Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- Seite 258 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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258 SSP«,Ä' Mitglied der Association fran^aise d’urologie, korrespondierendes Mitglied der Gesellschaft für Chirurgie zu Bukarest, Ehrenmitglied der American Urological Association, Vizepräsident des 1. Kongresses der Association Internationale d’urologie in Paris, Präsident des 3. Kongresses der Association Internationale d’urologie in Berlin, Präsident der Association internationale d’urologie. Israel, der eine ganz ungeheure Praxis in Berlin ausübt, hat vielfache Berufungen nach auswärts erhalten zu mannigfachen gekrönten Häuptern. Von diesen mag nur eine der letzten im Juli 1915 zum türkischen Sultan erwähnt werden, nach deren wohlgelungenem Ausgang er den Großkordon des Osmanie - Ordens empfing. Professor Israel, der außer diesen Ehrungen seiner Fachgenossen und der zuletzt erwähnten ganz besonders hohen Auszeichnung eines ausländischen Fürsten vielen ähnlichen Schmuck aufzuweisen hat, verheiratete sich 1880. Aus dieser Ehe sind vier Kinder entsprossen. Die beiden Söhne haben den Beruf des Vaters ergriffen. Der hochgefeierte Mann, der in wenigen Monaten seinen 70. Geburtstag begeht, ist eine leuchtende Zierde der Wissenschaft, eine hohe Ehre für unsere Gemeinschaft. Ohne in der Verwaltung unserer Gemeinde eine Rolle zu spielen, hat er es, soweit seine außerordentlich anstrengende Tätigkeit ihm dies gestattete, nicht unterlassen, in allgemeinen jüdischen Angelegenheiten seinen Rat zu erteilen. Die Treue, die er in so hervorragender Weise in seinem Berufe übte, hat er stets auch der Glaubensgemeinschaft bewahrt, aus der er entstammte. Wir rufen ihm beim Scheiden aus seinem Amte, das glücklicherweise kein Verlassen seines Berufes bedeutet, ein herzliches Glückauf zu. Möge es dem trefflichen Manne, der von der Last der Jahre durchaus nicht gedrückt ist, beschieden sein, noch lange zu wirken zum Heile der Menschheit und zur Ehre unserer Gemeinschaft, die mit Verehrung und Stolz auf ihn als den Ihrigen blickt. L. G. * Zur Ergänzung der vorstehenden Notizen mögen folgende Bemerkungen dienen, die einem Artikel des „Gemeindeblattes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin" Mai 1917 entnommen sind:' Den Forscher und den Helfer Israel zeichnet die gleiche Eigenart aus. So wie er mit eisernem Ernst und unbestechlicher Wahrheitsliebe, mit tiefster Gründlichkeit und nimmer ruhendem Eifer es für erforderlich hält, jegliches Gebiet seiner Wissenschaft zu beherrschen, sich nicht auf Einzelfeldern zu bewogen, sondern stets in verständnisreicher Verbindung mit allen Fächern medizinischer Erkenntnis zu bleiben, so vertraut er auch bei der Behandlung des siechen Körpers nicht ausschließlich seiner unübertrefflichen Technik chirurgischen Könnens, sondern bemüht sich, mit musterhafter Gewissenhaftigkeit, mit vorbildlicher Pflichttreue, auf allen Wegen der Heilkunde jedem seiner Schutzbefohlenen das Beste zu gewähren, was die moderne Kunst der Therapie zu bieten vermag. Tausende seiner Landsleute, zahlreiche Ausländer strömten in das Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde, um bei ihm Genesung zu suchen, und fanden sie unter seinen geschickten, von der Begeisterung und allen medizinischen Errungenschaften geleiteten Händen. Arm und reich, Arbeiter und Fürsten sahen in ihm den Erretter aus jeglicher Leibesnot und wurden nicht enttäuscht. Ohne Ansehen der Person widmete er sich jedem, der seiner bedurfte, mit dem gleichen Interesse für die Krankheit, mit derselben Liebe für den Menschen In den alten und in mannigfacher Beziehung unzulänglichen Räumen des Krankenhauses in der Auguststraße erzielte er Erfolge, welche diejenigen übertrasen, die in den neuesten Palästen der Krankenpflege zustande kamen. Und als der so lang gehegte Wunsch, auch der Jüdischen Gemeinde eine der Höhe ihrer Wohlfahrtsbestrebungen für die Gesundung ihrer leidenden Mtglieder entsprechende «stätte zu bes reiten, endlich in Erfüllung ging, hat seine sachverständige s Beratung nicht wenig dazu beigetragen, daß ein den Anfordec rungen der modernen Heilkunde vollauf entsprechendes Haus - entstand. 1 Nun will James Israel am Abend seines arbeitsreiche» t Lebens die übergroße Last der Hospitaltätigkeit nicht mehr t tragen — nicht um wohlverdiente Ruhe zu genießen, sondern £ um Muße zu gewinnen, die Erfahrungen, die er gesammelt t hat, zu sichern und sie den kommenden Generationen zu k überliefern. jüdische Kkligionspropaganda im sltrn Lulgsrirn. Von Matthias Mieses. Unsere Gegner schmähen das Judentum eine engherzige Partikulärreligion, deren Wahrheiten bloß für die geborenen Mitglieder der Gemeinschaft Geltung haben wollen. Dem ist nicht so. Das Ideal des Judentums war immer, Weltreligion zu werden. Dies kündeten sowohl die Propheten wie die pharisäischen Gesetzeslehrer. Auch das rabbinische Judentum lehrte: „Als Gott am Sinai sich offenbarte, erschien er nicht den Israeliten allein. Gott bot die Thora allen Völkern und Sprachgemeinschaften an" „die Bibel wurde nicht in Palästina gegeben, denn sonst würden die Völker der Welt sagen, wir haben keinen Anteil an derselben. Die Bibel wurde frei öffentlich in der Wüste gegeben; wer sie annehmen will, der soll sie annehmen" *). Mochten auch in schweren Zeiten, wo der Proselytenzuwachs sich nicht immer bewährt hat. :C t l i y S i t > r z I > Aussprüche fallen gelassen haben, zu einer prinzipiellen, theoretischen Verneinung aller, religiösen Expansion des Judentum? kam es nie. Eine Debatte, wie sie vor kurzem, bei den letzten Mohikanern der arischen Bekenner der Lichtreligion Irans, bei den Parsen Bombays,' stattgefunden hat und die öffentliche Meinung dort tief erregte, ob überhaupt ein Proselyt in ihren Religionsverband ausgenommen werden darf, eine Debatte, die dazu mit einer negativen Entscheidung ihren Abschluß nahm, war im Judentum auch des finstersten Ghettos undenkbar. Die jüdische Religionspropaganda bildet in der Geschichte der Verbreitung religiöser Ideen einen nicht geringen Abschnitt. Der jüdische Proselytismus vom Zeitalter der Makkabäersiege bis Titus war eine großzügige Kulturerscheinung, die dann die Tochtereligionen Israels in ihrem welterobernden Hochmut bloß nachzuahmen hatten. Ein nicht minder großartiges Bild bietet die Expansion des Mosaismus in der ersten Hälfte des Mittelalters. 211* nach der Niederlage der antiiken Kultur an der milbischen Brücke den Juden in den römisch-griechischen Randländern des Mittelmeerbeckens das Leben immer saurer gemacht wurde, zogen sich ihrer viele jenseits der Oekumene in die vom Christentum noch unberührten Barbarenländer zurück, und da sie sich hier frei und ungehindert fühlten, suchten sie ihrem Religionstriebe Folge zu leisten und machten für den jüdische» Glauben Propaganda. Die jüdische Werbetätigkeit war auch diesmal von Erfolg gekrönt. Die jüdische Barbarenmission der ersten Jahrhunderte des Mittelalters hat eine ganze Reihe von Massenbekehrungen zu verzeichnen. In Südarabien, in Aeinen schloß sich im 6. Jahrhundert das mächtige himyaritische Volk der Tobba dem Judentum an. In Ostafrika, in Abessinien, war die Zahl der Bekehrten so groß, daß es in> 9. Jahrhundert den dortigen Bekennern des Mosaismus gelingen konnte, die bisherige christliche Dynastie Abessiniens zu b l r « r 9 t S f o I t f d k r 9 A 3 o d 8 i t n L t* *) Aboda Sara 2b. 2) Mchiltha 19, 20.