Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-06-08 · Heft 23 (8.6.1917) · p. Seite 270

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 23 (8.6.1917)
Date
1917-06-08
Page
Seite 270 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3229286-3229309--73165-3285631
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

--- 270 —— in. Briefe an MendeIssohn. Aus dem 3. Band des großen Lessingschen Haudschriftenkatalogs, auf dessen 2. Band ich früher hingewiesen und aus dem ich die für die Juden wichtigen Stellen ausgezogen hatte (Jahrg. 1916, Nr. 17), sei hier einzelnes zusammengestellt, was für Moses Mendelssohn Bedeutung hat. (Das über Juden handelnde Material soll in einem serneren Artikel verwertet werden.) Das meiste Diesbezügliche war in dem 2. Band des Katalogs ausgenommen, der der deutschen Literatur gewidmet war; die wichtigen Ergebnisse dieser Zusammen- > stellung habe ich in dein letzten Bande des „Jahrbuchs für jüdische Geschichte und Literatur" verwertet. Daß in dem! 3. Bande gleichfalls recht Bedeutendes vorkommt, erklärt sich ' daraus, daß nach der Anordnung der außerordentlich reichhaltigen Sammlung diesem 3. Bande deutsche Fürsten, schweizerische Gelehrte und Stammbücher zugewiesen sind. Zunächst ist daran zu erinnern, daß die Briese Mendelssohns an den Erbprinzen von Braunschweig und die Antwort des letzteren, alle schon gedruckt, in ihren Urschriften der Lessingschen Sammlung angehören, außerdem ein allerdings nicht sehr bedeutendes Dankschreiben des Herzogs von Braunschweig an den Weltweisen aus dem Jahre 1785 für dieSchrift über das Dasein Gottes. Ferner ist zu erwähnen, daß sich ein ungedruckter Brief des Herzogs Friedrich Franz von Anhalt vom 20. November 1785 über die erwähnte Schrift vorfindet, ein Brief, in dem es heißt: „Ich sehe mit Zufriedenheit, daß die Vernunft einen Mann zum Verteidiger gefunden, den Deutschland schon längst unter seinen ersten Weisen nennt. Vollbringen Sie Ihr angefangenes edles Unternehmen und Sie sind des Sieges über Ihre Widersacher sowie des Beifalls der Welt gewiß." Sodann mag darauf hingewiesen werden, daß vier herrliche bisher unbekannte Schreiben des regierenden Grasen Wilhelm zu Schaumburg- Lippe aus den Jahren 1767, 1774 und 1775 hier zum ersten Male abgedruckt sind. Sie enthalten Dankesäußerungen für Mendelssohns Bildnis, für seinen Phädon, gehen aus das persönliche Verhältnis ein mit Berührung eines längeren Zusammenseins in Pyrmont und atmen eine solche Liebenswürdigkeit, bezeugen eine so große Wertschätzung des Philosophen bei einem regierenden Fürsten, daß ich nur mit tiefstem Bedauern aus einen Wiederabdruck dieser merkwürdigen Schreiben verzichte, denen meine Leser gewiß das größte Interesse entgegenbringen würden. Daran reiht sich ein Brief der Gattin des Fürsten vom 30. August 1774, in dem die Bitte um Mendelssohns Porträt ausgesprochen wird und in dem als Worte des Gatten angeführt werden: „er wäre lange mit der Laterne umhergegangen, einen Weisen zu suchen, hätte ihn aber nirgends gefunden, als an Herrn Mendelssohn, dessen gemachte Be-! kanntschaft ihm unendlich vergnügend bleibt". Von weit größerer Wichtigkeit ist der Briefwechsel Mendelssohns mit dem Herzog Eugen von Württemberg. Er besteht aus drei Stücken: zwei Briefen des Herzogs vom 27. Juni und 7. August»1767 und einer Antwort Mendelssohns vom 17. Juli 1767. Auch hier muß ich mit lebhaftem Bedauern auf den Abdruck der umfänglichen Schriftstücke verzichten — die Briefe sind rein philosophischen Inhalts —, kann mich aber nicht enthalten, eine Stelle aus dem Briefe Mendelssohns mitzuteilen, die so lautet: „Sollte der größte Teil des menschlichen Geschlechts von Gott so verlaßen sein, daß ihm sogar die Mittel nicht vergönnt wären, zur wahren Tugend zu gelangen? Wenn die Religion dieses lehrt, so gebietet sie zugleich ein ehrfurchtsvolles Stillschweigen, aber die meinige lehrt es nicht." Wirkliche Prachtstücke sind sodann zwei große Briefe des schweizerischen Philosophen Isaak Jselin an Mendelssohn vom 25. Juli 1762 und vom 26. September 1766. Auch bei diesen Schriftstücken muß ich mich leider mit einer kurzen Erwähnung begnügen. In einem Briefwechsel Mendelssohns, dessen Ausgabe wir hoffentlich in nicht allzu langer Zeit erhalten, dürfen diese aufschlußreichen Stücke, die im wesentlichen philosophischen Inhalts sind, nicht fehlen. 1 Endlich ist darauf hinzuweisen, daß in zwei Stammbüchern Einträge Mendelssohns sich finden, und zwar in dem Stammbuch des Johann Philipp Müchler, in das Mendelssohn seinen oft wiederholten Spruch eingeschrieben hat: „Bestimmung des Menschen: Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben; das Gute wollen, das Beste tun"; ferner eine Einzeichnung in das Stammbuch des Advokaten Johann L. Grimm aus Regensburg; über den Inhalt dieses Eintrages wird aber nichts gemeldet. Man sieht aus diesen wenigen Ausführungen, wieviel Neues über Mendelssohn aus die - sem dritten Bande des ungenrein wichtigen Katalogs zu gewinnen ist; man ist dem Sammler des reichhaltigen Schatzes! und dem opferwilligen Herausgeber des prächtigen Katalogs zu 1 höchstem Danke für diese Darbietung in schwerer Zeit verpflichtet. Mdikchr jfHiifiiirr in Brr Schweriner tzokkspelle (1773 bis 1312). Von Landesrabbiner Dr. S i l b e r st e i n. ach mehrjährigen fleißigen Archivstudien hat der Schweriner Großherzogliche Kammermusiker Clemens Meyer eine Geschichte der Mecklenburg-Schweriner Hofkapellc von Anfang des 16. Jahrhunderts bis zur Gegenwart im Verlage von Ludwig Davids kürzlich erscheinen lassen. Wir lesen in diesem Werke auch von einigen jüdischen Hofmusikern, die künstlerische Leistungen in Spiel und Komposition äufweisen. Im Anschluß an die biographischen Mitteilungen Meyers hat Moses Mendelssohn. Phot. K Kandomky. Nach dem wiederausgefnndenen Originalgemälde Frischs in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.