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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-06-08 · Heft 23 (8.6.1917) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 23 (8.6.1917)
Date
1917-06-08
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 1 8G0 265 Kronen, hauptsächlich zu lvohltätigen Zwecken, verausgabte. Ans die Unterstützung der Familien von Annen und Eingerückten entfielen 217 315 Kronen. Tr. Wilhelm Grauer sprach dem Präsidium Tank für sein eifriges Wirken ans. Der Kostenvoranschlag und die Errichtung einer „Franz-Josef-Gedächtnisstiftunc" von 250 000 Kronen wurden gutgeheißen. Sekretär Dr. Simon Heinrich Endrei wurde endgültig bestätigt. Nachdem der Präsident noch auf die erhabene Bestimmung des Judentums in diesen großen-, düsteren Zeiten hingelniesen hatte, wurde. die Generalversammlung nach kurzen Worten des Rabbiners Tr. Simon Hevesi, der dem Präsidenten für dessen schöne Rede Dank sagte, geschlossen. Von MH und fern. Herr M arti n Loose in Berlin-Chartotteuburg, Sybelstraße 06, hat das Berdienstkrenz für Kriegshilfe mit. einem Glückwunschschreiben des Handelsmittisters erhalten. Herr Martin Loose ist jetzt im achtzehnten Jahre Mitglied der Friedhofskoinmissioii und deren 1. stellvertretender Vorsitzender. — Der Oberlehrer am Lessing - Gymnasium zu Berlin, Dr. Alfred Wolfs, der zurzeit als Grenadier im Westen steht, hat das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhalten. Dr. Wolfs, der bereits mehrere Arbeiten veröffentlicht hat, hatte vor Ausbruch des Krieges, im Frühjahr 1914, bei der ersten Ausschreibung der von Moritz Manheimer begründeten „Moses-Mendelssohn-Toleranz-Stiftung" für seine Arbeit „lieber den Toleranzgedanken in der deutschen Literatur zur Zeit Moses Mendelssohns" den ersten Preis erhalten. — Redakteur Georg B e r n hard ist als Dozent an die Handelshochschule in Berlin berufen worden. Er wird vom nächsten Wintersemester an Vorlesungen über Bankwesen. Börsen-, Geld- und Finanzwesen halten. — Aus Posen wird uns geschrieben: Herr Privatier Moritz Rosenb a n in und dessen Gattin Jeanette geb. Tarnowski begingen bei verhältnismäßig auter körperlicher Rüstigkeit das Fest der Goldenen H o ch z e i t. Der Jubelbräutigam, 74 Jahre alt, ist in Samter geboren, siedelte vor 12 Jahren von Schlehen, Kreis Posen, nach hier über und ist vielseitig auf religiösem Gebiete tätig. Das Gotteshaus besucht er regelmäßig früh und am Abend. Frau Rosenbaum, 70 Jahre alt, in Obersitzko gebürtig, bewährt sich als eine Cicheth Chajil bei allen Gelegenheiten. - Der Rentner Nathan Danzig er und Frau in Nikolai begingen in geistiger und körperlicher Rüstigkeit das Fest der Diamantenen Hochzeit. Die Lessing-Loge in Breslau hat beschlossen, auch in der Breslauer Synagoqengemeinde die Anregung zu einer Zentralisierung der Wohltätigkeitsbestrebunaen m geben, wie sie in Berlin bereits zur Ausführung gelangt ist. Bei dieser Gelegenheit will die Lessina-Loge auch für die Berufsberatung, deren Anfänge nicht sehr verheißungsvoll ausschauen, die richtigen Weae weisen. Vor allem aber will sie'den modernen Grundsatz der Vorbeugung zur Geltung bringen: Arbeit statt Almosen. — Aus München wird gemeldet: Dr. Emil lllinonn wurde zum Oberlnndesgerichtsrat in München und Sigmund Rindskovf zum Oberamtsrichter befördert. — Aus dem Felde sendet Rabbiner Dr. Hanover folgenden Aufruf an die Juden in Köln: Es ist ein weiter Weg von den schönen Ufern des Rheins bis zum Ufer des Riemen. Aber größer noch ist der Abstand zwischen dem trotz aller Kriegsnot bebaalicken Leben in der Heimat itnb der Not, die hier in erschreckender Weise in nur zu deutliche Erscheinung tritt. Neben der Sorge für unsere Soldaten gilt-es. unsere Brüder vor Hunger zu bewahren, ihre Gemeinden und Institutionen zu erhalten. Kurz, zu retten, was zu retten ist. Ich bitte mir zu helfen. Geldbeträge können unter der untenstehenden Adresse an mich durch die Feldpost aufaegeben oder durch die Ostbank für Handel und Gewerbe, Filiale in in Kowno. an mich überwiesen werden. Dr. S. H a n o v e r , Etavvenrabbiner der 10. Armee, Deutsche Feldvost Nr. 209. Ans Elberfeld wird uns geschrieben: Eine wuchtige Erziehungsaufgabe hat die hiesige Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes angegriffen, indein sie die Frage der Körperkultur und der vereinfachten Kleidung für die jüdischen Frauen erkannt und betont hat. Sie fordert eine vermehrte körperliche Ausbildung für unsere Frauen und Mädchen unter verständiger Betonung einer gesundbeitsgemüßen Kleidung. Die weibliche Jugend soll im Interesse eines gesunden Nachwuchses von ungesunder, einschnürender Kleidung befreit werden. Die zweite Aufgabe soll mehr ästhetischer Natur sein und den Sinn für die Schönheit einfacher Kleidung wecken, um die Auswüchse der Mode zu bekämpfen. — Die Israelitische Religionsgemeinde in Gießen feierte am 27. Mai, dem ersten Schabuothtage, das 50jährige Bestehen der Synagoge in der Südanlage. Aus diesem Anlaß hat der Gemeindevorstand eine ansehnliche Summe als Stiftungsfonds bereitgestellt, über dessen Verwendung erst nach dem Kriege endgültiger Beschluß gefaßt werden soll. — Aus Prag wird berichtet: Der Feldrabbiner Dr. phil. Arpad Hirsch berger wurde mit dem Goldenen Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapserkeitsmedaille ausgezeichnet. — Der Leiter der k. k. JsraelitischenFeldseelsorge in Wien, Feldrabbiner Dr. Arnold Frankfurter, wurde mit dem Goldenen Verdienstkreuz mit der Kvone am Bande der Tapferkeit ausgezeichnet. — Die Israelitische Gemeinde in Budapest erhielt von Leopold Taub, zurzeit Montreux, 42 000 Kronen mit der Bestimmung, von deren Zinsen je 300 Kronen an arme Kranke für eine Kur in Karlsbad zu geben. — Am 7. und 8. Mai fand in Triest die 2. Konferenz der k. ii. k. Feldrabbiner der Südwestfront statt, an deren Beratungen diesmal auch der Oberrabbiner von Triest teilnahm. Es kamen wichtige, auf die israelitische Militärseelsorge im Felde bezügliche Angelegenheiten zur Beratung. In einem einstimmig zum Beschlüsse erhobenen Anträge wurde der dringende Wunsch nach einer ehestens einzuberufenden Konferenz der Feldrabbiner der gesamten Wehrmacht zum Ausdruck gebracht. — In der Synagoge zu Genua wurden die sämtlichen Silbergeräte der Gesetzrollen gestohlen-. Zwei Gesetzrollen wurden am Boden liegend gefunden. Der Schaden beträgt 6000 Lire. Der Rabbiner hat einen Fasttag angesetzt. — Die israelitische Gemeinde Saloniki hat während der Pessachtage über 2000 Soldaten verpflegt. Den wenigen, die nicht beurlaubt werden konnten, wurden Mazzoth zugeschickt. — In London verschied Baron Leopold v. Rothschild, ein jüngerer Bruder des vor einigen Jahren verstorbenen Barons Nathaniel Mayer v. Rothschild und ein Enkel jenes Nathan Rothschilds, der den englischen Zweig des berühmten Bankhauses gründete. Nathans Söhne, zum Teil in England geboren, verblieben dort. Der älteste, der nach des Vaters Tode Oberhaupt des Londoner Hauses wurde, Lionel Rothschild, war der erste Jude, der im englischen Parlament saß, und Lionels ältester Sohn, der schon erwähnte Nathaniel, war der erste Lord im Hause Rothschild. Solange dieser lebte, stand Leopold im Schatten seines Bruders. Natbaniels Frau, Emma Louise, war eine Tochter Mayer Carl v. Rothschilds in Frankfurt a. M. Leopolds Frau war eine weniger durch Reichtum als vielmehr durch Schönheit bemerkenswerte entfernte Verwandte, Marie Perugia aus Triest. Zu den Gästen bei dieser Hochzeit, die im Jahre 1881 stattfand, gehörte Eduard VII., damals noch Prinz von Wales. Baron Leopold v. Rothschild nabm regen Anteil am jüdischen Leben in London, gehörte neben verschiedenen Vereinigungen dem Gemei.ndevorstand an und stand an der Spitze der Jüdischen Emigrationsgesellschaft. Er hat ein Alter von 72 Jahren erreicht. . Im Alter von 55 Jahren ist in Poltawa der Rabbiner Akiba Rabinowitsch verschieden. Er.war eine Säule der russischen Orthodoxie und bekannt durch seinen Kamps gegen den jüdischen Freisinn und seine scharfe, nicht irnmer sachliche Polemik gegen den Zionismus, die er iu den von ihm herausgegebeneu Hapeles und Hamodia unabläßlich führte. — Unter den 358 000 Juden in Warschau befinden sich viele Tausende Arme: der Hungertod ist durchaus nichts Seltenes, eine zielbewußte ausreichende Hilfsaktion existiert nicht. In der Warschauer Zeitung „Moment" wird die ungeheure Notlage wie folgt geschildert: „Wenn die Füße den Dienst versagen, wenn man verschmachtet ist, wenn es schwindelt vor den Augen und der Verschmachtende den Boden unter den Füßen verliert. . . Nein, das kann, das will ich nicht schildern, das übersteigt meine Kraft. Und was ist mit den Kindern, welche die Not auf die Straße treibt?! Sebt ihre Gesichter und Aeugelein, so werdet ihr alles wissen . . . Wo ist die Gemeinde, wo sind die die Zedohkohkommisstonen, die Bereine, die billigen Küchen?" — Die Abreise des amerikanischen Botschafters in Konstantinopel Abram E l k u s und seiner Gemahlin mit 26 Mitgliedern der amerikanischen Botschaft ist erfolgt. Der Botschafter begab sich am 29. Mai über Wien und die Schweiz nach Berlin, wo er noch einige Zeit vor seiner Rückkehr nach New Pork verweilen wird. Die Abreise war verzögert, weil kurz vor Abbruch der diplomatischen Beziehungen E l k u s von einein schweren Fleckthpus befallen wurde. Verantwortlicher Redakteur.' Albert Kah in Berlin-Pankow. Florastrake 5?. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Mar- Junge. Berlin-Friedenan. Druck und Verlag von Rudolf Mossc.

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