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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-06-08 · Heft 23 (8.6.1917) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 23 (8.6.1917)
Date
1917-06-08
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Vortragende führte etwa folgendes aus: Beim Regierungsantritt des Kaisers fürchteten große Kreise des deutschen Volkes den baldigen Ausbruch des Krieges in der Annahme, der junge Herrscher werde nach Waffenruhm geizen. Es zeigte sich jedoch bald, daß diese Befürchtungen völlig unbegründet waren; der Kaiser erwies sich von Jahr zu Jahr immer mehr alsein aufrichtiger und eifriger Förderer des Friedens und des Einvernehmens unter den Völkern. Es gelang ihm, die jahrzehntelange Spannung zwischen Dänemark und Preußen zu beseitigen; er unterhielt freundschaftliche Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Nordamerika; er bewies dem französischen Volke Liebenswürdigkeit und Ritterlichkeit; er tat alles, um die Engländer davon Zu überzeugen, daß Deutschland nicht daran denke, ihnen Ungelegenheiten zu bereiten. Ueber all dem verabsäumte er als oberster Kriegsherr nicht feine heilige Pflicht, dafür zu sorgen, daß Deutschland für alle etwa kommenden Fälle gewappnet fei. Redner schilderte des weiteren, wie der Kaiser noch in letzter Stunde das Menschenmöglichste getan hat, um den Krieg zu vermeiden, wie er um der Erhaltung des Friedens willen bis hart an die Grenze dessen gegangen ist, was die Ehre und das Ansehen unseres Vaterlandes zuließ. Er kam dann auf den denkwürdigen 4. August 1914 zu sprechen, auf das Friedensangebot des Kaisers vom 12. Dezember 1916 und auf die kaiserliche „Osterbotschaft" vom 7. April dieses Jahres. Dem Kaiser gebührt unser heißer Dank dafür, daß er das Verhängnis eines Krieges so lange Jahre von uns ferngehalten hat. Wir wollen die Dankesschuld an ihn dadurch abtragen, daß wir gleich ihm „leiden ohne zu klagen", daß wir die durch den Krieg uns auferlegten Leiden des Körpers ilnd der Seele standhaft und unverzagt auf uns nehmen. Eine ganze Welt blickt auf uns; sie soll nicht später einmal sagen: „Die deutschen Soldaten haben zwar Unvergleichliches geleistet; währenddessen aber hat man in der Heimat geklagt und gejammert." Wir, das Heimatheer, wollen es mit dem Heere draußen an Mut und Ausdauer aufnehmen, bis uns ein ehrenvoller Frieden glücklicheren Zeiten entgegenführt. Redner schloß mit dem Dichterwort aus „Wilhelm Teil": „Wir wollen fein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr. Wir wollen trauen auf den höchsten Gott und uns nicht fürchten vor, der Macht der Menschen." Reicher Beifall lohnte den Redner für seine interessanten Ausführungen. J. A. Nürnberg, 1. Juni. Das Eiserne Kreuz erhielten: Unteroffizier der Infanterie Hugo Sundheimer, Kaufmann in Nürnberg; Gefreiter Adolf Kahn, Kaufmann in Nürnberg. Richard K r a u t h e i m e r , Kanonier bei der bayerischen Gebirgsartillerie, Student aus Fürth. Vizefeldwebel Ludwig B a e r, Mitinhaber der Spiegelglasfabrik S. Baer in Fürth. Kaufmann Paul Le brecht, Sohn des um das jüdische Armenwesen hochverdienten verstorbenen Martin Lebrecht. Kurt Alt schul er, Sohn des Kaufmanns August Altschüler in Fürth. Den Bayerischen M i l i t ä r v e r d i e n st - orden 4. Klasse erhielt: Major der Landwehr a. D. und Fabrikbesitzer Otto F e ch h e i m e r. Das M i l i t ä r v e r d i e n stkreuz 2. Klasse erhielt: Vizefeldwebel Richard Reis (gefallen acht Tage nach seiner Beförderung zürn Leutnant). Die Türkische Rote- Kreuz-Medaille in Silber erhielt: Fabrikbesitzer Alfred G u ck e nh e i rn e r. Das Mecklenburgische V e r d i e n st k r e u z 2. Klasse erhielt: Unteroffizier und Kaufmann Fritz Schwed. DasBaherische Militärverdienstkreuz für freiwillige Krankenpflege erhielt: Sanitätssoldat Joseph Meth, Sohn des Kaufmanns Leon Meth. Das Bayerische K ö n i g - L u d w i g - K r e u z für Kriegsverdienste erhielten: die Herren Alfred T uchm aitn, Max Joseph Tuchmann, Kommerzienrat Jakob Steinlein, Fabrikbesitzer Max S ch w a r z e n b e r g e r, Paul O r d e n st e i u, Kaufmann Loewenthal, Kaufmann Benno Haas, Siegfried W e i n b e r g e r; die Damen Frau Lora E r l a n g e r, Fräulein Rosa Held, Fräulein Dr. Maas, Frau Johanna L a u i n g e r, Frau Helene Reis, Frau Berta Wilhermsdörfer, Arztgattin, Frau Auguste N e u b u r g e r, Frau Philippine Neuburger, Frau Minna Bing, Frau Emma B e m s e l, Kommerzienratswitwe; die Rechtsanwälte Dr. Graumann, Dr. Kahn, Dr. Orthal, sämtlich in Nürnberg. Kommerzienrat Phil. Zinn, Lichtenfels, Fabrikbesitzer Hummel in Fürth, Fabrikdirektor Bechruann in Fürth; die Damen Anna Bergmann, Grete Bergmann und Jda Fränkel in Fürth. Das Eiserne K r e u z erster Klasse erhielt: Leutnant d. R. beim 20. Bayerischen Reserveinfanterieregiment Friedrich Ottenstein, Mitrnhaber der Firma Justin u. Albert Ottenstein. # Bruchsal, 1. Juni. Unsere Gemeinde hat den ältesten Ntilitärunt-erstützungsverein auszuweisen, der im Deutschen Reiche besteht. Unser Verein, die „Mtlizenlasse Bruchsal", wurde im Jahre 1811 zur Unterstützung jüdischer Soldaten gegründet und kann auf mehr als ein Jahrhundert segensreicher Arbeit im Dienste des Judentums und des Vaterlandes zurückblicken. Sie hat unter ihren Mitgliedern und in unserer Gemeinde vaterländische Gesinnung gepflegt und verbreitet. Die Bruchsaler Juden haben sich immer als tüchtige Soldaten bewährt. Als im Jahre 1870 der Deutsch-Französische Krieg ausbrach, waren die beiden Söhne des damaligen Rabbiners Dr. Friedberg die ersten Freiwilligen aus unserer Stadt. Von den 195 wahlberechtigten Bürgern, die Bruchsal im Jubiläumsjahre unserer „Milizenkasse", 1911, zählte, waren über die Hülste gediente Soldaten: eine Tatsache, die besser als manche lange Abhandlung die militärische Verwendbarkeit der Juden erhellt. Es mag noch bemerkt werden, daß die Bruchsaler „Milizenkasse" nicht nur die älteste jüdische Militürunterstützungskasse, sondern Wohl Herälteste deutsche Militärunterstützungsverein in Deutschland ist. Gkstkrrklch-Anls?m. z. Wien, 1. Juni. Die segensreiche Fürsorgetätigkeit des Israelitischen F r a it e n v erei n s VIII zum Schutze amtet* verlassener Kinder hat sich gerade in den schweren Kriegs zetten sehr gut bewährt. Seine neueste Schöpfung gilt jenen Kleinen, deren Eltern nicht in der Lage sind, ihnen ein,Heim zu schaffen, und die deshalb bei Fremden, atl fogenalmt-ell „Kostplätzen", untergebracht werden. Daß nicht immer die seelische unb leibliche Pflege der Kinder bei ihren Kostfrauen in besten Händen ist, ist nur allzu klar. Am 17. v. M. wurde nun in Gegenwart zahlreicher geladener Gäste das nette Heim eingeweibt. Architekt Emil Reitmann hat ihtn in seinem schönen neuen Hause, IH.. Esteplatz 3, prächtige Lokalitäten unentgeltlich zur Verfügung aestellt. die aufs zweckmäßigste adaptiert wurden. In zwei großen Räumen stehen die weißen Bettchen der Kinder, in einem' dritten ebenso hohen und lichten Saal die Eß- und Spieltische. In Nebenraumen sind die Garderoben, das reich ausgestattete Badezimmer, die Wirtschaftsräume und die Zimmer für das geschulte Pflege- und Aufsichtspersonal unter gebracht. Das Heim, das Mädchen im Alter von 6 bis 14 Jahren aufnimmt, gewährt heute schon 40 Kindern llntcrfiruft Tie Kleinen sehen schon in der kurzen Zeit ihres Aufenthaltes froh und gesund aus, trotzdem die meisten von ihnen aus den fürchterlichsten Lebensumstältden gerissen werden mußten. Das Heim des Wiener Frnnenverems wird sicherlich ein wahrer Segen für viele der verlassenen Kleinen werden und mustergültig für andere derartige Schöpfungen, die besonders in unserer Zeit so notwendig sind, wirken. — Am 16. v. M. ist hier Frau Luise v. G o nt P c v z geborene Auspitz im Alter von 85 Jahren aus dein Leben geschieden. Tie verblichene Dame war die Witwe von Max Ritter v. Gomperz, der im wirtschaftlichen und finanziellen Leben von Oesterreich eine hervorragende Nolle gespielt hat. Frau v. Gomperz hat ihrem Gatten in Erfüllung der gesellschaftlichen Aufgaben zur Seite gestanden, welche die Stellung und auch die Neigung diesem vornehm denkenden Ehepaare auferlegt batten. Der Salon 'Gomperz war in den siebziger und achtziger Jahren ein Mittelpunkt der künstterischeu Kreise der Hauptstadt, und es vereinigten sich dort alle Elentente, die iit dem damaligen Wien wissenschaftliche und Politische Bedeutung hatten. Frau v. Gomperz lonr eine Dame von großem Verstände und von ungemeiner Herzensgute. Ihr einziger Sohn ist der Landtagsabgeordnete von Mähren Dr. Philipp Ritter v. Gomperz. Außerdem hinterläßt sie noch drei Töchter, Rosa Earlüt, die Gattin des Gesandtelt der Schweiz in London Dr. Gasten Carlin, und Nellv und Marie v. Gomperz. Das Leichenbegängnis fand am 18. v. M. unter großer Teilnahme der Wiener Gesellschaft statt. — Die P ester Ehewra Kadi sch a hielt am *21. v. M. ihre ordentliche Generalversammlung ab. Der Präsident Hofrat Julius Winter berg befaßte sich in seiner gedankenreichen Eröffnungsrede mit den immer lauter und hoffnungsvoller tönenden Friedensstimmen, die den Anbruch einer neuen, in mancher Hinsicht attch geläuterten Epoche der Menschheitsgeschichte verkünden. Die Rede machte starken Eindruck. Aus dem Sekretariatsbericht geht hervor, daß der Verein im Berichtsjahr 1 857 217 Kronen vereinnahmte und

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