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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-06-08 · Heft 23 (8.6.1917) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 23 (8.6.1917)
Date
1917-06-08
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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81. Jahrgang Nr. 23 Berlin, 8. Juni 1917 Der Gemeindevote. Rrilsgr zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums. Korrklpanden?en und Sachnchrra. DklltschlsnL. Berlin, 5. Juni. Der Verein für jüdische Kranke rl p f l e g e r i n n e n in Berlin hak in den letzten beiden Jahren trotz der schweren Kriegszeit eine stete Fortentwicklung erfahren. Die Zahl der Ntvldungen von Schülerinnen hat sich derart vermehrt, daß in den beiden Jahren 25 Lehrschwestern der staatlichen Prüfung zugesührt werden konnten. Der Verein hat es für seine vornehmste Aufgabe gehalten, seine Schwestern in den D i e n st de s V a t e r l a n d e s zu stellen. Zwanzig von ihnen üben im Osten und Westen, in K-riegs- und Etappen-Lazaretten, in Lazarettzügen sowie im Lazarett des Krankenhauses der Jüdischen Gemeinde ihre Tätigkeit aus. Fast alle sind durch die Rote-Kreuz-Meda ille und durch bundesstaatliche Abzeichen ausgezeichnet worden. Arrch der Dienst im Krankenhaufe der Jüdischen Gemeinde hat sich in den neugeschaffenen Verhältnissen gut entwickelt. Bis ans eine Infektionsabteilung sind alle Abteilungen von Vereinsfchwestern besetzt; zurzeit wird eine der Schwestern als Hebamme für das Krankenhaus ausgebildet. Der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zählt gegenwärtig 98 Schwestern, die an verschiedenen jüdischen Wohlfahrtsinstituten in Berlin und anderen deutschen Städten wirken. Durch den im Januar 1917 erfolgten Heimgang der Oberin Frau Rose Blau hat der Verein einen schweren Verlust erlitten. Rose Blau war nahezu ein Vierteljahrhundert die Leiterin des Schwesternheims, das sie aus kleinen Anfängen bis zu seiner jetzigen Größe leitete. In Frau Julie Gerson-Li ebermann, die am 20. April 1916 verstorben ist, beklagt der Verein seine langjährige Vorsitzende, welche ihre reichen Erfahrungen, die sie in der allgemeinen Wohlfahrtspflege erworben hatte, in den Dienst der Vereinsarbeit stellte. Die von ihr errichtete „L o uis- Gerson-Stiftung", die über ein Kapital von 38 000 Mark verfügt, bekundet ihr -Interesse für das Wohl der Schwestern. Insgesamt verfügt der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen über ein Stiftungs- Vermögen von 177 286. Mark; hierunter befinden sich außer der „Louis- Gerson-Stistung" auch die „Ado lf - Ginsberg - Stiftung" mit einem Kapital von 23 600 Mark und die 63 350 Mark betragende „Frieder i ke - Fr iedl ä n de r - geb.- Loh de -- Sti ftung". Die Beitrage für den Eisernen Fonds erreichten im Jahre 1915 die Höhe von 7400 Mark, 1916 gingen für diesen Zweck 19 000 Mark ein, ferner erhielt der Fonds von Frau Julie G-erson-Liebermann ein Vermächtnis von 140 288 Mark. Heute beträgt der Eiserne Fonds insgesamt 377 300 Mark. Einnahmen und Ausgaben schließen im Jahre 1916 mit 120 770 Mark ab. Bei den Einnahmen entfallen auf Mitaliederbeiträge etwa 11000 Mark, für Pflegehonorare gingen etwa 83 000 Mark ein, 26 412 Mark wurden dem Eisernen Fonds als Ausgabenzuschuß entnommen. Unter den Ausgaben betragen die böckften Bosten 44 370 Mark für Beköstigung und 42 421 Mark für Gehälter. Tie Arbeit des Vereins verdient ungeteilte Anerkennung. E. M. Berlin, 5. Juni. Der Fürsorgeverein für hilflose jüdische Kinder hielt seine diesjährige Generalversammlung im Vereinsbureau in der Rosenstraße ab. Der Vorsitzende, Sanitätsrat Dr. William Levh. eröffnete die Sitzung mit einem Nachrufe für das verstorbene Mitglied des Vereinsvorstandes Rabbiner Dr. Joseph Eschelbacher, der dem Verein seit seiner Gründung als Vorstandsmitglied angehörte und seine Bestrebungen mit liebevollem Eifer förderte, und gab dann den Bericht über die Entwicklung des Vereins im abgelaufenen Geschäftsjahre. Der Verein hat in dem von ihm unterhaltenen Jüdischen Säuglingsheim in Niederschönhausen 64 Kinder unter seinen Schutz genommen. Die Aufnahine der Kinder erfolgte ohne Rücksicht auf die Konfession der Mütter lediglich mit Berücksichtigung der Hilfsbedürftigkeit des Einzelfalles. Im ganzen wurden 11 017 Verpflegungstage geleistet. Die Bewirtschaftung des Heims gestaltete sich infolge der Nahrungsmittelknappheit und der allgemeinen Teuerung sehr schwierig. Beköstigung, Wäsche und Feuerung erforderten höhere Beträge als im Vorfahre, so daß jeder Pflegling pro Kopf und Tag eine Ausgabe von drei Mark verursachte. Das kommende Verwaltungsjahr dürste noch größere Anforderungen stellen, so daß die Vereinsleitung ihm mit großer Sorge entgegensieht. Der Kassenbericht, der sich an diese Ausführungen anschloh, weist an Einnahmen aus Pflegegeldern 13000 Mark aus; an einmaligen Beiträgen waren 17 000 Mark, an jährlichen Mitgliederbeiträgen 7270 Mark eiugegangen. Aus verschiedenen Stiftungen sind dein Verein 2600 Mark zugeflosfeu, aus dem Vorjahre wurde ein Kassenbestand von 9500 Mark ttberuomrnen. Unter den Ausgaben erscheinen 11300 Mark für Beköstigung an erster Stelle, das Personal verursachte eine Ausgabe von 6000 Mark, Heilmittel erforderten 1000 Mark, die Bauschulden 7100 Mark. Durch die in einzelnen Fällen geleistete Außenpflege sind 120 Mark Sonderkosten entstanden. Der hohe Wasserverbrauch von 464 Mark beweist schlagend, wie sauber es in der Anstalt hergehen muß. Ein weniger erfreuliches Bild bietet die UÜbersicht über den Vermögensstand des Vereins, einem Vermögen von 26 500 Mark stehen Schulden hi« doppelter Höhe gegenüber, die durch den notwendigen Bau des eigenen Hauses entstanden sind. Nach Entgegennahme des Geschäftsberichtes erfolgten die Wahlen, bei welchen die Wiederwahl der ausscheidenden Vorstandsmitglieder erfolgte. An Stelle des verstorbenen Rabbiners Dr. Eschelbacher wurde seine Gattin einstimmig in den Vorstand gewählt. E. M* Berlin, 5. Juni. Ein Hilfskomitee für die in D e u t s ch l a n d l e b e n d e n unbemittelten rumänischen Staatsangehörigen ist im November 1916 unter Zustimmung der Behörden in Berlin begründet worden, das unter Leitung des in der hiesigen rumänischen Kolonie sehr bekannten Buchdruckereibesitzers N. M o h r u s , des Generalsekretärs des Hilssvereins der Deutschen Juden, Dr. Bernhard Kahn, und des Herrn Leopold Domnauer sowie eines Ehrenausschusses die Hilssarbeit für die mittellosen Rumänen, von denen bekanntlich die meisten Juden sind, organisierte. Das von den Behörden auf das bereitwilligste geförderte Hilfskomitee arbeitete ohne jede Beihilfe aus öffentlichen Mitteln mit den von begüterten Mitgliedern der rumänischen Kolonie aufgebrachten Beträgen, die vor allem zur Unterstützung derjenigen Familien verwendet wurden, bei denen infolge der Internierung von erwerbenden Angehörigen eine wirtschaftliche Notlage eingetreten ist. Monatliche Kontrollisten, die den Behörden über diele Unterstützungstätigkeit zur Kenntnisnahme eingereicht werden, beweisen die Rührigkeit des Komitees. In zahlreichen Fällen dient das Komitee den internierten Rumänen auch als Auskunfts- und Beratungsstelle. Befreiungsversuche, die für Internierte eingereicht wurden, brachten in vielen Fällen ein günstiges Ergebnis. So gelang z. B., 22 jüdischen Familienvätern zum Pessachfeste einen Urlaub zu verschaffen, der es ihnen ermöglichte, die Osterwoche im Familienkreise zu verbringen. Von diesen 22 Personen sind infolge der Bemühungen des Hilfskomitees später 19 Familienväter dauernd aus dem Gefangenenlager nach Berlin entlassen worden. Als Zeichen der Dankbarkeit haben diese Internierten auf Veranlassung des Herrn Mohrus mehr als eine Million Mark aus die sechste Kriegsanleihe gezeichnet. Für die U-Boot-Spende wurden 1421 Mark aufgebracht. -- Etwa neun Zehntel der Klienten des Hilfskomitees sind arme Juden, die Mitarbeiter des Komitees sind fast durchweg Juden. W. Aus der Provinz Posen. 30. Mai. Posen. Die jüdische Unterkunftsstätte ist im vergangenen Jahre trotz des Fehlens des Zuzugs aus Russisch-Polen in erhöhtem Maße in Anspruch genommen worden. Während im Jahre 1915/16 nur 1730 Nachtlager gewährt worben sind, wurden im abgelaufenen Jahre 1204 Soldaten, 1637 Arbeiter und 132 Frauen beherbergt, und diese haben insgesamt in 3023 Nächten die Räume der Unterkunftsstätte benutzt. Naturgemäß sind durch diese stärkere Inanspruchnahme auch größere Mittel nötig gewesen, und während in früheren Jahren die eingegangenen Spenden dem Reservefonds zugeführt werden konnten, mußten sie nun für die laufenden Ausgaben in Anspruch genommen werden. Jedenfalls hat sich die Heimstätte in diesen schweren Zeiten als außerordentlich segensreich, als eine für unsere Gemeinde dringend notwendige Einrichtung erwiesen. Die Einnahmen im abgelaufenen Berichtsjahre betragen 5180,39 Mark. Nach Abzug der gemachten Ausgaben verblieb am 1. April 1917. ein Kassenvortrag von 854,86 Mark. Die Unterkunftsstätte besteht seit vier Jahren. — R o g a sen. Vor einiger

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