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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-06-01 · Heft 22 (1.6.1917) · p. Seite 261

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 22 (1.6.1917)
Date
1917-06-01
Page
Seite 261 (sequence 9)
Language
German
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Etappe solche auf Ansuchen von den militärischen Behörden eingerichtet wurden. Sie sorgt für Gebetbücher, Zeitungen und sonstige Lektüre und läßt dieselben den einzelnen, Feldrabbinern zukommen. Auch ist sie für den Inhalt eines jeden Buches verantwortlich. Die Leitung verfügt auch über Liebesgaben und eine ziemlich schöne Leihbibliothek. Hebräische, jüdische, deutsche, Polnische und französische Bücher kann ein jeder Soldat nach Ausstellen einer Leihbestätigung, Die der Betreffende unterschreibt, bekommen. Bon den Spitälern laufen monatlich Konsignationen der kranken jüdischen Soldaten ein. Diese dienen als Behelf zum Besuche der Kranken in den Spitälern, die entweder vom Leiter oder von anderen Feldrabbinern besorgt werden. Bei Todesfällen schicken die Feldrabviner der Leitung Sterbebogen ein. Diese Fälle werden in ein Sterberegisterbuch eingetragen, während die Bogen an das Kriegsniinisterium geleitet werden. Die Leitung muß auch über alle Verschiebungen und Aenverungen der Truppen der Armee informiert sein,, um demgemäß die Feldrabbiner einzuteilen. (Die ungarischen Regimenter bekommen einen ungarischen Rabbiner, die galizischen einen Rabbiner aus Galizien zugeteilt.) Die Tätigkeit des Korpsreferenten besteht in der Dienstleistung bei den Korps unmittelbarer Truppen und den Divisionen, die keinen Feldrabbiner haben. Sein Dienst sowohl wie auch der Dienst des Divisionsfeldrabbincrs besteht darin: Gottesdienste abzuhalten, Kranke aufzusuchen, den persönlichen Verkehr mit den Soldaten zu pflegen, Begräbnisse möglichst selbst dnrchzusühren und Sterbebogen der Leitung einzusenden und monatliche Berichte über die Tätigkeit zuzustellen. Die Leitung weiß sich auch bei Bedarf für die jüdischen Soldaten einzusetzen. Einmal sagte ein Korpskommandant dem Leiter: „Die Juden sollen eigentlich, was Patriotismus anbetrifft, als Muster gelten!" Der Feldrabbiner antwortete ihm: „Solange die jüdischen Soldaten Haß und Verachtung gegen ihren Glauben von den Vorgesetzten ernten, können sie ihren Patriotismus nicht zum Ausdruck bringen." Daraufhin erließ der Korpskommandant unter anderem folgenden Befehl an die Offiziere und Osfiziersaspiranten: „Ich will, daß der letzte Infanterist, gleichviel ob Katholik, ob Jude, ob Deutscher, ob Ruthene, von seinem Führer als Mensch geschätzt und dementsprechend mit Herz und Liebe behandelt wird. Stereotype Beschimpfungen für einzelne Sekten und Völker, wie sie sich aus der in jeder Beziehung weit hinter uns liegenden Frredenszeit bei einzelnen noch erhalten haben mochten, sind auszumerzen. l. Tr. Deutsch. 2. Dr. Marge!. 3. A. D. Deutsch. 4. S. Hirsch. 5. M. Schwarz. 6. B. Diamant. 7. Tr. Nagelberg. 8. Dr. Hausner. 9. Dr. Schweiger. 10. Dr. Tauber iLeiter). 11. Dr. Frank. 12. Dr. Chajes. 13. Dr. Kelemen Adolf kgest. 13. Februar 1917). Wie soll beispielsweise ein Jude, der im Schützengraben längst die volle Gleichberechtigung nachgewiesen hat, wie dies überhaupt notwendig gewesen wäre, mit Hingabe und Opserfreude arbeiten, wenn er für alle Beweise von Treue und guten Willen nur immer den Vorwurf der Andersgläubigkeit erleiden muß?" Für solche Worte wissen die jüdischen Soldaten ihrem Kommandanten Dank, schätzen und ehren ihn. Von Zeit zu Zeit unternimmt der Leiter Inspizierungen der Feldrabbiner im Bereiche der Armee und erstattet einen Bericht dem Armeekommando. Um die im Kriege gemachten Erfahrungen auf dem Gebiete der Seelsorge in mündlicher Aussprache auszutauschen und um den kollegialen Geist der Feldrabbiner zu fördern, hat die Leitung es unternommen, Konferenzen von Zeit zu Zeit einzuberufen. Die Pessachaktion gab den Anlaß zur ersten Konferenz, die in Triest im Sitzungssaals der Kultusgemeinde am 7. und 8. Februar d. I. stattgefunden hat- Als Gast war in der Konferenz der Oberrabbiner aus Triest Professor Dr. Ehajes anwesend. Der Leiter, Feldrabbiner Dr. Tauber, eröffnete die Konferenz. Er begrüßte die erschienenen Feldrabbiner und den obengenannten Gast und konstatierte, es sei die erste Konferenz der Feldrabbiner in Oesterreich- Ungarn, die zur Besprechung aktueller Fragen der israelitischen Militärseelsorge im Felde zusammengetreten ist, und drückte den Wunsch aus, von dieser Konferenz möge die Anregung zu einer Konferenz der Feldrabbiner der gesamten österreichisch - ungarischen ' Heeresmacht zur Festlegung der allgemeinen Richtlinien und der Organisation der israelitischen Militärseelsorge auszehen. Dann widmete man sich hauptsächlich der Osterfrage. An der Diskussion nahmen teil: der Leiter, Dr. Deutsch, Dr. Hausner, Dr. Marge!, Dr. Nagelberg, Feldrabbiner Dr. Schwarz, Dr. Schweiger und Oberrabbiner Professor Dr. Chajes. Es wurde folgende Resolution gefaßt: a) Die Leitung der israelitischen Militärseelsorge wird aufgefordert, bei der Intendanz des AK. zu erwirken, daß den jüdischen Soldaten nach Tunlichkeit die Osterbrote zum Teil wenigstens beigestellt werden; b) eine Flugschrift über die Zulässigkeit gewisser Gemüsearten zu Ostern im Kriege an die Soldaten zu redigieren; e) die Feldrabbiner haben wegen der rituellen Verköstigung eine Zählung der jüdischen Soldaten vorzunehmen und der Leirung zu melden. Bei den allgemeinen Diskussionen wurde gesprochen über die Abhaltung der Gottesdienste seitens der Feldrabbiner, über

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