zurückgegangen sei. Der Antrag wurde nach einer eingehenden Aussprache einstimmig angenommen. Es folgte sodann als letzter Punkt der Tagesordnung die Festsetzung des Etats für das Jahr 1917/18, worauf der Vorsitzende mit Dankesworten an die Erschienenen die Versammlung schloß. # # l&etlin, 12. Juni. Berlin, das vor zwanzig lind mehr Jahren den besten Nährboden für den antisemitischen Bazillus in Stöckerscher Reinkultur* abgab, besitzt eine Stätte, an der die drei Konfessionen als friedliche Brüder beieinander wohnen. Im Norden der Stadt befindet sich die Große Hamburger Straße, die im Volksmunde wegen der Zahlreichen dort befindlichen Institute der drei großen Religionsgemeinschaften die ,.T o l e r a n z st r a ß e" genannt wird. Fast die Hülste aller Häuser in dieser Straße befindet sich in den Händen der drei Kultusgemeinschaften. Auf der Ostseite der Straße erhebt sich das langgestreckte Gebäude der Ersten Altersversorgungsanstalt der Jüdischen Gemeinde, an das sich die Knabenschule der Jüdischen Gemeinde anschließt. Auf dem Hinterlande dieser Häusergrupve liegt der älteste jüdische Friedhof Berlins, ans dem sich das Grab Moses Mendelssohns befindet und auf dem zur Zeit der Jettchen-Gebert-Hochslut Tausende das Grab der schönen Jüdin suchten und — natürlich vergeblich suchten. An die jüdischen Anstalten schließen sich die Baulichkeiten der evanaelischen Sophien- Kemeinde, das große Gemeindehaus, das in seinen Nebenanlagen die Diakonissenanstalt, den Jünglinasverein, die Krivpe usw. beherbergt. Auf der Westseite der Straße liegt das katholische Hedwigs-Krankenhaus, an das sich das neue Hospital der katholischen Gemeinde cmschließt. Rückwärts grenzen beide Grundstücke an die Neue Shnaaoge und an das alte Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde, das nach der Errichtung des Neubaues in der Ererzierstraße leer stand. Seit Ausbruch des Krieges beherberat es eine Anzabl von Wohlsabrtsemrichtungen: neben einer jüdischen Kindervolksküche, in der täglich 350 Kinder gespeist werden, einen jüdischen und einen christlichen Kindergarten, eine Nähschule der Frauenabteilung der Kriegshilfskommission der Jüdischen Gemeinde und den Verein für Kinder- und Mutterschutz. Hier haben wir also auch ein Hans, in dem die Konfessionen gleichberechtigt miteinander hausen. Die Jüdische Gemeinde bietet den allgemeinen Wohlfahrtsanstalten ein gern gewährtes Heim. — Hoffentlich hausen nach dem Kriege die drei großen Konfessionen un großen Deutschen Hause, im Vaterland, ebenso friedlich beisammen