Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- Seite 264 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Litrrsrilchr Mitttilungen. BcreschitRabba mit kritischem Apparat und Kommentar von I. Tl^odor. Lieferung IX, erste Hälfte. Berlin 1916. (Selbstverlag des Verfassers, Rabbiner in Bojanowo.) Tie vorliegende Lieferung umfaßt den Text von Kap. 60 Ans. bis 63 Ans. zu 1. Mos. 24,15 bis 25,20 und weist wiederum alle wiederholt hervorgehobenen Vorzüge dieser kritischen Ausgabe auf. Man braucht nur die ersten Zeilen der neuen Ausgabe mit den verbreiteten zu vergleichen. Ta heißt es z. B. -»1K1 KVI» DITDK ib’Btt womit ein Tadel gegen Abraham ausgesprochen sein soll, weil er 24,7 seine Hoffnug auf einen Engel setzt. Tie Handschriften haben schon allerlei Varianten, bleiben aber immer noch dem alten Sinn treu, bis einige fälschlich schreien, woraus dann in den Druden icnnr wurde, was einen ganz anderen, sernliegenden Sinn gibt. Zum nächsten Verse sind hinter ,Tffi mwn die Worte miDÖ «nnr. die eine Handschrift in cjcänbcrt hat, in den Ausgabe;; ganz allsgefallen. Alan vergleiche auch die hier folgende Erzählung von den vier Leuten, die eine unziemliche Bitte vorgetragen haben, bei Theodor und in den Ausgaben. Von den zahlreichen Abweichungen genügt es, die eine am Ende anznführen, wo ein Sprichwort zitiert wird J'IEK woraus die Ausgaben (vgl. die große Ed. Wilna) eine Baraita gemacht haben xrP *13 1-Kap. 61 am Anfang wird zur Einl. von 25,1 Psalm 1 ausgelegt, aber"gleich das erste Stück cmEK HT tP’Kil ntP« fehlt in Den Ausgaben. Dieselbe Erfahrung macht man, wo man auch immer vergleicht. Wer den Midrasch lesen will und nicht einen Phantasietext, kann ohne Theodors Ausgabe nicht a u s k o m m e n. Leider wirkt auch hier der Krieg hinderlich. Die letzte Lieferung enthält nur 40 Seiten, da dem Herausgeber das 311 Kap. 64 noch fehlende handschriftliche Material aus dem Auslande nicht zugänglich war. Wir wollen im Interesse der Wissenschaft wünschen, daß diese bedeutsame Edition nicht lange 311 stocken brauche. I- E. Lebensbücher der I ugend. Herausgegeben von Dr. Friedrich Düsel. Bd. 31. Barsüßele von Berthold Auerbach. Verlag von George Westermann, Braunschweig. In einer neuen bildergeschmückten Ausgabe, nur um ein Geringes in den lehrhaften Betrachtungen gekürzt, tritt mitten im Weltkriege Berthold Auerbachs Schwarzwälder Dorfgeschichte vom Barsüßele vor unsere erwachsene Jugend hin, noch heute die klassische Dorfgeschichte wie vor sechzig Jahren. Die Zeit, die seit ihrem Erscheinen dahingerauscht ist, hat ihr diesen Ruhm nicht rauben können. Was den unvergänglichen Zauber dieses frischen Buches erhalten hat, ist die innige Liebe zur Natur, die demütige Lebensfreudigkeit, der gläubige Frohsinn, die Gesundheit und Tüchtigkeit, die aus jedem Kapitel zu uns sprechen. Die Lieblichkeit einer dörflichen Idylle, der es jedoch nicht an bewegter spannender Handlung fehlt, vereinigt sich hier mit einer erzieherischen Wirkung, der das Herz stets höher steht als der Verstand, der Charakter höher als Ansehen und Bildung. Immer aber wird Barsüßele ein Lieblingsbnch unserer Jugend werden, wie es dies einst der Eltern und Großeltern gewesen ist. Je weniger wir uns der Tatsache verschließen können, daß wir wahrlich keinen Ueberfluß an guten und gediegenen Jugendschriften jüdischen Inhalts besitzen, desto mehr wünschen wir: die Wiederbelebung der liebenswürdigsten Schöpfung des deutschen Juden Berthold Auerbach, die wir mit hoher Freude begrüßen, möchte in den deutschen Familien jüdischen Glaubens die wohlverdiente Verbreitung finden und die Festgabentische unserer Jugend schmücken. Breslau. Regina Neitzer. Lprechlaal. Wir werden um Ausnahme nachstehender Mitteilung gebeten: Wie den Lesern dieses Blattes sicherlich bekannt ist, besteht seit Ausbruch des Krieges ein Ausschuß für K r i e g s st a t i st i k, dem alle großen jüdischen Organisationen sowie der Verein zur Abwehr des Antisemitismus angehören, und der es sich zur Aufgabe gestellt hat, in einer umfassenden Weise alle jüdischen Feldzugsteilnehmer in Deutschland zu ermitteln. In Groß-Berlin wurde die Feststellung durch eine Zählung von Haus zu Hans getroffen. Es liegt in der Natur einer solchen auf freiwilliger Mitarbeit beruhertden Ermittlung, daß das Ergebnis vorderhand noch nicht auf Vollständigkeit Anspruch machen kann, und der Ausschuß für K r i e g s st a t i st i k ist daher bemüht, durch eine Reihe vvn ergänzenden Maßnahmen die vorhandenen Lücken auszufüllen. Er richtet an die Leser dieses Blattes die dringende Bitte, an ihn Angaben über jüdische Kriegsteilnehmer in Groß-Berlin direkt gelangen zu lassen. Eine Doppelzählung wird dadurch vermieden, daß im Bureau des Ausschusses für Kriegsstatistik eine Kartothek geführt wird, in welcher jeder einzelne Kriegsteilnehmer verzeichnet ist. Formulare zur Ausfüllung stehen auf Wunsch zur Verfügung. Ausschuß für K-r i e g s st a t i st i k. Berlin W 35, Steglitzer Straße 9. Die Chasfidifche Fuchtel. Der „G e r r e r R e b b e", bekanntlich ein junger Mann, der sich weniger durch Wissen als durch geschäftsmäßige Heiligkeit auszeichnet, ein geriebener Mystiker, benutzt jetzt die Freiheit des Wortes in Polen, um ein von ihm inspiriertes, durch und durch chassidisch gefärbtes, minderwertiges Presseorgan: „Das jüdische Wort" zu empfehlen und alle anderen Zeitungen zu boykottieren. Die unwissende, leicht suggestive Masse läßt sich natürlich durch den „Nimbus" leicht verleiten, wodurch dann der „Mystik" Tür und Tor geöffnet wird; denn der Chassidismus ist ein K r e b s f ch a d e n, eine Art „P a p i s m u s" im Judentum, welchen die größten Geister, wie E l j a h Wilna usw., von jeher verdammten. Es sollte daher das jüdische Publikum in Polen darüber aufgeklärt werden, tun vor der „Mache" der Verdummung bewahrt zu werden. Dr. R a t n e r (Wiesbaden). Lrytr Machrichtm. Zur Lage der Juden in Palästina. Ein hoher deutscher Offizier, der in diesen Tagen in Jerusalem gewesen ist, hat unter dem 25. Mai über die Lage der Inden in Palästina folgendes Telegramm hierher gerichtet: Tjemalt Pascha teilt mir folgendes mit: Tie Räumung Jaffas mußte angeordnet werden, nur für den Fall eines Bombardements der Stadt durch englische Schiffe das Leben der Bevölkerung zu sichern. Das; man auch jetzt noch mit englischen Unternehmungen gegen diese Gegend rechnen muß, beweist die Tatsache, daß vor wenigen Tagen 50 Einwohner vor; Hamle durch Bombenabwurf von englischen Flugzeugen getötet oder verwundet wurden. Alle diejenigen, die Jaffa verlassen mußten, sind schon in anderen Plätzen Palästinas mltergekommen. Es sind alle Maßnahmen getroffen, um die Güter, Gürten und Bewässerungsanlagen der Leute zu schützen, so daß sie, sobald eine Rückkehr möglich erscheint, ihr Hab und Gut wiederfinden werden. Es trifft also absolut nicht zu, daß in Jaffa irgend etwas zerstört worden ist. Nach Telegrammen der feindlichen Agenturen sollen die Kurden in Palästina furchtbare Massakers verübt haben. Wie aber jeder Kenner des Landes weiß, gibt es in Palästina, wie überhaupt in Südsyrien, keine Kurden. Bon den ebenfalls durch die feindlichen Agenturen gemeldeten Judenmassakers an . anderen Orten, insbesondere Jerusalem, Nazareth, Kapernaum, ist keine Rede. Djemal Pascha hat erklärt, daß er den deutschen, den spanischen und den österreichischen Konsul anssordern werde, alle Orte, die sie wünschten, zu besuchen, um sich selbst von dem Stand der Dinge zu überzeugen. Er wird ferner den Großrabbiner von Jerusalem und andere jüdische Notabeln int Lande auffordern, öffentlich zu berichten, wie es sich tatsächlich mit den von der Entente ausgestreuten Lügen verhält. Endlich will Djemal Pascha drn Vertreter der deutschen Judenschaft einladen, um sie an Ort und Stelle von der tatsächlichen Lage zu überzeugen. Djemal Pascha hat bereits seit Jahresfrist zur Ernährung der armen jüdischen Bevölkerung beträchtliche Summen aus Staatsmitteln zur Verfügung gestellt. Er ist der Meinung, daß die ganzen Verdächtigungen lmd Lügen von der Entente verbreitet worden sind, um die Aufmerksamkeit von den zweimaligen Mißerfolgen der Engländer bei Gaza abzulenken und Stimmung gegen uns zu machen. Dauernd in Palästina anwesende deutsche Offiziere, der deutsche Konsul und andere Deutsche bestätigen diese Angaben. Sie bemerken hierzu, daß die Evakuierten naturgemäß unter den großen in Syrien herrschenden Verpflegungsschwierigkeiten zu leiden hatten, daß aber die ganze Maßnahme mit der größtmöglichsten Rücksicht durchgeführt worden sei. Er, der Berichterstatter selbst, habe auf einer Reise durch das Land eine Reihe von jüdischen und christlichen Ansiedelungen passiert und nirgends Zerstörungen wahrgenommen. (W. T. B.)