Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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81. Jahrgang Nr. 22 Der GemeindeLote. Berlin, I. Juni f9!7 Veiliige zur „Allgemeinen Leitung deK IudenrumK". Sorrelponlien?en und Sachrichien. Seutschlsnd. -L2 Berlin, 29. Mai. Der Verbund der jüdischen I u g e n d v e r e i n e D e u tschlands hielt am 17. d. M. in Berlin eine aus allen Teilen des Reiches stark besuchte Vorstandssitzung ab, an der auch zahlreiche Vertreter anderer jüdischer Organisationen teilnahmen. Im Mi-ttelpunkt der Beratungen stand der Antrag der Verbandslei>tuug, e i n e V e r st ä n d i g u n g s g e nt e t ns ch a f t s ä m 1 i ch e r j ü d i s ch e r I u g e n d o r g a n i s.a t i o n c n D e u t f ch l a n d s herbeizuführen. Dieser Antrag wurde einstimmig »Nit großer Begeisterung angenommen. Alle Jugendorganisationen jedweder Richtung sollen gebeten werden, von Zeit zu Zeit Vertreter zu einer Konferenz zu entsenden, die den Zweck hat, die Leiter und Mitglieder der verschiedenen Verbände einander näherzubringcu. Bei voller Würdigung der Selbständigkeit der Organisationen und bei peinlicher Respektierung der abweick>enden Anschauungen sollen Verständignngsnröglichkeiten gesucht werden, die nach Wunsch des Jugendverbandes allmählich, zu einem gemeinsamen Arbeitsprogramm, zur Vermeidung unnötiger Konkurrenzkämpse undzur Läuterung des jüdischen Parteikampfes in Deutschland führen sollen. Die Not wendig k e i t e i n e s g e schl o s se neu Auftretens des deutschen Judentums wurde auf der Tagung betont. Die Kongreßbewegungen der Juden aller Länder wurden einer eingehenden Würdigung unterzogen. In einer scharfen Resolution nahm der Verband Stellung zu den bekannten antisenritischeu Vorkommnissen in Deutschland, die er um so schmerzlicher empfindet, als fast sämtliche männliche Mitglieder unter den Fahnen istiehen, und ein erheblicher Bruchteil der Verbandsangehörigen den Tod aus dem Schlachtfelde erlitten hat. Das Vorgehen des Verbandsvorsitzenden, der an anderer Stelle eine gemeinsame Aktion der deutschen Juden angeregt hat, wurde einstimmig gebilligt und zur Verbandssache erklärt. Eine Berichterstattung hierüber soll später erfolgen. Die Geschäftsführer stelle des Verbandes soll neu besetzt werden, da Fräulein Dr. Cora Berliner infolge anderweitiger Inanspruchnahme nicht mehr in der Lage.ist, den Posten hauptamtlich auszufüllen. Das starke Anwachsen des Verbandes und die erhöhte Bedeutung der jüdischen Jugendpflege bedingen die Anstellung einer Kraft, die sich ganz dem Verbände widmet. Die Stelle soll öffentlich ausgeschrieben werden. Vertieftes jüdisches Wissen,, Rednergabe und organisatorisches Geschick werden zur Voraussetzung der Anstellung gemacht. Bewerber möchten sich unter Beifügung, ihres Lebenslaufes -und unter Angabe von Referenzen an die Geschäftsstelle des Verbandes wenden. Zu Beginn der Tagung, die sich im übrigen noch mit der Frage der Einberufung, eines Delegiertentages und einer Satzungsänderung befaßte, fand eine Gedächtnisfeier für die gefallenen Verbandsmitglieder und zu Ehren Siegfried Brünns statt, dessen Todestag sich jährte. Berlin, 29. Mai. Der Frauenverein der Berliner Logen, U. O. B. B. (Vorsitzende Frau Minna Schwarz, Charlottenburg, Schlüterstraße 53), hat beschlossen, seinem Mütter- und Kinderheim, Brunnenstraße 41, eine M ü t te r b e r a tu n g s ste l l e (für Mütter und Kinder) vom 15. Juni d. I. ab anzugliedern. Die Sprechstunde wird einstweilen zweimal wöchentlich, und zwar Sonntag und Mittwoch von 10 bis 11 Uhr vormittags unter Leitung eines Arztes stattfinden. Man geht dabei von dem Gesichtspunkte' aus, daß den jüdischen Müttern Gelegenheit gegeben werden soll, sich an einer Stelle Rat und Hilfe zu holen, die xmt ihren besonderen Lebensbedingungen vertraut ist. Einstweilen muß man sich darauf beschränken, nur in geringen: Maße die Säuglingsnahrung unentgeltlich an Bedürftige abzugeben. Es ist aber immerhin von nicht zu unterschätzendem Wert, wenn man in der Lage ist, gegen Selbstkostenpreis den Müttern geeignete, fertig zubereitete Säuglingsnahrung in Flaschen abzugeben, so daß eine Verunreinigung der Nahrung unmöglich gemacht wird. Es ist zu erwarten, daß dieses erweiterte Tätigkeitsfeld des Frauenvereins, das der bestehenden Institution angegliedert wird, ein Schritt aufwärts für die Arbeitsgebiete desselben bedeutet und ihm ancl> weitere Gönner als Förderer für sein Hilfswerk gewinnen wird. Damit wäre die Möglichkeit gegeben, durch unentgeltliche Abgabe an Säuglingsnahrung und Medikamenten seinen bedürftigen Glaubensschwestern die nötige Unterstützung gewähren zu könne«. — Am 1. Oktober 1917 richtet der Frauenverein regelmäßige Kurse der Säuglings- und Wochenpflege ein. Diese beabsichtigen, jüdischen Mädchen Gelegenheit zu gebe::, sich als Säuglings- und Wochenpslegerinnen auszubilden. Die Kurse werden theoretischen und Praktischen Unterricht umfassen und durch eine Prüfung ihren Abschluß finden. Ein entsprechendes Zeugnis über erfolgreiche Prüfung steht den ausgebildeten Pflegerinnen zu. Jeder Kursus wird sechs Monate dauern und zweimal jährlich beginnen, und zwar am 1. Oktober und 1. April des Jahres. Die näheren Bedingungen sind durch die Vorsitzende des Fraueuvereins zu. erfahren. E. M. Berlin, 29. Mai. Das R e i ch e n h e i tu s ch e Wais e n - Häms zählte im letzten Betriebsjahre der Anstalt 70 Insassen, darunter 40 Knaben iinb 30 Mädchen. Die im Laufe des Jahres entlassenen 14 Zöglinge (7 Knaben und 7 Mädchen) wurden durch die Neuaufnahme von 14 anderen Kindern ersetzt, so daß die Zahl der Insassen unverändert blieb. Die Zöglinge werden je nach ihrer Veranlagung für die verschiedenen Berufe ausgebildet. 7 Knaben besuchen die Realschule, 10 die Knabenschule der Jüdischen Gemeinde und 22 die Gemeindeschule; 5 der Mädchen erhalten Unterricht in einem Lyzeum, 10 in der jüdischen Mädchenschule, 13 in der Gemeindeschule. Nach dem Berichte des Anstaltsarztes war der Gesundheitszustand befriedigend und hat die durch den Krieg veränderte Ernährung auch noch im zweiten Kriegsjahre günstig auf die Kinder eingewirkt. Die Wohltat eines Erholungsurlaubs konnte 11 Knaben und 24 Mädchem verschafft werden. Von den entlassenen Zöglingen wählten 9 einen kaufmännischen Beruf, ein Knabe wurde Gärtner, ein Mädchen Wüschezu schneid eri n, ein anderes Dienstmädchen, zwei Kinder kehrten zu ihrer Mutter zurück. An der Erziehung der Kinder arbeiten außer dem Direktor der Anstalt noch zwei Erzieher und zwei Erzieherinnen. Für das leibliche Wohl der Kinder und für den Hausstand sorgen eine Wirtschafterin, fünf Dienstleute, ein Flickschneider, eine Weißnäherin und eine Näherin. Tie Einnahmen, der Anstalt bestanden aus dem Zuschuß der Gemeinde in Höhe von 37 169 Mark, einem Zllschuß des Magistrats von 5642 Mark und 32 268 Mark Zinsen aus den: Anstaltsvermögen. Die Erhaltung des Waisenhauses erforderte 68 546 Mark, so daß ein Minderverbrauch von 6534 Mark an die Hauptkasse der Jüdischen Gemeinde zurückgezahlt werden konnte. Die Anstaltsverwaltung hat sparsam und vorteilhaft gewirtschaftet. Der Wirtschaftsbetrieb erforderte insgesamt 20 850 Mark, der Etat wurde also nur um etwa 7 Prozent überschritten. Dieses Resultat konnte nur durch äußerste Sparsamkeit «unter Ausnutzung vorhandener Vorräte erzielt werden. Die Kosten für jeden Zögling betragen pro Kopf und Jahr nur 284,43 Mark, also pro Kopf und Tag noch nicht 80 Pfennige, ein Kunststück, das manche kinderreiche Mutter gerne nachahmen möchte. Berlin, 29. Mai. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Gefreiter Jacob Elias; Einjähriger Gefreiter Bruno Wolfs, Enkel des Lehrers a. T. Herrn Hermann Wolfs in Posen: Feldunterarzt Georg Callmann: Unteroffizier Willy Löwenstein; .Unteroffizier Erwin Weißrock: Bataillonsarzt Dr. Berthold Lindemeyer; Gefreiter Jsmar Perl; Sanitätsunteroffizier Lehrer Georg Löwinsohn: Stud. med. Vizefeldwebel M. K n t t n e r: Kriegsfreiwilliger Max B a u m a n n; Landsturmmann Alfred B a e r; Telephonist Walter Osterweil, Landsturmmann Max L e z i n s k i; Unteroffizier Edgar I a c o b y (Groß-Berlin). Die gleiche Auszeichnung erhielten: Musketier Kurt Jacoby (Danzig); Obergefreiter Julius Roher (Guttentag in Oberschlesien): Unteroffizier Ludwig Ru sch in (Ragasen); Vizewachtmeister N o t h nt (t n lt, erster Vorsteher der Synagogengemeinde Krotoschin; Unteroffizier James Hirschfeld, Bruno Bosch, Unteroffizier Ernst K i r st e i n, Alfred S a u l m a n n (Swinemünde); Georg Zeidler, Sohn des Buchdrucke reibe sitzers Herrn Max Zeidler (Leipzig); Kriegsfreiwilliger Gefreiter Leopold Steinthal (Straßburg i. E.); Kriegsfreiwilliger Gefreiter Mar Schlesinger (Beuthen); Sanitätssoldat Krankenträger Bernhard