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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-06-01 · Heft 22 (1.6.1917) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 22 (1.6.1917)
Date
1917-06-01
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Heims ihrer Gottesverehrung fällt. Die Israeliten hatten sich am Wall einen Platz für ihre Synagoge und Schule gekauft. Die ältesten Familien von ihnen sind die Schragenheims und die Lehmanns. Der Zuwachs an jüdischen Familien war der Bürgerschaft noch bis nach Beendigung der Befreiungskriege kein erfreulicher. Sie beklagte, daß während der Fremdherrschaft ein solcher möglich gewesen wäre (Fünf Familien mit 30 Kindern). Jetzt verträgt man sich ganz hübsch. Noch 1820 hatte die kleine Gemeinde Mühe, einen gehörigen Gottesdienst abzuhalten, sie mußte zur nötigen Zehnzahl stets drei Fremde zuziehen. Bekanntlich entstammte unserer Stadt der 1831 hier geborene gelehrte Rabbiner Dr. Lehmann, später Rabbiner in Mainz. & Bad Kisfingen, 25. Mai. Die hiesige Israelitische Kinder Heilstätte hat im Geschäftsjahr 1916 über 160 kranken Kindern Aufnahme, ärztliche Behandlung und Pflege gewährt. Da das Gebäude der Kinderheilstätte ebenso wie im Vorjahre, der Militärbehörde noch zum Betriebe eines Reservelazaretts zur Verfügung gestellt war, mußten große Mietsräume eingerichtet werden, in denen eine beschränkte Anzahl von Kindern ausgenommen wurde. Bei Eingang der Aufnahmegesuche wurden diejenigen von Kriegerkindern und vor: Kindern aus solchen Familien, die durch den Krieg besonders gelitten haben, bevorzugt. Unter den Pfleglingen befanden sich Kinder aus allen Teilen Deutschlands. Sämtliche Konfessionen waren in der Israelitischen Kinderheilstätte vertreten. Gesundheitszustand und Gewichtszunahme der Pfleglinge waren durchaus befriedigend. Leider sind die Einnahmen des Instituts sowohl aus einmaligen Spenden wie aus den Jahresbeiträgen gegen das Vorjahr wiederum zurückgegangen. Die marmorne Ehrentafel, welche das Gedächtnis der gefallenen Krieger wahren soll, deren Angehörige die Israelitische Kinderheilstätte durch Spendung eines großen Beitrages subventioniert haben, weist bereits vier Namen auf. Durch zwei letztwillige Zuwendungen wurde das Vermögen der Anstalt itm 2300 Mark erhöht. Die Zahl der „Immerwährenden Mitglieder" ist im Berichtsjahre um neunzehn vermehrt worden. In der Kurperiode 1917 wird dem Verein wieder sein eigenes Gebäude zur Verfügung stehen, da die Militärbehörde mit Rücksicht auf die eigentliche Zweckbestimmung der Anstalt die anderweitige Unterbringung des Reservelazaretts angeordnet hat. *** Homburg v. d. Höhe, 26. Mai. Der Israelitische Holzverein (gegründet 1818) und Verein zur A u s sta t t u n g israelitischer Mädchen (gegründet 1886 von Louis Lehmann s. A.) versendet den Rechjenschaftsbiericht für das Jahr 1916. Wir entnehmen demselben folgende Angaben: Die im Auslände lebenden' VereirMnitglieder — fast ausschließlich Kinder unserer Vaterstadt Hamburg — sind gänzlich von uns abgeschnitten! Ihre Beiträge und Spenden, die sie stets in begeisterter Heimatliebe sandten, nicht beförderungsfäih'ig; die Berichte, denen sie alljährlich mit unvermindertem Interesse entgegensahen, ihnen unzugänglich! Während der Mädchen-Ausstattungsverein in seinem Hauptzweck: „Ausstattung armier Bräute" durch den Krieg, behindert, seine finanziellen Kräfte fürspäter bewahren kann, arbeitet -der Holzverein mit „Feuer und Flamme" in üblicher Weise fort. Schwerer .als je ist 1X3.111 dies im letzten Winter geworden, da der herrschende Kohleuman'cpl unsere Schntzbesohlenen gar oft in bittere Verlegenheit setzte, die seitens der Verwaltung aufs peinlichste mitempfunden wurde. Ein großer Teil der im Herbst 1916 angewiesenen Kohlen harrt noch der Lieferung und wird dem nächstjährigen Etat zur Last fallen. - Ein freundlicheres Bild bot der 26. November, an welchem Tage die Erstehung unserer neuen Synagoge zum 50. Mal sich jäihrte. Herr Rabbiner Dr. Winter, dessen Berussp'flicht ihn zurzeit nach Polen geführt, scheute die beschwerliche Reise 'hierher ni>cht, um in schwungvollen Worten das Ereignis zu würdigen.. Eine Meine — den Zeitverhällnissen a-ngepaßte Nachseier f-and abends im „Hotel Kaiserhof" statt, wobei nochmals -alles -aus den Shnagogenbau Bezug Habende in Poesie und Prosa zur Sprache kam. — Der Kassenbericht des Holzvereins schließt in Einnahmen uud Ausgaben mit 2099,61 Mark, der des Vereins zur Ausstattung israelitischer Mädchen mit 7075,68 Mark. Die Spenden betrugen 1005,50 Mark. tzolland. 22 Den Haag, 25. Mai. Eine Konferenz der zentralen zionistischen Körperschaften Rußlands hat den Beschluß gefaßt, in Moskau ein besonderes N a ti 0 n al f 0 n dsb u r e a u für ganz Rußland zu gründen. Das Bureau, das bereits kürzlich eröffnet wurde, befindet sich unter Aussicht von Herrn Dr. T sch l e n 0 w, dein langjährigen -Direktor des Jüdischen Nationalfonds, und untersteht der Leitung einer Kommission, der folgende Mitglieder angehören: C h. A l p e r i n , G. K a n e l, FrauSchoschanah- Persitz, A. P 0 d l i s ch e w s k h und L. Tscherik 0 wer. Das Bureau begann sofort eine energische Arbeit und trat mit den Provinzstüdten in Verbindung, um ihnen in klarer und eindringlicher Weise die großen Aufgaben des Nationalfonds vor Augen zu führen. — Jüngst wandte sich das Bureau an die Vertrauensmänner mit einem telegraphischen Aufruf, zur Eri nner ung an den 11. Nissar 6677 (3. April 1917), den Tag der Veröffentlich u n g des E m a n z i p a t i 0 n s d e k r e t s für die russischen Juden, dieses denkwürdige Datum s 0 w i e die Mitglieder der Provisorischen Negierung mit de m Betrage v 0 n mindestens d re i h u u d e r t t an send Rubel ins Goldene B u ch des I ü d i s ch e u Nationalf 0 u d § eiuzutrage n. „Wir Zionisten sind überzeugt", heißt es in dem Aufruf, „daß jede Aeußerung des Volkswilleus ihren größten Wert und historischen Sinn erhält, wenn sie mit dem ewigen und unveränderlichen Volksideal, mit Palästina, verbunden ist . . . Das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds wurde zu einer Chronik der Freude und des Leidens im Leben unserer Brüder . . . Der künftige Historiker wird beim Blättern in diesem Buch mit Liebe bei diesem Blatt verweilen. das Zeugnis ablegt von der Verbindung der Söhne des zerstreuten Volkes im Momente des kostbaren Gewinnes il)rer Freiheit mit ihrem ewigen Vaterland, Erez Israel. An euch, Gesinnungsgenossen, ebgeht vom Bureau des Jüdischen Nationalfonds die Aufforderung, den Beschluß ehestens durchzuführen. Wir sind sicher, daß ihr dies in einer Form und in einen: Ausmaße tun werdet, die des jetzigen Momentes würdig sind." Grsterreich-Angsr». z. Budapest, 25. Mai. Die israelitische Kultusgem e i n d e bielt vor kurzem ihre Jahresversammlung ab. Der Bericht des Vorstandes widmet zunächst dem verstorbenen König einen pietätvollen Nachruf und gedenkt des Regierungsantrittes des neuen Königs. Tann geht der Bericht auf die materiellen Verhältnisse der Kultusgemeinde über, die durch den Krieg arg in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Mit Freuden gedenkt der Bericht der hochherzigen Stiftung des Herrn Joseph Brodv und seiner Gattin Fanny geb. Weißbura, die zur Errichtung einer Heilanstalt für mittellose Lungenkranke eine halbe Million Kronen gespendet haben. Bis die Verhältnisse die Errichtung dieses Instituts gestatten werden, wird die Gemeinde in einem Teile ihres Spitals eine den den Namen der Stifter führende provisorische Ordinationsanstalt für Lungenkranke einrichten. Tie Gemeinde selbst wird für das zu errichtende Institut jährlich 5000 Kronen in ihr Budget aufnehmen. Eingehend gedenkt der Bericht aller jener, die für die kulturellen und philanthropischen Zwecke der Gemeinde Stiftungen und Spenden gemacht haben. Die Gemeinde hat im vorigen Jahr mehrere hervorragende Mitglieder durch den Tod verloren, denen ein pietätvoller Nachruf gewidmet wird. Zwei hervorragende Funktionäre der Gemeinde haben im Vorjahre in aller Stille jubiliert: Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn fungiert seit 50 Jahren, Oberkantor Adolf Lazarus seit 25 Jahren bei der Gemeinde. Mit Rücksicht auf dir Kriegszeit wurde von größeren Jubiläumsseierlichkeiten abgesehen. Der Bericht befaßt sich sodann eingehend mit den einzelnen Verwaltnngszweigen: dein Unterrichtswesen, den- Wohltätigkeitsanstalten, der Kassengebahrung, den Spitälern, den Waisenhäusern und den sonstigen kulturellen Institutionen der Gemeinde. Das Defizit der Kriegsjahre beträgt insgesamt 990 891 Kronen 23 Heller; dieses Defizit soll im Wege der Proportionellen Erhöhung der Knltussteuer gedeckt worden. Trotz der finanziellen Schwierigkeiten hat die Gemeinde 1 112 000 Kronen auf die Kriegsanleihen gezeichnet. Im Spital wurden im vorigen Jahre 3584 bettlägerige Kranke, darunter 1505 Soldaten, im Sigmund- und Adele-Brody-Kinderspital 1758 bettlägerige Kinder gepflegt; die Zahl der ambulanten Kranken betrug im ersten Spital 28 132, im letzteren 20 238.

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