Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Von MH und jfern. — Frau Direktor Dr. Minden hatte vor einiger Zeit 10 000 Mark als Grundstock für eine Bücherei akademischer Blinder gespendet. Jetzt hat Frau Dr. Minden zum weiteren Ausbau dieser Bücherei erneut 12 000 Mark aus dem Erlös eines der Berliner Goldankaufsstelle überwiesenen Gegenstandes gestiftet. — Der Magistrat zu Charlottenburg hat das von dem verstorbenen Fabrikbesitzer Salo Kassierer der Stadt testamentarisch ausgesetzte Vermächtnis von 50 000 Mark, das zur Unterstützung verschämter Armer dienen soll, angenommen. -- Hilfsdirigent der jüdischen Gemeinde, Wilhelm Z w i l l e n b e r g , zurzeit im Heeresdienste, erhielt das Verdienstkreuz für Kriegshilfe. — Professor Max L i e b e r m a n n vollendet am 20. Juli das siebzigste Lebensjahr. Die Akademie der Künste, der der Künstler seit zwei Jahrzehnten als Mitglied angehört, hat beschlossen, aus diesem Anlas; zu Ehren Liebermanns eine Ausstellung seines Lebenswerkes in den Räumen am Pariser Platz zu veranstalten. Die Ausstellung wird in der zweiten Hälfte des Monats Juli eröffnet werden und etwa vier Wochen dauern. — Dem Bankier Herrn 5 i e g b e r t Seckelsohn in Berlin ist vom König von Bayern das König-Lndwig-Kreuz verliehen worden. - Kammersänger I a d - l o w k e r, der im Hofthenter von Koburg den Lohengrin sang, erhielt das Ritterkreuz erster Klasse. Im Alter von 42 Jahren ist hier der frühere berühmte Kantor der Warschauer Hauptgemeinde, Ednmnd S e r v a t o r , gestorben. Er war in seinem Fache ein Meister und begeisterte alle Beter durch sein klangvolles Organ, durch seinen U'underbaren Bvrtrag des Hebräischen und durch seinen frommen, edlen Lebenswandel. In den letzten Jahren wirkte er als Opernsänger in Europa und Amerika. — Der Berliner F ü r s o r g e v e r e i n für hilflose jüdische Kinder hat in seinem Säuglingsheim 04 Kinder im Jahre 1016 in seinen Schutz genommen; davon waren 21 ehelich, 42 unehelich geboren. Die Aufnahme erfolgte bei 60 Kindern im Alter von noch nicht drei Monaten, 16 Kinder waren drei bis sechs Monate, 21 Kinder sechs bis zwölf Monate alt; bei 6 Kindern fanden die stillenden Mütter zugleich Unterkunft. — Die Hirsch Kupfer- und M es si n g w erke zu Eb er sw alde haben auf dem neu erworbenen Gelände unweit der Stadt einen Hindenburg-Turnr errichtet. Der Generalfeldmarschall hat die Ehrung angenommen und an die Firma folgendes Telegramm gerichtet: „Möge der stolze „Hindenburg-Turm" den kommenden Geschlechtern ein Wahrzeichen sein, das ihnen stets vor Augen hält, was Mut und Kraft ihrer Väter in schweren Kümpfen gegen eine Uebermacht von Feinden leisteten." — Aus Zerko w wird uns geschrieben: Im Alter von 75 Jahren verschied hier Herr Ephraim S ch u l z Derselbe war Vorsitzender der Reprüsentantenversarnmlimg der Synagogengemeinde. Durch seinen biederen Charakter und seine aufopfernde Tätigkeit für das Wohl der Gemeinde hat er sich die Achtung und Liebe aller erworben. An der Beerdigungsseier beteiligten sich auch viele Leidtragenden aus der Umgegend. - - Tie Repräsentanten der Synagogengemeinde zu Breslau ehrten in ihrer letzten Sitzung das Ableben Simon Scheyes in üblicher Weise durch Erheben von den Plätzen. Neu eingetreten ist in die Versammlung an seiner Stelle Herr Albert M i ch a el i s. Vorbehaltlich der landesherrlichen Genehmigung erklärte sich die Versammlung mit der Annahme der Dr. Siegfried Hamburgerschen Stiftung von 20 000 Mark zur Vergebung von Beihilfen an Studierende der Medizin oder Arztwitwen für einverstanden. — Die Hamburger Jugendkompagnie des Bar Kochba war kürzlich auf einer Sonntagswanderung in der Nähe von Ahrensburg, als dort ei;; erheblicher Moorbrand zum Ausbruch Unn, welcher eine noch größere Ausdehnung anzunehinen und sehr erheblichen wirtschaftlichen Schaden zu verursachen drohte. Durch das schnelle, energische Eingreifen der jüdischen Jugendkompagnie wurde diese Gefahr beseitigt. Sie hat jetzt dafür ein Dankschreiben des stellvertretenden Generalkommandos erhalten. — Frau Tr. Johanna Cohn in Wandsbek bei Hamburg, die Tochter Ludwig P h i l i p p s v n s und Witwe des Potsdamer Rabbiners Tr. Tobias Cohn, begeht am 1. Juni ihren 80. Geburtstag. Wir entbieten der verehrten, hochgebildeten Dame, die geistig rege und frisch und noch als Schriftstellerin tätig ist, unsere herzlichsten Glückwünsche. — Dem Geheimen Finanzrat R o t h s ch i l d in Hannover wurde vom Herzog von Sachsen-Koburg-Gotha das Ritterkreuz erster Klasse mit den Jahreszahlen 1914/17 des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens und vom Herzog von Anhalt die Komturinsignien zweiter Klaffe des Herzoglich Anhaltinischen. Hau-sordens A lb recht des Bären ver liehen. — Die israelitische Privatklinik zu München (Herman n-Schm i dt-Straße) verpflegte in ihrem letzten Berichtsjahre 427 Kranke an 5276 Tagen. Das israelitische Schwesternheim, dein 15 Schwestern angehören, leistete in seinem letzten Berichts jahre 58 Pflegen an 2900 Tagen. — Die israelitische Kultusgemeinde zu Agram hat vor einigen Tagen in ihrer unter Vorsitz des Präsidenten Herrn Dr. Robert S i e b e n s ch e i n abgehaltenen Sitzung beschlossen, eine Stiftung zur Erhaltung und Unterstützung von Kriegswaisen ins Leben zu rufen. Auf Intervention des Bann« Baron S k e r l e c z hat Se. Majestät gestattet, daß die Stiftung nach dem Allerhöchsten Namen des Königs benannt werden dürfe. E-> ist das in. Kroatien der erste Falt, daß einer Korporation buie Auszeichnung zuteil wurde. Der König-Karl-Skiftnng für Krieg? Waisen, deren Agenden den ganzen Bereich des Landes 'umfassen, widmete die Agramer israelitische Knltusgemeinde ein Grundkapital von 50 000 Kronen, das binnen wenigen Tagen die Summe von 1O0 000 Kronen überstieg. In allerkürzester Zeit wird mit dem Bau des Waisenheimes begonnen werden. — Auf der Londoner Konferenz der englischen Sozialisten wurde die Verleumdungshetze gegen die Londoner East-End-Juden behandelt, die inan beschuldigte, die Geschälte der Engländer wegzunehmen. Tie Beschuldigung wurde als unwahr nachgewiesen. Die Hetze habe den Zweck, die Aufmerksamkeit der Kriegsgegner aus die Juden abzulenken. Der Londoner Delegierte A ler a n d e x meinte, daß der einzige Weg zur Lösung der Judenfrage die Schaffung von Entwicklungsmöglichkeiten für die Juden in Palästina wäre. Es wurde eine Resolution der Jüdischen sozialdemokratischen Partei angenommen, dahingehend, ben Kampf für die Freiheit der unterdrückten Völker als Hauptpflicht der internationalen und sozialistischen Politik auszuerlegen und gegen die Deportation oder die erzwungene Dienstpflicht der Russen in England zu protestierend — Der „Rußki Invalid", ein bisher halbamtliches Blatt, teilt mit, das; bi) zum 1. Januar 8681 jüdische Soldaten in Rußland mit dein Georgi krenz allsgezeichnet worden sind, darunter 665 erster Klasse,. 982 zweiter Klasse. 1206 dritter Klasse und 5768 vierter Klasse. Medaillen haben bekommen bis 1. Januar: 11374 Juden erster Klasse, 14100 zweiter Klasse. 26 636 Juden wurden zu Gefreiten, Unteroffizieren. Feldwebeln usw. befördert. Gemäß der Verordnung des Chefs der Militärverwaltung in Kurland wurden für Kurland die „Korvbka" und Schulsteuer, die die jüdische Bevölkerung bisher zu zahlen hatte, abgeschafft. An Stelle der „Korobka"-Steuer wird jetzt eine allgemeine Gemeindesteuer zur Befriediaung der Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung einaeführt. -- Das „Lodzer Tageblatt" berichtet, daß es Herrn Dr. Brande, der zu diesem Zweck in Berlin war, gelungen ist, statt der bisherigen nronatlichen Unterstützung von 20 000 Mark und den Geldern des Berliner 'Hilfsvereins jeßt eine solche von 40 000 Mark zu erwirken. — Die „American Jewisli Chronicle" berichtet über die traurige Lage der Juden im Osten New Porks. Es herrscht das größte Elend, da die Lebensmittel vreise ungeheuer gestiegen sind, die Löhne jedoch nicht. Fortwährend kommt es zu Hungeraufruhr. Die Verbitterung der Arbeiter ist groß, vor allen Dingen, da man überzeugt ist, daß die Lebensmittelpreissteigerung auf die Machenschaften des Großhandels zurück znführcn ist. Tausende von jüdischen Kleinhändlern sind brotlos geworden, da man den Lebensmittelgroßhandel boykottiert und hierdurch auch die Kleinhändler getroffen werden. Gewisse sozialistische Gruppen haben beschlossen, so lange nicht mehr ihre Kinder in die Schule zu schicken, bis die Behörden eine Herabsetzung der Lebeusmiktelpreise herbeigeführt haben. Von den Parteien der Rechten wird der Verdacht verbreitet, daß die Hungeranfruhrszenen und die sozialistisch gefärbten jüdischen Massen miteinander in Zusammenhang ständen und daß geheime Agenten der Zentralmächte das Ganze in Szene setzten. So unbegründet dieser Verdachi auch ist, meint die „American Jewish Chronicle", so kann er doch den Anlaß zu Verfolgungen und allerhand Schwierigkeiten für den jüdischen Auswanderer in ganz Amerika bilden. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge. Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.